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Ausgabe:

1898 Nr. 2

Spalte:

39-40

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Koenigsberger, B.

Titel/Untertitel:

Hiobstudien 1898

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 2.

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wir durch diefe Einzelarbeiten in langfamer und müh- j daran ging, das dem Buche zu Grunde liegende Problem
famer Arbeit, die den ganzen Menfchen in Anfpruch zu behandeln'. Da von ihnen die Familienangehörigkeit
nahm, gewiffenshalber gezwungen worden find in das , genau benimmt wird, werden die Zwiegefpräche verfafst

andere Lager überzugehen, nicht durch von aufsen herzugetragene
Theorien, fondern aus dem Innerften der
Sache heraus. Wir können aber noch mehr bezeugen:

fein ,als man fich um die Feftftellung der Familien kümmerte
, d. h. nach der Rückkehr aus dem Exil'. Elihu
endlich, ein Landsmann Hefekiel's (ifia p Lief, r, 3 ift

dafs wir durch diefe Gefchichtsauffaffung innerlich freier ; gleich imfl Hi. 36,2) und Nachkomme Serubbabel's (vgl.
und im Glauben freudiger geworden find, dafs wir da- bXD"ß mit irWÜ Chr. I, 3, 20 und an nnfiTÖÄtt mit Ruth
durch die Geflalt Jefu Chrifti und das Neue Teftament 4,19), lebte zur Zeit des Verfaffers, jenes Philofophen,
beffer haben verliehen lernen. Dies Letzte hätte B. viel- | da diefer ganz genau von ihm Befcheid weifs (S. 11).

leicht ebenfalls hervorheben dürfen, unter Hinweis auf
Wellhaufen's Motto Rom. 5,20. Er hätte zeigen können,
wie der Apoftel Paulus in gewiffem Sinne der erde ,Well-
haufenianer' gewefen; wie die neuefte Zeit eben das, was

Seine Reden als Nachtrag anzufehen, liegt kein Grund
vor (S. 12).

Was den Sprachgebrauch des Buches angeht, fo
ift nach der Anficht des Verfaffers die Zahl der neu-

bei dem genialen und kühnen Apoftel allerdings ,Ge- ] hebräifchen Worte und Bildungen darin weit, weit
fchichtsconftruction' war, glänzend beftätigt hat durch J gröfser, als man bisher angenommen hat. ,In der Zeit

den Nachweis, dafs die Gefchichte wirklich fo verlaufen
ift, wie er fie meinte begreifen zu müffen.

Zu berichtigen ift auf S. 23, dafs Wellhaufen's Auf-
fätze von 1876 und 1877 den Titel ,Die Compofition des
Hexateuchs', nicht ,Pentateuchs' tragen, dafs die
Fortfetzung für die Bücher Richter bis Könige fchon
1878 in der vierten Auflage der Bleek'fchen Einleitung
erfchienen ift. Es ift alfo unrichtig, wenn B. fagt: ,Hier
(1889 in dem oben erwähnten Buche) war die literar-

eines Esra aber nahm die hebräifche Sprache einen,neuen'
Auffchwung" (S. 9). Es ift deshalb bei den von S. 13
an folgenden Beiträgen zur Einzelexegefe feine ausge-
fprochene Abficht, den neuhebräifchen und talmudifchen
Sprachfehatz mehr als feine Vorgänger zur Erklärung
heranzuziehen. Vor allem aber ,hat er fich bemüht, ohne
jede Correctur des Confonanten-Textes das Buch Hiob
zu erklären' (S. 3). In beiden Richtungen ftützt er fich
vornehmlich auf Jüdifche Ausleger; von Neueren wird

kritifche Unterfuchung auch auf das Buch Jofua und die B. Szold (vgl. diefe Zeitfchrift 1887 Nr. 13) mit befon-
folgenden gefchichtlichen Bücher des A.T. ausgedehnt'; [ derer Vorliebe herangezogen.

vielmehr find auch diefe Einzelunterfuchungen der Dar- Strafsbur? i/E K Budde

Heilung der Ergebniffe in ,Gefchichte Israels? vorausgegangen
. Warum gebraucht der Verf. S. 30, entgegen der
Erzählung des Samuelbuchs wie der Chronik, den völlig
apokryphen Namen Jebus für Jerufalem ? Man verbeffere
noch die Druckfehler Qamos (1. Kamos) S. 13, Tere-
bynthe (1. Terebinthe) S. 18.

Strafsburg i. E. K. Budde.

Barnes, W. E., DD., An Apparatus criticus to Chronicles in
the Peshitta Version. With a discussion of the value
of the Codex Ambrosianus. Cambridge, University
Press, 1897. (XXXIV, 63 S. gr. 8.)

Die hier anzuzeigende Arbeit hat ein dreifaches Ver-
dienft: 1) Die fo dringend nöthige textkritifche Arbeit für
das fyr. A. T. aufgenommen zu haben; 2) das gethan
zu haben an einem Buch, welches diefer Arbeit ganz be-
fonders bedurfte, fie aber auch lohnte; 3) fie mit der pein-
lichften Sorgfalt und den reichften Mitteln ausgeführt zu
haben. Das Ergebnifs ift wahrhaft befchämend, aber
auch Hoffnung erweckend.

Der Text, auf den die wiffenfehaftliche Exegefe des
ausgehenden 19. Jahrhunderts fich ausfchliesslich angewiesen
fleht, ift einfach der der Parifer Polyglotte von

Koenigsberger, Rabb.Dr.B.,Hiobstudien. ExegetifcheUn-
terfuchungen zum Buche Hiob, nebft e. Einleitg. zum
Buche. Breslau, W. Koebner, 1896. (58 S. gr. 8.) M.2. —

Das Buch ift ein Sonderabdruck von Auffätzen, die
in der Monatsfchrift für Gefchichte und Wiffenfchaft des
Judenthums, 40. Jahrg., Heft 7—10, erfchienen find. Entzieht
es fich fchon dadurch dem Umkreis der Bericht-
erftattung diefer Zeitfchrift, fo darf diefe um fo eher

vertagt werden, als der Verf. hofft, feinen Inhalt mit | 1645, der in der Londoner von 1657, daraus von Lee
vielen anderen in einem zufammenhängenden Commentar j 1823 (mit etwa l/a Dutzend Verbefferungen, und ebenfo-
über das Buch Hiob zu vereinigen (S. 12). Ein kurzes ; viel Druckfehlern) wiederholt wurde, und ruht auf einer
Wort mag von dem hier Gebotenen wenigftens eine Vor- j einzigen Parifer Hdf. des 17. Jahrhunderts! An einer
Heilung geben. Stelle fehlen in den gedruckten Ausgaben nicht weniger

Die Einleitung (S. 5—12) fieht von der Idee des j als 54 Verfe (I, 2613—2734), die im Ambrofianus erhalten
Buches und anderen Fragen ab und befchränkt fich auf j find, aber auch von Kittel 1895 für die Books of Chro-
die nach der Abfaffungszeit des Buches und feiner Theile nicles nicht verwerthet wurden, obgleich er gelegentlich
und nach der Dichtungsgattung, der es angehört. Auch (10,2) eine Lesart des Ambrofianus anführt. Zu den zu
K. hält es für ein Drama, aber wenn er S. 12 fagt: ,Es ftreichenden Stellen des bisherigen Textes wird aufser
ift ebenfo ein Drama, wie das ,Hohelied', das Buch Efther, den p. X aufgeführten auch I, 25,30.31 zu rechnen fein,
wie vielleicht auch die übrigen Bücher des dritten Theils ; Zwei Handfchriften des VI. Jahrhunderts — aufser dem
des Canons mit Ausfchlufs von Daniel, Esra I und II und j Ambrosianus, Brit. Mus. Add. 17104 —, eine des IX.,
Chronik derfelben Gattung der Schriftftellerei zuzu- j der Palatino-Mediceus I, jetzt „Laurent. Orient 58", eine
fchreiben find', fo hebt er damit jeden Anlafs zum Wi- ! des XII. und — was befonders bedeutungsvoll ift —
derfpruch auf. Die Beantwortung der erfteren Frage j erftmals eine neftorianifche Hdf. (Sachau 201 in Berlin)

arbeitet zunächft nur mit Hef. 14,14. 20 und dem, was
das Buch an Namen und näheren Beftimmungen für die
handelnden Perfonen bietet. Hiob hat nicht lange vor

wurden für den Apparat ausgenutzt; dazu eine ganze
Reihe jüngerer Abfchriften. Das Ergebnis ift, dafs Rahlfs
mit feinem Beiträgen zur Textkritik der Pefchita (ZATW.

Hefekiel wirklich gelebt, im Lande Uz, ,das in der Nähe 1889) gegen Cornill recht bekommt, was letzterer indeffen
von Idumäa und der ägyptifchen Grenze zu fuchen ift' 1 feither felbft fchon anerkannt hat. Nur eines ift zu ver-
(S. 10). Die Nachricht von feinem Mifsgefchick hat fich j miffen, eine zuverläffige Kunde über die Entftehung der
im Anfchlufs an Hef. 14,14. 20 während des bab. Exils i Urmiaer Ausgabe von 1852. Nach S. XV ift fie a repro-
erhalten und fchliefslich die Faffung gewonnen, die im duetion der Ausgabe von Lee in neftorianifcher Schrift
Prolog und Epilog vorliegt. Die drei Freunde, die nach undYoca.l(a.t'omoit/iimprovedspeiii/igs. Einige von Lee's
Ausweis ihrer Heimat alle Judäer find (vgl. Chr. 1,4,6. II. Druckfehlern feien verbeffert but ho Variation from Lee
Jof. 15,41), find erft .hinzugekommen, als ein Philofoph may be safely reckoned as a various reading based on ms.