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Ausgabe:

1898

Spalte:

161-163

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Marti, Karl

Titel/Untertitel:

Geschichte der israelitischen Religion. 3., verb. Aufl. von August Kayser‘s Theologie des Alten Testaments 1898

Rezensent:

Kraetzschmar, Richard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Pre's
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N°- 6. 19- März 1898. 23. Jahrgang.

Marti, Gefchichte der ifraelitifchen Religion

(Kraetzfchmar).
Roy, Die Volksgemeinde und die Gemeinde der

Frommen im Pfalter (Beer).
Refch, Das Kindheitsevangelium [Texte und

Unterfuchungen von Gebhardt und Harnack

X, 5] (Bouflet).
Ropes, Die Sprüche Jefu, die in den kanoni-

fchen Evangelien nicht überliefert lind [Texte

und Unterfuchungen von Gebhardt und Harnack
XIV, 2] (Bouffet).
Bruston, Etudes sur Daniel et l'Apocalypse
(Bousset).

Bruchftücke der altlateinifchen Ueberfetzung der

Acta Apost. (Harnack).
Stählin, Unterfuchungen über die Scholien zu

Clemens Alexandrinus (Koetfchau).

B ü 1 o w, Des Dominicus Gundissalinus Schrift von
der Unfterblichkeit der Seele [Beiträge zur
Gefch. der Philof. im Mittelalter von Baeumker
und Hertling II, 3] (Siebeck).

Zwingliana, herausg. von der Vereinigung für
das Zwinglimufeum in Zürich (Bollert).

Iffel, Die Reformation in Konftanz (Boffert).

Beiträge zur bayerifchen Kirchengefchichte, herausg
. von Kolde, 3. Bd. (Boffert).

Marti, Prof. D. Karl, Geschichte der israelitischen Religion.

3. verb. Auflage von Auguft Kayfer's Theologie des
Alten Teftaments. Strafsburg, F. Bull, 1897. (XII,
330 S. gr. 8.) M. 4--

Es ift in hohem Maafse erfreulich, wenn ein Buch
wie die von K. Marti bearbeitete Kayfer'fche Theologie
des Alten Teftaments in dem kurzen Zeitraum von
3 Jahren zum zweiten Male erfcheinen kann, erfreulich
nicht blofs für den Herausgeber, der darin mit Recht
den beften Beweis für die Vortrefflichkeit und erhöhte
Brauchbarkeit, die das Buch unfer feinen Händen gewonnen
hat, fehen darf, fondern auch für alle die, die
im Wefentlichen der gleichen Anficht über die Ent-
wickelung der israelitifchen Religion huldigen wie er.
Denn es ift ein Zeichen dafür, dafs die von ihnen vertretene
Anfchauung trotz allem immer mehr an Boden
gewinnt und dafs die von anderer Seite gemachten An-
ftrengungen derenVorwärtsdringen nicht aufhalten können.
Gerade in unteren Tagen ift es nicht ohne Werth, wieder
einmal einen fo fichtbaren Beleg hierfür zu erhalten, —
denn manchmal möchte man faft meinen, es fei das
Gegentheil der Fall.

Neben den denfelben Stoff behandelnden Werken
von H. Schultz und Smend hat das Kayfer-Marti'
fche mit Fug und Recht feinen Platz behauptet, denn es
entfpricht einem von jenen nicht gedeckten Bedürfnifse
und füllt fo eine entlchiedene Lücke in der Literatur
über das Alte Teftament aus. Keins von jenen, fo werthvoll
fie beide in ihrer Art find und fo wenig man eins
davon miffen möchte, ift im eigentlichen Sinne das, was
man ein Studentenbuch nennt, wogegen diefes, aus einem
Kollegheft hervorgewachfen (vgl. das Vorwort von Reufs
zur 1. Ausgabe), von vorn herein für die Bedürfnifse der
Studirenden zugefchnitten ift und dabei in glücklichfter
Weife Knappheit der Form mit Reichthum des Inhalts
und Ueberfichtlichkeit in der Anordnung vereinigt. Ein be-
fonderer Vorzug befteht noch darin, dafs es bis in die
Zeit des Neuen Teftaments hinabreicht, fodafs die neu-
teftamentlichen Theologien unmittelbar daran anfchliefsen.
Die unliebfame Lücke von etwa 150 Jahren, die entfteht,
wenn man, wie zumeift gefchieht, nur die Schriften des
altteftamentlichen Kanons berückfichtigt und die Dar-
ftellung mit der Zeit der Makkabäerkämpfe abfchliefst,
ohne die Brücke zum Neuen Teftament hinüber zu fchla-
gen, ift hier vermieden; dem Lefer ift damit ficherlich
ein Dienft erwiefen. Streng genommen freilich gehört
die Behandlung der letzten Periode nicht mehr in eine
Theologie des Alten Teftaments, aber das Buch nennt
fleh auch in feiner neuen Auflage nicht mehr fo, fondern:
Gefchichte der israelitifchen Religion; dem Vorwurfe,
^er gegen die beiden erlten Auflagen erhoben werden

konnte, ift damit der Boden entzogen worden. Der gewählte
Titel ift kurz und handlich, erweckt aber leicht
falfche Vorftellungen über den Umfang des behandelten
Zeitraums. Unmifsverftändlicher und dem Inhalt entfpre-
chender würde er lauten: Gefchichte der israelitifchen
und jüdifchen Religion bis zur Zerftörung des zweiten
Tempels.

Noch eine zweite Neuerung gegen früher ift auf dem
Titelblatte getroffen; fie befteht darin, dafs das Buch
jetzt völlig unter Marti's Flagge fegelt. Nur ein Zufatz
unter dem Titel giebt noch Kunde, dafs der Grundftock
des Buches von A. Kayfer geliefert ift. Die Berechtigung
zu diefer Aenderung wird man M. fchwerlich beitraten
können, denn thatfächlich ift in feiner Hand aus
dem alten ein neues Buch geworden, wohl aber kann
der Zeitpunkt, zu dem fie vorgenommen, Bedenken erregen
. Sie hätte nicht bei der vorliegenden, fondern
fchon bei der vorangehenden Ausgabe ftattfinden follen,
denn allein der Abftand diefer von der erften, durch Ed.
Reufs beforgten (1886 erfchienen), nicht der der jetzigen
von der vorigen ift es, der die Aenderung des Titels
und die Verfchiebung der Namen fachlich begründet. Die
neue Ausgabe ftimmt vielmehr mit ihrer Vorgängerin
bis auf unwefentliche Einzelheiten und Zufätze durchaus
überein. Die Anordnung und Eintheilung des Stoffes ift
völlig die gleiche, die Auffchriften der Abfchnitte und
Paragraphen find bis auf eine Ausnahme diefelben geblieben
(der 1. Abfchnitt ift nicht mehr ,Die vorjahwis-
tifche Stufe der Religion', fondern ,Die altfemitifche
Religion' überfchrieben, was aber kaum als Ver-
befferung anzufehen ift) und auch der Text ift nur feiten
eingreifender geändert, z. B. S. 39, 53, 70, 2i2f., 282. Die
Nachträge und Verbefferungen find zumeift in den Anmerkungen
untergebracht, von denen eine gröfsere Anzahl
neu ift, z. B. S. 32 n. 3, 42 n. 1, 77, 107 n. 1, 116, 130,
152, 183, 212, 283, während andere umgearbeitet oder
durch Zufätze vermehrt find, wie S. 80, m, 121, 158 n. 1.
Was an Literatur der letzten Jahre in Betracht kam, ift
darin, foweit es den Zwecken des Buches entfprechend
fchien, aufgeführt und berückfichtigt. —

Dafs damit nun fämmtliche Wünfche erfüllt feien, die
man bei einer Neuherausgabe des Buches gern erfüllt gefe-
hen hätte, wagt Referent nicht zu behaupten, glaubt vielmehr
, dafs bei einer fich nöthig machenden neuen Auflage
kaum wieder damit auszukommen ift, neue Flicken
auf das alte Wams zu fetzen. Schon diesmal hätte er
gar manche von den problematifchen Aufftellungen zumal
des 1. Abfchnitts gern vermifst oder doch in weniger
beftimmte Form gekleidet gefehen, die Angabe über die
Afcheren (S. 28) abgeändert, die Bundesvorftellung und ihre
Bedeutung für die israelitifche Religion mehr gewürdigt,
des Herausgebers Anficht über die Gefchichte der Mef-

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