Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1898

Spalte:

481-482

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

L‘amphithéatre Flavien et ses environs dans les textes hagiographiques 1898

Rezensent:

Ficker, Gerhard

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mar);

N°- 18. 3- September 1898. 23. Jahrgang.

Maltzew, Die Sacramente der orthodox katho-
lifchen Kirche des Morgenlandes (Katten-

L'amphitheatre Flavicn et ses environs dans les I Wappler, Papft Benedikt VIII (Deutfch).

textes hagiographiques (G. Ficker). Kampers, Die Lehninfche Weiffagung über

Primaule de Saint Joseph, par C. M. (Preuschen). , d Haus Hoheuzollern (Deutfch). j bTcft>- .
Kurth, Sainte Clotilde (Preuschen). Weis, Erkennen und Schauen Gottes (Katten

Hatzfeld, Saint Augustin (Ders.). ! Gigalski, Bruno, Bifchof von Segni, Abt von j bufch).

• - - Monte-Cassino (G. Ficker).

Flornoy, Le bienheureux Bernardin de Feltre

(Ders.).

Brou, St. Augustin de Canterbury et ses com-

pagnons (Ders.).
Joly, Psychologie des Saints (Ders.).
Picavet, Gerbert, un pape philosophe d'apres

l'histoire et d'apres la Hgende (Deutsch).

Braafch, Martin Luthers Stellung zum Socia-

lismus (Eck).
Maltzew, Bitt-, Dank- und Weihe-Gottesdienfte

Böhmer, Brennende Zeit-und Streitfragen der

Kirche, I. II (Hans).
Lhotzky, Leben und Wahrheit (Hans).
Müller, Karl, Zur chridlichen Erkenntnis
(Hans).

der orthodox-katholifchen Kirche des Morgen- Hilarius a Sexten, Tractatus De Censuris eccle-
landes (Kattenbufch). siasticis (Rieker).

L'amphitheatre Flavien et ses environs dans les textes hagiographiques
. (Extrait des Analecta Bollandiana, tome
XVI, fasc. III.) Bruxelles, Societe" des Bollandistes,
1897. (p. 209—252 gr. 8.)

Die vorliegende Unterfuchung ifl, fowohl was die
Behandlung des fpeciellen Themas, als was die allgemeinen
Bemerkungen über den hiftorifchen Werth der Heiligenlegenden
anbelangt, vortrefflich, des Scharffinns und Frei-
muths eines Henfchen und Papebroch würdig.

Der Verf. befchäftigt (ich zuerft mit der Frage, feit
wann das Amphitheatrum Flaviamim, das Colosseum,

fie find hiftorifche Romane, wohl verflanden hiftorifche
Romane ihrer Zeit. Auf fchriftliche Quellen gründen fie
(ich nicht. Man hat, um ihnen einen relativen Werth zu
fichern, auf ihre topographifchen Angaben hingewiefen,
die fich in den meiften Fällen als richtig erweifen. Nichts
ift mehr zu bedauern, als diefe Begründung: die topographifchen
Angaben find nicht deswegen richtig, weil
eine Kunde davon vorgelegen hätte, dafs an dem und
dem Orte ein Martyrium oder ein Verhör eines Chriften
ftattgefunden habe, fondern weil zur Zeit der Abfaffung
der Märtyreracten das Amphitheater, in dem foviel Blut
gefloffen war, noch ftand, weil in der praefectura urbana

als ein heiliger Ort, als die Stätte der Märtyrer xar | in Tellude noch die Urtheile gefprochen wurden
igoxhv angefehen wurde. Eine volksthümliche Tradition Die damit gekennzeichneten Grundzüge der Abhandhat
es nicht gegeben, bis fich um die Mitte des 17. Jahr- lung werden für die einzelnen topographifchen Angaben
hunderts in der Literatur und unter den Gelehrten diefe in Anwendung gebracht. Dem foll hier nicht weiter nach-
Anfchauung bildete. Sie ift von nun an in's Volk ge- gegangen werden. Eine Ergänzung wäre durch Beant-
druno-en und die allgemein angenommene Anfchauung wortung der Fragen zu geben, feit wann folche Erzäh-
rr^o-nrden Um fie zu (tützen, hat man fich auf die An- lungen in officiellen Kreifen als hiftorifche Berichte anlachen
1 den lod erlitten j ut. Lüne leltiame Ironie liegt darin, dafs der abergläubifche

gaben der Märtyrerlegenden berufen und Liften der Mär- | gefehen wurden und wer dafür verantwortlich zu mac

tyrer zufammengeftellt, die im Coloffeum den Tod erlitten j ift. Eine feltfame Ironie liegt darin, dafs der abergläubi.-

haben follen. | ^r%or *• Zeugnifs ablegen mufs (S. 29 refp. 237), dafs

Darum fammelt der Verf. aus den Märtyreracten | die Märtyrerpaffionen wenig Anfehen in der römifchen

und den alten kirchlichen Schriftftellern die topographifchen
Angaben, die von den Martyrien oder wenigftens
von den Gerichtsverhandlungen im Amphitheater oder
feinen Umgebungen reden; in Betracht kommen die Ausdrücke
: amphitheatrum, in Tellude (in Tellure), hippodro-
vius palatii, statua solis, pctra scelerata iuxta amplu-
theatrum u. f. w.

Kirche genoffen. Als durchaus zutreffend ift zu bezeichnen
die Scheidung der Berichte über die Martyrien in 1. hiftorifche
Acten, officielle Documente, Berichte von Augenzeugen
; 2. Paraphrafen folcher Acten; 3. Acten freier
Erfindung, die nur geringe hiftorifche Elemente enthalten.
Ref. weifs wohl, dafs die hier vorliegende Beurtheilung
der Märtyreracten unter den Katholiken unferer Tage

Dafs diefe topographifchen Ausdrücke ihren Werth nicht allgemeine Anerkennung finden wird; aber zu be-
haben und fich auf wirklich exiftirende Punkte des alten 1 klagen wäre es, wenn fich auch unter den Proteftanten
Rom beziehen, alfo nicht frei erfunden find (vielleicht
mit Ausnahme der petra scelerata, der beizukommen die
Quellen nicht geftatten) erhellt deutlich aus den geficher-
ten Quellen für die Topographie Roms, aus den antiken
Schriftftellern, den Infchriften, den Ruinen, den durch die

folche fänden, die einer wahrhaft hiftorifchen Anfchauung
der Legenden nicht zugänglich wären.

Halle a. S. Gerhard Ficker.

Ausgrabungen zu Tage gekommenen Ueberrefien. Die I Prf« M , ,
Wahrfcheinlichkeit, dafs diefe Orte auch die Stätten der i mmaute « Saint Joseph d'apres lepiscopat catholique et
von den Märtyreracten berichteten Scenen gewefen find, I !a thcologic Par C. M., profeffeur de theologie Paris
ift nicht abzuweifen: aber ein ficheres Zeugnifs dafür V- Lecoffre, 1897. (VII 513 S gr 8)
haben wir nicht. Von vornherein ift es wahrfcheinlich, In den karhnlifVB^ t ••' a

dafs Märtyrerblut im Amphitheater gefloffen ift: aber nifchen ift eine Wof.L ? r™' vor.allena den roma-
nicht eine einzige Angabe darüber ift der Art, dafs fie dem Vater ef,, P!„T g rim Gai?g?' d,e dem hL Jofeph,
die Wahrfcheinlichkeit zurThatfächlichkeit machen könnte; bensiebezu Wrtifffft Bedeutung in dem Glau-
auch nicht die Angaben der Acten des Ignatius (S. 42. 43) fleh mit v^rlcnaffe"fucht- An Popularität kann fie
Das geht deutlich hervor aus der Befchaffenheit der Mär- BeftrebunS' S~jfjF'*Z Mar"enkult dienenden
tyreracten. Die hier in Betracht kommenden, diepassioues folgen hat es ihr nät , • mch ,nieffen, aber an Er-
Komanae, find meiftens Producte des 5. und 6.Jahrhunderts; zum patronus ecclesiae eÄtworden" h" J°feph ®

482