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Ausgabe:

1898 Nr. 13

Spalte:

364-370

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bullarium Franciscanum sive Romanorum pontificum constitutiones, epistolae

Titel/Untertitel:

diplomata tribus ordinibus 1898

Rezensent:

Mueller, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 13.

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stand tlie füll significance of it as the account of His glori-
fied person (35). Ref. kann diefe Auffaffung der paul. j
Chriftologie, die fich wohl vor allem auf Rom. 1,3 f.
gründet, nicht theilen; denn das stvevuct dyicoavnvg eignet
dort erft dem Auferftandenen (vgl. Test. Levi 18). Auch j
die Sündlofigkeit des auf Erden wandelnden braucht I
Paulus nicht aus der Einwohnung des Geiftes Gottes [
erklärt zu haben und jedenfalls hat er den Erhöhten :
I. Kor. 15,45, II, 3,17 noch in einem andern Sinne stvtvua
genannt. ,Tke Spiritual 7/ian1 ift alfo keine paffende Bezeichnung
für den ganzen Chriftus, und ebenfowenig the
second man. Weifs doch S. felbft wiederum recht gut,
dafs diefer Name I. Kor. 15,45 ff. dem Auferltandnen gilt
und mufs er doch, um ihn auf den irdifchen Jefus anzuwenden
, darin finden that He is the perfected Form
of Manhood, that nothing higher or more divine, or more
fully answering to the capacities of our souls, can he j
looked for (50k). Wenn aber fo das töyarog und devzenoq, i
fo mufste confequenterweife auch das JtQcötoq umgedeutet '
werden und würde dann V. 46 jeden Sinn verlieren. Geht
das nicht an, fo darf im Sinn des Paulus nur der Erhöhte [
der letzte oder zweite Adam genannt werden — und
das gilt nicht nur gegen S., fondern auch manche andre
Theologen, auf die er fich beruft.

Aehnlichen Einflüffen ift die fchiefe und in fich felbft
widerfpruchsvolle Darftellung der paul. Verföhnungslehre 1
in Cap. 3 zuzufchreiben. S. geht davon aus, dafs nothing j
could be farther from Paul's thought than the idea that
the death of Christ was needed to win the love of God
for us, or to overcome any reluctance in Hirn to shozv
merey to sinners (74), giebt aber doch alsbald wenigftens
dies zu that in his view, that event was something more
than a revelation of the love of God, it was an aecom-
plishmentas well, an ojfering to God, a deed that effected
the redemption of men (77). Näher freilich will er
das weder nach Gab 3 noch Rom. 3, die nicht deutlich
genug feien, fondern nach Rom. 5,15ff. denken, wo er
den Gedanken findet: in His holy and sinless Person
humanity was bom again, as it were, abandoned its revolt
against God, and returned to its proper allegiance to Hirn,
overcame evil and lived the perfect life well pleasing to
God (86). Speziell der Tod Jefu ift als Beweis des Ge-
horfams gegen Gott der Grund unferes neuen Verhält-
nifses zu ihm. Aber S. felbft fühlt, dafs das noch nicht
genügt, that it did something to ejfect a change, not indeed
of the heart or mind of God, but of His relation to men,
that it was operative, in some real sense, in reconciling
God to us as well as in reconciling us to God (91) —
kurz, er kommt auf die im wefentlichen richtige orthodoxe
Deutung der paul. Ausfagen hinaus. Dafs er diefe Einficht
bald wieder daran giebt, liegt daran, dafs er eben
nicht nur des Paulus, fondern auch feine eigne Chriftologie
entwickeln will. So erklärt fichs auch, dafs die fog.
myitifche Deutung des Todes und der Auferftehung Chrifti,
die wir namentlich Rom. 6 haben, fofort rationalifirt wird:
He partook of our flesh, in which sin has certainly its
seat; and His dying in that flesh, in so far as there was
an element of will, of personal activity in the act, was
the supreme instance of holy obedience. It was in its very
nature a death inflicted on the principle of sin that cha-
racterises the flesh of ordinary human nature, a slaying
of it in its very principle of self-will, a bringing to an
end its ascendency over the flesh of man . . . And in so
far as His death on the Cross was the final triumph of
His holiness over all those desires of the flesh that furnish
to man unregenerate the motive power of his life, it pos-
sesses a moral efficaey that constitutes Hirn the leader of
their true life (100). Und ebenfo ChristS emerging from
the grave, aecording to the apostle, was coincident with
His entrance on a grander form of being, that gave Hirn
access to the souls of men as Spirit; and it is in virtue j
of their being subjects of the energy of His Holy Spirit
that His people undergo that moral resurrection which is

a fact of their consciousness (101). Bei Paulus fleht von
alledem kein Wort; dagegen hat er der Auferftehung
Chrifti namentlich I. Kor. 15 eine weitere directe Bedeutung
für unfere Auferftehung u. Rom. 4,25 eine indirecte
für unfre Verföhnung zugefchrieben, worauf S. merkwürdigerweife
fo gut wie gar nicht eingegangen ift.

Sein viertes Kapitel fchildert Christ the life and the
Lord of the new humanity und zwar faft durchweg zutreffend
, weniger das fünfte die fpätere Entwickelung der
Chriftologie in den (fämmtlich als echt betrachteten) Ge-
fangenfehaftsbriefen. Was nämlich zunächft deren Vor-
ftellung von der Perfon Chrifti betrifft, fo bezeichnet der
Kolofferbrief nicht Chriftus felbft als die Fülle der Gottheit
, fondern läfst fie in ihm wohnen. Vollends die Aus-
fage 1,15 bezieht S. wohl nur unter Ritfchl's Einflufs
nicht auf den Präexiltenten; denn fonft fpricht alles dafür.
Was dagegen über Chrifti jetzige Stellung zur Menfchheit
nach unfern Briefen gefagt wird, ift wiederum durchaus
richtig.

Das fechfte Capitel behandelt die Präexiftenz Chrifti,
die als Lehre des Paulus anerkannt und nicht nur aus
der jüdifchen und griechifchen Speculation, fondern auch
der Erfahrung des Apoftels vom Erhöhten erklärt wird.
Lehrhaft formuliren läfst fie fich freilich nicht. Paulus
hat den präexiltenten Chriftus weder (ausdrücklich) als
himmlifchen, noch als die zweite Perfon der Trinität,
noch als Gottmenfchen gedacht — was allerdings S.
wieder z. T. nur von feinem, nicht von des Apoftels
Standpunkt aus beftreitet.

Mit Bewufstfein ftellt er fich endlich auf jenen, wenn
er im letzten Capitel den Werth der paul. Chriftologie
für uns unterfucht. Zu diefem Zwecke wird zunächft die
fynoptifche Ueberlieferung der paul. möglichft angenähert;
aber auch dann bleibt die letztere einfeitig. Alfo, decre-
tirt S., behind all that he says of the Heavenly activity of
the Lord there was in his own mind a vivid impression
of the human personality that gave meaning to what he
said(244). Und warum? We canhave noproper idea of the
modes of Christ's activity as the Glorified Head of His
people except by means of the impressions made upon our
minds by His carthly course (243). Das mag für uns richtig
fein; aber die paul. Chriftologie darf man nicht danach
zurechtrücken. S. hat das viel zu fehr gethan, freilich, fo
wiederhole ich nochmals, nach dem Vorgange fehr vieler
anderer und berühmter Theologen.

Der Druck ift nicht fo gut, wie wir es fonft bei
englifchen Büchern gewöhnt find. Deutfche Citate werden
ja auch fonft häufig verunftaltet, aber hier enthält auch
der englifche Text manche Fehler. Der Verf. hat einige,
aber keineswegs alle nachträglich verbeffert; möchten fie
1 in einer zweiten Auflage fämmtlich verfchwinden.

Halle a. S. Carl Clemen.

Bullarium Franciscanum sive Romanorum pontificum con-
stitutiones, epistolae, diplomata tribus ordinibus Mi-
norum,Clarissarum,Poenitentium a seiaphico patriarcha
Sancto Francisco institutis ab eorum originibus ad
nostra usque tempora concessa.TomusV: Benedicti XI,
Clementis V, Ioannis XXII monumenta iussu atque
auspieiis reverendissimi P. M. Laurentii Caratelli de
Signia totius ordinis Minorum S. Francisci conven-
tualium post seraphicum patriarcham ministri generalis
CVI a Conrado Eubel eiusdem ordinis alumno digesta.
Romae 1898. (Leipzig, O. Harrassowitz.) (350 S. Fol.)

Mk. 35.—

Keiner der mittelalterlichen Orden hat in den letzten
Jahren die Aufmerkfamkeit in demMaafse auf fich gezogen
und keiner hat zuletzt foviel für die Quellen feiner Ge-
fchichte gethan, wie der Minoritenorden. Die Väter von
Quaracchi haben begonnen. Die Analecta Franciscana,