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Ausgabe:

1898 Nr. 14

Spalte:

391-392

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gregg, John A.

Titel/Untertitel:

The decian Persecution 1898

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 14.

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niedergelegt find und zwar wurde in einem erften Auf-
fatz in der genannten Frankel'fchen Zeitfchrift, Jahrg.
1865 S. 216—224 460—470; Jahrg. 1867 S. 103—108;
Jahrg. 1868 S. 419—427 der Commentar zu Hofea in der
bezeichneten Beziehung vom Verf. unterfucht. Zu einem
felbffftändigen Hefte zufammengefafst ift diefe Arbeit in
der oben genannten Verlagsbuchhandlung zu haben.
Doch fei erwähnt, dafs eine 2. vermehrte Auflage des
Heftes demnächft erfcheinen wird. Das hier vorliegende
2. Heft des 2. Theils betrifft den Propheten Joel. Auch
hier kommt mancher intereffante Stoff aus der rabbini-
fchen Exegefe zu Tage. Wenn Hieronymus z. B. den Namen
bfctp mit incipiens überfetzt, fo erklärt fich dies aus der
alten exegetifchen Ueberlieferung der Rabbinen zu 1 S
12,22, nach der biO im Hif. = incipere verftanden wurde
(rfbninri fibx nbitin p8). Die entgegenftehende rabbi-
nifche Anficht, die der Vf. anführt, iiJPlSÜ rtbü ribiOn p«
(S. 1), beruht auf der auch im mafforeth. Text vorliegenden
Vermifchung der Wurzeln bst"1 und flbfct, indem in
1 S 14, 24 ebenfalls bsjp (er befchwor) punktirt ift ftatt
bS*1, wie Wellhaufen' richtig emendirt hat. — Für die
Schreibung Ba&ovr]X bei den LXX = MT b»1PlS bringt
R. S. 3 eine midrafchifche Parallele bei, die den Namen
ebenfalls mit SiblfQ (Jungfrau) zufammenbringt. Es liegt
aber wohl nur eine Verwechfelung mit btflPQ in Gn 24, 15
etc. vor. — Aufser der Deutung von Joel = est deus
(S. 1) kommen übrigens bei H. auch die Deutungen ,est
dei', ,fuit de? vor. H. hielt "P für eine abgekürzte Form
von IT»rT. Er fchrieb übrigens ftets Johel. — Auf S. 3
fteht fälfchlich evco&iöaözs ft. evoazlöao&e. — Auf S. 4
lernen wir die rabbinifchen Vorläufer der Deutung der
4 Heufchreckennamen auf die 4 Weltreiche kennen. Nach
Abarbanel waren es: Babel, Perfien, Griechenland (d.h.
Alexander der Gr.), Rom. Daneben hielt der Midrafch
aber auch die buchftäbliche Deutung feft S. 5 f. — Wegen
des Ortsnamens Sarid follte d. Vf. dem H. nicht fo grofse
Vorwürfe machen S. II. 15, da die Lesart fehr unficher
ift, wie aus LXX Jos. 19,10. 12 EosdexycoXa, ISsööovx
2a.Qd-iö, nur in A 2ctQid erhellt. Zu S. 14 möchten wir
an Jes 33,21 O"1© '•ifct Ruderflotte erinnern. — Doch wir
müffen abbrechen, dem Verf. für mancherlei nova aus den
Midrafchim dankend.

Jena. C. Siegfried.

Gr egg, John A. F., B. A., The Decian Perseoution, being
the Hulsean Prize Effay for 1896. Edinburgh, W. Blackwood
& Sons, 1897. (XIV, 304 S. 8.) Geb. sh 6.—

Seit Mafon's Buche über die diokletianifche Verfolgung
(vgl. Harnack in diefer Zeitung 1877 Nr. 7)
und Lightfoot's Abhandlung über Kirche und Staat
unter Hadrian, Pius und Mark Aurel im erften Bande
feines Ignatius ift m. W. eine gröfsere wiffenfchaftliche
Arbeit zur Verfolgungsgefchichte aus englifcher Feder
nicht erfchienen. Da wir nun eine Monographie über die
decifche Verfolgung überhaupt nicht befitzen, so ift
Gregg's Buch nicht unwillkommen. Es hat manche
Vorzüge: das Material ift vollftändig berückfichtigt, die
Form gefchickt; die Beurtheilung des Kaifers und des
Edictes in der Hauptfache richtig; dafs der Verf. wirklich
wiffenfchaftlich arbeitet, zeigt die Behandlung mancher
Einzelfrage Uibellus, lapsi, martyres, confessores u. f. w.).
Dafs man bei einer Monographie über die decifche Verfolgung
einen Abfchnitt über the Empire and the Church
before 249 a. d. in den Kauf nehmen mufs, mag unvermeidlich
fein, obwohl diefer kurzen Ueberblicke allmählich
etwas zu viele werden; Neues konnte der Verfaffer
hier kaum fagen. Leider liegt nach diefer Richtung überhaupt
nicht die Stärke feiner Arbeit; da, wo es möglich
gewefen wäre, Neues zu bringen, vor Allem bei der Behandlung
der Acta Pionii, verfagt Gregg völlig. Er hat
den Cod. Venet. 359 eingefehen und befitzt eine Ab-
fchrift. Ja, er fchreibt mit Selbftgefühl: this is the first

j time, so far as we know, that the Greek of the ,Acta
Pionii1 has been brought to this country (S. 246 N.). Dennoch
fpeift er uns mit einer mageren Lifte fprachlicher
Berührungen zwifchen dem griechifchen Text und den
Acta Polycarpi ab und giebt eine, noch dazu nicht voll-
ftändige, englifche Ueberfetzung, mit der uns wenig
geholfen ift. Mit den Zweifeln zu der Abfaffung der
Acta unter Decius hat er fich anfcheinend gar nicht vertraut
gemacht. Er citirt das bekannte ablehnende Urtheil
von Lightfoot (das übrigens Apost. Fathers, Ignatius I
702, nicht 716, fteht), ohne auf die Sache felbft irgend
wie einzugehen. Uebrigens ift ihm entgangen, dafs v. Gebhardt
inzwifchen den Text des Cod. Venet. im Archiv
für flavifche Philologie XVIII, 1896, 156—171 veröffentlicht
und eine gröfsere Ausgabe mit Commentar, unter
Hinzufügung der alten lateinifchen fowie der flavifchen
und der armenifchen Verfion (die beiden letztgenannten
in deutfcher Uebertragung) für eines der nächften Hefte
der Texte und Unterfuchungen verfprochen hat. Aus
dem Ueberfehen diefer Arbeit darf man nun freilich
Gregg keinen Vorwurf machen. Auch Ref. ift nur
durch Zufall auf die Veröffentlichung v. Gebhardt's auf-
merkfam geworden. Sie ift im Zufammenhang mit einer
Arbeit der Herren Abicht und Schmidt über die
Quellen des Cod. Suprasliensis, der die flavifche Ueberfetzung
unferes Martyriums enthält, erfolgt. Wer kann
das wiffen? Wer wird fich das Archiv für flavifche Philologie
anfehen, wenn es fich um den griechifchen Text
der Acta Pionii handelt? Um zu Gregg zurückzukehren,
fo hat er auch bei den Acten des Karpus und Papylus
Unterlaffungsfünden begangen. Er kennt den von Aube
zuerft veröffentlichten Text und fpricht fich wie A. für
die decifche Verfolgung als Zeit des Martyriums aus.
Aber er nimmt fchon von Lightfoot's ihm zweifellos
bekannten Gegenbemerkungen (a. a. O. I 625. 696) keine
Notiz. Harnack's Abhandlung in den Texten (III, 1888),
die, foweit das möglich ift, den Beweis für die Anfetzung
des Martyriums unter Mark Aurel erbracht hat, ift ihm
unbekannt geblieben. Wie übrigens Gregg angefichts
des echten Textes diefer Acten behaupten kann: the
Acta of Carpus and Papylus are only remarkable as
containing a curious eucharistic formula etc., ift mir unerfindlich
.

Der Arbeit ift eine Lifte der benutzten Literatur
vorangefchickt. Wenn eine folche Werth haben foll, fo
mufs fie beffer gearbeitet fein. Was foll,Harnack Theologifche
Literaturzeitung 1877' (Nb. ohne jeden Hinweis auf
I Mafons oben zitirte Arbeit) heifsen? Was nützt die
j Anführung aller Bücher ohne Verlagsort und -Jahr? Wie
foll man: „Müller (Karl) in Breslau, die Bufsinftitution
j in Karthago unter Cyprian" identificiren, da man doch
I nicht ohne Weiteres zu wiffen vernichtet ift, dafs es fich
I hier nicht um ein Buch, fondern um einen Auffatz in
der Zeitfchrift für Kirchengefchichte handelt? Wozu:
,Fabricius, Lux Evangelii toti orbi exoriens1} U. f. f.
Eines darf ich zum Schlufs nicht unerwähnt laffen: die
; Verballhornung der Titel deutfcher Bücher und Abhand-
; lungen durch einen Autor, der der deutfchen Sprache
! doch mächtig genug fcheint, um Bücher, wie die von
Schiller und Neumann, wirklich zu benutzen, nicht
blofs zu citiren. .Abgefällene', ,Gefchichte der römifche
Kaiferzeit', ,Daten den Kaifermünzeren', ,Kirche und Statt'
u. A. find doch unerlaubte blunders. Dabei handelt es
fich nicht um Druckfehler, auch nicht immer um ein-
| maligen Lapfus, fondern mehrere diefer Fehler begleiten
I uns durch das ganze Buch. Mark Twain mochte ja
nicht fo Unrecht haben, als er von der ,awfid german
language' fprach, aber wenigftens richtig nachzeichnen
könnte man unfere Silben doch! Uebrigens leiden auch
die Franzofen unter diefer Rückfichtslofigkeit, wie ,Revue
yEmpireurs* und ,Memoire'~ beweifen.

Giefsen. G. Krüger.