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Ausgabe:

1898 Nr. 21

Spalte:

560-564

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holzinger, H.

Titel/Untertitel:

Genesis, erklärt 1898

Rezensent:

Löhr, Max

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 21.

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fo ift feine Geftalt unlösbar mit der Gefchichte des I
Chriftenthums verbunden.

Die Skizzen über römifche und germanifche Religion |
find im wefentlichen unverändert geblieben. Neu hinzukommen
find ganz kurze Darftellungen der flavifchen
und keltifchen Religion.

Zum Schlufs möchte ich noch ein Defiderium an den
Verlag des Werkes richten. Es fehlt in dem Werke alles
Illuftrationsmaterial. Bei dem Studium der ägyptifchen
und affyrifch-babylonifchen Religion, des Muhamedanis-
mus, kann man z.B. ohne eine Karte garnicht auskommen.
Die gebräuchlichen Karten find natürlich zu dem Zweck
religionsgefchichtlicher Studien nicht gemacht. Sie bieten
vielfach nicht genug, oder auch wieder zu viel. Beigegebene
Karten wären von grofsem Werth. Und dann das
eigentlich religionsgefchichtliche Illuftrationsmaterial! Von
welchen Werth wäre z. B. eine Tafel mit einer Darfteilung
des ägyptifchen Totengerichts aus Capitel 125 des
Totenbuches, oder auch nur eine Geftalt eines affyrifchen
oder babylonifchen Gottes! Sollte bei einer neuen Auflage
die Schwierigkeiten hier unüberwindlich fein?

Bei der Litteraturangabe ift mir ein Mangel aufgefallen
. Es find faft confequent gröfsere Sammelwerke
zu denen die einzelnen Schriften gehören, nicht angegeben.
Das ift läftig bei bibliothekarifchem Suchen. Bei Le Page
Renouf, Lectures on the .... Religion of ancient Egypt und
Sayce, Lectures on the origin of the ancient Babylonians
fehlt die Bemerkung Hibbert-Lectures; Amelineau, Essai
sur Pevolution des idees morales dans PEgypte und Darme-
steter, Ormuzd et Ahriman gehören zur Bibliotheque de
l'ecole des hautes Stüdes; Zimmer, babylonifche Bufs-
pfalmen und Beiträge zur Kenntnis der babylonifchen
Religion zur Affyriologifchen Bibliothek; Wiedemann, die
Religion der alten Aegypter, Grimme, Muhammed etc. zu
den Darftellungen aus dem Gebiet der Religionsge-
fchichte etc.

Mit der zweiten Auflage von Sauffaye's Werk ift
ein guter Schritt vorwärts in der Einführung und Verbreitung
des religionsgefchichtlichen Studiums in Deutfch-
land gethan. Hoffentlich wird der Bedeutung des Werkes
feine fchnelle Einführung und Verbreitung entfprechen.

Göttingen. Bouffet.

Seydel, Prof. Rudolf, Die Buddha-Legende und das Leben
Jesu nach den Evangelien. Erneute Prüfung ihres gegen-
feitigen Verhältniffes. Zweite Auflage. Mit ergänzenden
Anmerkungen von Dr. phil. Martin Seydel.
Weimar, E. Felber, 1897. (XVI, 140 S. gr. 8.) M. 2.—

Nach dem Tode des Verfaffers hat fein Sohn dies
Buch, über welches ich feiner Zeit in diefen Blättern
(1884, Sp. 185) berichtet habe, mit wenigen und unerheblichen
Kürzungen, dagegen mit Hinzufügung mannigfacher
Erweiterungen von Neuem herausgegeben. Er hat
in Anmerkungen viele Ergänzungen aus anderen Schriften
des Verfs. hinzugefügt, vor Allem aus feiner erften und
eingehendften Behandlung der von ihm angenommenen
buddhiftifchen Einflüffe auf die Evangelienlitteratur, feinem
Buch ,Das Evangelium von Jefu in feinen Verhältniffen
zur Buddha-Sage und Buddha-Lehre'. Auch handfchrift-
liche Aufzeichnungen des Verfs., welche Neues beibrachten
oder Altes accentuirten, vertheidigten, modificirten, lagen
reichlich vor. Dazu hat dann der Herausgeber noch
feinerfeits einzelne Bemerkungen, Bezugnahmen auf neuere
Litteratur u. dgl. gefügt. Am Schlufs des Werkes hat
er eine chronologifche Tafel, die Entwickelung der buddhiftifchen
Litteratur betreffend, fowie ein Verzeichnifs
der behandelten Bibelftellen beigegeben.

Dafs der Neuherausgeber des Buchs fo wenig wie
fein Verfaffer orientaliftifcher Fachmann ift, macht fich
natürlich fühlbar, wie das ja unvermeidlich ift. Aber
nicht minder tritt die pietätvolle Sorgfalt hervor, mit

welcher M. Seydel hier gewiffermaafsen ein Compendium
der Anflehten feines Vaters über die Beziehungen zwifchen
den chriftlichen und den buddhiftifchen Traditionen zu
fchaffen verfucht und wirklich gefchaffen hat. Von einem
erneuten Eingehen auf den Gegenftand felbft glaube ich
diesmal abfehen zu dürfen.

Kiel. H. Oldenberg.

Holzinger, Stadtpfr. Lic. Dr. H., Genesis, erklärt von H.
(Kurzer Handkommentar zum Alten Teftament. In
Verbindung mit J. Benzinger, A. Bertholet, K. Budde,
B. Duhm, H. Holzinger, G. Wildeboer herausgegeben
von Prof. D. Karl Marti. Abteilung I.) Freiburg i. B.,
J. C. B. Mohr, 1898. (XXX, 278 S. Lex. 8.) M. 6.—

Abweichend von den bisherigen Genefis-Commen-
taren ift der vorliegende fo eingerichtet, dafs jedes Thema
verfolgt wird nach den Darftellungen, die es in den
einzelnen Quellen erhalten hat; z. B. die Fluth-Gefchichte
nach der Darfteilung bei P, S. 69—78; dann nach der bei
J, S. 78—95. Die Gefchichte Abraham's nach P, S. 124—
136; dann nach JE, S. 137—173. Ebenfo die der übrigen
Patriarchen. Inhalt und Charakter der einzelnen Quellen-
fchriften kennen zu lehren, ift diefes Verfahren gewifs
empfehlenswerth; die Unbequemlichkeit, die fich in Folge
deffen beim Nachfchlagen nach einer beftimmten Stelle
ergiebt, fucht das Stellenverzeichnifs S. XXVIII f. zu
heben. Neu ift auch das Inhaltsverzeichnifs zu Anfang
und das ausführliche Sachregifter am Ende des Buches.

Zu diefen Neuerungen in der Form gefeilt fich eine
gründliche Benutzung und Verarbeitung wenigftens aller
wefentlichen, einfehlägigen Unterfuchungen der letzten
Jahre, fo dafs uns in H.'s Buche ein nützlicher Commentar
zur Genefis vorliegt.

Aug. Dillmann's Standard work ift durch denfelben
allerdings nicht überflüffig gemacht. Das konnte indes
auch bei dem Grundplan des Marti'fchen kurzen Hand-
Commentares zum A. T. garnicht in der Abficht des
Verf. liegen. Aber es wird wenigftens der Nichtfachmann
aus einem befonderen Grunde gut thun, neben H.'s Arbeit
Dillmann's Buch ausdrücklich zu Rathe zu ziehen;
der Verf. hat fich nämlich leider das vorfichtige, alle
Extreme rückfichtslos abweifende Urtheil Dillmann's recht
wenig zum Vorbild genommen, fondern vielfach modernen
, wenn auch theilweis geiftreichen, fo doch kaum
haltbaren Vermuthungen fein Ohr geliehen, bezw. unverdient
viel Raum geftattet.

Nichtsdeftoweniger bleibt H.'s Beitrag zum Marti-
fchen Sammelwerk eine dankenswerthe Arbeit, was Ref.
auch im Hinblick auf die folgenden Bemerkungen nochmals
betont haben möchte.

Bei der Behandlung des Schöpfungsberichtes c. I
redet Verf., wohl hauptfächlich unter dem Einflufs von
Gunkel's Buche ,Schöpfung und Chaos' wiederholt von
einer mythologifchen Vorlage, S. 9. 11 oder Grundlage,
S. 11, vgl. noch S. 21 ,die mythifche Grundlage der
Genefis'. Auf S. 21 f. tritt Verf. der Annahme bei, dafs
babylonifche, kosmogonifche Anfchauungen fich über
Weftafien zu irgend einer, gewifs beträchtlich vor dem
Exil liegenden Zeit verbreitet, mit den verwandten Vor-
ftellungen anderer Völker vermifcht haben und in diefer
Geftalt dem israelitifchen Denken zugekommen find. In
Israel find fie aufgenommen, verarbeitet und dann ohne
Zweifel auch niedergefchrieben. Solch eine bunt fchil-
lernde mythologifche Aufzeichnung hat man fich wohl
unter der mehrfach genannten ,mythologifchen Vorlage'
des P zu denken. — Was bietet nun c. 1 an ficheren,
mythologifchen Elementen, welche jene obige Annahme
rechtfertigen könnten? — Es laffen fich fchlechterdings
nicht mehr nennen als v. 2 ömn babylonifch, das die
etwa phönizifche Vorftellung vom Weltei vorausfetzende
n&ITra und allenfalls mm Inn, vgl. das phönizifche Baav