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Ausgabe:

1898 Nr. 2

Spalte:

35-37

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sellin, Ernst

Titel/Untertitel:

Beiträge zur israelitischen und jüdischen Religionsgeschichte. 2. Heft: Israels Güter und Ideale. 1. Hälfte 1898

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 2.

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Wirklichkeit durchbricht (S. 50). Ganz phantaftifch find j einftimmung mit der neueren Kritik ab. Bei der Be-
auch die Vorftellungen von einer alten Literatur der j Schreibung der in Altisrael werthgefchätzten idealen
Hebräer in arabifcher Sprache und Schrift und einer | Lebensgüter verfährt er etwas äufserlich fchematifch, in-
fpäteren Uebertragung diefer Denkmäler in die Sprache dem er diefelben nach 13, manchmal innerlich wenig
Kanaans (S. 288. 305). — zufammenhängenden Rubriken, wie Befitz, Freude,

Einen befonderen Abfchnitt hat der Verf. der Ge- Schönheit, Freundfchaft, guter Ruf, Weisheit und dgl. be-
fchichte von Gn. 14 gewidmet. Aber fo fchätzbar hier 1 handelt. Sachlich find die einzelnen Lebensgüter nach
die reichen aus den Infchriften gefchöpften Mittheilungen I reichhaltigem biblifchen Material wohl im Wefentlichen
des Verf.'s find, der Lefer wird durch diefes glänzende richtig charakterifirt. Nur fcheint uns die Nebeneinander-
Material mehr verwirrt als aufgeklärt. Was befagen denn ftellung von Heldenfagen und Väterfagen infofern nicht
alle Ausführungen weiter, als dafs die Namen von Gn. 14 ganz glücklich, als beim Lefer dadurch die Meinung er-
fich auch in den Keilinfchriften finden. Die Situation, j weckt wird, es feien diefe beiderlei Sagen gleichzeitig

fagt der Verf. felbft S. 43, ift eine ganz andere und es
mufs für den gefchichtlichen Vorgang felbft noch eine
ganz andere keilinfchriftliche Vorlage angenommen worden

nebeneinander hergelaufen, während doch die Heldenfage
die wirklichen Lebensanfchauungen des alten Israel
wiederfpiegelt, die Väterfage dagegen die Einflüffe der

(S. 153. 192), die wir aber eben nicht befitzen. Der Name j fpäteren prophetifchen Anfchauungen von der alten
Bela deutet ,wahrfcheinlich' auf die keilinfchriftliche j Volksgefchichte aufzeigt. — Von Einzelheiten feien hier
Stadt Malgu, die ,höchftwahrfcheinlich' im Oftjordanlande 1 folgende hervorgehoben. — Die Ueberfetzung von en
gelegen war (S. 190—199). Haben wir mit alledem auch ,ein fanfter Mann' (S. 26. 35) entfpricht nicht der eigenen

nur einen Zoll wirklich hiftorifchen Bodens gewonnen?

— Wir brechen ab, die zahlreichen fachwiffenfchaftlich-
femitiftifchen Fragen anderen zur Erledigung überlaffend.

— Auch die reichften Kenntniffe können den Mangel
einer wirklich hiftorifchen Methode nicht erfetzen.

Jena. C. Siegfried.

richtigen Definition, die der Verf. S. 282 von nittn giebt.
— Dafs in Gn 3,22 ebenfo wie in ii,g eine göttliche
Scheu vor menfchlichen Uebergriffen zum Ausdruck
kommt, hätte der Verf. S. 56 nicht verkennen follen. —
Die Exegefe von 1 S 16,in (S. 65) erfcheint uns gezwungen
. Es find hier offenbar 3 Fälle angenommen:
natürlicher Tod (ftotQa d-avarolo), Schwerttod in der
Schlacht (xtjq davarolo), Tod durch Jahve's Schlag (plötz-
S eil in, Privatdoz. Lic. Dr. Ernft, Beiträge zur israelitischen liehe Krankheit vgl. Gn 12,17). — Mit Recht betont aber
und jüdischen Religionsgeschichte. 2. Heft: Israels Güter der Verf- bei der Darftellung der religiöfen Werthung
und Ideale. 1. Hälfte. Leipzig, A. Deichert Nachf., 1 £er natürlichen Lebensgüter (S. 60-89), wo nur die

„. I Zwangsjacke der 13 Rubriken etwas laftig wird, dafs hierbei

1897. (VIII, 314 S. gr. 8.) M. 6. keine Scheidung zwifchen göttlichem und menfehlichem

Der Verf. befchwert fich über die Befprechung, Thun ftattfand. Es lag eben, möchten wir hinzufügen,
welche das 1. Heft des vorliegenden Werkes in diefen 1 im Geifte der Religion ,Gott allein die Ehre zu geben'
Blättern Jahrgang 1896 Nr. 19 [nicht vom Unterz.] gefunden. | Dt 32,3, auch in den Fällen, wo es auf der Hand lag,
Aber ganz frei von Schuld daran wird er fich nach der Art ; dafs der Menfch lediglich felbft die That vollbracht hatte,
feines damaligen Auftretens nicht fprechen können. Wenn 1 Freilich tritt uns hier nur die Stimmung der vom Geift

es diesmal anders aus dem Walde herausfchallen wird, fo
ift das die Folge davon, dafs auch er anders in denfelben
hineingerufen hat. Man kann den Ton, in dem er im
vorliegenden Hefte redet, nur angemeffen finden, benimmt
in der Ausführung der eigenthümlichen Anflehten

der Religion tiefer ergriffenen Volksglieder entgegen.
Ob man allgemein fo dachte, bleibt immerhin fraglich.
— Im Folgenden, S. 89ff., befchreibt der Verf. wie es durch
den Gang der Ereigniffe in Israel dahin kommen mufste,
dafs ein gewiffer Gegenfatz zwifchen religiöfer und pro-

des Verf.'s, ohne verletzend zu fein, angenehm berührend ■ faner Betrachtung der Dinge fich entwickelte. Die
durch eine warme innerliche Antheilnahme am Gegen- ! Beifpiele von Gn 3, 1 S 15, 2 S 24 halten wir nicht für
ftande. Die Darfteilung ift klar, bisweilen etwas ins Breite ! richtig aufgefafst; durchaus müffen wir dem Verf. aber
zerfliefsend und durch Wiederholungen und Recapitu- beiftimmen in der Verneinung eines asketifchen Lebens-
lationen den Lefer etwas aufhaltend. Der Inhalt verräth ideals in Israel. Askefe, infoweit man darunter ,ein Kreu-
fowohl eigene gründliche biblifche Studien als auch zigen des Fleifches fammt den Lüften und Begierden'
genaue Kenntnifs der gefammten, auf die behandelten verlieht, lag der israelitifchen Religion ganz fern. Wenn
Fragen bezüglichen wiffenfehaftlichen Litteratur. Hier | man faftete und fich kafteiete, fo verband man damit nicht
und da zeigt fich ein gewiffer Hang des Verf's, in der von ferne den Gedanken einer moralifchen Selbftbefferung,
Ausmalung hiftorifcher Situationen fich allzu fehr feiner fondern man wollte dadurch Jahve's Mitleid erregen und
Phantafie zu überlaffen und Hypothefen allzu weitläufig j den Zürnenden zum Erlafs der Strafe bewegen 1 K 21,
auszufpinnen wie S. 118ff., 176, 181 —183 u. a. Doch 27—29. Ebenfowenig waren die Vorfchriften gewiffer
wird man dem Verf., auch wo man ihm widerfprechen : Enthaltungen bei Prieftern, Nafiräern etc. im asketifchen
mufs, immer ein Beftreben, nach wiffenfehaftlicner Me- j Sinne gemeint, fondern fie bezweckten Erfcheinungen
thode die Unterfuchung zu führen, zuerkennen müffen.— fernzuhalten, diejahve unliebfam waren. In den Einzel-
In dem vorliegenden Hefte fchreibt der Verfaffer : ausführungen können wir aber auch hier dem Verf. nicht
gewiffermafsen eine Gefchichte der inneren Entwickelung ; immer folgen. Seine Erklärung von Urim als Pfeilorakel,
Israels, wie fie durch deffen Verhalten zur Religion be- I von Ephod als Behälter der Orakelpfeile S. iiöff. halten
ftimmt wurde. Diefe Behandlungsweife ift neu. Sie er- | wir für undurchführbar. Sollte Gideon in Ri 8,2of. ,einen
gänzt die fogenannte altteftamentliche Theologie, info- Ueberzug über die Urim oder eine Binde, an der der
fern fie uns das lebendige Wechfelverhältnifs zwifchen I Priener diefe trug' (S. 119) von ca. 2 Centner Schwere
Religion und Volksleben zeigt. Sie ergänzt aber auch , verfertigt haben? War Jonathan 1 S IO,ioff. (S. 117) befugt
die Gefchichte Israels durch Aufzeigung der inneren Triebe und im Stande ein priefterliches Pfeilorakel zu holen und
und Hebel der Ereignifse. Sie ergänzt endlich die Archäo- wurde daffelbe jemals durch Abfchiefsen von Pfeilen er-
logie durch Befchreibung des Rapports, in dem die reli- langt? Ergriff der Priefter beim Orakelertheilen (Ex 32,23)
giöfe Entwickelung zu der von Sitte und Sittlichkeit einen Bogen (S. 118)? — Auch die Anflehten des Verf.'s
fleht. — über Nabi können wir nicht teilen. Aus 1 S 9,3 erfehen

Im erften Haupttheil fchildert der Verf. Altisraels wir, dafs es zu Samuel's Zeit keine Rbiim fondern Ro'im
Güter und Ideale (S. 7—136). Unter Altisrael verlieht gab. Folglich ift die Uebertragung des Nebiismus auf ihn
er die Periode von der Befiederung Kanaans bis auf und feine Zeit eine Antecipation, die dadurch als folche
David. Die Quellen grenzt er in der Hauptfache in Ueber- ganz deutlich wird, dafs wir die ekftatifchen Schaaren von