Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1898

Spalte:

628-631

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grenfell, Bernard P.

Titel/Untertitel:

The Oxyrhynchus Papyri. Part I 1898

Rezensent:

Deissmann, Adolf

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

627 Theologilche Literaturzeitung. 1898. Nr. 24. 628

vierfüfsige Jambus weit geeigneter fein, als der fünffüfsige,
vor allem, wenn man ihn, wie Duhm kürzlich gethan, in
freiem Wechfel mit Anapäften untermifcht. Der Ueber-
fetzer wird dadurch zu knapperer und damit gehobenerer
Sprache genöthigt, und zugleich wird der Rede die dra-
matifche Schwere genommen, die bei dem Buche Hiob
nur zu Mifsverftändnifsen führen kann. Die gelegentliche
Hinzunahme des Reimes mag man gelten laffen; aber
dafs Baethgen die gefammten Reden Jahwe's — mit Ausnahme
der Stücke von den Thierungeheuern — in Reimpaaren
wiedergiebt und dadurch von allen übrigen Reden
abhebt, hat weder im Urtexte irgend welchen Anhalt,
noch dient es ihnen unbedingt zur Zierde. Von diefen
grundfätzlichen Bedenken abgefehen wird man die edle
Form und die Treue der Ueberfetzung nur rühmen
können.

Die Einleitung führt den Lefer in Gefchichte und
Zufammenhang des Buches ein. Für Zufätze erklärt
Baethgen vor allem die Elihureden und die Thierungeheuer
in c. 40. 41, daneben 24, 18—21. 24. 27, 7—10.
42, 3a. 4. In c. 29 ordnet er v. 10 f. 21—25. 12—18; 31,
37—40 fetzt er vor v. 35 ein. Ohne Vorgang, foviel
mir bekannt, ifl feine Anficht, dafs 27, 14 ff. einfach an
die Stelle eines Abfchnitts gefetzt fei, der das Gegentheil,
das Glück des Frevlers, mit den grellften Farben fchilderte.

Die Gefammtanfchauung von demBuche, die Baethgen
vorträgt, wird man als eine eklektifche bezeichnen müffen;
es findet vieles neben einander darin Platz. Er nennt
es ,merkwürdig', dafs der Dichter in c. 14 die Ausficht
eines jenfeitigen Lebens, ,die eine Löfung des ganzen
Problems bieten würde', abweift; er mufs danach doch
der Meinung fein, dafs der Dichter an ein folches Leben
glaubte. Und in der That findet er in c. 19, 25—27,
dafs Hiob, /befreit von feinem gebrechlichen Körper,
nach feinem Tode Gott als den Wiederherfteller feiner
Ehre und als feinenFreund fchauen wird'. Dann ift es freilich
merkwürdig, dafs derfelbe Hiob diefe Möglichkeit in c. 14
aufs allerentfchiedenfte abweift. Gegen Ende der Reden
ringt fich ihm bei Hiob ,der neue Glaube an Gott als
den Rächer der Unfchuld und Wahrheit fiegreich empoi',
auch die Stimmung wird demgemäfs ruhiger. Aber nichts-
deftoweniger ift ihm c. 28 echt und hebt Hiob dort ,in
einer von Sarkasmus nicht freien Ausführung hervor,
dafs Gott die „Weisheit" für fich felbft zurückbehalten,
dem Menfchen aber vorenthalten habe'. Auch den
.kühnen Trotz' in 31, 38—40 hält er damit vereinbar.
Die Reden Gottes bringen eine Löfung nur, fofern der
Menfch aus Gottes Walten in der Natur den Schlufs
ziehen foll, er werde auch das Schickfal des Menfchen
weife leiten. Nicht alle werden gegenüber der Forderung
der Folgerichtigkeit und eines wirklich erklecklichen Beitrags
zur Löfung der Frage des Leidens fo genügfam
fein, wie Baethgen fich in diefer Auffaffung des Buches
erweift. In Elihu blofs einen eitlen Schwätzer zu fehen
und feinen Reden jeden werthvollen oder neuen Gedanken
abzufprechen, ift ja heute nach alten und neueren Vorbildern
wieder beliebt geworden, während bis vor kurzem
noch auch die kritifchen Gegner des Abfchnitts ihnen
ihren eigenthümlichen Werth zuzugeftehn fich nicht
weigerten. Bequemer ift freilich das Durchhauen des
Knotens; nur fragt fich, ob man fich dabei beruhigen
wird. Jedenfalls ift von diefem Standpunkte aus der in
der Anmerkung S. 71 f. gegebene Rath, der Lefer möge
die Reden Elihu's zunächft überfchlagen und gleich zu
denen Jahwe's übergehen, nichts weniger als überflüffig.

Aber wie man auch zu den allgemeinen Fragen
flehe, immer gebührt dem Verfaffer für das fchöne Büchlein
der wärmfte Dank.

Strafsburg i/E. K. Budde.

Valeton, Prof. Dr. J. J. P., Arnos und Hosea. Ein Kapitel
aus der Gefchichte der ifraelitifchen Religion. Nach
der holländifchen Originalausgabe unter Mitwirkung
des Verfaffers überfetzt von Fr. Karl Echternacht.
Giefsen, J. Ricker, 1898. (VIII, 227 S. gr. 8.) M. 3.60

Ueber Inhalt und Werth diefes Buches ift an diefer
Stelle gelegentlich der Befprechung des holländifchen
Originals eingehend berichtet worden, vgl. 1894, Nr. 20,
S. 509—511. Der Berichterftatter kann nur feine dringende
Empfehlung wiederholen und feiner Freude Ausdruck
geben, dafs dem Buche nun durch die Ueberfetzung in's
Deutfche ein gröfserer Wirkungskreis erfchloffen ift.
Die Ueberfetzung ift äufserft forgfältig und gefchmack-
voll, fodafs fie fich wie ein deutliches Original lieft, die
Ausftattung feitens der Verlagsbuchhandluug geradezu
mufterhaft. Freilich läfst die Correctur des hebräifchen
Satzes in den Anmerkungen auch hier zu wünfchen übrig.
Durch des Verfaffers Mitarbeit ift dem Buche im deut-
fchen Gewände ein felbftftändiger Werth gegenüber dem
Original gefichert, wenn auch die zahlreichen kleinen
Befferungen den eigentlichen Gegenftand, foviel ich fehe,
nirgends berühren. Zu S. 86 ff. fei es mir geftattet, auf
meinen Auffatz ,Die Ueberfchrift des Buches Arnos und
des Propheten Heimat' {Semitte Sludies 1897, S. 16b—110)
zu verweifen. Danach lautete 1, ia urfprünglich einfach
?ipfllö Oitty 'na}, während Dllbia rPI-j itf« nur eine aus
7, 14 gezogene biographifche Gloffe ift. Dänach ift, wie
jetzt auch Oort anerkennt (Theo!. Tijdschr. XXXII, S. 327),
die judäifche Herkunft des Arnos gefichert.

Möge das fchöne, wahrhaft zeitgemäfse Buch auch
in Deutfchland viele Lefer finden!

Strafsburg i/E. K. Budde.

Grenfeil, Bernard P. and Arthur S.Hunt, The Oxyrhynchus
Papyri, part I, edited with translations and notes.
(Egypt Exploration Fund Graeco-Roman Branch.)
With eight plates. London (37 Great Russell St.,
W. C), Offices of the Plgypt Exploration Fund, 1898.
(XVI, 284 S. gr. 4.)

Die Herausgeber diefer hochbedeutfamen Publication
find auch die Entdecker der publicirten Papyri. Im Auftrage
des Egypt Exploration Fund haben fie im Winter
1896/97 auf dem Ruinenfelde des alten Oxyrhynchos, des
heutigen Behnefa, in Mittelägypten nach Papyri gegraben
und das Glück gehabt, eine ganz aufserordentlich grofse
Menge der koftbarften Stücke aus der Zeit vom Kaifer
Auguftus bis ins 8. Jahrhundert n. Chr. zu finden und zu
bergen. Dafs fie ebensoviel Verftand wie Glück haben,
beweift der vorliegende erfte Band der Ausgabe, der den
feitherigen deutfehen und englifchen Publicationen würdig
zur Seite tritt. Mit überraschender Schnelligkeit ift er
erfchienen; aber man merkt kaum eine Spur von Ueber-
eilung.

An die Spitze find ,theologifche' Texte geftellt
(Nr. I—6), dann kommen ,neue claffifche' Stücke (Nr. 7
—15), dann Fragmente bereits bekannter Claffiker
(Nr. 16—29), fämmtlich in griechifcher Sprache; es folgen
drei lateinifche Fragmente (Nr. 30—32) und in bunter
Mannigfaltigkeit unliterarifche griechifche Texte der vier
erften nachchriftlichen Jahrhunderte (Nr. 33—124) und der
frühbyzantinifchen Zeit (Nr. 125—158), fchliefslich die Be-
fchreibung von 49 ebenfalls unliterarifchen Papyri, deren
wörtliche Publication die Herausgeber nicht für nöthig
hielten (Nr. 159—207). Ausführliche Indices find beigegeben
. Man kann über die Berechtigung der von Gren-
feil und Hunt gewählten Anordnung ftraiten — die
Scheidung antiker Texte in theologifche und claffifche
ift ebenfo unlogifch wie z. B. die Einteilung der Eifen-
bahnzüge in Perfonenzüge und Schnellzüge, und fie leiftet
dem weitverbreiteten Irrthum Vorfchub, als ginge das