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Ausgabe:

1898 Nr. 2

Spalte:

45-48

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schenkl, Car. (Ed.)

Titel/Untertitel:

Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Vol. XXXII, pars I (fasc. I et II) et II 1898

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 2.

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befonders Harnack verteidigt. Wenn auch im Einzelnen funden Tact, dafs kein Anlafs zum Mifstrauen vorliegt,
beachtenswerte Gegengründe vorgebracht werden, fo : Druckfehler find fehr feiten, am feltenften, wie mir fcheint,
werden doch die der Chriftlichkeit entgegenftehenden in dem Variantenapparat; dafs ein aufmerkfamer Lefer
Hauptbedenken nicht entkräftet, und der ungeeignete ' auch die fchwereren im Text ohne Mühe zu verbeffern
Ton überlegener Ironie, den der Archäologe dem Hifto- vermag, werden ein paar Beifpiele zeigen: I 287, 14 per-
riker gegenüber anfchlägt, macht die Sache nicht beffer. functiora scientia (aber fchon Z. 19 perfwnctoria sc.) I 253,
Die Frage bleibt beftehen, ob nicht in der Infchrift die ■ 13 diutns ft. diutius, 1312,6 coruptibilibus, I 705,17 postest.
Myfterienfprache einer heidnifchen Cultgemeinde gefpro- Nicht fchlimmer find {dgines ft. Origcnes in der Vor-
chen wird, wobei freilich in irgend einem Mafse das ; rede zu I p. XIII und XXXI, und das Fortfallen einer
Chriftliche mit hereinfpielt. In diefer Richtung liegt auch , X in der Vorrede zu II p. XII n. 3 oder ein paar
der neue, von Albrecht Dieterich gegebene Erklärungs- ; falfche Zahlen bei den Citatnachweifen, z. B. I 260 Phil,
verfuch (,die Grabfchrift des Aberkios' Leipzig 1896). ' 3, 26 ft. 3,20 und II 29 Phil. 1, 39 ft. 1,23. Der Fall ift

Geislingen a. St. H. Dopffei.

ganz vereinzelt, dafs wo in einer Zeile eine Phrafe (corpore
mortis I 710,10) zweimal vorkommt, der Apparat die
— m. E. übrigens für den zweiten Platz vorzuziehende

Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum, editum con- ; _ Variante corporis morte anführt ohne Notiz, ob die
silio et impensis Academiae Litterarum Caesareae ; betreffenden Zeugen fo beide Male oder nur einmal und

Vindobonensis. Vol. XXXII. Wien 1896. 1897, F.
Tempsky. (gr. 8.)

Sancti Ambrosii opera. Pars I. Fase. I. qua continentur
libri Exameron, de Paradiso, de Cain et Abel, de Noe. Ree. Car.

dann an welcher Stelle lefen. Die Interpunktion ift zweck-
entfprechend durchgeführt: I 753 ftören die Punkte in
Z. 13 und 14, weil das quoniam ipse ff. Z. 15 noch zu
demfelben Satz wie ut dicat Z. 10 gehört und I 295,6 fehlt
hinter praetendit ein Komma. Mit einigem Staunen beo-

Sehenkl. (497 S.) M. 12.80. - Pars I Fase. II qua continentur bachtet mani wie haufig Schenkl trotz der Fülle von

libri de Abraham, de Isaac, de bono mortis. Ree. Car. Schenkl. Handfchriften mit Conjecturen, gröfstentheils Einfügung
(LXXXVill s. u. S. 499-755.) M. 8.80. - Pars II qua continentur von Süben oder einzelnen Worten den Text in Ordnung
libri de Iacob, de Ioseph, de Patriarchis, de fuga saeculi, de inter- ; br:ngen mufs se;ne Zurückhaltung verdient trotzdem
pellatione lob et David, de apologia David, apologia David altera, , abes Lob; 0ft aufsert er nur mit einem fortasse im Apparat
einen Vorfchlag, der mit Grund in den Text aufgenommen
werden konnte; gelegentlich hat er einen
zweifellofen Fehler der Ueberlieferung wie I 288,11 di-

de Helia et ieiunio , de Nabuthae, de Tobia. Ree. Car. Schenkl.
(XXXXVIIII, 575 S.) M. 16,

Eine neue Ausgabe der Werke des Ambrofius von

Mailand war fchon lange ein Bedürfnifs; die Mauriner gnus invenitur poena gutpeccatum vitarc nonpotitit—wo
hatten hier bei weitem nicht fo Hervorragendes wie bei | der Sinn die Streichung des non fordert, beibehalten;
Auguftin geleiftet, und die von ihnen geplante zweite unnöthige Conjecturen dagegen wie 1704,13 ait item
Ausgabe ift unvollendet geblieben und nicht publicirt apostolus ft. idem, 1717, 19 adlcuemus animam nostram
worden. Endlich find in der Wiener Sammlung der la- ex istins carnis cubili ft. ablevemus find keineswegs häufig,
teinifchen Kirchenväter die erften beiden Theile der Noch feltener aber kommt vor, dafs Sch. die offenbar
opera S. Ambrosii — dafs beide als Vol. XXXII aus- : fchlechtere Lesart, weil fie eine gute Autorität für fich
gehen, beruht wohl auf einem Verfehen — in rafcher j hat, gegen die übrigen Zeugen bevorzugt wie 1714,14,
Folge erfchienen, und wir wollen hoffen, dafs die übrigen wo der Tod seatndum apostolum hierum Christi (d. h.
heben nicht lange auf fich warten laffen: für das kirchen- ein Chriftum Gewinnen) heifst und hierum Christus est
gefchichtliche Studium wird ihr Inhalt nämlich durch- als Praedicat unhaltbar ift.

fchnittlich wichtiger fein als der der nunmehr veröffent- j Grofsen und erfolgreichen Fleifs hat Sch. _ die

lichten Bände, die blofs des Ambrofius exegetifch-homi- ; Mauriner hatten hier recht viel zu thun übrig gelaffen_

letifche Abhandlungen zum AltenTeftament mit Ausnahme auf Nachweifung der von Ambrofius citirten Schriftftellen
des Pfalmencommentars umfaffen. und der von ihm benutzten aufserbiblifchen Litteratur

Man braucht nur beliebig einige Seiten der neuen | verwandt, wobei er auch die in den Text verflochtenen
Recenfion mit dem Texte der Mauriner (und Migne's) j Anfpielungen gewiffenhaft berückfichtigt. Eine Reihe von
zu vergleichen, um den grofsen Fortfehritt zu erkennen, , Nachträgen wäre hier zu machen, einige Stellen auch zu
den bei Löfung diefer Aufgabe die Verbindung von ; ftreichen; doch hat Sch. mit Recht felber erklärt, dafs
Fleifs, Gewiffenhaftigkeit und ftreng methodifcher Aus- und weshalb ein Einzelner hier abfolute Vollkommenheit
nutzung aller Mittel unfrer Zeit zu Stande gebracht hat. ; nicht erreichen könne. Warum in diefem Fach aber immer
Für die meifien Schriften des Ambrofius, namentlich das j I Petr. I Kor. I Theff., dagegen Reg. I Hesdrae I Paralip. I
Exameron, exiftiren folche Maffen von Handfchriften, dafs gefchrieben wird, fehe ich nicht ein, und könnte Sch.
der Herausgeber gar nicht daran denken konnte, fie alle ! nicht ebenfo gut wie z. B. Zycha in Auguftin VI 1 die
zu vergleichen oder auch nur aufzuzählen; wirklich werth- unförmigen lateinifchen Ziffern bei den Pfalmen durch
volle werden feinem fichtenden Blicke fchwerlich ent- arabifche erfetzenr Verwunderlich ift, dafs die Stellen
gangen fein, und während die Mauriner beftenfalls mit aus dem vierten Makkabäerbuch nach den Seiten und
Manufcripten des II. Jhdts. arbeiteten, ftanden Schenkl Zeilen der Dindorf'fchen Ausgabe citirt werden — im
aufser zahlreichen des 10. und 9. fogar folche aus dem Vorwort entfchuldigt fich Sch., dafs er Naber noch nicht
8. und 7. Jhdt. zur Verfügung. Da diefe fämmtlich nur j habe heranziehen können —, und dafs die apokryphen

einzelne Stücke aus der Hinterlaffenfchaft des Mailänder
Bifchofs enthalten, ift die Ueberlieferung bei den verfchie-
denen Büchern von fehr verfchiedener Güte, am man

Stücke in Daniel fo umftändlich wie z. B. II 28 zu Z. 9
,vet. Test. ed. Tischendorf ed. (!) Nestle ed. VII p. 615,
nu. 9 sqq. (Dan. 14,9 sqq.)' oder zu II 58,21, vet. Test.

gjelhafteften wohl bei de paradiso; einzelne verdorbene j ed. Tischendorf et Nestle ed. VII vol. II9. 615 (Dan. 14),
Stellen find auch jetzt noch übrig geblieben, nicht blofs j 35 sq.' angebracht werden, während doch hier wie dort
in de paradiso, fondern z. B. in de Abraham II 85, aber im jetzt die Anführung aus Swete's Old Testament in Grcek
Allgemeinen dürfen wir jetzt hoffen, dem ambrofianifchen fo bequem war und nahe lag. Erwähnung verdient auch,
Urtext nahe gekommen zu fein. dafs Sch. nicht nur Bafilius und Philo ebenfo forgfam

Ohne Nachvergleichung der benutzten Manufcriptc j wie Vergil oder Cicero notirt, wo Ambrofius ihnen etwas
kann man ja kein unfehlbares Urtheil über die Zuverläffig- entnimmt, fondern in derfelben Rubrik auch fpätere
keit der Ausgabe in allen ihren Theilen fällen, doch ; Schriftfteller nennt, die den Ambrofius citiren wie Au-
zeigt fie in dem, was man controliren kann, eine fo pein- ; guftin und Baeda; fogar ein vollftändiges Regifter der
liehe Sorgfalt und in der Werthung der Varianten fo ge- ! Stellen, die das Decretum Gratiani aus Ambros. op.