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Ausgabe:

1898 Nr. 2

Spalte:

59-60

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kingsley, Charles

Titel/Untertitel:

Aus Charles Kingsleys Schriften. Eine Auswahl aus seinen Predigten, Vorträgen, Ansprachen, Essays usw 1898

Rezensent:

Hans, Julius

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59

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 2.

60

Rade, Pfr. D. Mart, Zu Christus hin. Religiöfe Geleitworte
. Freiburg i/B., J. C. B. Mohr, 1897. (VIII, 197 S.
8.) M. 2.—

Manchen Lefern der ,Chriftlichen Welt' find die 53 Betrachtungen
, die in dem einfach und fchön ausgeftatteten
Büchlein dargeboten werden, alte liebe Bekannte. Aus
den 10 erften Jahrgängen jenes Blattes 'find fie gefam-

über 100 Abfchnitte, die auf 270 Seiten abgedruckt
find; manche umfaffen nur eine Seite oder weniger,
andere erftrecken fich bis zu 8 oder 10 Seiten. Ich ziehe
für meinen Theil, wenn einmal ein Schriftfteller auszugs-
weife geboten werden foll, die letztere Art vor. Im
erfteren Fall kann von zufammenhängendem Lefen ja
überhaupt keine Rede fein, und ein Gedanke, der mich
als Glied einer längeren Entwicklung vielleicht mächtig

melt. Die Anfangsbetrachtungen der ,Chriftlichen Welt' I packt, fieht mich doch oft recht fremd an, wenn er mir

werden gegenüber dem fonftigen Inhalt fo leicht als plötzlich vereinzelt gegenüber tritt.

herkömmliche decorative Zuthat angefehen, flüchtig ge- Zufammengeftellt ifl die vorliegende Auswehl im
lefen, oft auch überfchlagen. Wir find dem Verfaffer Wefentlichen durch Kingsley's Schwiegerfohn, Rev.Wil-
dankbar, dafs er einen Theil jener Betrachtungen in Buch- liam Harrifon. Die Ueberfetzerin hat nur Einiges wegform
uns vorlegt und unfer Aufmerken auf fie hinweift, j gelaffen, was für das deutfehe Publikum von geringerem
Dankbarer find wir für den reichen, im edelften und Intereffe fchien, und dafür einiges Andere hinzugefügt,
weiteften Sinne erbaulichen Inhalt. Der Verfaffer fagt ! Benutzt find nur die religiöfen und wiffenfehaftlichen

im Vorwort: ,Ich kenne als Pfarrer, als Theolog keinen
höheren Beruf, als den Suchenden etwas zu fein, be-
rathender und ermunternder Freund, Wegzeiger'. Daher
der Titel: ,Zu Chriftus hin'. Der Verfaffer kennt die
Hindernifse des Glaubens, die dem modernen Menfchen
die geiftigen Strömungen, die kirchlichen und religiöfen
Parteikämpfe, die wirthfehaftlichen Streitfragen unferer
Tage bereiten; er kennt fie aus Erfahrung und fteht felbft
mitten in der Bewegung. Aber er hat fie im Princip
innerlich überwunden und ift ,feines Gottes gewifs und
fröhlich in feiner Gemeinfchaft.' Wie er felbft nur durch
Chriftus und in Chriftus zum Vater gekommen ift, daher
keinen andern Weg zum Frieden der Seele kennt und
kennen will, als den, der der Weg und die Wahrheit und
das Leben ift, fo will er den Fragenden, Suchenden,
Kämpfenden Wegbahner zu Chriftus fein, damit auch fie
in ihm Frieden finden. Es find verfchiedenartige Töne,
die angefchlagen werden, aber fie flehen in voller Harmonie
: ftets ift es die Perfon des Herrn, die in den Vordergrund
gerückt ifl, und auf den die Seele fchaut, ob

Schriften Kingsley's; die Romane find, worin auch ein
Unterfchied von der früher erfchienenen Auswahl liegt,
unberückfichtigt geblieben. Aufser Gegenfländen des
Glaubens, die in erbaulicher Weife behandelt werden,
find es vorwiegend fociale und hiflorifche, zum Theil
auch äfthetifche Fragen, die Befprechung finden.

Dafs der kleine Band eine Fülle eigenartiger, tiefer,
anregender Gedanken enthält, wird kaum gefagt zu werden
brauchen. Diejenigen, die Kingsley bis jetzt etwa
nur aus dem kennen, was die .Briefe und Gedenkblätter'
enthalten, werden hier eine willkommene Ergänzung des
dort Gebotenen nach verfchiedener Richtung hin finden.

Augsburg. J. Hans.

Fugger-Glött, Prieft. Herrn. Jof., S. J., Kreuzfahrer-Lieder.

Neue Folge. Freunden des heil. Landes aus dem
Leben zufammengeftellt. A. u. d. T.: Stimmungsbilder
, nach der Natur gezeichnet. Mainz, Kirchheim,
nurf der ftüleTSehnfu^^ I l896- (XVI> 131 S. 12.) M. 2. —; geb. M. 3.—

verliehen werden, ob der Verfaffer fich über die erfah- Referent kennt fich auf Weg und Steg in Paläflina

rene Erlöfung durch Jefus Chriftus Rechenfchaft giebt, ob ziemlich gut aus; jedoch ift er kein Aefthetiker von
er für den Beweis des Glaubens in der chriftlichen Bru- Fach. Er übernahm die Befprechung von Kreuzfahrerderliebe
eintritt und für das Gemeinfchaftsleben ernfter
Chriften zum Bau der Gemeinde fich erwärmt. Denn das
ift dem Verfaffer ernfteftes Anliegen, dafs die Heilswohl-
that Gottes, deren der Chrift fich getrottet, fich auch in

liedern, weil er glaubte, darin Schilderungen aus der
Terra saneta anzutreffen. Das ift nun allerdings nicht
der Kall; fondern wir haben es hier mit einer Sammlung
von Liedern zu thun, die der Verfaffer, ein Mann von

einem neuen Leben der Liebe, der Kraft und der Zucht I lebhaftem Naturgefühl, im Anfchlufs an die wechfelnden
offenbaren mufs, und gegen nichts Breitet der Verfaffer j Jahreszeiten gedichtet hat. Es find fehr harmlofe Ge-
mit folcher Kraft, als gegen ein faules und phrafenhaftes dichte und in keiner Weife Pofaunenftöfse der ecclesia
Chriftenthum. Das Büchlein fchliefst mit den Worten: militans. Vielleicht fchwebte dem Verfaffer Friedrich

.Kein Theologe kann und will an der Gewifsheit rütteln
,Verbnm Dei manet in aetemum', und das Vorwort:
,Wir habens doch gut, dafs wir unter allen Laften und
Enttäufchungen diefes Lebens eine ewige Heimat kennen
'.

Vielen Suchenden und vielen, ,die gefunden find';
möge das Buch den Dienft leiften, den der Titel nennt.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Aus Charles Kingsleys Schriften. Das Trefflichste was ein
Trefflicher gefagt. Eine Auswahl aus feinen Predigten
, Vorträgen, Anfprachen, Effays, Befchreibungen
u. f. w. Autorifirte Ueberfetzung von Maria Baumann.
Mit Bild Kingsleys, feines Haufes und feines Grabes.

von Spee, der edle und gemüthvolle Dichter aus dem
Jefuitenorden des 17. Jahrhunderts, als Vorbild vor, we-
nigftens zeigen einzelne feiner Lieder nahe Verwandt-
fchaft mit folchen von Spee, aber durchaus nicht im
Sinne blofser Entlehnungen. An klare anfehauliche
Bilder vom Morgenland her gewöhnt, fühlen wir uns von
den Liedern Fugger's oft fremdartig angemuthet. Der
Dichter möchte, dafs aller Wefen ftummer Drang durch
den Hauch feines Liedes bewegt werde und das ganze
,Weltenhaus' aus feiner Bruft Gott entgegenringe. Er
hat offenbar eine fehr ftarke Bruft. Pectus est quod theo-
logum facit; darum begreifen wir, dafs er ,die frohen
Lippen des Säuglings betend der Bruft der Morgenfonne'
fich nahen läfst, während wir ein folch Unternehmen für
einen Säugling viel zu kühn finden. Der Dichter hört
die Nachtigall aus überreicher Bruft fingen, was wir nicht

Göttingen, Vandenhoeck & Rupprecht, 1897. (X, 270S, i u,e"d.r"^ dUi uoerre euer uruu nngen, was w r n.uu
„ b ' ' . K» controlhren können, er felber greift ,in Wonne und Liebes-

8. M. 3.60; geb. M. 4.60.

Die vorliegende Auswahl aus Ch. Kingsley's Schriften
unterfcheidet fich von der früher in deutfeher Ueber-

luft gegen die Himmelsfrau Maria' zur Harfe. Wenn der
Dichter frägt: ,Wer fchlürft das unendliche Meer in die
enge Seele ein?' fo antworten wir getroft: Niemand. Wo
fetzung erfchienenen: .Tägliche Gedanken'hauptfäch- 1 wäre eine Seele, die ein hierfür genügendes Volumen
lieh dadurch, dafs fie nicht einzelne Gedanken, fondern | hätte? In einem Sängerftreit mit den Vögeln gab er fich
meift längere Auszüge enthält, in denen eine Wahrheit j befiegt, zumal als die Nachtigall wieder aus voller Bruft
nicht blofs ausgefprochen, fondern in entwickelnder j fang. Aber warum foll menfehlicher Gefang fo fehr
Weife begründet und dargelegt wird. Es find etwas hinter dem Vogelgefang zurückftehen? Der Dichter fchuf