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Ausgabe:

1898 Nr. 6

Spalte:

165-166

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Resch, Alfred

Titel/Untertitel:

Das Kindheitsevangelium, nach Lucas u. Matthaeus unter Herbeiziehg. der außercanon. Paralleltexte quellenkritisch untersucht 1898

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 6.

166

methodologifche Bedeutung. Es kommt jetzt darauf an, i die anderen 50 Procent zum Bewerfe. Diesmal giebt R.
für die Einzelexegefe diefe Fragen zu verwerthen, womit fogar eine Rückuberfetzung der reconftruirter. Quelle,
der Pfalmencommentar von F. Baethgen bereits einen | Wenn die Kritiker die Frage der Maria Lk. Im nach

' der Verkündigung des Engels londerbar finden und deshalb
etwa die Verfe 34—35 (Reichen, fo giebt R. die
Berechtigung diefer Bedenken zu. Aber jener Schlufs
ift doch ein übereilter und unreifer. Denn R.'s Quellen-
conftruction befeitigt alle Schwierigkeit. Man braucht
nur nach dem Protevangelium Jacobi XI 2 zu lefen:
xal löov Ovllr'iuyn] ,he Xoyov avzov' . . . xal zt^y vlov.
dann verwundert Maria fich mit Recht. Und für dicfen

glücklichen Anfang gemacht hat. Wird in die Unter
fuchung die philologifche und hiftorifche Pfalmenkritik mit
hineingezogen und das ganze Problem in Zufammenhang
mit der gefammten biblifchen Religionsgefchichte gebracht
, fo werden fich die Linien in dem Bilde von der
Frömmigkeit des Pfalters nach allen Seiten hin noch
viel genauer und fchärfer ziehen laffen als bisher. Es
wird fich dann immer mehr die hohe Bedeutung der Gemeinde
der Frommen im Pfalter erkennen laffen. Diefe ; Text haben wir das alterte Zeugnifs Joh. in xal 0 loyog

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und Bf*29, deren Anfänge auf die Jüngerkreife Je
fajas und den "1 "D5 bei Deutero-Jefaja zurückgehen,
find die geiftigen Väter der neuteftamentlichen jigaelg und
stzmyoi Matth. 5, 3, 5, aus deren Mitte Jefu hervorging;
fie löfen fich von der jüdifchen Religionsgemeinde los
und bilden den Grundflock der chriftlichen Gemeinde,
von der Paulus 1. Kor. 12, 13 redet. Diefe 'Anawim
find aber auch zugleich, indem fie fich enger an diejüdifche
Religionsgemeinde anfchliefsen und ihre nationalen Fef-
feln fetter fchliefsen helfen, die geiftigen Väter der Pha-
rifäer und Rabbinen. So erklärt fich das Doppelgeficht

öößg eyivero. Denn auch den Ausdruck ö«pg tytpezo
hat Joh. dem Kindheitsevangelium entlehnt, da bei der
Simeonsfcene Lk. 226 in dem Protevangelium zu lefen ift:
troc ap löy zuv Xgiözbp xvqiop ep Gagxl tZijZv&oza. Endlich
kann man, um alle Schwierigkeiten in der Frage der
Maria zu befeitigen, auch mit apokryphen Evangelien
lefen ixel avöga ovöejioze yiveooxm.

In dem Kindheitsevangelium ftand auch das Ge-
fchlechtsregifter Jefu und zwar hat Cod. D im Lukas es'
in feiner urfprünglichen Form bewahrt. Zwar fieht es
auf den erften Blick fo aus, dafs Cod. D durch eine Härder
Frömmigkeit des Pfalters, ihre Verwandtfchaft mit | monifirung von Lk. und Mt. entfianden ift. Denn er

dem Evangelium und dem Talmud.

Halle a. S. Georg Beer.

Resch, Alfr., Das Kindheitsevangelium, nach Lucas u. Mat
thaeus unter Herbeiziehg. der aufsercanon. Parallel
texte quellenkritifch unterfucht. [Texte u. Unterfuch-

ungen zur Gefchichte der altchriftlichen Literatur, ! den Mt. nach dem alten Teftamente corrigirt und nach

führt das Gefchlechtsregifter durch die königliche Linie
wie Mt. hindurch und hat auch von Jofeph bis Seru-
babel die gleiche Linie. Aufserdem finden wir hier die
bekannte Lücke im Mt. Regifier (duaolag, Imag, byo-
Ciag) ausgefüllt. Im Mt. finden wir endlich, zwar nicht
im Cod. D aber wenigftens in dem ftammverwandten
Syr. Cur. diefe Lücke ausgefüllt. Der Schlufs liegt nun
fcheinbar fehr nahe, dafs derfelbe Redactor zunächft

hrsg. von Ose. v. Gebhardt u. Adf. Harnack, X. Bd
5. Hft.] Leipzig 1897, J. C. Hinrichs' Verl. (IV,
335 SO M- 6.50

Nachdem ich mich zu dreien Malen mit der Methode
und den vermeintlichen Refultaten R.'s auseinander
gefetzt habe, darf ich mich beim vierten Male
auf ein kurzes Referat und einige kritifche Bemerkungen
befchränken.

R. behandelt in diefem Heft Geburts- und Kindheits-
gefchichten des Lebens Jefu. R. hat fich überzeugt, dafs
Mt. 1—2, Lk. 1 — 2 323—38 eine gemeinfame Quelle
vorausfetzen. Da Mt. aus diefer Quelle nur die Stücke
aufnahm, die ihm zur Beftätigung feines Weisfagungs-
beweifes dienten, Lk. feine Quellen fyftematifch kürzte,
fo erklärt es fich, dafs Mt. gerade die eine Hälfte, Lk.
die andere Hälfte der alten Quelle aufgenommen hat.
Indem man Lk. und Mt. zufammenfehiebt, ftellt man
alfo die alte Quelle wieder her. Als Hülfsmittel dazu
dienen vor allem noch die apokryphen Kindheitsge-
fchichten und namentlich die eigenthümlichen Evangeliumsberichte
Juftin's, die fämmtlich aus der alten
Quelle gefchöpft haben, ebenfo die beträchtlichen Textvarianten
in der lukanifchen Textüberlieferung von D vet.
lat. etc. Wo diefe Zeugen einen, wie es fcheint combi-
nirten Text aus Mt. und Lk. bieten, darf man bei Leibe
nicht darauf fchliefsen, dafs hier Mt. und Lk. harmoni-
firt find, fondern wir haben hier Spuren jenes alten Kind-
heitsevangeliums, aus dem Mt. und Lk. gefloffen find

dem verbefferten Matthaeus-Regifler den Text des Lukas
harmonifirt habe. Diefe Behauptung aber hiefse foviel
wie ,zwei Hafen auf einmal jagen und keinen fangen'.
Denn in dem Syr. Cur. ift zwar jene bekannte Lücke
im Regifter nicht vorhanden, aber daneben findet fich die
bekannte Zählung des Mt. nach 3x14 Gefchlechtsgliedern
unaufgehoben. Ein Redactor, der den Mt. nach dem
alten Teftament corrigirte, hätte auch jenen Zufatz (Reichen
müffen. Alfo darf man in der Lesart der Syr.
Cur. nicht die Spuren eines Redactors finden, fondern
die Reliquien eines vorkanonifchen Textes. (Einem Redactor
, der den Syr. Cur. nach einem vorkanonifchen
Text corrigirte, dürfen natürlich diefelben Widerfprüche
nachgefehen werden). Aufserdem zeigen fich in dem
Namensregifter des Cod. D Lk. und in dem des kano-
nifchen Matthaeustextes, ja felbft in den Namen von D
Luk. und d. Mt. fo ftarke Differenzen, dafs an eine ab-
fichtliche Harmonifirung nicht zu denken ift. Die Möglichkeit
, dafs hier gerade fpätere Abfchreiber den Text
verändert haben könnten, wird von R. nicht erwogen.
Demgemäfs bleibt es dabei, dafs wir in D. Lk. das vor-
kanonifche Gefchlechtsregifter des Kindheitsevangeliums
erhalten haben.

Einer Widerlegung bedürfen diefe Vermuthungen
Refch's wohl nicht mehr.

Göttingen. W. Bouffet.

Ropes, James Hardy, Die Sprüche Jesu, die in den kann.

Johannes"fchreib't in feinem frolög eine HÖmilie über I nischen Evangelien nicht überliefert sind. Ein kritifche

die Geburtsgefchichte mit ftändiger Rückbeziehung auf
diefe. Wenn z. B. Joh. iu tox/jrcoötv ep yulp fchreibt,
fo ift das eine deutliche Bezugnahme auf das quellen-
mäfsige Wort Lk. 1,35 övpauig mpiazov ixiexiaom oe.
Denn kxtOtuaC&V ift Ezech. 40sr> Ueberfetzung von JD1B,
und p© ift = axtjpovp.

Denn natürlich war diefe gemeinfame Quelle he-

Bearbeitung des von D. Alfr. Refch gefammelten
Materials. (Texte und Unterfuchungen zur Gefchichte
der altchriftlichen Literatur, 14. Bd. 2. Heft.) Leipzig
, J. C. Hinrichs. (VII, 176 S. gr. 8.) M. 5.50

Ropes giebt in feiner Schrift eine ausführliche und
wohl abfchliefsende Kritik des von Refch in feinem be-

bräifch gefchrieben. Ueberfetzungsvarianten finden fich ' kannten Werke ,Agrapha' gefammelten Materials. Er
in grofser Anzahl, und felbft wenn man 50 Procent diefer lehnt fich dabei durchweg an Refch's Sammlung an, von
Varianten als einfache Synonyma preisgiebt, fo genügen I der er die Notizen aus der evangelifchen Gefchichte, die