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Ausgabe:

1898

Spalte:

361-362

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Huck, Albert

Titel/Untertitel:

Synopse der drei ersten Evangelien. 2., verm. Aufl 1898

Rezensent:

Weiß, Johannes

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitimg. 1898. Nr. 13.

362

Dr. Költzfch mit feinem Auffatz: Melanchthons loci
communes (von 1521) — die erfte proteftantifch-
evangelifche Ethik (und nicht Dogmatik). Er beweift
das zunächft aus dem Hintergrund der loci, als der in
erfter Linie nicht der Römerbrief oder gar der Lombarde
anzufehen fei, fondern die Ethik des claffifchen Heidenais
dafs dies nicht fchon früher der Fall war. Denn trotz
der vorhandenen Mängel ift fie doch noch immer die
brauchbarfte.

Leider haben fich Verfaffer und Verleger nicht cnt-
fchliefsen können, den von mir (Theol. Literaturzeitung
1893, Nr. 23, Sp. 5641.) und anderen vorgebrachten

thums. Schreibt doch Mel. felbft über jene an Eoban 1 Wünfchen zu entfprechen. Im Wefentlichen haben wir
Hefs:' secutus sunt rhetorutn consilium, qui locis commu- nur die unveränderte Stereotypausgabe der Auflage von
nibuscomprehendere artes iubent und läfst er doch fchon ' 1892 vor uns. Die Anordnung fchliefst fleh aufs Engfte
1519 drei Bücher über die Rhetorik und 1520 eine com- dem Commentar von Holtzmann an, wogegen ich keine
pendiaria dialccticcs ratio erfcheinen. Befonders aber [ Einwendungen weiter erheben will. Wohl aber bleibt es
«igt ein Vergleich feiner ethicae doctrinae elementa vom ein empfindlicher Mangel, dafs nicht die Doubletten,
Jahre 1538 mit den loci, dafs wir es auch hier mit einer , welche in einem andern, als dem gerade reproducirten
Ethik zu thun haben. Ebenfo fpricht dafür zum andern , Zufammenhang flehen, mit abgedruckt worden find. Der
ihr pfychologifcher Untergrund und ihre dadurch bedingte ; Verfaffer hat dem durch einen Anhang abzuhelfen ge-
Dispofition, desgleichen endlich ihr Grundinhalt, als den I fucht, welcher diefe Doubletten in grofser Vollftändigkeit
Mel. felbft'I. Kor. 4,20 angiebt. Trotzdem wird man j darbietet. Das ift ja dankenswerth, aber es hätte dann
die loci zugleich als die erfte evangelifche Dogmatik i wenigftens an den einzelnen Stellen im Texte vorne ein
bezeichnen dürfen, nur eben als eine ethifch orientirte. Hinweis auf den Anhang angebracht werden follen. Auch

— Kürzer kann über zwei weitere hiftorifche Arbeiten
berichtet werden: Pfarrer G. Jacob befpricht (deutfeh
und wendifch — weshalb?) den erften wendifchen
Katechismus, d. h. die Ueberfetzung des kleinen lu-
therifchen von Warichius vom Jahre 1597; Schulrath

die textkritifchen Anmerkungen find nicht geändert.
Nur ift ein Anhang hinzugefügt, welcher die Lesarten,
die mein Vater und ich in der 8. Aufl. des Meyer'fchen
Commentars zu Mk und Luk befolgt haben, darbietet.
Wie ich fchon früher ausgeführt habe, ift dies Verfahren

D. Dr. G. Müller wendifche Kirchen und Schul- j zwecklos, wenn nichts über die Zeugen mitgetheilt wird,
vi'fitationen im 16. Jahrhundert, ohne doch auf die j denen wir folgen und da in all den Fällen, wo Holtzmann
vor allem intereffirenden kirchlichen und fittlichen Zu- und wir mit Tifchendorf-Gebhardt übereinftimmen, der
ftände, die dabei zu Tage traten, hier fchon einzugehen, geneigte Lefer überhaupt nicht erfährt, dafs es Varianten
Auch der erfte der beiden Beiträge zur eigentlichen j giebt. Mein Wunfeh, dafs die Agrapha aufgenommen
fyftematifchen Theologie, die die Feftfchrift endlich noch würden, ift nicht erfüllt. Dagegen ift ein Verzeichnifs
enthält braucht nur eben erwähnt zu werden. Archidiak. ; der altt. Stellen und der Johannes-Parallelen im Anhang
Planitz befpricht den Laienglauben, feine Ent- j mitgetheilt.

ftehung und feine Bedeutung für Theologie und Ich kann nur mein Bedauern ausfprechen, dass Verf.

Kirche, aber fo kurz, dafs, wie er felbft fühlt, nicht und Verleger etwas Unvollkommenes geboten haben,
viel Neues dabei herauskommt. Den Schlufs des ganzen ; wo es fo leicht war, das Vollkommene zu leiden. Aber
Bandes bildet eine ebenfalls gedrängte, aber inhaltsreiche da wir nichts Befferes haben, kann ich doch nur wünfchen,
UnterfuchungderSelbftdändigkeit desChriftentums , dafs diefe Synopfe eine fo weite Verbreitung finde, dafs'
von Paftor prim. Katzer. Er geht von Tröltfch's und 1 bald eine neue, dann aber hoffentlich vollkommene Auf-
Kaftan's Auffätzen über die Selbddändigkeit der Religion läge nöthig wird,
und des Chriflentums in der Zeitfchr. für Theol. u. K
1895 6 aus, verfteht aber doch jenen Ausdruck im allgemeinen
in weiterm Sinne als fie. Zwar nennt auch er

Marburg. Johannes Weifs.

das Chriftenthum dieOffenbarungsreligion, aber im übrigen Somerville, David, M. A., St. Paul's coneeption of Christ

will er doch nur feine Unabhängigkeit (nicht fpecififche 0r the doctrine of the second Adam The sixteenth
Verfchiedenheit) von andern Religionen erweifen. Das ri f r„„„:„„un 1 ♦ u- >• e , -r-

gefchieht nun zunächft durch eine Unterfuchung feines °.f thQe Cunningham lectures. Edinburgh, T. &

Urfprungs, dann durch einen Vergleich feines Inhalts L- Uark> i»97- (XVI, 330 S. gr. 8.) sh. 9.—

mit dem andrer Religionen. Aufserdem aber foll die j Das vorliegende Werk enthält im wefentlichen Vor-

Selbftftändigkeit des Chriftenthums auch noch darausfolgen, lefungen, die der Verf. auf Grund der Cunnin«ham-Stif-

dafs es an fich felbft und durch fich felbft verftändlich tung voriges Jahr in Edinburgh gehalten hat und liefert

ift. fofern nämlich die Perfon Chrifti einen überwältigen- einen neuen glänzenden Beweis für die wiffe'nfchaftliche

den Eindruck macht. Ref. kann diefen jetzt modernen Tüchtigkeit der fchottifchen Freikirche. Bedenkt man

Beweis für die Wahrheit des Chriftenthums nicht für 1 zudem, dafs fein Verf. praktifcher Geiftlicher ift r0 wird

zwingend erachten und würde felbft im entgegengefetzten ! man feine Sach- und Literaturkenntnifs geradezu be

Falle nicht verliehen, wie damit allein, ohne die fchon wundernswerth finden. Diefes Gefühl braucht auch nicht

früher beigebrachten Beweife, die Selbflftändigkeit des zu verfchwinden, wenn manche widerfprechenden Mei

Chriftenthums erhärtet werden follte. nungen nicht genügend in Einklang gebracht oder eigene

Was den Druck der Feftfchrift angeht, fo merkt man
es den meiden Artikeln an, dafs ihre Verfaffer im Cor-
recturlefen wenig Uebung befitzen. So bringen fie es

Aufftellungen des Verf. unhaltbar fein follten.

f c? unterfucht zunächft the genesis and characteristics
of St. Faids coneeption of Christ und findet die letzteren

Itellenweife b.s zu acht Druckfehlern auf der Seite und in der geringen Bedeutung, die P. dem irdifchen Leben
find namentlich in. ihren C.taten oft unzuverläffig. Kein Chnfti zufchreibt und d.e Erklärung dafür wieder in dem
Druckfehler ift vielleicht das dreimalige Origmes S. 52.59, Urfprung der paul. Chriftologie in feiner Erfahrung So-
lollte aber auch neben dem richtigen Or.genes überhaupt ! weit ift alles zutreffend; aber gleich dem zweiten Kanitel
nicht mehr vorkommen. gegenüber regt fich der Widerfpruch. S. befchreibt hier

Halle a. S. Carl Giemen. d?" Paul- Chriftus als the Spiritual man in whom the

old antagonism in human niture between flesh and spirit

Huck, Pfr. A.. Synopse der drei ersten Evangelien. 2., durch '• has been overcome. Er weifs zwar wohl: itis the Exalted
einen Anhang vermehrte Auflage. Freiburg i. B., J. C. I fjrtst to whom the apostle always refers; and it is of
B. Mohr, 1898. (XVI, 191 S. Lex. 8.) M. 3.- I £"* *** '^ripäon holds in its absolute truth; aber

. a | er meint doch: tt holds also of the Historie Jesus and of

Dafs von Huck's Synopfe in 6 Jahren eine neue Auf- 1 His state of humiltation, and we must look al 'it as the
läge nöthig geworden ift, wundert den Referenten weniger, aecount of what He was when on earth in order to unde