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Ausgabe:

1898 Nr. 25

Spalte:

657-660

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Overbeck, Franz

Titel/Untertitel:

Die Bischoflisten und die apostolische Nachfolge in der Kirchengeschichte 1898

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 25.

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fetzungen, als wir es gewöhnt find. Einem franzöfifchen ' nicht an mich, fondern an die altchriftlichen Schrift-
Publicum gegenüber wird das gerechfertigt fein, und die j fteller und an die, welche fie überliefert haben, zu richten;
Kunft der Darftellung hat dadurch gewonnen. Ich habe j Overbeck möge mir zeigen, wie diefer Stoff kürzer zu

kein theologifches Werk eines Franzofen (Renan einge-
fchloffen), vielleicht auch keines Deutfchen feit Harnack's
Dogmengefchichte, mit gleicher Spannung und gleichem
Genuffe gelefen, wie den zweiten Theil diefes Werkes.

Wilmersdorf b. Berlin. Paul Wendland.

Overbeck, Franz, Die Bischofslisten und die apostolische
Nachfolge in der Kirchengeschichte des Eusebius. Programm
zur Rectoratsfeier der Universität Basel.
Basel 1898. (44 S. gr. 4.)

1) ,AiaöoyJ] xmv dxoöxöXmv hat (bei Euf.h.e.I,i) nicht I meiner Darftellung zu ändern. Ich hatte behauptet, dafs
r feinen urfprünglichen concreten Sinn der Succef- Eufebius in der Kirchengefchichte nicht an dem

faffen ift. Die ,Chronologie' habe ich fo concis behandelt,
als die Probleme es irgend zuliefsen; hätte ich mir die
Overbeck'fchen Abhandlungen für fie zum Mutter genommen
, fo wären allein aus diefem Theile viele Bände
geworden. Auch hier läfst mich feine Klage über die
.unerträglich breite und zerfloffene Schriftftellerei' vollkommen
kühl; denn fie bezeichnet nur den Grad des
Uebelwollens, auf das ich gefafst war und das ebenfo
erklärlich wie entfchuldbar ift.

Was nun die Sache felbft betrifft, die hier auf
43 Seiten ausgebreitet ift, fo könnte ich das, was Overbeck
ausgeführt hat, acceptiren, ohne etwas Fundamentales in

mehr feinen urfprünglich
fionsfolge als folcher, fondern den übertragenen, abftrac
teren der Herrfcherfolge oder Dynaftie als der Trägerin
eines nach ihr zu bezeichnenden Complexes von ge-
fchichtlichen Vorgängen, von denen unter Anderem
manche fich auch in Succeffionsreihen im eigentlichen,
ftrenger oder freier angewendeten Sinne des Wortes abwickeln
können. Hiernach fpricht aber der Satz (mit
dem die .Kirchengefchichte' beginnt) Eufeb's Abficht

Faden der Bifchofs-, fondern der Kaiferregierun-
gen erzähle, und dafs die ,apoftolifche Nachfolge' Bi-
fchöfe und Lehrer umfaffe, fetzte aber ausdrücklich hinzu:
,aber freilich find die Bifchofsliften von ganz befonderem
Werthe; denn die Lückenlofigkeit der Ueberlieferung
der Wahrheit läfst fich an ihnen, und eigentlich nur an
ihnen, eindrucksvoll demonftriren ... Eufebius vermochte
die ununterbrochene und ineinandergreifende Wirkfamaus
, die Gefchichte der apoftolifchen Nachfolge (Dynaftie) i keit der Lehrer nicht ficher zur Darfteilung zu bringen'.

zu erzählen und zwar in ihrem Verlaufe in einer fünf- j Dem gegenüber fucht Overbeck — ohne noch auf die

gliederigen Reihe von Vorgängen: in den drei Succeffions- j Hauptfrage einzugehen, an welchem Faden Eufebius feine

reihen der Bifchöfe, der Lehrer und der Irrlehrer diefer Kirchengefchichte erzählt — zu zeigen, dafs ,6iaöoyrj xmv

Nachfolge, gewiffen fie intereffirenden Erlebnifsen des axoöxoXmv' einen engeren und weiteren Sinn habe, zu-

jüdifchen Volkes und denen der Kirche, die fich dar- nächft bezeichne der Begriff lediglich die Gefammtheit

ftellen in den Verfolgungen durch die Heiden' (S. 25). j der Succeffionen der Bifchöfe, dann auch die hiftorifche

2) ,Da die Form (einer diadochifchen Reihe) der erften > Erfcheinung der Kirche in ihren Manifeftationen über-

Reihe der Einträge der Kirchengefchichte allein eigen ift, fo 1 haupt, alfo die Lehrer, Irrlehrer etc.1); ja er fpricht felbft

ergiebt fich nun auch, dafs der Supremat der Bifchofsreihen von ,den drei Succeffionsreihen der Bifchöfe, der

in Eufebs Vorttellung der ,apoftolifchen Nachfolge' aller- Lehrer und der Irrlehrer'. Die Frage ift nach Overbeck

dings ein wefentlicb.es und durchfchlagendes Moment j alfo die, ob nach Eufebius die ,Lehrer' in den primären

fein mufs. Weder foll Eufebs Kirchengefchichte nach J oder in den fecundären Begriff ,ötaöoyr] xmv dxoGxöXmv'

leiner eigenen Angabe ein Werk fein, das materiell gehören, oder genauer — da auch ich behauptet habe,

nur Bifchofsreihen zur Darfteilung bringt, noch ift fie | die Bifchöfe Bänden für Eufebius im Vordergrund —:

thatfächlich ein folches Werk oder kann es auch nur I ob die .Lehrer' sub Ib oder sub II unterzubringen find.

füglich fein, aber gewifs ift, dafs jene Reihen auf die I Im erfteren Falle nehmen fie irgendwie an der Bedeutung
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Form der Kirchengefchichte des Eufebius unter allen
ihren Gegenftänden einen Einflufs von einziger Art ausgeübt
haben. Sie haben für Eufebius dem Ganzen, indem
fie darin allein als Diadochie auftreten, den Namen
geben können. Nur um der Befchofsreihen willen hat

Theil, die den Bifchöfen zukommt, im anderen gehören
fie einfach in die Maffe der kirchenhiftorifchen Erfchei-
nungen (Irrlehrer, Judengefchichte, Verfolgungen) hinein.
Overbeck meint nun, dem Prolog ein Zeugnifs dafür
entlocken zu können, dafs das Auftreten der ,Lehrer'

Eufebius was er in feinem Vorwort befchreibt, als ,apo- ! von Eufebius formell nicht anders beurtheilt werde als
ftolifche Nachfolge' bezeichnen können' (S. 40). das der Irrlehrer, nämlich als ein Stück Gefchichte, das

3) ,Die ,apoftolifche Nachfolge' bezeichnet alfo in j freilich auch unter den Begriff .Apoftolifche Succeffion'
der Kirchengefchichte des Eufebius zunächft und an und ! gebracht fei. Allein da nach Aufftellung des zweitheilig
für fich nichts Anderes als die Gefammtheit der Succef- angekündigten Hauptthemas ,at jä>v lepmv djioOxdXmv

öiaöoyal ovv xcujolg... ygovoig, 6öa xe xcä ni]Xixa jigay-
(laxtv&tjvcu xaxa xrjv txxXrjGiaGxix?)v iaxogiav Xtyexaf,

fionen der Bifchöfe der Kirche, aber, indem diefe Ge
fammtheit bei Eufebius die Trägerin der hiftorifchen

Manifeftationen der Kirche oder der Kirche als hifto- 1 lediglich eine Zerlegung desfelben in fünf parallelen
rifcher Erfcheinung überhaupt geworden ift, dient fie ' Linien (Bifchöfe, Lehrer, Irrlehrer, Judengefchichte, Ver-
ihm zugleich als Bezeichnung eben diefer Erfcheinung; 1 folgungen [Märtyrer]) gegeben wird, ohne Angabe, wie
woraus fich auch die befondere Bedeutung, welche in ; fich jede diefer Linien zum vorangeftellten zweithei-
Eufebs Darftelluncr der Kirchengefchichte feine Bifchofs- , hgen Hauptthema verhält, fo bleibt zunächft unklar,
litten haben erklärt' (S 41) welche von ihnen den Begriff ,öiaöoya xmv djcoOxöXmv'

Diefe gewundene Definition des Begriffes der ,Aia- j decken. Dafs die drei letzten lediglich zu den ,That-
öoyjj xmv djtooxöXmv' fucht der Verfaffer in dem vor- fachen' gehören, die im Thema ja auch angekündigt
Behenden Programm zu begründen in fcharfer Polemik waren, 1B gewifs; Overbeck hat fich unnütze Sorgen um
gegen S. 64—67 meiner .Chronologie'. Den unhöflichen die Unterbringung der Irrlehrer gemacht und in unftatt-
und anmaafsenden Ton' diefer Polemik übergehe ich; hafter Weife von einer .Succeffionsreihe der Irrlehrer'
ich kann nicht vergehen dafs ich einB Manches von gefprochen; eine folche konnte esf für Eufebius nicht
Overbeck gelernt habe, was Andere mich nicht lehren geben, und auch das unbeBimmte ,6m]vlxa' fchliefst fie
konnten, und mufs daher den Fachgenoffen das Ur- aus. Somit bleiben nur die Bifchöfe und Lehrer übrig
theil über feine Angriffe überlaffen. Nur die Befchwerde als folche, in denen fich der Begriff der ,6ia6oya xmv
über den zu erwartenden Umfang meiner .Litteratur- | - . , _

gefchichte' darf ich felbft zurückweifen- der erfte Band , , T> J* bertreue d.efen letzteren Gebrauch: Overbeck bezieht hie.
& ..iv-iiLc uari ich ltiuu zurucKweiic.i. uti auf den Begriff .Stadoval Tdh> anoatolcuv', vu befler «nf d«n ihm

von c. nooS. ift kein Lefebuch, fondern ein Nach- geordneten BBcgri'ff der *Thatlacheil der S^SS^^^M
tchlagewerk. Die Klage, dafs er fo umfangreich ift, ift (f. übrigens S. 12 not. 19). 6