Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1898 Nr. 26

Spalte:

677-682

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kunze, Johannes

Titel/Untertitel:

Das nicänisch-konstantinopolitanische Symbol 1898

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

6/7

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 26.

678

ift, können vielleicht ein befonderes Intereffe beanfpruchen,
zumal fie durch ihre Veranlaffung neue Auffchlüffe über
die Anfänge des Neflorianismus zu verfprechen fcheinen.

es bis dahin keine officielle Bedeutung gehabt; die Kraft
der Lehrentfcheidung wurde noch nicht ihm, fondern
nur N vindicirt.

Die Angabe in n. 6 ift übrigens nicht fpeciell auf den Kunze hat nun zunächft eine neue Hypothefe dar-

Sonntag, an dem Proklus predigte, zu beziehen, fondern ; über aufgeftellt, wie C in die Acten von 381 gekommen.
— was dem Wortlaut nach möglich ift — auf das erfte j Während Caspari dachte, es möge durch Epiphanius,
Jahr des Neftorius, da er nach Sokrates h. e. VII 29 die der es (als das Symbol von Jerufalem) im Ancoratus
Bifchofsweihe am 10. April 428, alfo am Dienftag vor der Gemeinde zu Syedra als Tauffymbol empfohlen hatte,
Palmarum, und nicht am Sonntage rrjg domriaq oder i auch in Konftantinopel vertreten worden fein, hatten Hort
toü docbtov (fo genannt nach dem Evangelium vom ver- j und Harnack die Anficht geäufsert, Cyrill felbft habe
lorenen Sohn; vgl. Lc 15,13) = Seßtuagesimac, erhielt; vielleicht Anlafs gehabt, hier diefes Symbol zu .bekennen',
und die Invective auf die Faftenordnung des Neftorius | und dabei für es eine ausdrückliche Zuftimmung erlangt,
in n. 7 kann fich nur gegen den Faftenmodus, nicht gegen j Kunze führt dagegen einen Gedanken aus, den er fchon
die Quadragefima überhaupt richten, die fchon lange Zeit j in feiner Schrift über Marcus Eremita kurz entwickelt
vor Neftorius auch in Konftantinopel allgemein üblich ' hatte. Bekanntlich wurde auf dem Concil an Stelle des
war. Man darf in diefer Hinficht darauf verweifen, dafs i zurückgetretenen Gregor von Nazianz ein Bifchof für
nach Asscmani Bibliotheca orientalis III 2 p. 360. 386 die | Konftantinopel gewählt. Erhoben wurde Nectarius, ein

noch nicht getaufter Mann, der alfo auch noch eilig den
Katechumenenunterricht empfangen mufste. Die Hauptfache
hierbei war die traditio symboli. Kunze macht darauf
aufmerkfam, dafs Nectarius ein Landsmann des Diodor
von Tarfus war. Diefer hatte feine Wahl angeregt. So
werde ihm auch die Zurüftung desfelben für die Taufe
zugefallen fein. Dann aber werde dem Nectarius das in
Tarfus übliche Symbol tradirt worden fein. Dürften wir

fyrifchen Neftorianer ihr Ofterfaften die heben Wochen
hindurch, ohne Ausnahme der Sonnabende und Sonntage,
beobachteten. Demnach wird es das Sabbat- undSonntag-
faften gewefen fein, das den Zorn des Proklus erregte
und, da es der allgemeinen Sitte der griechifchen Kirche
fchroff widerfpricht, erregen mufste. Eufebius von Cäfarea
in Kappadokien (362—370), der Vorgänger des grofsen
Bafilius, tritt mit n. 10 zum erften Mal in die Reihe der

kirchlichen Schriftfteller; und wenn man etwa annehmen j glauben, dafs C damals das Tauf bekenntnifs von Tarfus
wollte, dafs ,in Kappadokien' durch den Irrthum eines ! gewefen, fo war alfo diefes fortab das perfönliche BeSchreibers
aus Analogie der Ueberfchrift von n. 8 in kenntnifs des Bifchofs von Konftantinopel. Nun fei weiter
n. 10 hinzugefügt wäre, dafs es fich alfo vielmehr um anzunehmen, meint Kunze, dafs Nectarius dem Concil ein
eine Rede des Eufebius Pamphili handelt, fo würde der Glaubensbekenntnifs vorgelegt habe. Es fei fchon da-
Werth des Stückes dadurch nicht verringert, da auch unter ; mals Sitte gewefen, dafs ein neuerwahlter Bifchof öffent-
deffen Namen eine Predigt über das kananäifche Weib lieh feinen Glauben in einer beftimmten Formel kundgab,
bis jetzt nicht bekannt ift. j um feine Stellung im Hader der Parteien zu bezeichnen.

Diefe Bemerkungen mögen genügen, um darauf hin- , Nectarius werde gewifs fein Tauf bekenntnifs einfach
zuweifen, dafs an der in Rede flehenden Handfchrift neben j wiederholt haben. So werde C als das Bekenntnifs
den Aegyptologen auch die Theologen in hohem Maafse j deffen, der alsbald den Vorfitz des Concils übernahm,
intereffirt find, und die Hoffnung auszufprechen, dafs | in die Acten desfelben gekommen fein. Natürlich hatten

die Theilnehmer des Concils das Bekenntnifs des Nectarius
gebilligt. So konnte fortab „fchlicht gefagt werden",
C fei das Bekenntnifs der „150 Väter". Man habe freilich
noch nicht alsbald irgendwie allgemein fo gefprochen.
Die Erinnerung an C's Stellung in den Acten von
Konftantinopel fei vielmehr vorläufig noch zurückgetreten.
Kunze, Priv.-Doc. Lic. Dr. Johannes, Das nieänisch-kon- Doch dürfe man glauben, dafs durch Nectarius C in
stantinopolitanische Symbol. (Studien zur Geschichte der 1 der Refidenz felbft zum Tauffymbol gemacht fei, zwar
Theologie und der Kirche, herausgegeben von N.Bon- nicht fofort, aber im Jahre 383, wo Kaifer Theodofius
wetsch und R. Seeberg. 3. Bd. Heft 3.) Leipzig, nochmals eine Synode nach Konftantinopel berief und
' . , _T . . .!/,e o w r von allen I arteihauptern ein Bekenntnifs einforderte.

R. Deichert Nachf., 1898. (72 S. gr. 8.) M. 1.60 j Nur das des Nect fand fejne Zuftimmun„ Nect werde

Budge fein Verfprechen, die Handfchrift bei erfter Gelegenheit
zu publiciren, bald einlöft und, wenn ich bitten
darf, der Ausgabe eine Ueberfetzung beigiebt.

Göttingen. Hans Achelis.

Die Frage nach den Umftänden, die dem vorbezeichneten
Symbol zu feiner gefchichtlichen Bedeutung
verholfen haben, gehört zu denen, welche fchwerlich je
ohne hypothetifchen Reft zu löfen find. An der neuen
Arbeit von Kunze find Gelehrfamkeit und Scharffinn

natürlich wieder C vorgelegt haben, fein Tauf- und
Bifchofsbekenntnifs. Erhielt diefes jetzt auch die kaifer-
liche Billigung, fo liege die Idee nahe, dafs Nect. es
nun zum Tauffymbol von Konftantinopel erhoben habe
Ku nze glaubt Beweife zu belitzen, dafs es bald nach 383

rühmlich hervorzuheben. Wenn fie mich in entfeheiden- j diefe Stellung gehabt. Davon fogleich. Zunächft mufs
den Beziehungen nicht zu überzeugen vermocht hat, fo | ich darauf aufmerkfam machen, dafs die Conftruction.
anerkenne ich fie doch fehr gern als eine bedeutfame | die Kunze bietet, gewifs als .möglich' erfcheint, aber
Förderung der Forfchung. doch auch nicht höher bewerthet werden kann. Vor

Allen bisherigenForfchungen,auch denjenigenKunze's 1 allem weifs niemand etwas davon, dafs C in Tarfus als
find folgende Refultate gemeinfam. 1) C ift nicht erft | Symbol galt. Kunze glaubt Spuren davon nachweifen
auf dem Concil von 381 creirt worden, fondern reprä- zu können, dafs C in jener Ecke Kleinafiens Tauffymbol
fentirt das Tauffymbol von Jerufalem in derjenigen Re- | geworden fei. Diefelben find fehr unficher; fie find zu-
daction, die es (vermuthlich) durch Cyrill empfangen 1 dem erft auf und nach dem Concil von Chalcedon zu
hatte; Cyrill hatte eine ältere Formel durch Einfchübe ! conftatiren. Aber es ift freilich doch denkbar, dafs Diodor
aus dem Tomus von Nicaea, N, und durch eigene pneu- J C zum Symbol hatte. Der Ancoratus des Epiphanius
matologifche Zufätze auf die Höhe derjenigen Orthodoxie j mufs ein fehr verbreitetes Buch gewefen fein. Vielleicht
gebracht, die feit 362 fiegreich wurde. 2) Es mufs in [ hatte Diodor die Empfehlung von C an die Syedraner,
den Acten des Concils von Konftantinopel irgend etwas ; die er dort gelefen, auch für feine Gemeinde aeeeptirt.
zu lefen gewefen fein, was die Behauptung ftützen konnte, Alfo wenn das der Fall war und wenn Diodor den Nect.
C fei von diefem Concil als die zeitgemäfse Umformung zur Taufe vorbereitet und felbft getauft hat, fo möchte
von N proclamirt worden. 3) Bis zur Zeit des Concils ; durch ihn C dem Nect. .tradirt' fein. Aber es ift doch
von Chalcedon hat C jedenfalls noch nicht allgemein eigentlich auffallend, dafs Nect. nicht das Symbol der
im Orient als Tauffymbol gedient. Auch theologifch hat ] Stadt, in der er getauft wurde und deren Bifchof er fein