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Ausgabe:

1899 Nr. 7

Spalte:

201-202

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Heinr. Aug. Wilh.

Titel/Untertitel:

Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament. 3. Abth.: Die Apostelgeschichte. 8. Aufl 1899

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 7.

202

fuhrlich auseinanderzufetzen, werde ich bald an anderer
stelle Gelegenheit nehmen.--:

al a man 'n R>nze'heiten anderer Meinung fein kann
ais der Verfaffer, liegt bei einem Buche wie diefem auf
Akk Aber das thut dem Werke als Ganzem keinen

«Dbruch. Die Entftehung des prophetifchen Bewufst-

ms und der im Namen Gottes ausgefprochenen Weissagungen
hat der Verf. m. E. zweifellos richtig gezeichnet;
^ nat bei feinen Darlegungen die rechte Mitte zwifchen

F1 extremen Naturalismus und Supranaturalismus eingehalten
und ift einen Pfad gewandelt, auf dem ihm gern
Cl k W'rd' wer W'ffenfchaftliche Kritik mit lebendigem
Rauben an einen Gott der Offenbarung vereinigt. Das
zuSp G>efebrecht's ift ein fehr werthvoller Beitrag
esV la s der 'sraektifchen Religionsgefchichte, und

Da l) r-m ^er^au"er darum hier nochmals der aufrichtigfte
nk für feine Gabe ausgefprochen.

Marburg- R. Kraetzfchmar.

Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament,

begründet von Heinr. Aug. Wilh. Meyer. III. Abtheilung
. _ Die Apoftelgefchichte. 8. Auflage.
Von der 5. Auflage an neu bearbeitet von Prof. D.
bJans Hinrich Wen dt. Göttingen, Vandenhoeck &
Ruprecht, 1899. (IV, 427 S. gr. 8.)

M. 6.—; geb. M. 7.50

Hann!?"1 3' mal bearbeitet H. H. Wendt das Meyer'fche
von H h ZUr AP°ftelgefchichte. Aber im Unterfchiede
voll früheren ftellt diefe letzte Veröffentlichung einen
charh" Neubau dar. Geblieben ift zwar der Grund-
übtea des Ganzen. Die am Inhalt des Werkes ge-
Btand^6 le R"*'* 'ft» verglichen etwa mit dem

eonfer^1111^' des Unterzeichneten, eine verhältnifsmäfsig
auch ^atlve! beifpielsweife verbleibt ein hiftorifcher Kern
ähnlich Gorneliusgefchichte, dem Apofteldecret und
blos ift Pr°blematifchen Vorkom mnifsen. Aber nicht
Urnfa Verf- frAbftverftändlich mit dem Gewicht und

aUch r^ der frritifchen Inftanzen durchaus vertraut, fondern
beleh ne Auseinanderfetzung mit denfelben ift immer
Und rend' ^rei von Je(^er äpologetifchen Manier, fachlich
NacLp,recht. Auf zahlreichen Punkten wird geradezu der
heriaWreis geführt, dafs der neben dem gefchichtlichen
dfcheT6"^6 erbauliche Nebenzweck des Werkes die hifto-
din ,reuederBerichterftattungbeeinträchtigt hat. Aller-
d'e fr- latten unter dem gleichen Gefichtspunkte auch fchon
fchichir6'1 Auflagen die Fragen nach Tendenz und Ge-
der • 'lchkeit der Apoftelgefchichte behandelt. Was aber
Gefich* vornegenden Auslegung ein wefentlich neues
verdr ffVerleiht:' 'ft die von Abfchnitt zu Abfchnitt un-
Verf' begründete und dargelegte Stellungnahme des
diel'* Zu den eindringenden Unterfuchungen, welche
in z|en 10 Jahre wie in exegetifcher, fo ganz befonders
f0 7jar n" und textkritifcher Beziehung gebracht haben,
den man w'rKh'ch fagen kann, der Lefer werde über
nüp-e^^enwart'Sen Stand der Probleme ausgiebig, ge-
fPielsn "nd allfeit'g orientirt. Man vergleiche doch bei-
mit r^61^ den Abfchnitt über die Apoftelgefchichte, wo-
,Paui ?rav's Jetzt von Grofchke verdeutfehtes Buch
deutf1?, 'n der Apoftelgefchichte' beginnt, um der gut
aUf an Art, womit hier auf alle gefchwollene Rhetorik,
Wed-> /-en aPoi°getifchen Schimmer und Zauber, auf jed

die Achtung vor der Thatfache. Dafs beifpielsweife die
Epifode 16,25—34 einfach Unmögliches erzählt und als
fecundäre Zuthat zu betrachten ift, wird von dem deutfehen
Theologen einfach anerkannt (S. 282), während der Engländer
uns aufreden will, Alles könne nur ganz in Ordnung
finden ,wer je ein türkifches Gefängnis gefehen
•hat' (S. 181). Von folchem Humbug nirgends die leifefte
Spur! Aber wo man auffchlägt und fich Rathes erholt,
da gewinnt man immer den Eindruck einer zuverläffigen
Führerfchaft bezüglich der nächft zu erreichenden oder
auch überhaupt erreichbaren Ziele. Befondere Anerkennung
verdient auch die Einleitung, welche im Vergleich
mit den früheren Auflagen den doppelten Umfang gewonnen
hat und eine wefentlich neue Anordnung und Gliederung
bietet. Eine folide Belehrung gewinnt der Anfänger
namentlich aus den Mittheilungen über die neueren Experimente
in Bezug auf Quellenfcheidung. Eine treffende
Bemerkung fei befonders hervorgehoben! ,Es ift ja freilich
möglich, dafs die Apoftelgefchichte wirklich durch
eine Zufammenfchmelzung von Elementen fehr verfchie-
dener Herkunft entftanden ift, fo dafs deshalb die richtige
Antwort auf die Frage nach Herkunft eine fehr compli-
cierte fein müfste. Aber in diefem Falle wäre es uns
wohl kaum möglich, diefe richtige Antwort vollftändig
zu finden oder fie anders als durch glückliches, aber für
andere Menfchen nicht beweiskräftiges Raten zu finden'
(S. 25). Mit Sicherheit wahrnehmbar ift für den Verf.
nur die, hauptfächlich die Wirftücke enthaltende, aber
fchon mit Cap. 13 anhebende und bis zum Schluffe anhaltende
, freilich auf's mannigfachfte umgeftaltete, durchfetzte
und überarbeitete Lucasquelle, während das jetzige
Werk fchon um der in der neuen Auflage zugeftamlenen
Bekanntfchaft feines Urhebers mit den beiden Hauptwerken
des Jofephus nicht vor 94 entftanden fein kann.
Die Unterfuchungen über die Chronologie bringen Reful-
tate, welche zu den herkömmlichen Anfätzen ftimmen
(52 Apoftelconvent, 55—58 Ephefus, 61 Feftus). Ein
eigener Abfchnitt belehrt über die Hypothefe Blafs mit
dem Ergebnifs, dafs abendländifche Lesarten nur aus-
nahmsweife als urfpünglich gelten dürfen.

Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

Baldensperger, Prof. D. W., Der Prolog des vierten Evan
geliums. Sein polemifch-apologetifcher Zweck. Freiburg
i. B, J. C. B. Mohr, 1898. (VII, 171 S. gr. 8.)

M. 4.40

Vorliegende Arbeit will im Verein mit einer noch
zu veröffentlichenden weiteren Studie, welche dem Wefen
und Urfprung der Logoslehre und der damit zufammen-
hängenden Elemente der johanneifchen Begriffswelt gewidmet
fein foll, einen neuen Schlüffel zum Verftändnifse
des vierten ELvangeliums liefern, und man mufs geliehen,
dafs zur Erreichung diefes Zieles geleiftet ift, was Umficht
und Scharffinn, was umfaffende Sachkenntnifs und
Vertrautheit mit der fpätjüdifchen und urchriftlichen Vor-
ftellungswelt ungefähr vermögen. Methode anlangend,
wird zuerft auf dem Wege einer exegetifchen Analyfe des
Prologs zu zeigen verfucht, dafs diefer fein Verftändnifs
nur unter Vorausfetzung einer durchweg im Hintergrunde
wahrnehmbaren, übrigens I, 6—8. 15 auch ins deutlichfte
Licht hervortretenden, polemifch-apologetifchen Tendenz

b0d^fchwindelhafte pfychologifche Conftruction, auf alle | finde (,Sinn und Gedankengang' S. 1—57), welche aber
Qemdafrffchen Lobeserhebungen des unvergleichlichen | auch über die zwifchen I,i8 und 19 hinlaufende Demar-
leift lchtsfchreibers Lucas u. f. w. gänzlich Verzicht ge- ! cationslinie hinaus verfolgt werden könne und mindeftens
'uet und dir. A,,r~__i.r__i.^u- a<*„ t ^r.._^ aat„ -,■,<" da« die drei prfton r^r>ad u,.u,.rrM-..> rP-^iT- ____1 r?

Thatf Und die Aufmerkfamkeit des Lefers ftets auf das
Die pCbbcbe' Nachweisbare, Gegebene gelenkt wird.
arc, .. -tenfionen, womit der engliche Schriftfteller feine
aus r0. Sifchen und geographifchen Kenntnifse ausbreitet,
mitt ieinen Reifeerinnerungen und anderen Illuftrations-
miff Kapital fchlägt, laffen nur gar zu oft das ver-
en- was den vorliegenden Commentar auszeichnet:

die drei erften Capitel beherrfche (.Prolog und Evangelium
' S. 58—92). Näher geftaltet fich diefer Beweisgang
fo, dafs aus Vergleichung von 1,1 und 6 ein Parallelismus
anlitheticus zwifchen dem Logos und dem Täufer angenommen
wird, welcher fich dann als leitender Gedanke
des Prologs überhaupt herausftellt. Es handelt fich nämlich
darum, jede Annäherung des Täufers an den Logos