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Ausgabe:

1899 Nr. 11

Spalte:

333-335

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harris, J. Rendel

Titel/Untertitel:

The Homeric Centones and the Acts of Pilate 1899

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. II.

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«,» 1 j ,,. t tu -1 c ■ Färhen Weben, i mehrerer Generationen zum Abfchlufs kommt (Cap. III),

werke m der MisnahI. Thal:. Sp'nnen Webe,j ^ ^ ^ dem

Wa ken, 1894) undVogelftem £ie La"^ Irenaeus bekannte chriftliche Homerokentrafammlung zu

r-laftina zur Zeit der Misnah. I. lheil. Der uetreiaeud, r TV . Beifoiei welch

V™ ^^cT0*- A T Arbeit 6 vonTrTngei | poftu i dgt Ihm IV an einem Beifpiel, welch

wurcug an" ^uchV^^e dm Än°vo^ Rmfer | Verwartete Beleuchtung dV Acta Pilo* durch den V*
und Vogelftein, als I. Theil bezeichnet. Möge ihr in
abfehbarer Zeit eine Fortfetzung folgen, was bei den

anderen bisher nicht der Fall war.

Die fehr reiche und fleifsige Sammlung Krengel's
oezieht fich auf folgende Geräthe: 1. Tifche, 2. Sitzmöbel,
3. Betten, 4. Behälter, A. Schränke und Truhen, B. andere
«ehalter, a. Körbe, b. Schläuche, c. Vorrathsgefäfse,
chYuiege1' 6' Heleuchtungsgeräthe. — Der Einflufs grie-
^niicher und römifcher Sitten auf diefe Dinge zeigt fich
ar als ein ftarker, aber doch keineswegs als vorliegend
. D'e einheimifchen, echt hebräifchen Bezeichnungen
find weit überwiegend. Die Mannigfaltigkeit der
egenftände giebt uns das Bild einer reich entwickelten
ultur. Im Einzelnen ifl freilich vieles unficher. Von
anchen Geräthen kennen wir nur die Namen, ohne uns
ne Vorftellung von ihrer Befchaffenheit machen zu
ch iT Auch die Sorgfalt des Verfaffers hat hier man-
fclf8 tn^e^ ungelöft laffen muffen. Die Sammlung betränkt
fich übrigens nicht auf die Milchna. Vielfach
11 auch Material aus der Tofephta, den älteren Midrafchim
. den beiden Talmuden herangezogen. Bei Citirung
AKt-- ueuen hätten wir etwas weniger hieroglyphen-artige
Kürzungen gewünfcht, wie überhaupt Referent in diefer
inficht fich zu den Altmodifchen bekennt. Die Er-
Parnifs von ein paar Druckfeiten fcheint mir nicht im
'chtigen Verhältnifs zu flehen zu der Unbequemlichkeit,
... . dem Lefer durch die jetzt immer mehr Mode

l ...:.a TW1 was ifl

gleich mit den Homerokentra empfangen: die dort c. 6
aufgeführte ,Proceffion der von Jefus Geheilten', die für
ihn vor Pilatus Zeugnifs ablegen, erklärt fich aus der
Aufzählung jener Wunder in den Centonen mit homeri-
fchen Einführungsformeln wie: cfjUoc ff av&ig jczmxbg
ttPtjQ äXaX^uevog IXd-ojv. Jene urfprünglichen Homerokentra
gewinnen dann in Cap. V. greifbare Geftalt durch
den Vergleich der Acta Pilati in ihren beiden Theilen,
Procefs Jefu und Hadesfahrt, mit Homers Ilias undüdyffee.
Jofephs Bitte um Jefu Leichnam in rec. B c. 11 ift Nachbildung
der Scene Priamos bei Achilles; die Marienklage
ift Gegenftück zu Hekubas Todtenklage um Hektor. Der
Descenfus gleicht der Nekyia in Od. X nicht nur im
Ganzen, fondern auch in Einzelzügen: Schächer=Elpenor;
Propheten = Teirefias (Cap. VI). So wird der Streit
über Juftins Stellung zu den Acta Pilati gegenftandslos:
weder citirt er den uns jetzt vorliegenden Text (Tifchen-
dorf), noch behauptet er rein hypothetifch die Exiftenz
folcher Acta (Lipfius, Schölten), fondern ihm fchwebt
jenes ,Evangelium in Homerverfen' vor, deffen Inhalt er
frei in Profa wiedergiebt; eine fpätere Profabearbeitung
desfelben ift dann der uns überlieferte Text.

In dem Schlufs-Capitel, das die Richtlinien für die
weitere Forfchung zieht, gefteht Harris felbft freimüthig
den einen Hauptmangel feiner Arbeit ein: fie ruht nach
beiden Richtungen auf ungenügender handfchriftlicher
Grundlage. Von Ludwich's Arbeiten über die Homerokentra
hat er, wie es fcheint, das Königsberger Programm

1. , .• rr* — 1----ir-L- A-----U„ „„.-„:,.i,* K„„

"""•"c aem jueier uuu.» u.v j-.-. _ kentra ^at er w e es cheint, das JvonigsDerger rrogrannu

werdenden Hieroglyphen beratet: wird Und was ft kentrhat e Teubner»fche Ausgabe garnicht be-

»ndererfeits erfpart, wenn man Kel Eud> ?u*f™'Zt " tzt. fie hätten hm, obwohl fie keineswegs abfchliefsend
fdjreibt ftatt £üm Erubtn Sukka Detnat Nrdda, oder ^d ^Vche Ausführung erfpart; auch weicht die Reihen-
Fdr dn^föWes zufammenfaffendes Werk wäre die | folge der Stücke bei Ludwich, ebenfowie: der Textjm

1 b - . , .. , ___ r„u- «^„m-infr-hf mp würden

Beigabe von Abbildungen fehr erwünfcht. Sie wurden

freilich, wenn reichlich gegeben, Umfang und Korten zu

e'ner bedeutenden Höhe Reigern.

Gat»- E. Schürer.

Böttingen.

arpis, J. Rendel, Lecturer, The Homeric Centones and
the Acts of Pilate. London, Clay and Sons 1898. (V,
83 S. gr. 8.)

die v,C'10" lruher hatte Rendel Harris gelegentlich auf
Gef 1.Rhenen Homerokentra in ihrer Bedeutung für die
(zu I e des neuteftamentlichen Textes hingewiefen
leet • 23m DT). Er ift ihnen weiter nachgegangen und
Zun UnS jetzt' wie er frlhfl fagt> in etwas unfertigem
fnr d' eine höchft originelle Hypothefe über den Ur-
be ?g.der Acta Pilati zur Prüfung vor: fie find die Profa-
De'tung eines altchriftlichen ,Evangelium in Homer

einzelnen bemerkenswerth ab von der Aldina. Schlimmer
noch fleht es um den Text der Acta Pilati, wie Harris
felbft erkannt hat. Seine Forderung einer Neubearbeitung
desfelben hofft Ref. in nicht allzuferner Zeit zu erfüllen.
Nirgends zeigt fich Tifchendorf's Mangel an Kritik
fchärfer als bei der Behandlung diefes Apokryphon. Er
hat hier die gefammte Forfchung, auch die eines Lipfius,
und ebenfo Harris, irregeleitet. Nicht nur, dafs die
Scheidung in Acta Pilati und Descenfus in der fcharfen
Form, wie man fie bei Tifchendorf findet und wie fie
Harris zu einer Hauptftütze feiner Hypothefe macht, der
handfehriftlichen Begründung faft ganz entbehrt; dafs
die Ueberlieferung auch nicht annähernd erfchöpft, die
beigebrachten Zeugen aber ganz falfch gewerthet find:
'lifchendorf hat es fertig gebracht, zwei lateinifche
Ueberfetzungen in einen Text zu verfchmelzen
und eine junge byzantinifche Bearbeitung, die ftarke
Einflüffe einer Retroverfion, nicht aus femitifchem (Harris),
verfetv. b fondern aus dem einen lateinifchen Texte zeigt, dem

I)»- d.-----:„ :a CbI,.. r,0f^hirkt aufgebaut. In Cap. I alten, nach ihm dem 2. Jahrhundert angehörenden grie-

chifchen Texte gleichwerthig zur Seite zu (teilen. Ein
neuer kritifcher Text wird danach fehr anders ausfallen
als der Tifchendorf's; und es fragt fich, ob Harris dar-
^''ntniis auch bei Lhnlten; oaraui iuuScm«v , auf fr'nt; Hypothefen mit gleicher Zuverficht aufbauen

J?uaifch-alexandrinifche Dichtung bereits in vorchriftlicher t würde.

f*™ Parallelen dazu aufweift, fowie dafs diefe Umdich- Weilich, davon ift unabhängig ein zweiter gewichtigen
alter Gcfchichte von fpäteren Hiftorikern wie Jo- tigerer Mangel diefer Arbeit: fie fteckt voll guter Ge-
fePhus in Profaumfchreibung als Quelle benutzt worden danken, geiflreicher Apercus im einzelnen, aber es fehlt
ond- Wenn die im 16. Jahrhundert mehrfach gedruckte der echte gefchichtlich-kritifche Sinn, der zwifchen Mög-
fJaninflung chriftlichcr Homerokentra (deren intereffante lichem und Wahrfcheinlichem zu unterfcheiden weifs. Als
JMiographic eher als Excurs oder Appendix wie als beachtenswerth möchten wir erwähnen die Conjecturen
daP- II zu behandeln gewefen wäre) auch erft von Eudokia, zu Ezechiel, Theodot und Philo (S. 9 ff.), die Vermuthung,
dj Gemahlin Kaifer" Theodofios' IL flammt, fo baute dafs in Hermas, Vis. I 34 verlorene fibyllinifche Verfein
.leU; doch laut ihres Vorwortes auf dem älteren Werk Profawiedergabe flecken (S. 15); die Bemerkungen über
;'"cs Patrik ios auf, wie es denn im Wefen der Cento- Milton's Kenntnifs älterer chriftlicher Dichtungen (S. 27 ff.),
tenarbeit liegt, dafs fie erft durch fortgefetzte Beiträge | Wenn uns aber verfichert wird, Johannes habe, als er