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Ausgabe:

1899 Nr. 9

Spalte:

265-268

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wrede, William

Titel/Untertitel:

Über Aufgabe und Methode der sogenannten Neutestamentlichen Theologie 1899

Rezensent:

Baldensperger, Wilhelm

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265 Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 9.

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. j j o/,no fn -inscrebildet haben, wenn man fich von rein hiftorifchem

Wrede, Prof. D. W., Ueber Aufgabe und Methode der söge- j°t^"g^ j^^g i^ten lauen. Aber das kanonifche
nannten Neutestamentlichen Theologie. Göttingen, Vanden-
hoeck & Ruprecht 1897. (80 S. gr. 8.) M. 1.80

Methodologifche Erörterungen find nicht nothwendig
Spiegelfechtereien. Sie können auf das Gebiet, dem
fie gelten, befruchtend und neubelebend einwirken, oe-
fonders wenn fie mit folcher Kraft und mit 10 weit-
fchauendem Blick, wie fie dem Verf. der vorliegenden
o , .... . i... , t-:_ T hen nf c.

llln natu. ii,i«vu

Moment wirkte auch in der kritifchen Schule noch in
zwiefacher Hinficht nach. Erftens war ihre Betrachtungsweife
zu fehr durch den Gegenfatz gegen den überlieferten
Kanon beftimmt. In der biblifchen Theologie,
wie in der Einleitung mit ihren peinlich genauen Kanons-
forfchungen hat die ältere Generation eine Arbeit der
Selbftvergewifferung und der Gewiffenspflicht gegenüber
dem erdrückenden Zeugnifs der Jahrhunderte vollbracht.

■-..auenuem duck, wie 11c ,

l*lt Gabler s Programm (1787) aus der Dienftftellung Daher plidi diefr ArW5Tf"""»I^^r~-------•

S^£0gmatik herauszutreten begann, hat ihre volle ^^SSLäSL^^^f^a^' "nintereffirten
Selbtondigkeit noch immer nicht erreicht. Sowohl in auf Stn^ÜS^%ä£S^J^^:y'i^ ^
Jer Art der Behandlung des Stoffes als auch in feinem Freilich find dk y Werth gelegt wurde.

Urning wird der ftreng; hiftorifche Charakter, der diefer dlC Ind,C'en oft "PLSchejnbevveife und in

Bef"lF theoretifch zugeflanden wird, verleugnet. Die
denaankung auf die b'bhfchen Bücher ift nur durch
wel T gmatifchen Begriff des Kanons zu rechtfertigen,
Na *1 t der Nnterfuchung unhaltbare Grenzen zieht.
de°n Inhalt und Chronologie find diefe Bücher von
n n..aP°ffolifchen Vätern nicht zu trennen. Vor allem
Si ,!c beliebte Methode der Lehrbegriffe vom Uebel.
Wa «4 Gefahr, in die neuteft. Schriften hineinzulegen,
Sie* b" me,ften fremd ift: Syfteme religiöfen Denkens.
Wel lring' die zeitgefchichtlichen Bedingungen, von
Anf M der Inhalt diefer Schriften abhängt, nicht in
, . chlag. Der übertriebenen Differencirung in unter-

vorliegendem Fall war eine vielfach falfche Deutung der

neuteft. Angaben unvermeidlich,weil diefeSchriftftclleralle,

die man auf ihrkanonifches Anfehen hin prüfte, ohne jeden

Gedanken an eine Sammlung oder einen Kanon ge-

fchrieben haben. Dennoch war diefer ganze Betrieb der

neuteft. Forfchung eine nothwendige Durchgangsftufe und

es ift kein Wunder, dafs auch die neuteft. Theologie von

H. Holtzmann noch Spuren derfelben trägt. Vielleicht

ift fogar Bewunderung darüber am Platze, dafs der Ver-

faffer von ,Kanon und Tradition1, einer der Hauptftreiter

im grofsen Befreiungskampfe, fchon fo viel von dem

literar-kritifchen Ballaft abgeworfen hat. Und wenn diefer

Ausfcheidungsprocefs auch langfamer vor fich geht, als

Mancher wünfehen konnte, fo wird es auf diefem Wege

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ch IIa ag-x ,u TiSwÄl^wWi^ Mancher wünfehen konnte, fo wird es auf dieiem Wege

i3$£^t}A%tbtK}f[' ^he% t ^J^ ^Xehtc' doch leichter zu verhüten fein, dafs von der immenfen

"'velhrendes Verfahren, das im N.T. überall nac"d aufeefpeicherten Arbeit das wahrhaft brauchbare und

ausfPäht und ^ die religiöfen gng^g«^» g ffi nicht verloren gehe. Es ift z. B. ohne Frage

ÄSSÄJ^^A^ä^S^nS^tx über- das neuteft.. Schriftthum viel mehr als bisher gefchah

dem Gefichtspunkt des religiöfen Empfindens, der
Stimmung, der äufseren Veranlaffungen zu betrachten,
wodurch häufig der Mangel an präcifer Begrifisbildung,

Begriffswelt ganz
darf man fich vor einer fcharfen, felbft mikrologifchen
Unterfuchung hier nicht fcheuen. Auf diefen Gebieten
ift die Arbeit der Literarkritik nicht vergeblich gewefen:
fie wird fich auch noch bei den fynthetifchen religions-
gefchichtlichen Darftellungen der Zukunft als fefter Unterbau
geltend machen. Freilich finkt bei der Erweiterung
des Horizontes die Bedeutung des Einzelnen mehr und

—'«acien iregrinsweu, iui "v-" *■"—----- üher-
wirklich lebendigen Anfchauunger1 und den nur mehr über
kommenen Formeln keinen Sinn hat. ^J^^g

"igtfich darin, dafs man na ch -«ner mogli c^ • , wodurch häufig der Mangel an praeter «egnnsouaung,
ffandigkeit in der Analyfe der Begnfle una hL Abwcchreluilg in der Betrachtungsweife auch bei

«nterfchiede trachtet, ftatt auf die eigentlich^«»«"g? Kem^SE zu verftchen find. Wenn nun aber eine
den, durchfchlagenden Elemente der gt Anta* einem rumr nicht ^ ^ ?&

weit Gewicht zu legen. Indem man uberfah dag fo vmle , neue ^tromun ^ ^ E hcfcrbricfe autWht, noch

fofl fich in der neuteft. Theologie |W^äSfoÄ
inüerreihcn der Lehrbegriffe, mit der Reprae
Gedanken der einzelnen Bücher, überhaupt nicht mit

einer nach Schriften und Schriftftellern p«an«eH ^ Horizontes die Bedeutung des Linzeinen menr una

ranfchen Behandlung befaffen, fondern. am ei ^ Mcthodc hing eben an den engen

«•hichte der urchriftlichen Religion ausgel«n, jo Grenzen des Kanons. Wer in einem abgezäunten Garten

Studium der einzelnen Urkunden nur CMC mai«^ iuftwandelt, der bemerkt auch die niedern Gefträuche

*fcrt Der gefammte B^<*^Mg^2Sfld5 und ! und die Grashalme. Ein tüchtiges Einzelftudmm der
bterarifchenZerftreuunggcfammel^,f«3nden , verfchiedenen neuteft. Schriften wird auf jeden Fall (das

.^glichen werden, und zwar fo, dafs die «gfg» iner ift auch des Verf> Meinung) immer Vorbedingung blei-
Anfchauungcn herausgefunden Jf*»L^S?te Ge- ben. So gut bisher diefe Schriften und ihre Angaben
Richen Bearbeitung kann «^.^^SfSSvSbod» in unrichtige oder fchiefc Beziehungen zu einander ge-
gnken klargelegt werden Die Vorzüge «JJJJJ Vt_ fetzt word?n find, eben fo leicht können auch bei dem
^flehen darin, dafs fie ^^^J^fS^uad ' gröfseren Umfange des Materials falfch orient.rtc, oder
ung und Zufanimenhang der^neuteft■ VfflMf^^ willkürliche litemrifche Vergleiche mit unterlaufen, fo-
J«ch die Lücken unferes Wiffens »^"dK^ auf bald man die befonderen Entftehungsverhältnifse, Zweck

■ enden neuen Problemen to^rSjJS des und Ziel der einzelnen Quellenftücke aus dem Auge
wichtige, hinter den fragmentar.fchen Documenten c verliert

J T zurückliegende Factoren des ur^«^2t der ! Die Anfchauung von der Kanonicität wirkte in der
Jeindelebens und überhaupt auf f^ J^^«1 kritifchen Schule ab» auch infofern nach, als mandenneu-

"euteft. Gedankenwelt durch die aufsere Gelchicnte au ~ß Schriften, nachdem fie den vollen kanomfehenSchim-
merken lehrt. ,. . r„u;<-ht- I mer cin"ohüfs't hatten doch noch ein gewifses normatives

u Im Grunde redet alfo W ttar-ÄJÄieMm«" iSSSSlS^SSSt des wahrhaft Chriftlichen zuer-
bchen Betrachtung das Wort^m ^fJ^^gftJSen kannte und durch kritifche Operationen das herausfehälen
£uund die gellte indiv.dual.f.rung der iJSJg^ wollte wag Jefuf oder Paulus «elehrt« hatten. Daher die
Methode. Dafs diefe letztere der w'rk^ Methode der Lehrbegriffe, und überhaupt die fpeciell

•chen Bedeutung der neuteft. ^^^ÄäSSu .theologifche' Behandlung, die von dem Bewufstfein, dafs
S tr Thg wÄh die ßffiffi nie ! in diefer neuteft. Disciplin für die fyftematifche Theologie

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