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Ausgabe:

1898 Nr. 23

Spalte:

617-619

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Forrest, David W.

Titel/Untertitel:

The Christ of History and of Experience being the Kerr Lectures for 1897 1898

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 23.

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fchiedenen Ferfonen des Gefpräches [über die Weihnachts- öffentlich aufgetretenen Jefu felbft mit guten Gründen
feier] trennen, im Grunde fich aufheben. Diefe Betrach- zurückgewiefen hat. Seine Offenbarung an andere da-
tung iff aber nichts anderes als die eigene Betrachtungs- gegen findet fie in feiner Lehre, feinen Wundern und
weife Schleiermacher's', die fchon aus den Reden bekannt dem Eindruck feiner Perfönlichkeit, wobei nur die Wunder,
ift, indem dort Chriftus die Idee darftellt, dafs alles End- | deren Denkbarkeit dem Verf. wenig Schwierigkeiten be-
lic'he höherer Vermittelungen bedarf. Darauf giebt der ■ reitet, vielfach anders beurtheilt werden, als es die Evan-
Verf. ein Gefammtbild der eignen Anfchauungsweife J gehen thun. The bodily eure, fagt er z. B., is but the
Schi.'s nach der Weihnachtsfeier und zum Schlufse eine ■ analogue in the physical World of the restoration effected
Vergleichung diefer Schrift mit den Reden. 1 in the Spiritual, and is zvrought as its typical represen-

q Ritfchi I tation — aber beweift das wirklich die dafür angezogene
"onn- i Heilung des Gichtbrüchigen? Auf anderes gehe ich nicht

erft ein, da ja die ganze Vorlefung für das eigentliche
Problem nur peripherifche Bedeutung hat.

Die 4. behandelt the Transitzoll front the Historical
to the Spiritual Christ, die Auferftehung, indem fie zu-

Forrest, Rev. David W., M. A., The Christ of History and

Of Experience being the Kerr Lectures for 1897. Edinburgh
, T. & T. Clark 1897. (XX, 479 S. gr. 8.) sh. 10.6 j „äcn'ft Mie ObjectiviTät der Cbrifto^
Der Titel ift nicht ganz glücklich gewählt; deutlicher , fucht. F. überfieht dabei nur, wie die meiden anderen
würde er etwa lauten: Der gefchichtliche Chriftus, der ! Beftreiter der Vifionshypothefe, dafs ein Jude auch dem
Gegenftand unferes Glaubens. Verf. will nämlich nicht ; im Geficht gefchauten Realität, nur eben anderer Art bei-
etwa den Chriftus der Gefchichte und den der Erfahrung j gelegt hätte. Zutreffender find ja die anderen Einwände,
gegenüberftellen, fondern zeigen, wie der erftere zugleich aber ohne den allgemeinen Beweis für die Möglichkeit
Gegenftand unferes Glaubens fein könne und müffe. Da- | eines folchen Wunders auch noch nicht genügend. F.
für aber verweift er wiederum nicht eigentlich auf die , glaubt dafür freilich gerade den einzigartigen Charakter
Erfahrung (der in fich unklare Ausdruck kommt im Buche , jener Erfcheinungen, in denen Chriftus als Menfch und
felbft nur fehr feiten vor), fondern auf die Reflexion über j doch wieder als Geift auftritt, anführen zu können: the
den gefchichtlichen Chriftus. temporary Union in Hirn of tzoo diverse modes of being

Er geht (in Vorlefung ij aus von der Einzigartigkeit
des fittlichen Selbftbewufstfeins Jefu, das uns nicht in
einzelnen Stellen der Evangelien, die bezweifelt werden

zvill not Stent stränge to us if zve realise that only by this
means could God assure us that the redemption of Christ
was no less the rectificalion of the material than of the

könnten, fondern dem gefammten Lebensbild des Herrn , Spiritual universe. Stimmt das zu dem oben über die
entgegentritt. Während fonft gerade die Beften das tieffte j Wunder gefagten? Und folgt daraus wirklich, dafs Gott
Sündenbewufstfein haben, fehlt bei Jefu jede Spur da- ! Chriftus fo erfchejnen laffen mufste? Ja konnte aus diefen
von; daher er auch nirgends mit feinen Jüngern zufammen-
bete't. Freilich läfst fich das nur durch ein argumentum
e silentio beweifen, das andere nicht überzeugt hat und
in der That, da Jefus doch wohl mit andern Dank gefagt

Erfcheinungen überhaupt jemand jenen Gedanken ableiten
? So zieht fich F. vielmehr fchliefslich für die Ge-
wifsheit der Auferftehung Chrifti auf den Eindruck feiner
Perfon zurück: a man will not be able to aeeept this most

hat, nicht überzeugend ift. Auch fonft bedürfen des Verf. : mysterious of all supernatural manifestations, if he has

Ausführungen — um von Einzelheiten abzufeilen — im
allgemeinen der Modification und Ergänzung, wie fie jetzt
am beften Kähler (Dogmatifche Zeitfragen 1898, II,
129 ff.) liefert; aber feine Hauptthefe bleibt beliehen.

Zu diefem einzigartigen fittlichen Selbftbewufstfein
kommt (Vorl. 2) Chrifti Selbftoffenbarung: er urtheilt zu-
nächft über das Gefetz und den Charakter der einzelnen,
beides freilich in anderer Weife, als nach F. Derfelbe
fagt nämlich von Matth. 5, 18: the genuineness of these
zvords has been challenged, but upon purely arbitrary and
a priori grounds, erklart die Jotas und Häkchen des Ge-

not first been led up, as the disciples were, to find the
supernatural in the life and person of Jesus; to find it,
that is, in a form in which it can be verified by human
experience. Darf er aber daraus wirklich jene Folgerung
ziehen? Hat er alfo ein Recht, Herrmann nicht nur wegen
feiner fchwebenden Ausdrucksweife, fondern auch feiner
Vorftellung von der Erhöhung Chrifti zu fchelten?

Diefe Inconfequenz tritt noch ftärker in den nächften
Vorlefungcn hervor, zunächft der 5., die von der Perfon
Chrifti und feiner Offenbarung der Gottheit handelt. F.
ftellt zwar hier das Princip auf: no teaching of the apost-

fetzes aber dann docli von dem geiftlichen Sinn des- les, any more than any utterance of the prophets, is ,of

felben, alfo vom Gegentheil. Vollends auf feine Be
urtheilung der von Jefu angekündigten Sündenvergebung
wirkt bereits die moraliftifche Auffaffung der Verföhnung
ein, der wir fpäter begegnen werden. Um fo zutreffender
ift fein Hinweis auf zwei andere Seiten der Selbftoffenbarung
Jefu: er macht den Anfchlufs an fich zur erften
Pflicht der Menfchen und beanfprucht, der Richter der
Welt zu fein. Aber F. erhebt auch gleich felbft den
Einwand, das folge aus dem meffianifchen Bewufstfein
Jefu (das er — abgefehen von der unmöglichen Deutung
des Namens Menfchenfohn — im übrigen richtig aus
feinem Sohnesbewufstfein erklärt). Er antwortet darauf
unter Berufung auf Stanton und Drummond, die namentlich
die fogenannten Bilderreden des Buches Henoch
für chriftlich (überarbeitet) halten, das Weltgericht habe
kein Jude dem Meffias zugefchrieben und fchliefst feiner-
feits aus dem entfprechenden Anfpruche Jefu feine Prä-
exiftenz, ja Gottheit, in deren Behauptung alfo das vierte
Evangelium, trotz feines ungefchichtlichen Charakters,
nur die Synoptiker beftätige.

private interpretation'. The one Interpreter of the divine
is the Spirit of God Ilimself and it is only in so far as
Paulis thought finds an inevitable response in the mind
and heart that it possesses a permanent authority — aber
factifch nimmt er die neuteftamentliche Chriftologie einfach
herüber und kritifirt nur die Zweinaturenlehre und
Kenotik, fowie die Loslöfung der Inkarnation von der
Sünde.

Ja betreffs der Verföhnung (Vorl. 6) reproducirt er,
wie fchon angedeutet, noch nicht einmal die neuteftamentliche
Lehre, fondern fleht in dem rechtfertigenden
Glauben not formal acquiescence, but real surrender, den
Anfang eines neuen Lebens (vgl. auch note 31, S. 440 ff.
u. befonders S. 306). Im übrigen indes zeichnet fich gerade
diefer Abfchnitt von den meiden andern modernen
Erörterungen diefer Lehre durch wirkliche Schriftgemäfs-
heit aus.

Weniger gilt das von der Befchreibung des neuen
Lebens in Chrifto (Vorl. 7). Die hier zu Grunde gelegte
Beurtheilung des Gefetzes als des bleibenden Willens

Die 3 Vorlefung fchildert nach den letzteren eben ; Gottes findet fich ja bei Paulus, ift aber nicht die einzige
diefen gefchichtlichen Verlauf der Selbftoffenbarung Jefu, i fondern tritt namentlich im Galaterbrief faft ganz gegen
nachdem fie die Theorie von einer allmählichen Entftehung [ eine andere zurück, die, wenn einmal, doch auch hätte
des Meffiasbewufstfeins und Todesgedankens bei dem I erwähnt werden follen. Statt deffen fpricht F. noch von