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Ausgabe:

1898 Nr. 23

Spalte:

607-609

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gardthausen, V.

Titel/Untertitel:

Katalog der griechischen Handschriften der Universitätsbibliothek zu Leipzig 1898

Rezensent:

Holl, Karl

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607

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 23.

608

Gardthausen, V., Katalog der griechischen Handschriften
der Universitäts-Bibliothek zu Leipzig. (Katalog der
Handfchriften der Univerfitätsbibliothek zu Leipzig.
III.) Leipzig, O. Harraffowitz, 1898. (XIX, 92 S. Lex. 8.)

M. 5.—

Eine Befchreibung der griechifchen Handfchriften
der Leipziger Univerfitätsbibliothek macht gröfsere
Schwierigkeiten, als man nach der Zahl der Codices ver-
muthen möchte. Die Sammlung hat, ihrer eigenthüm-
lichen Gefchichte gemäfs, einen etwas buntfcheckigen

im Intereffe der Ueberfichtlichkeit fich derartige Vereinfachungen
erlauben zu dürfen, aber er hat mit feinen
Verkürzungen andere ebenfo wichtige Intereffen ge-
fchädigt. Es ift nicht gleichgültig wie der Name des
Autors in der Handfchrift lautet und welche Beinamen
ihm die Codices geben. Es erweckt ein gutes Vorurtheil
für den Werth des Textes, wenn man weifs, dafs im
cod. 13 (mod. Zählung) Gregor exioxonoq vvanq heifst;
es ift in anderen Fällen dienlich — ich habe diefe Erfahrung
zur Genüge gemacht —, darüber ficher zu fein,
ob die Codices durch die Beifügung eines Unterfcheidungs-

Charakter: fie umfafst fo ziemlich alle Literaturgebiete, [ namens auf einen gewiffen Autor unzweideutig hinweifen
ohne dafs auch nur für eines lieh mehr als ein paar wie 1 oder nicht; endlich giebt auch da, wo die Identität des
zufällig herausgegriffene Repräfentanten fänden ; neben I Verfaffers keinem Zweifel unterliegt, ein beftimmter Beider
Dutzendware enthält fie eine verhältnifsmäfsig nicht j name, den er in der Handfchrift führt, manchmal einen
kleine Zahl fehr werthvoller Stücke, fie befteht endlich ! Anhaltspunkt zur Beurtheilung des Alters der von dem

zu einem guten Theile nur aus Fragmenten von Handfchriften
. An das Wiffen wie an die Exactheit des Verfaffers
des Katalogs waren hierdurch hohe Anforderungen
geftellt. Andererfeits war man bei einem Katalog, der
von Leipzig kam und Gardthaufen's Namen trug, berechtigt
von vornherein anzunehmen, dafs er den höchften

codexc vertretenen Ueberlieferung. Auch Prädicate wie
o ev ayioig u. ä. find keineswegs nur werthlofer Schwulfh
Die griechifche Kirche hat bekanntlich fehr lange gebraucht
, bis fie etwas wie einen Canonifationsprocefs
entwickelte. Es ift für uns im höchften Maafse intereffant
zu verfolgen, wie fich in früherer Zeit das Urtheil heraus

Anfprüchen genügen würde. Man freut fich in der That bildet, dafs ein beftimmter Mann zu den Heiligen zu

über die knappe und präcife paläographifche Befchreibung
; G. hat auch dem Einband der Handfchriften die
gebührende Aufmerkfamkeit gefchenkt und in der Einleitung
, wie im Katalog felbft über die Gefchichte der
einzelnen Codices in hinreichender Weife orientirt. Die
Theologen find G. zu befonderem Dank verpflichtet; auf
unfer Gebiet entfällt mehr als ein Drittel der befchrie-

zählen fei, wie diefes Urtheil fich allgemeine Geltung
erringt und in welcher Weife der verfchiedene Rang der
Heiligen in den Prädicaten zum Ausdruck gebracht wird.
Gegenwärtig laffen fich über diefe -Dinge mehr Fragen
aufwerfen als beantworten; aber fo viel ift ficher, dafs
aus den Ueberfchriften hierfür viel zu lernen ift, und wenn
die Handfchriftenkataloge derlei ignoriren, wo foll man

benen Handfchriften und darunter find fo intereffante ! dann das Material gewinnen? — Ebenfo mufs darauf

Stücke, wie die Blätter des Sinaiticus und des Hermas. 1 beftanden werden, dafs der Titel des Werkes vollftändig

Man könnte höchftens wünfehen, dafs bei Pergament- | angegeben und zugleich deutlich gemacht wird, wie fich

handfchriften die Angaben über die Schichtung der Lagen | das in der Handfchrift Stehende dem Umfang nach zu

und über die Linierung vollftändiger und die ganze Be- dem gedruckten Text verhält. Es fei mir geftattet, die

fchreibung noch etwas fchematifcher wäre: es erleichtert
den Ueberblick, wenn man zum voraus ficher ift, an einer
beflimmten Stelle die Notiz über einen gewiffen Punkt
zu finden. Einige Male vermifst man auch Wichteres:
z. B. bei cod. 16 (moderner Zählung) erfährt man nicht,
aus welchem Jahrhundert der erfte Theil der Handfchrift
flammt; eben dort war auch anzugeben, dafs im erften
Theil fich auch (f. 7r, 15r u. f. w.) eine griechifche Quater-
nionenzählung findet und dafs die lateinifche am unteren
Rande der erften Seite angebracht ift.

Nicht ebenfo befriedigt wie von der paläographifchen
Befchreibung ift man von der Art, wie Gardthauien den
Inhalt der Handfchriften zur Anfchauung bringt. Ueber-

Mängel von Gardthaufen's Verfahren an einer Handfchrift
zu illuftriren, bei der fie mir befonders fühlbar geworden
find. Bei cod. 13 (Gregor von Nyffa) giebt G. als Titel
des 1. Stücks an: jieqi ipvxyg d. h. ausgelaufen ift der wichtigere
Theil des Titels: xal avaGxäotmq vexqcqv, und dies
ift um fo bedenklicher, als eine unechte Schrift des
Nyffeners stegl ipvxrjq exiftirt. Das zweite Stück xepl
eljiaQ^Evrjg hält man, weil es nicht identificirt ift, für ein
Ineditum; es fteht Migne 45, 145—173; aber unter dem
Titel xaxa eifiaQfitvrjc. Ueber das dritte Stück fagt G.:
Bl. 34. jtsgl xov ipaXx(riQiov). V2 Seite frei. M. 44 p. 432.
In Wirklichkeit lautet der Titel: toü avxov jctgi xov
ipaXx(rjolov) xal xmv ijriyQarpöjv avxmv xal tlg xov g rpa?.-

fichtlich in dem Sinne, dafs man mit einem Blick zu i fiov. Der letzte Theil des Titels ift von Wichtigkeit,
erkennen vermöchte, welche Autoren refp. welche Schriften | weil er zeigt, dafs dem Schreiber unferer Handfchrift
in einem codex vereinigt find und von wo bis wo die die gleich zu nennende Schrift und das Werk über die

einzelnen Schriften reichen, ift der Katalog nicht. G. fetzt
den Namen des Autors als eine Ueberfchrift über den
codex (refp. über einen feiner Theile); dagegen treten in
der Detailbefchreibung die einzelnen Abfchnitte nicht
fcharf genug hervor. Denn in ganz gleichmäfsigem Druck,
auch nicht etwa durch Einrücken unterfchieden, find unter
die Angaben über den Anfang der einzelnen Theile anderweitige
Notizen eingemifcht. Zudem ift G. in der

Pfalmenüberfchriften fchon verbunden vorlagen, was für
die Echtheitsfrage in Betracht kommt. Ueber den Sinn
des ,72 Seite frei' wird niemand fofort im klaren fein.
Die Sache liegt fo, dafs der Schreiber, nachdem er die
Ueberfchrift gefchrieben hat, eine halbe Seite frei läfst
und dann anfängt mit: övöjtapadexxov eö'xi xy tpvOei —
Migne 437 A (nicht fchon 432) d. h. die Vorlage war fchon
verftümmelt. Unverfiändlich ift mir mancherlei bei d r

Mittheilung von Detail nicht confequent. Bei cod. 16 I nächften Angabe: Bl. 71 [elg( rem?] g ipak/iov jiepi r/L-

z. B. macht er Angaben über Sinnabfchnitte in Theo- | 6yö6?]q, xaxa de xivag xov vjcepxiu. feXXov. Zunächlt

phylakt's Commentar zu 1. Cor. Diefe Angaben find ift auch diefes Stück gedruckt = Migne 44, 608; dann

einmal nicht vollftändig: nicht erft auf f. 5ÖV, fondern hat die Handfchrift vjteri ftatt jrepi; wenn G. hier unbe-

fchon f. 52 V findet fich eine Notiz diefes Inhalts am unteren denklich und ohne etwas davon zu fagen änderte, warum

Rande und nach f. 6ov folgt noch eine auf f. Ö2V, zwei- fetzt er eig xov mit Fragezeichen in die Klammer? Die

tens aber find ähnliche Abfchnitte auch im Commentar Worte find ja nachgefahren, aber die Lefung ift dadurch

zum Römerbrief markirt. Warum ift dort nichts davon gegen allen Zweifel gefchützt, dafs der Schreiber für den

gefagt? — Schwerer fcheint mir ein anderer Uebelftand Rubricator den Titel (fenkrecht zum Text) an den Rand

zu wiegen. G. giebt den Namen des Autors und die fchrieb. Ich überfpringe das Nächfte und bemerke nur,

Titel der- einzelnen Schriften nicht immer genau nach dafs es wohl von Nutzen gewefen wäre, wenn G. die

der Handfchrift an, er hält es nicht für nöthig, überall j Pfellusftücke mit Ruelle's Verzeichnifs identificirt hätte

wenigftens daslncipit mitzutheilen, manchmal hat er auch ■ (fie find = nro 59 u. 74). Ueber dem folgenden fteht

die Identificirung unterlaffen. G. hat wohl geglaubt, j die Ueberfchrift Joannes abbas: man mufs zunächft den