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Ausgabe:

1899 Nr. 6

Spalte:

181-182

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kayser, Karl (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte. 3. Jahrg 1899

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Seite 1

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l8l Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 6.

182

loges kann ich nicht günftiger urtheilen als Seitz. Der
Anfang ifl nicht übel. Mit focratifcher Ironie giebt fich
Euxitheos (derfelbe Name bei Aristainetos II, 2) dem mit
der Ueberlegenheit eines der grofsen Sophiften auftretenden
Theophrafl gegenüber als den wifsbegierigen
Schüler. Wenn dann aber die Rollen wechfeln, geräth der
Dialog kläglich in die Brüche. Th. hat jetzt nur noch
ja zu fagen und die völlig unvermittelten zur Fortführung
des Gefpräches nothwendigen Fragen zu (teilen.
Dafs bei Theophraft in der That an den berühmten gedacht
iß, wird S. 10 mit Unrecht beftritten. So geringe
Kenntnifs Aeneas von der älteren Philofophie befitzt, die
Polemik S. 21 ff. pafst vorzüglich auf Theophraft's Anficht
von der Herabminderung der ivdcuuovia durch äufsere
Uebel; f. Zeller II, 2 S. 857, 858, Gercke im Archiv für
Gefch. der Philof. I, 357. Offenbar hat Aeneas von den
betreffenden Ausführungen des Th. etwas gewufst.

In der Einleitung werden die Urtheile anderer Ge-

--- ----1 Aio Einführung

Lorfch zu diefer Arbeit berufen worden wäre. Allerdings
follte man annehmen, dafs das Klofter dann auch
Erwerbungen in Sachfen gemacht hätte, während das
Lorfcher Schenkungsbuch wohl Befitz des Klofters in
Friesland und Flandern, aber keinen in Sachfen kennt.
Denn die einzigen Sachfen, die der Codex Laimshamensis
ed. Lamey 3,220, Nr. 3677 erwähnt, find in Oftfranken
angcfiedelte Gefangene. Aber das Lorfcher Schenkungsbuch
ift nicht vollftändig. Man wird wohl aus einem
vollftändigen Verzeichnifs der Kirchenheiligen noch Anhalt
dafür bekommen, welche Stifte und Klöfter in
Sachfen an der Miffionirung mitgearbeitet hatten. Denn
die Miffionare pflegten die von ihnen gegründeten Kirchen
den Heiligen ihrer Heimathkirche zu weihen. Das kommt
auch bei der Frage, ob Hildegrim von Chalons und Halber-
ftadt identifch find, in Betracht. S. Stephan ift m.W. der
gemeinfchaftliche Heilige von Halberftadt und Chalons.
Kayfer beftreitet die Identität, erkennt aber an, dafs fie
in fonft zuverläffigen Quellen berichtet wird. Allerdings

rn aer Einleitung werueu u.c ~F- fiihrune in fonft zuverläffigen Quellen berichtet wira. ZAiiermngs
lehrten mehr gezählt als gewogen, und d eEn'unrunS ! sft die F n*ch Vielfach dunkel, die Chronologie
zahlreicher Siglen für Schriften, die zum 1 he1 nur v fchwi . ^ K fer,s Bedenken beachtenswerth. Auch
einzelt citirt werden, denen auch zum iheü mir s Gunften vQn Hucbald>s yüa S. Lebuini
Pr»-,,,^i_____ r 1 ___ _.• 1 tru^c rr/^rrhtphr kann ich um / _ , ____ , :n_ ____i i

^u,icii cuirr werden, ueueu au*-» - — ,

Erwähnung fchon zu viel Ehre gefch.eht kann ich mir
als gefchmacklos bezeichnen. Ich fürchte, .Georgias
ftatt .Gorgias' S. 81 ift kein Druckfehler.

Wilmersdorf. Paul Wendland

Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kj™he"-
geschichte, unter Mitwirkung von Abt D. G. Uhlhorn
und Profeffor D. Paul Tfchackert herausgegeben von

Superint Karl Kavier. 3. Jahrg. Braunfchweig, A. Lim- Mainzer Erzftiftes und den Einkünften der Kirchenfteller.
W, o o ttt L, c L 8 1 - F. Cohrs veröffentlicht den nur handfchnftl.ch erhal

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gegenüber von Hauck geltend macht, ift wohl erwogen.
Sehr anziehend ift die Schilderung des Ergebnifses der
Sachfenmiffion, das neuchriftliche Volksthum § 15 fr. 16.

Eine zweite kleinere Arbeit, zu welcher Kayfer bereits
im vorigen Jahr die Einleitung gegeben hatte, ift
die Veröffentlichung des Registruin subsidii ex Praepo-
situns Northen et Rimbeck mit einem forgfältigen Com-
mentar. Das Registrum giebt ein klares Bild von der
kirchlichen Organifation des nördlichften Theiles des

bach, 1898. (III, 327 S. gr. 8.) I — F. Cohrs veröffentlicht den n

Der dritte Jahrgang der trefflich redigirten Zeitfchrift tenen Katechismus von Georg Stenneberg, einem Augu-
uuerrafcht mit einer umfaffenden Abhandlung Kayfer's ftiner aus Eimbeck, fpäter Pfarrer in Ellierode, Hardegsen
U a -die Chriftiänifirung Niederfachfens, welche das | und Langenholtenfen c. 1561. Corvinus hatte in feiner
j^ne Stück des Abriffes der hannover-braunfehweigifchen ! Kirchenordnung von 1542 Katechismuspredigten ange-
^""chengefchichte bildet, dem nur ungeftörte Fortführung ordnet und als Mufter die Nürnberger Kinderpredigten
*ju wünfehen ift. Im erften Paragraphen befpricht Kayfer beigegeben. Aber fie waren hochdeutfeh geichrieben,
dle Einleitungsfragen die Aufgabe der Provinzialkirchen- was die meiften Prediger nicht verftanden. Stenneberg
gdchichte im Unterfchied von der allgemeinen Kirchen- aber bot 1545 feinen Amtsbrüdern handfehriftlich die
Re(chichte, deren fäuberliche Abgrenzung anderen Dar- Predigten dar, die er in Ellierode und Hardegfen gehalten
Teilungen' der Provinzialkirchengefchichte nicht immer ' und am 11. Nov. 1545 der Herzogin Elifabeth von Braun-
Seglückt ift, die Quellen, deren Reichthum überrafcht, fchweig gewidmet hatte. Die Predigten find die erfte
Und endlich die Periodentheilung der hannover-braun- felbftändige Katechismusbearbeitung aus dem neurefor-
Jchweigjfchen Kirchengefchichte, die er gegenüber von mirten Gebiet und entbehren bei allem Anfchlufs an die
Rettberg, Uhlhorn und Tfchackert (vgl. Jahrg. 1,1 ff.) neu Kinderpredigten, die Stenneberg zu Volkspredigten um-
gliedert. Schon hier fleht man, wie Kayfer den Gegen- gehalten wollte, nicht urwüchfiger Kraft. Erhalten find
Jtand völlig beherrfcht, doch werden fleh einzelne feiner die Predigten nur in einer Handfchrift der Bonner Uni-
p-'nfehnitte erft durch 'die Darfteilung felbft rechtfertigen, [ verfitätsbibliothek. Cohrs, der in diefem Jahrgang nur
D.onders in der vorreformatorifchen Zeit, die ihm in das erfte Hauptftück zum Abdruck bringen konnte, hat
J_er zeitlich fehr verfchiedene Perioden — bis 864, 864 den Text forgfältig bearbeitet und mit kurzen Erläute-
^"22,1122—1235,1235—1519 zerfällt, während feine Vor- rungen verfehen. Das falfche Citat aus Jeremia S. 247
ganger nur drei Perioden bis 918, 918—1235, 1235—1527 beruht wohl auf Arnos 8,10, das durch einen lapsus
R9f annahmen. Mit Recht läfst Kayfer das Zeitalter der ; memoriae aus einer Drohung Jehovas zu einer Klage
Heformation nicht erft mit dem Jahr der Durchführung ' wurde. S. 257 wird ,vaft' kaum, wie Cohrs will, = be-
er Reformation 1527, fondern mit dem erften Auftreten j glaubigt fein. Allerdings wird man es, foweit Ref. als
jf'ormatorifchen Geiftes bei der Predigt des Mönchs Süddeutfcher urtheilen kann, kaum fprachlich für ,fafst'
rUn0 in Aurich 1519 beginnen. Mit höchftem Intereffe j nehmen dürfen, was den guten Sinn ergäbe: den grofsen
ü ir der fur die Württb. Kirchengefchichte (Stuttgart j Dieb fafst man an, prensat manus, und führt man, fon-
"d Calw 1893) die Gefchichte der Einfuhrung des Chriften- j dern man wird es mit Cohrs von feften = befeftigen
"Ums in Schwaben bearbeitet hat, die Arbeit Kayfer's , ableiten müffen, aber der Sinn wird fein: Man ftellt den
j er die Chriftiänifirung Niederfachfens verfolgt und fleh grofsen Dieb gegen Angriff ficher und feft. Cohrs wird
uCs Reichthums an Quellen, der lichtvollen Darfteilung! Ach auch ferner mit der Katechismusgefchichte von Nieder-
nnd der befonnenen Kritik gefreut. Wie arm fleht da- fachfen befchäftigen, fo dafs wir noch weitere werthvolle
fü b*:n die fchwäbifche Gefchichte, bei der die Quellen Gaben von ihm erwarten dürfen. Den Schlufs bilden
lieh k Crften Jahrhunderte überaus fpärlich fliefsen! Frei- Miscellen, aus denen Tfchackert's Mittheilungen über eine
, 1 bleibt für die Miffionirung Sachfens noch manches verfchollen gewefene Druckfchrift von Ant. Corvinus her-
ann- Der Antheil der einzelnen Stifte und Klöfter vorzuhaben find, wie literarifche Mittheilungen. Der
fei er Schweren Arbeit wird noch mehr aufzuhellen ! ganze Band ift ein neuer Beweis von dem Gedeihen der
wohl ^an mu^ste es z- R- unbegreiflich finden, wenn j Gefellfchaft für niederfächfifche Kirchengefchichte.
Am i^38 arjflelegene und immer befcheidene Klofter ^ab ^ „ „ a

Horbach, aber nicht das bedeutende königliche Klofter

aern. G. Boffert.