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Ausgabe:

1898

Spalte:

620

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dippel, Joseph

Titel/Untertitel:

Der neuere Spiritismus in seinem Wesen dargelegt und nach seinem Werte geprüft. 2., umgearb. u. erw. Aufl 1898

Rezensent:

Eck, Samuel

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6ig

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 23.

620

der Kirche und der Menfchheit als dem Schauplatz jenes
neuen Lebens, was doch, fo richtig und werthvoll es an
fich gewifs ift, noch weniger, als diefe Ausführungen über
Verföhnung und Heiligung überhaupt, an diefe Stelle
gehört.

Erft die 8. Vorlefung lenkt wieder zu dem Grundproblem
, wie ich es oben formulirte, zurück, und ver-
theidigt die vorgetragene Löfung desfelben gegen den
Einwand von T. H. Green, F. W. Newman, Mifs Cobbe u. a.,
dafs a faith resting lipon a historic fact is, however in-
spiriug, inherently contradictory. F. verweift dem gegen-

Dippel, Dr. Jofeph, Der neuere Spiritismus in feinem Wefen
dargelegt und nach feinem Werte geprüft. 2., gänzlich
umgearbeitete und erweiterte Auflage. München,
R. Abt, 1897. (280 S. gr. 8.) M. 3.60; geb. M. 4.50

An diefem Buche intereffirt die Beurtheilung, die der
Katholik dem neueren Spiritismus angedeihen läfst, mehr
noch als die eigentliche Darftellung desfelben. Denn die
Religion zweiter Ordnung, die im Heiligencult und der
Legende lebt, bietet unzweifelhaft alle möglichen Parallelen
zu fpiritiftifchen Zeichen und Wundern, Offen-

uber auf die Bedeutung der Gefchichte für unfere An- , barungen und Materialifationen. Andererfeits verfolgt
fchauungen überhaupt und in rehgiöfer Beziehung ins- j der Spiritismus überall religiöfe Ziele, ift felbft unleug-
befondere, die aber doch (trotz des ungenauen englifchen j bar eine äufserft intereffante Erfcheinung moderner ReAusdrucks
beheve in htstory) entfernt noch nicht der j ligion. Der Anknüpfungspunkte find alfo genug vor-
hier behaupteten Bedeutung Chnfti nahe kommt. Die j handen. Allein, wie der Verf. im 13. Capitel ,Die

letztere wird alfo wieder nur von neuem auf den Eindruck
des evangelifchen Bildes Jefu, das dazu unentbehrlich
ift, auch für Paulus unentbehrlich gewefen fein foll,
gegründet; es bleibt alfo die oben aufgeworfene Frage
beftehen, ob diefes Fundament wirklich jenes Gebäude
tragen kann.

Ja in der letzten Vorlefung überrafcht uns der Verf.

fpiritiftifche Religion und ihr Verhältnifs zum Chriften-
thume' nachweift, widerfprechen die neuen Offenbarungen
Stück für Stück dem Dogma und der Verfaffung der
Kirche. Merkwürdig, wieder einmal hört man von einer
Reformation der chriftkatholifchen Kirche, in der der
kraffefte Hochmuth herrfcht, da die Nachfolger Chrifti
das Hauptgewicht auf äufseren Prunk, auf Macht und

mit dem Zugeftandnifs, der Glaube an Chnftus brauche ; Reichthum legen, während der Spiritismus zu der erhabe-
gar nicht immer bewufst zu fein. Er beweift das zunächft j nen Einfachheit der Lehre Chrifti zurückführen will. Eine
für die Heidenwelt aus Matth. 25,31 ff., indem er das hier ! Reine von Offenbarungen, die fich als Interpretationen
gefchilderte Gericht auf diejenigen bezieht, die auf Erden der vier Evangelien darftellen — leider hat der Verf.
nichts von Chriftus hörten, folgert aber daraus dasfelbe ; njchts Näheres über die Perfonen, die daran betheiligt
auch für diejenigen innerhalb der Chriftenheit, denen das j fmd) mitgetheilt — giebt Anlafs, bei den hervorragend-
Evangelium in falfcher Form entgegengebracht wurde. ften punkten der Kirchenlehre den Widerfpruch gegen
In such circumstances the rejection of Christ was many ' die Wahrheit zu conftatiren. So werden Gotteslehre und
a time due, not to what was lower, but to what was Trinität, Chriftologie — hier ftöfst man auf ganz inter-
highest and best in wen; it was the indignant rcpudiation effante Ausfagen —, Taufe, Bufse und Euchariftie nach
by a lovmg and generous soul of a niessage which it feit einander abgehandelt. Nach dem Nachweis diefes durch-

to be a caricature of the divine; it was, thougli tliey knew
it not, the appeal front Christ as preached to Christ as
He really is. Ja felbft jetzt, wo Chriftus richtiger gepredigt
wird, kann mancher, der ihn verwirft, ihm doch
näher fein, als er glaubt. Here are nun wJio, while tliey
formally reject the Church's interpretation of His personal
claimes on account of speculative dijficulties which are to
them insapcrable, frequently manifest in a high degree
just those inward qualities of dispositiou and temper — self-
denial, forbearance, love — which it was Christ's Mission
to quicken in human souls, and which constitute the life

gängigen Gegenfatzes gegen den Katholicismus, der fich
z. Th. bis zu offener Feindfchaft fteigert, ift der Lefer
fchon auf die Beantwortung der Frage des 18. Capitels:
.Beruhen die fpiritiftifchen Manifeftationen auf aufser-
weltlichen Urfachen?1 vorbereitet. Zwar foll natürlichen
Erklärungsverfuchen nicht vorgegriffen werden. Allein
diefelben reichen nicht aus. Angefichts mancher Er-
fcheinungen kann man nicht zweifeln, dafs geheimnifs-
volle Vernunftwefen eingreifen. In dem fupranaturalen
Gebiet, in das wir damit eintreten, weifs der Verf. natürlich
fehr genau Befcheid, hat er doch Auguftin, Gregor

of His kingdom. Sagt man dagegen, in der Schrift würde d. Gr. und Thomas Aq. zur Hand. Es kommt daher
die Bekehrung aber doch als Bruch mit allem bisherigen j nur darauf an, zwifchen den drei Möglichkeiten: die

befchrieben, fo überfieht man die veränderte Stellung
der Welt zum Chriftenthum, von der fchon am Schlufs
von Vorl. 7 die Rede war. Und wendet man endlich
ein, jene Beifpiele feien doch nur Ausnahmen, fo antwortet
F., das Princip gelte, wenn überhaupt, dann auch
überall, und nimmt, wie Salmond (vgl. Jahrg. 1896,432)

Geifter der Verdorbenen, der Engel, der Dämonen find
die Urheber der fpiritiftifchen Erfcheinungen, eine Wahl
zu treffen. Und da nun verlieht fich, dafs die letzteren
den beiden Anderen den Rang fiegreich ftreitig machen.
Neben biblifchen Zeugnifsen: Mc. 13, I Joh. 4, 2 Theffal.2,
und bifchöflichen Hirtenbriefen, überwiegend franzöfifchen,

Stufen der Seligkeit und Unfeligkeit an. Aber genügt j während der apoftolifche Stuhl nur mit zweifelhaften
das wirklich oder ift nicht vielmehr eine Weiterentwicke- > Entfcheidungen von 1841. 42 auftritt, werden mit Behagen
lung nach dem Tode zu poftuliren? F. beftreitet es; ob j Ausfprüche J. H. Fichte's und Fechner's als Eideshelfer
mit Recht, hoffe ich bald an anderer Stelle unterfuchen | für den kakodämonifchen Charakter der Bewegung geltend
zu können. gemacht. In den Verlagsanzeigen auf den Schlufsfeiten

Hier giebt mir gerade diefe letzte Vorlefung noch • beft man, dafs von demfelben Verf. auch eine Gefchichte

Anlafs zu einer allgemeineren Schlufsbemerkung. Wie
in ihr, fo kommt F. auch fonft manchmal feinen Gegern
weiter entgegen, als er es eigentlich dürfte. Aber gerade
deshalb hat mir fein Buch trotz alles Widerfpruchs, mit
dem ich auch hier nicht zurückgehalten, folches Vergnügen
bereitet, wie wenig andere. Hier haben wir eben
wirklich lebendiges theologifches Denken, das nach allen
Seiten die Augen offen hält und mit Bewufstfein nirgends
etwas anderes fucht, als die Wahrheit. So kann ich nur
wiederholen, was ich neulich (Jahrg. 1898, 362) an diefer
Stelle von einem anderen fchottifchen Geiftlichen fagte:
glücklich die Kirche — diesmal ift es die United Pres-
byterian Church —, die folche Diener hat!

Halle a. S. Carl Clemen.

des Teufels in Vorbereitung ift. Sie wird die Erörterungen
diefes Buches unterdeffen zu einem gründlichen Abfchlufs
gebracht haben.

Rumpenheim. S. Eck.

Frommel, weil. Oberconfift.-R., Hofpred. u. Militär-
Oberpfr. D. Emil, Das Evangelium Lucä in Predigten und
Homilien ausgelegt. Mit ergänzenden Beiträgen von
weil. Oberhofpred. Schlofspfr. D. Rudolf Kögel.
2. Hälfte. (Die vier Evangelien in Predigten und
Homilien ausgelegt. In Verbindung mit Anderen