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Ausgabe:

1898 Nr. 15

Spalte:

427-429

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Evers, M.

Titel/Untertitel:

Hülfsmittel zum evangelischen Religionsunterricht für ev. Religionslehrer u. Pfarrer, Studierende, Seminaristen u. reifere Schüler höherer Lehranstalten. 11.-16. Heft 1898

Rezensent:

Fay, Friedrich Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 15.

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liebe für fpecififch römifche und mönchifche Frömmigkeit
vermifst wird.

In dem erften Abfchnitt (S. i—214) werden die 111 geift-
lichen Lieder Terfteegen's mitgetheilt unter den Rubriken: j
Anbetung, Lob und Preis, Kirchenjahr, Tages- und Jahreslauf
, Heil und Heilsleben. Nur leife Veränderungen provinzieller
und veralteter Wortbildungen find vorgenommen;
doch es ift in dem Abfchnitt S. 364 f. dafür geforgt, dafs J
die Originallesarten erhalten bleiben. Das Leben des Dichters
wird uns S. 217—275 vorgeführt; den ,Bandwirker'
lernen wir als humaniftifch gebildeten Theologen, der
freilich eine Univerfität nicht befucht hat, als Arzt, Armenpfleger
und Seelenführer kennen. Die Charakteriftik der
Dichtung Terfteegen's fchliefst fleh an S. 276—299, ein
Abfchnitt, der das fchriftftellerifche Gefchick und das
tiefe Verftändnifs des Herrn Verfs. in befonders trefflicher
Weife zur Geltung kommen läfst. Mit ficherem Griffel
wird Terfteegen fein Platz unter den geiftlichen Liederdichtern
angewiefen, und die eigenthümliche, in ihrer Art
hohe Kraft und Schönheit feiner Dichtung ohne Ueber-
fchätzung gewürdigt. Ein Lapsus calami ift dem Herrn
Verf. S. 297 begegnet; als einziges Lied Terfteegen's in
daktylifchem Versmaafs wird ftatt des Liedes: Jauchzet,
ihr Himmel, frohlocket, ihr englifchen Chöre' (Nr. 9
S. 34 f.) das Lied von Joachim Neander genannt: ,Lobe
den Herren, den mächtigen König der Ehren'. Ueber-
dies ift auch Nr. 31 (S. 75 f.) in daktytifchem Versmafs
gedichtet. Die folgenden Abfchnitte S. 360—433 bezeugen
den emfigen hymnologifchen Forfchungstrieb des
Herrn Verfs., der den Liedern Terfteegen's bis in die
entlegenften literarifchen Winkel nachfpürt; dem Hym-
nologen von Fach find die Nachweife nicht ohne
Werth. Zwei (genauer drei) Melodien des Liedes: ,Nun
fchläfet man' (und ,Mein Auge wacht') bilden nebft einem
doppelten Regifter den Schlufs des fchönen Buches.
Dafs uns in der drittangeführten Melodie der Herr Verf.
felbft als begabter Tondichter begegnet, fei mit befon-
derem Danke noch bemerkt.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Hülfsmittel zum evangelischen Religionsunterricht für ev.

Religionslehrer und Pfarrer, Studierende, Seminariften
und reifere Schüler höherer Lehranftalten. Unter
Mitwirkung einer Anzahl Fachgenoffen herausgegeben
von Dir. M. Evers und Prof. Dr. F. Fauth. 11.—
16. Heft. Berlin, Reuther & Reichard, 1898. (gr. 8.)

11. Hupfeld, Gymn.-Oberlehr. Dr. F., Die katholifchen Briefe.
(IV, 75 S.) M. 1.20. — 12.—14. Koppelmann, Gymn.-Oberlehr.
Lic. Dr. W.: Deutfche Synopse. Vergleichende Zufammenftellung
der drei erften Evangelien. (Die Leidensgefchichte mit Beifügung
des Joh.-Ev.) Im genauen Anfchlufs an die revidierte Lutherbibel
geordnet und mit erläuternden Stellen des Urtextes verfehen. (VII,
192 S.) M. 2.60. — 15. Schirmer, Realgymn.-Dir. Prof. Dr. Karl,
Die gottesdienftlichen Einrichtungen der evangelifchen Kirche. (47 S.)
M. —.75. — 16. Peters, Gymn.-Oberlehr. Rudolf, Der Philipperbrief
für den Unterricht auf der Oberftufe höherer Lehranftalten
erläutert. (56 S.) M. —.80.

I. Die katholifchen Briefe werden von Dr. Hupfeld
fo behandelt, dafs der Brief des Jakobus, der erfte
Brief des Petrus und der erfte Brief des Johannes ausführlich
betrachtet werden (S. 1—68); während die
übrigen, nämlich der 2. und 3. Brief des Johannes, der
Brief des Judas und der 2. Brief des Petrus als folche,
die ,beim Religionsunterrichte wenig oder gar nicht in
Betrachtung kommen' (S. 5) in einem ,kurzen Anhang'
(S. 69—74) zur Befprechung gelangen. Was zunächft den
Jakobusbrief betrifft, fo ift der Standpunkt der Beurthei-
lung der: ,dafs, wenn der Brief auch nicht von einem
Apoftel herrühren tollte — was aber fo wenig, wie das
Gegentheil zu erweifen ift — er doch echt apoftolifchen j
urchriftlichen Geift enthält' (S. 9). Die Betrachtung felbft

befchäftigt fleh eingehender, ohne jedoch eine voll-
ftändige Ueberfetzung der Erklärung vorauszufchicken,
mit den drei erften Capiteln, während die beiden letzten
mehr zufammengefafst werden. Der Verf. verfteht es,
auch fchwierige Stellen, wie z. B. 2, ts in's richtige Licht
zu fetzen und überall auch die Gegenwart betreffende
gute Bemerkungen einzufchalten. ,Eine Polemik gegen
Paulus' fcheint ihm .trotz des fcheinbaren Gegenfatzes
zwifchen (2) V. 24 und Rom. 3.28 abfolut ausgefchloffen'
(S. 25). Mag auch zugegeben werden, dafs gegen Paulus
felbft eine Polemik nicht ftattfindet, fo doch wahr-
fcheinlich gegen eine mifsverftandene Auffaffung feiner
Rechtfertigungslehre.

Der erfte Brief des Petrus (S. 34—51) wird, ohne
dafs entgegenftehende Bedenken verschwiegen werden,
als echt anerkannt und unter der Vorausfetzung, dafs
Petrus Nero überlebt habe, in die Zeit nach Nero, etwa
um das Jahr 70 verlegt (S. 37). Die Abfaffung des erften
Briefes des Johannes (S. 57—68) ,bietet, wie S. 60 bemerkt
wird, ein Problem dar, welches fleh durch Macht-
fprüche von der einen oder anderen Seite her nicht fo
ohne Weiteres löfen läfst'. ,Um fo mehr', wird mit
Recht gefagt, ,ift der apoftolifche Charakter des Schreibens
zu betonen'. Die Vorzüge der Behandlung, die
wir bei dem Briefe des Jakobus hervorheben durften,
finden fleh auch bei diefen Epifteln und nicht weniger
in knappfter Form bei den im Anhange kurz beleuchteten
, dem zweiten und dritten Briefe des Johannes, dem
Judasbriefe und dem 2. Brief des Petrus, welch' letzterer
als Ueberarbeitung des Judasbriefes angenommen wird
(S. 70). In die Schlufsermahnung 2 Petr. 3, 18 will der
Verf. den Inhalt aller katholifchen Briefe zufammen
faffen: ,Wachtet aber u. f. w. Amen'.

Zu bemerken ift, dafs Kaifer Friedrich's Wort nicht
lautet: ,Lerne zu leiden, ohne zu klagen', fondern ,Lerne
leiden, ohne zu klagen' (S. 11). Auch hat Frommel fich
nicht zur Partei der ,armen' (S. 21), fondern der ,an-
ftändigen' Leute gerechnet (Schüttler, Emil Frommel
S. 43). S. 4 ift ardni Druckfehler für ardui.

2. Koppelmann, deffen Sittenlehre Jefu früher in
diefer Zeitung (1896, No. 17; 1897, No. 11) angezeigt
worden ift, bietet jetzt eine Deutfche Synopfe dar.
Wenn er damit hofft, in erfter Linie den evangelifchen
Religionslehrern an unferen höheren Schulen einen Dienft
zu leiften, fo wird fleh der Herausgeber diefer vergleichenden
Zufammenftellung der drei erften Evangelien
in feiner Hoffnung nicht täufchen, denn zeitraubendes
Nachfchlagen wird erfpart, wenn die Schüler bei der
Leetüre eines der Synoptiker gleich den Text der beiden
Anderen zur Hand haben. Dafs vielfach der griechifche
Urtext beigefügt ift, kann nur gebilligt werden. Es dient
zur Belebung und Vertiefung, wenn davon z. B. bei den
Seligpreifungen Kenntnifs genommen wird. Wenn der
ganzen Synopfe das Markusevangelium, ,welches die
chronologifche Folge der Ereignifse am genaueften beobachtet
', zu Grunde gelegt wurde, fo kann das nur gebilligt
werden; nicht minder auch die unveränderte
Wiedergabe des deutfehen Textes nach der revidirten
Lutherbibel. Zur Orientirung dienen aufser dem Inhalts-
verzeichnifse forgfältig angelegte Stellen- und Sachregifter.
Wir können diefe ebenfo überfichtlich angelegte, wie
correct ausgeführte deutfche Synopfe, der für die Leidensgefchichte
fleh auch noch der johanneifche Bericht
anfchliefst, nur beftens empfehlen. Der kleine Druckfehler
7<öplc {hsueHov ft. d-tueZtov (S. 44) fei blos im
Vorübergehen erwähnt.

3. Das fünfzehnte Heft der Hülfsmittel zum evangelifchen
Religionsunterricht, beforgt von dem Direktor
des Realgymnafiums in Magdeburg, Prof. Dr. Karl
Schirmer, fchildert die gottesdienftlichen Einrichtungen
der evangelifchen Kirche, um für die
Belehrungen über das Kirchenjahr und die kirchlichen
Ordnungen, wie fle für Untertertia feit 1892 vorgefchrieben