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Ausgabe:

1899 Nr. 11

Spalte:

326-327

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kittel, Rudolf

Titel/Untertitel:

Zur Theologie des Alten Testaments. 1. Das Alte Testament und die heutige Theologie. 2. Jesaja 53 und der leidende Messias im Alten Testament 1899

Rezensent:

Siegfried, Carl

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325 Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. Ii. 326

der Analogiebildung, dafs fich neben ihr noch urfpüng-
hche Bildungen erhalten haben können.

Die Verba primae w follen aber in fämmtlichen

(weh fnfin>fpra?Tn die Neigung zeigen, im Imperativ, Meffias im Alten Teftament. Leipzig, Hinrichs,

t*«cn Infinit, und Imperf..) Ol das w zu ehdiren, § 47b. v s' '

Diefe Neirrnnrr C-Ul .L__.Lul^U ,W Prä^r «ms i I °99- (31 o. er. 8). M. — 70

Kittel, Prof. D. Rud., Zur Theologie des Alten Testaments.

Zwei akademifche Vorlefungen. I. Das Alte Teftament
und die heutige Theologie. II. Jefaja 53 und der

1899. (31 S. gr. 8). M. - 70

Kittel hat fich durch zwei Antrittsvorlefungen beim
Beginn feiner Wirkfamkeit auf dem Lehrftuhl für alt-
teftamentliche Theologie in Leipzig eingeführt. Die erfte
unter der Ueberfchrift: ,das Alte Teftament und die heutige
Theologie' (S. 3—14) geht aus von dem Wechfel der
Lage, den die evangelifche Theologie in unterem Jahrganz
anderen BedTneuneen befand, als im Imperativ, j hundert erlebt hat. Im Anfang des Jahrhunderts herrfchten
Jedenfalls fehe ich Formen wie arab. yalidu ftatt yaulidu Kant, Hegel und Schleiermacher die nach dem Vf nicht

für eine __:„v.:u____---V- ^ — Tm^erati.r an Verl 1 ,w .,~n_ ■

lefe Neigung foll vermuthlich das affyr. Präter. üh'b
üarthun, wo diefer Neigung nicht nachgegeben fondern
das iv geblieben fein foll. Indefs entweder betrachte
Ich ein affyr. üiib als eine Analogiebildung wie vulgär-
arab. yulid oder als aus einer urfpünglichen femit.
mPerf..form hervorgegangen nämlich yausib, wo das w
zunächft noch lautgefetzlich blieb, da es fich hier unter

fch Audlogiebildung nach dem Imperativ an, vgl.
abe°n 11 92 p' ld8' aucn Anm- 4- Im Imperativ

zu r Rmzelfprachen ift von einer Neigung das w

elid r nicht die Rede' fondern es ift ftets factifch
ne Und zwar in den Verben, was Z. nicht befonders
l'firt0hgen0ben-nat' die den mittleren Radikal mit i voca-
rm , uaben. Freilich giebt es hier auch im Imper. und
q p • formen med. a — auch ohne Concurrenz eines
des d 7c Vg'" aetn- to^t yel&d etc- übrigens neben sed,
Ueb • ^' p' 142 AnD1, 9 und x4) und bebr. terad etc.
jn ,r'?ens vermifse ich die Anführung diefer letzteren
Urf en Anm. p. 142. Diefe Formen find aber doch keine
Wojjrung''chen, fie mögen nun entftanden fein wie fie
(jen eTn> ehenfo wenig wie ein hebr. Perf. "iab gegenüber

impf- Tab? urfprünglich zu nennen ift.
nur Auflöfung eines filbenfchliefsenden ' soll ferner
felll Vereinzelt das Hebr. und Arab. bieten § 49c. Es
een t nur' daIs er Verba wie bwh etc. als ,gleichfam ab-
Ut r hinftellt! Im Arab. fällt ein filbenfchliefsendes *
Unt^eietzlich nach demfelben filbenbeginnenden Laute
hat P-rfatzdehnung feines Vocals aus. Diefes Gefetz
pro r'n § 6c wieder anzuführen unterlaffen. Denfelben
gepP finden wir noch im Hebr. an»(i. perf. fing. Imperf.)
fchieHU a^v- Die übrigen Verba folgen im Hebr. ver-
als w ne" Analogiebildungen, die den Anfchein erwecken,
au ennganz regellos bald filbenfchliefsendes K fporadifch
-3i(ge "en* baId es geblieben fei. So heifst es z. B.
Wied nach Anal°g'e dcr l> Perf- nnS- etc- Aber
bejder ?b^N nach Analogie von S|bK Andere haben
(2lO'*"M a'dg'ebüdungen. So das eSenerwähnte gj&fci
fing ,nacn ^OS neben C|ÖttX etc. Auch findet man I perf.
der 1 - "eben an«. Üb Verba wie a'-ltr, "l&bfi in

habe Perf' fing" ein etC- oder etc' Sehabt

n. Iäfst fich nicht mehr conftatiren.
ift : , e Bildung des Nomens und der Partikeln endlich
Pron alls kaum zureichend behandelt. Während das
erfci0rnen c. 25 S., das Verbum c. 82 S. umfafst,
c, 2Qeint das Nomen mit Einfchlufs des Zahlwortes auf
ift r , Und die Partikeln auf kaum 3 S. erörtert. Es
e'nzel °n auf?emein das Mifsverhältnifs, in dem hier die
fpro ,nen Theile der vergleichenden Grammatik be-

^.en Und, rügend hervorgehoben worden,
foweit'r bas Rucb befchliefsenden Literaturangaben find
PleiC 'm neuere Erfcheinungen betreffen, mit grofsem

vollftändig zufammengeftellt.
als pei enn 'cn aber auch einzelne Partien des Buches
nicht u,ngen anerkennen möchte, fo möchte ich es doch
ich n /einen hervorragenden Mängeln, von denen
Weni„||r d'e bauptfächlichften namhaft gemacht habe,
Hän ? lens mächt ohne einen kritifchen Lehrer in den
Grarnnn ?'nes wiffen, der die vergleichende femitifche
dem biir Zu treiben anfängt, und für den es doch bei
vor All gen Preife "ml bei der Art beftimmt ift, wie es
leiben m mehr die Thatfachen als die Erklärung der-
Ren geben will.

°ftock- Prof. F. Philippi.

das volle Verftändnifs für die Urkunden der chriftlichen
Religion befafsen', was befonders für Schi, einigermafsen
gravirend ift. Eine epochemachende Wendung trat 1835 mit
D. F. Strauss' LebenJefu ein, an den fichChrift. Ferd. Baur
und feine Schule anfchloffen, wobei fie nur zu tief in der
Hegelei flecken blieben. Wahrhaft methodifche Quellenforschung
und hiftorifche Kritik wurde nach dem Vorbilde
von Ranke und Mommfen auch in die biblifchen Wiffen-
fchaften eingeführt, was aber, neben manchen Vortheilen,
doch auch die grofse Gefahr brachte, dafs der ganze Gehalt
der Bibel in den hiftorifchen Procefs hineingezogen
wurde. Wir glauben dem Vf. zutrauen zu dürfen, dafs
er geeignet fein werde diefe Sorge zu befchwichtigen.
Recht fchwierig wird freilich die Sache werden. Die freie
Glaubensftellung des religiöfen Subjects innerhalb des
Proteftantismus hat zur unabweisbaren Folge das Recht
der freien Forfchung und führt zur völligen Ungebunden-
heit des evangelifchen Theologen in Fragen der Wiffen-
fchaft. Aber da die evangelifche Freiheit zugleich Gebundenheit
in Gott ift, fo hat fie ihre Schranke im Evangelium
von Chrifto. Das beeinträchtigt freilich nicht die
Freiheit der Entfcheidung in Bezug auf die hiftorifchen
Probleme des Chriftenthums, aber fobald die hiftorifche
Forfchung ,an das perfönliche Leben und Empfinden des
Menfchen herantritt', dann ftellen fich ,gewiffe entfehei-
dende Punkte' ein, bei denen ,die Stellungnahme des
Forfchers nicht mehr von ausfchliefslich wiffenfehaftlichen
Principien, fondern von gewiffen ihm perfönlich am Herzen
liegenden Erwägungen allgemeiner Art abhängt'. Bei
dieser innerlichen Duplicität wird aber der proteftantifche
Theologe für uns zu einer incommenfurabelen Gröfse, da
wir niemals wiffen können, wann die oben erwähnten
,entfcheidenden Punkte' fich geltend machen und wie weit
der Einflufs gehen wird, den fie ausüben. Nach der
Behauptung des Verfaffers handelt es fich hierbei nicht
um die eigentliche Forfchung, fondern ,um Gebiete, an
die die Forfchung nicht heranreicht'. Ueber diefe können
wir aber wiffenfehaftlich überhaupt nichts ausfagen. Sie
gehören daher auch nicht zur wiffenfehaftlichen Theologie
. Der ji/LrjQocpooia jildrsmq aber wollen wir keine
Schranken ziehen, auch beim Verfaffer nicht. —

War die eben befchriebene Vorlefung vor dem Kreife
der Zuhörer, die bei dem Vf. altteftamentliche Theologie
belegt hatten, gehalten, fo war die zweite die eigentliche
akademifche Antrittsrede des Vf's. Sie war betitelt Jes 53.
und der leidende Meffias im Alten Teftament'. Dafs man
jetzt in Leipzig vor einer corona plaudentium mit der
Thatfache des Deuterojesaja beginnen kann und dafs man
einen Schüler Dillmann's als das einzige Rettungsmittel
gegen die Wellhaufen'fche Kritik dorthin gerufen hat,
zeigt fo recht die ftille Macht der Wiffenfchaft und ihr
unaufhaltfames Fortfehreiten trotz hoher und höchfter
Protection ihrer Gegner. Der Vf. greift das wichtige
Theologumen des Gottesknechts von Jes. 53 heraus
und giebt zunächft eine Gefchichte feiner Deutung, wobei
der Name Vatke vorfichtig verfchwiegen ift, der doch
wohl neben Frz. Delitzfch und Dillmann fich hätte behaupten
können. Die weitere und engere Faffung des
Begriffs des Gottesknechts vom Volke Israel und vom