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Ausgabe:

1899 Nr. 12

Spalte:

359-363

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoonacker, A. van

Titel/Untertitel:

Le Sacerdoce Lévitique dans la loi et dans l‘histoire des Hébreux 1899

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 12.

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Hoonacker, Prof. A. van, Le Sacerdoce Levitique dans la Und wo unmittelbar darauf in dem zweiten Theile der-
loi et dans l'histoire des Hebreux. Louvain, J.-B. Istas, 1 >elben Section von den vorexilifchen Schriften gehandelt
i8qq (X döt, S er 8) werden Poll, gefchieht dies durchgehend mit einem Seiten-

99- x > 4 5 • g blick auf die Angaben der Chronik über die vorexilifchen

Die umfangreiche Darfteilung van Hoonacker's giebt, Verhältnifse. Wir werden in jenem erften Theile belehrt,

dafs die Angaben der Chronik über die Verhältnifse des
vorexilifchen Priefterthums nicht etwa eine Widerfpiege-
lung feien der nachexilifchen Verhältnifse und dafs die
Schilderungen der Chronik als Ergänzung in die Angaben
der vorexilifchen Schriften vortrefflich hineinpaffen; wir
erfahren in dem zweiten Theile, dafs die Angaben der
vorexilifchen Schriften unvollftändig feien und der Ergänzung
aus der Chronik bedürften. In derfelben Art

wie der Titel richtig andeutet, nicht eine fortlaufende
Gefchichte des altteftamentlichen Priefterthums, fondern
eine Unterfuchung über die Stelle, die den im altteftamentlichen
Gefetz niedergelegten Ordnungen des Priefterthums
in der Gefchichte der Hebräer anzuweifen ift. Die
Unterfuchung wird, was diefer Plan des Werkes nicht
nothwendig mit fich bringt, nicht in der Weife geführt,
dafs die Auslagen der einzelnen altteftamentlichen Bücher

oder Quellenfchriften gefondert für fich behandelt und | des Verfahrens geht es weiter durch die übrigen Ab-

dann die Summen der Ausfagen der verfchiedenen fchnitte. Als Refultat diefer Vergleichungen ergiebt fielt

Schriften mit einander verglichen würden, fondern der dem Vf., dafs die Chronik aus alten Quellen, die ihr

Vf. fucht von vornherein die divergirenden altteftament- direct oder indirect vorgelegen hätten, die Priefterver-

lichen Darfiellungen der Einzelheiten in den Verhält- ; hältnifse der vorexilifchen Zeit im wefentlichen richtig,

nifsen des Priefterthums zu einander in eine Beziehung j genauer als die uns vorliegenden vorexilifchen Schriften

zu fetzen. Diefes Verfahren ift von Bedeutung. Es ift I gezeichnet habe, dafs alfo, wie es in der Chronik wenig-

die Frage, ob es dem Vf. gelungen wäre, fein Refultat i ftens theilweife vorausgefetzt wird, die Anordnungen des

als wahrfcheinlich oder überhaupt möglich darzuftellen, ! Prieftercodex an die Spitze der israelitifchen Gefchichte

wenn er die Gefammtbilder in den verfchiedenen Schichten j zu ftellen feien. Das Deuteronomium hebe nur einzelne

des Gefetzes und den anderen Schriften des A. T. in Seiten der Priefterordnungen hervor, nicht ohne fie zu

abgefchloffener und getrennter Darftellung der einzelnen j modificiren, und fei nach der Meinung des Gefetzgebers

Gefammtbilder einander confrontirt hätte. Aber der Vf. 1 aus dem Prieftercodex zu ergänzen. Ebenfo liege es bei

hat natürlich das Recht, feinen Gegenftand in der Folge : dem Gefetz Ezechiels, das an fich nicht vollftändig fei

und Ordnung zu behandeln, wie er fein Ergebnifs fand
und wie er glaubt, eben diefes auch Anderen überzeugend
mittheilen zu können. Diefes Verfahren ift für den über
den Gegenftand Orientirten fogar fehr intereffant. Wer

und fein wolle, fondern einzelne Punkte der Anordnungen
des Prieftercodex den Zeitverhältnifsen des Propheten
in einem von ihm wefentlich theoretifch gemeinten
Zukunftsbild anpaffe.

aber nicht fchon vorher orientirt ift, kann es durch die I Der Weg zu diefem Ergebnifs dauert lang, da er in
von dem Vf. gewählte Darftellungsart unmöglich werden, [ vielen Wendungen und rückläufigen Linien oft wieder zu
wird auch kaum in die Lage verfetzt, diefe Darftellung fchon berührten Punkten zurückkehrt. Dem fachkundigen

zu beurtheilen; ihm bleibt nur die Wahl, entweder der
Anfchauung des Vf. unbedingt zu folgen oder deffen
ganze Leiftung auf einem anderen felbftändigen Wege

Lefer wird die Geduld zur Zurücklegung diefes Weges
erleichtert durch die Bewunderung, die ihm das Verfahren
des Vf. nach zwei Seiten hin abnöthigt. Mit umfaffen-

für fich nachzuarbeiten. Das letztere wird in der dann ; dem Ueberblicke hat der Vf. nichts Erhebliches und kaum
nicht unberechtigten Abficht des Vf. gelegen haben. Zu- j etwas Unerhebliches unberückfichtigt gelaffen und mit
nachft aber hat er offenbar für die Wiffenden gefchrieben, unerfchütterter Sicherheit, die nirgends der Rechtfertigung
da er die Grundzüge der von ihm bekämpften Anfchau- | entbehrt, fügt er ein Glied ins andere. Allerdings ift die
ungen von vornherein als bekannt vorausfetzt. [ Rechtfertigung oft fehr anfechtbar.

Indeffen könnte mit einem Hinweis auf die Haupt- ; Ich habe genugfam angedeutet, dafs es fich für die
gruppen des Inhaltes nach den Ueberfchriften mein Re- ; Darfteilung des Vf. in erfter Linie handelt um die Auf-
ferat etwa als unzutreffend bezeichnet werden; denn an- faffung des gefchichtlichen Werthes der Angaben der
fcheinend anders als eben angegeben wurde, handelt ! Chronik. Für feine Beurtheilung macht der Vf. auf einen
eine erfte Section vom .Klerus im Prieftercodex' (und 1 Punkt aufmerkfam, der in den bisherigen Darftellungen
vom .Kultusort'), die zweite, die umfangreichfte des der Gefchichte des altteftamentlichen Priefterthums ganz
ganzen Buches (S. 21—220), von ,Prieftern und Leviten' i oder doch faft ganz überfehen worden ift, auf die Ge-
und zwar ihr erfter Theil von .Prieftern und Leviten im ; fchichte des jüdifchen Klerus in der nachaltteftament-
Buclie der Chronik', der zweite von ,Prieftern und Leviten liehen Zeit. Sie ift für fich allein wiederholt in eingehenin
den vorexilifchen Schriften', der dritte von .Prieftern j der und vortrefflicher Weife behandelt worden von J°-
und Leviten im Buch Ezechiel'. In diefer erften Hälfte < Lightfoot an bis auf die jüngfte Darftellung von dem
des Buches fcheint alfo allerdings eine Darltellung, die Herausgeber diefer Zeitung. An einer eigentlich ent"
nach den verfchiedenen Quellen gegliedert ilt, gegeben wickelnden Behandlung diefer Periode fehlt es freilich
zu werden. Erft dann geht der Vf. über zu befonderen, noch aus gutem Grunde. Nirgends ferner oder doch
fachlich geordneten Rubriken und behandelt in der dritten nirgends in gründlicher Weife find bisher aus den Ver-
Section den .erblichen Charakter der priefterlichen Lei- hältnifsen diefer Periode Rückfchlüffe gezogen worden
ftungen bei den alten Hebräern', nämlich in einem erften auf die Art, wie die altteftamentliche Zeit zu ihrer letzten
Theile die .wefentlichen Bedingungen des Priefterftandcs Phase der Prieftergefchichte gelangt fein wird. Einige
im hebräifchen Alterthum', im zweiten ,den öffentlichen Anfätze dazu, die der Willkür nicht entbehren, hat Vogel'
Kultus in Israel als der Competenz des levitifchen Klerus i ftein gemacht. Ich halte es für das Hauptverdienft des
refervirt', im dritten den .Stamm Levi und feinen Ur- Werkes van Hoonacker's, auf diefen Punkt der Rück-
fprung'. Die vierte Section handelt vom ,Hohenpriefter', fchlüffe die Aufmerkfamkeit gelenkt zu haben. Ich dar
die fünfte und letzte von der .Dotation des Stammes mir die Bemerkung erlauben, dafs ich in einem Art:ike
Levi'. Es liegt aber trotz diefer Gruppirung des Stoffes ; ,Priests and Levites' für den New Dictionary 0/ the Bda
nicht fo, dafs in der anfeheinend nach den Quellen von Hastings, deffen Manufcript ich vor dem Erfcheinen
ordnenden zweiten Section die Darftellung der Chronik, des Werkes van Hoonacker's abfehickte, auf eben dUuej|
die der vorexilifchen Schriften und die Ezechiels ge- Punkt mit kurzen Andeutungen hingewiefen habe. 'c
fondert zur Beleuchtung kämen, fondern, wo von der ziehe aber aus der Sachlage ganz andere Folgerungen
Chronik gehandelt wird, werden deren Angaben fofort als van Hoonacker. Er hat richtig beobachtet und ververglichen
, einmal mit denen anderer nachexihfeher ! weilt (S. 52) dafür auch auf meine frühere Darltellung>
Quellen und dann mit denen der vorexilifchen Schriften, dafs in der Schilderung der Chronik von der Stellung