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Ausgabe:

1899 Nr. 12

Spalte:

364-366

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wellhausen, Julius

Titel/Untertitel:

Skizzen und Vorarbeiten. Sechstes Heft 1899

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 12.

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Polemik für die davon Betroffenen nicht gerade überall angenehm ift. auf S. I9I das neugriechifche ÖEiq für vflEtq (aus OV ge-

Den Vorwurf des Mifsverftändnifses kann ich meinerfeits allerdings dem ' bildet) bereits auf einem Papyrus nachweifen zu können,

wo oslq iur vfiaq liehe (neugr. ö«c!). Diefen Papyrus
theilt er in der Anmerkung vollftändig mit, und man
fieht foforf, dafs die verftümmelten Schriftrefle auf das
allerwillkürlichfte und unwahrfcheinlichfte in diefe Deutung
hineingezwungen find. Mit demfelben Unrecht wird die-
felbe Urkunde S. 188 für die Behauptung verwerthet,

Vf. nicht machen, aufser etwa in der Auffaffung von Kleinigkeiten, fo zu
Num. 18, 2.4 S. 291; aber er erwähnt Andere verhältnifsmäfsig feiten,
wo er, was doch auch der Fall ift, mit ihnen übereinftimmt, oder wo es
fich um ihre Gefammtauffaffung handelt, wohl aber reichlich hei mehr
oder minder untergeordneten Punkten, wo über Vermuthungen nicht hinauszukommen
ift. Die Epitheta, die der Vf. folchen Vermuthungen
Anderer beilegt, find zuweilen nicht eben liebenswürdig, z. B. mit Bezug
auf Wellhaufen und den Unterzeichneten S. 293, 296 f., und es fieht nach

diefem Verfahren fo aus, als handelte es fich bei den Anderen um nicht j dafs man einmal ÖEVXEQOV, XQLXOV Statt o7c, XQiq gefagt

viel mehr als um eine Summe nicht begründeter oder nicht überein- j habe. Dies foll nun aber auch Paulus gethan haben

ftimmender Behauptungen. Eine wirkliche Auseinanderfetzung mit An- < (S. 189): XOLXOV XOVXO ioVOUCCl 2. Cor. n,l! Dergleichen

deren im einzelnen wird nur feiten gegeben, fo mit Wellhaufen in dem fi„j~f r.-u __„ l;„„,No-' ,,„j ,i„_ r>______1__Tu.,_!,«>=

Auri. •.. u j- t n- j. « jt«»7 i tindet licn, wo man ningreilt, und der Benutzer des Bucnes

Abfchmtte über die Levitenftadte (S. 423 ff.). - ,. '„ . ... 7. , „ , r

Aber freilich, das Buch als Ganzes ift ftillfchweigend eine Aus- mu,s dle Controle üben, die des Vf. S Sache gewefen

einanderfetzung mit den anderen Anfchauungen. Jedenfalls ift von ihm j Wäre. Auch die Kenntnifs des Altgriechifchen und feiner

zu fagen, dafs es zum erden Mal eine folche Anseinanderfetzung zu Dialekte ift nicht gründlich. S. 22X: I. Perf. hat ein

Gunften eines hohen Alters des altteflamenllichen Ceremonialgefetzes — naragO g i fCheS V angenommen'. Hin analogifches

denn darauf zielt doch Alles dann ab — giebt, welche den Nachweis .. -___l_ui: „ - u • n. ' . t> r • r -r 1 _u

diefes Alters erbringen will mit Aufbietung des gefammten kriechen Ware richtiger; übrigens ift l]V I. Perf. im Dor.fchen uralt,

Apparates modemer wiffenfchaftiicher Behandiungsweife. und in demfelben Dialekte war nv auch 3. Plural, was

Marburg i. H. Wolf Baudiffin.

der Verf. (S. 224) nicht weifs, da er die Form aus einer
jüngeren dorifchen Infchrift als etwas befonderes citirt.
S. 226 zeigt fich, dafs er ionifches sifiiv ftatt iöfitv nicht
kennt; denn er citirt es, wieder als Befonderheit, aus
den Sibyllinen. Doch gehen wir lieber noch auf einiges
ein, was das N. Teft. direct betrifft.

S. 149 erörtert der Vf., wie der im Neugriechifchen
ausgegangene Dativ fchon früher im Schwinden begriffen
gewefen und durch Gen. oder Acc. oder durch eiq mit
Acc. erfetzt fei. Das N. T. ift dabei betheiligt, indem
auch dort der Dat. der Zeit öfters durch den Acc. verdrängt
erfcheine. Dahin rechnet er aber ganz mit Un-

ieterich, Karl, Untersuchungen zur Geschichte der griechischen
Sprache von der helleniftifchen Zeit bis zum
10. Jahrh. n. Chr. Mit einer Karte. (Byzantinifches
Archiv. Als Ergänzung der Byzantinifchen Zeitfchrift
in zwanglofen Heften herausgegeben von Karl Krum-
bachcr. 1. Heft.) Leipzig, B. G. Teubner, 1898. (XXIV,
326 S. gr. 8.) M. 10.—

Die vorliegende, umfängliche und fleifsige Schrift i recht Joh. 4,52 Sgav kßdo/iijv, indem bei v'jqo. der Acc.

berührt fich mit den Studien, die die Sprache des N.
Teft. behandeln; aber mehr als Berührung liegt nicht vor,
und wir werden demgemäfs mit unterer Erörterung in
diefem Blatte nicht überallhin dem Vf. folgen können.

von Alters her fprachgemäfs ift, f. m. Gramm. S. 93-
,Ebenfo', fagt er dann, ,bei Angabe des Mafses, N. T«
z. B. 1 Joh. (fo!) 4,52; Apoc. 3,3'. Erlteres Citat ift das
gleiche wie fo eben; an letzterer Stelle fleht jiolav SqccV

Die frage, welche er fich geftellt hat, ift die (S. XV): wie kann das unter eine neue Rubrik gebracht und in
wie und woher hat fich das Neugriechifche entwickelt? ' diefer mit ölq xov (irjva, lycov ßafroq Omd-afiaq övo zu-
Zu ihrer Beantwortung findet er das ausgiebigfte und fammengeworfen werden? Beiläufig, heifst ,zweimal rao-
zuverläffigfte Material in den Papyri und Infchriften, natlich' etwa ölq xä> fir/vll Oder dürfte man e%(ov ßältoq
während ihm die literarifch überlieferten Denkmäler erft | am&a/iaTq övGi fagen? — S. 184 (Neuerungen der Sprache
in zweiter Linie flehen. Ferner ift es Laut- und Formen- | bei den Adverbien der Zeit) ,äjii> jiQmi ftatt mqojIH:>'
lehre, was er behandelt, und bekanntlich liegen die N. T.' Aber dies> jiqcoLOev giebt es kaum; alt war uoth v
Schwierigkeiten, die uns die Sprache des N. Teft. bietet, oder fg Ito. ,Ajtoipi ftatt ajt oxpi' (fo!). ^Ajto x<>n-
zum allergröfsten Theile vielmehr auf fyntaktifchem und ftatf ixxoxe'. Das eine ift fpät und das andre ift fpät.
auf lexicalifchem Gebiete. Endlich betrifft der letzte ,Ajzo jtaiöioOev Mal. 35'. Hier füllte N. T. citirt fein
Theil, von S. 269 ab, zu dem auch die Karte gehört, 1 ftatt das fpäten Joh. Malalas (Mc. 9,21). Nicht erwähnt
unter der Bezeichnung eines Excurfes die neugriechifche wird das im N. T. allgemeine xavxoxe ftatt dti — S. 32; f
xotvi) und die heutigen kleinafiatifchen Mundarten. handelt der Vf. über ivi = tveaxi, dann = haxl (Paulus),

Wenn nun fchon hiernach der Werth des Buches für im Neugr. daraus elvat = eöxi und slai ,Dics evi dringt
die neuteft. Sprachforfchung nicht bedeutend ift, fo wird j früh, wenn auch nur vereinzelt, in den Plural ein, wie

er weiter befchränkt durch die geringe Zuverläffigkeit
der vom Vf. beigebrachten Belege. Ich fehe davon hier
ganz ab, dafs er für die von ihm angeftrebte Erklärung
der Erfcheinungen vielfach mit einem weitaus zu geringen
Materiale arbeitet. Es möchte überhaupt nichts geben,

folgende Infchrift vom Jahre 420/17 (fo!) v. C. bezeugt'-
Wo die Infchrift fleht, kann der Kundige errathen, nämlich
bei den attifchen, f. Meifterhans, Gramm, d. att. Infchr.
159-T. Anm., der die Befonderheit hervorhebt; die Infchrift
ift übrigens von 320/17. Was nun ,in den Plural

wofür fleh nicht aus der ungeheuren Menge von Infchriften | eindringt', hat dafelbft eigentlich nichts zu thun; diefe Be
und aus der ebenfo grofsen der Papyri ein paar Belege ! fchränkung aber von tvi, welches doch Präpofition ift, wird
auftreiben liefsen. Man bedenke doch, was für Schreiber S- 226 für ,zufällig' erklärt. Und doch ift die Plrklärung
befonders bei letzteren oftmals thätig gewefen find: f° einfach: bei «>z ift Ellipfe von toxi, welches überhaupt
Aegypter, denen das Griechifche eine halbfremde Sprache ' Sern ausgelaffen wird, und nur deshalb nicht oft von eloli
war die es gemäfs den eignen Sprachgewohnheiten aus- weil dies auch fonft nicht gern ausgelaffen wird. pas

fprachen und umwandelten, z. B. Media und Tenuis ver-
wechfelten, ebenfo die verfchiedenen E- und O-Laute,
die ferner fich in die Flexionen und deren Congruenz
nicht zu finden wufsten, u. f. w. Alfo erft wenn eine
beftimmte Erfcheinung fehr häufig auftritt, und nicht nur

Buch bedürfte, um wirklich nützlich zu werden, einer eindringenden
Durcharbeitung.

Halle. F. Blafs.

Wellhausen, J., Skizzen und Vorarbeiten. Sechftes Heft
in Aegypten, wo die einheimifche Sprache einwirkte, ,. ^ D • 0 /wrTT c- o, n/i ^ —

fondern auch in anderen Gebieten, wird man fie für die Berl,n' G" Re,mer' l899- (VIH, 260 S. gr. 8.) M- 8. .
Entwickelung des Griechifchen verwerthen dürfen. Wenn Den Hauptbeflandtheil diefes Bandes bilden .Pro'e'

aber noch dazu diefe wenigen Belege nicht einmal ge- ; gomena zur älteften Gefchichte des Islam' (S. 1 —1°°>'
fichtet und geprüft und in Bezug auf ihre Tragweite auf welche hier nicht näher eingegangen werden kan°-
richtig beurtheilt find: was kann dann herauskommen? ; Direct theologifches Intereffe hat dagegen die zvveit
Um nur ein paar Beifpiele herauszugreifen: Der Verf. meint ! Abtheilung, welche unter dem Titel ,Verfchiedenes' f° '