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Ausgabe:

1898 Nr. 11

Spalte:

308

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Delehaye, Hippolyte

Titel/Untertitel:

Le Synaxaire de Sirmond. tom. XIV. (1895) 1898

Rezensent:

Meyer, Ph. L.

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. II.

308

der nachkonftantinifchen Zeit (ich führe hier an Luc. 16
22. Herrn, vis. II, 2,7. Acta Perp. 11 ff. Tcrt. de an. 53
— Verweis auf Merkur, den ,Seelenaufrufer' —. de cultu
fem. II 7. 13. Hippol. de causa univ. ed. Pitra, Anal. II
269). Verf. hat S. iaff. feiner Darfteilung eine reiche
Literatur benutzt, um die E. ,in der fpätjüdifchen und
altchriftlichen Vorftellung' zu fchildern, aber jene trägt
für den Gegenftand zu wenig aus und diefe kommt zu
kurz (eine wirklich chriftliche Apokalypfe wie der viel-
gelefene Pastor Hermac wird nur ganz vorübergehend
erwähnt, ebenfo fehlen Hinweife auf Arist. apol. 2 extr.
14. Justin apol. I 5. Athenag. suppl. 24f. Tert. de carue
Chr. 3. 6. de res. 62 etc.; dafür ift die Heranziehung
der nachkonftantinifchen Lit. wieder eine vollftändigere).
Das ift um fo mehr zu beklagen , als fich der Verf. bezüglich
feiner Grundfätze der Literaturbenutzung auf den
richtigen Boden Hellt, indem er betont, dafs wir uns
innerhalb des Gebiets der Volksvorftellungen befinden;
in diefes find aber, wie die Katakombenmalereien be-
weifen, die Schilderungen der jüdifch-chriftlichen Apo-
kalypfen wenig oder gar nicht eingedrungen. So kommt
es, dafs die beiden Hauptabfchnitte feiner Darfteilung
eigentlich völlig nebeneinander flehen. Was er im übrigen
zur Erklärung der durch die (fpäteren) Apokryphen
nicht belegten biblifchen Sujets heranbringt, geht aus
dem gewohnten Geleife nicht heraus. Tobias (S. So)
u. a. werden, wie herkömmlich, durch einen Paffus fpäter
Grabgebete erklärt.

Man wird alfo die Arbeit als eine abfchliefsende
nicht erachten können, fchon darum weil fie das — wenn
auch fpärliche — Auftreten der E. auf den Fresken der
unterirdifchen Coemeterien nicht genügend beleuchtet.
Vielleicht bieten diefelben Stoff genug zu einer Sonder-
unterfuchung, die noch zu leiften wäre, wenn auch der
theologifche Ertrag derfelben nur ein negativer fein
follte. Inbetreff der Ueberfichtlichkeit und Klarheit der
Darftellung ift gegenüber der früheren Studie des Verf.
ein Fortfehritt zu konftatiren, aber den Mangel eines
Regifters mufs man wiederum beklagen, ebenfo den
einer gröfseren Anzahl von Illuftrationen, ohne welche
ein derartiges Buch fchwer geniefsbar wird. Zur Rechtfertigung
beider wird auf Rückfichten der Raumerfpar-
nifs verwiefen, m. E. unzureichend. Die zahlreichen Abkürzungen
hätten vermieden werden follen. Im Einzelnen
fei noch angemerkt, dafs Verf. den Unterfchied der beiden
griechifchen Verfionen (LXX und Theodotion) bei
Dan. 3 92 al. 25 S. 83. 92 nicht beachtet hat. Der Fifch-
träger (Tobias) ift von dem Angelnden (S. 79) zu unter-
fcheiden und der ,Wanderftab' Z. 5 v. o. vielmehr ein
Angelftock; über das Bild S. 81 A. 2 unten ftand bei
Wilpert, Katakombengemälde S. 73 das Richtige zu
lefen; ein Angelnder in Domitilla {Bull, dt arch. cnst.
1865, p. 44) ift vergeffen. Wo der Knabe auf Goldgläfern
mit dem Fifche erfcheint, den Arm im Maule desfelben,
follte nicht das Herausholen der Galle gekennzeichnet
werden, fondern wie der Fifch ihn freffen will (Tob.
62h), S. 90 Mitte ift die Ortsangabe ungenau. Die volle
Kleidung Abraham's begegnet auch fchon auf den Katakombenfresken
(zu S. 99 A. 1). Dafs Mofes' Berufung
bis auf die Holzthüre in S. Sabina in Rom ,eine fonft
völlig unbekannte Scene der altchr. Kunft' gewefen fei
(S. 170), ift ebenfo ungenau wie dafs ,die ältefte Darfteilung
der Grabesfcene' auf der Münchener Elfenbeintafel vorliege
(S. 138; vgl. den Leidensfarkophag im Lateran-
mufeum!). Ich fchliefse im übrigen mit der Anerkennung
des Fleifses und der Sachkenntnifs des Verfaffers.

Betheln b. Gronau (Hannover). Edgar Hennecke.

Delehaye, Hippolyte, S. J., Le Synaxaire de Sirmond.

Extrait des Analecta Bollandiana, tom. XIV (1895).
Bruxelles, Imprimerie Polleunis et Ceuterick, 1895.
(92 S. 8.) Fr. 2.50.

Diefe Studie des bekannten Bollandiften ift für die

! Kenntnifs der griechifchen Ritualbücher fehr wichtig. Sie
enthält unter dem etwas fremdartig anmuthenden Titel
eine Unterfuchung über die gefchichtliche Entwickelung
des Inhalts der Synaxariften im Vergleich mit den ge-
fchichtlichen Menologien und dem gefchichtlichen Theil
der Menäenangaben. Bekanntlich find die Namen Menologien
und Menäen fehr vieldeutig. Der Verfaffer
giebt zur Orientirung daher zuerft eine Begriffsbeftim-
mung der Menäen, der Menologien und der Synaxariften.
Ich halte die Begriffsbeftimmungen für richtig, obwohl
die der Menologien nach der gedruckten Literatur vielleicht
fich noch hätte erweitern laffen. Aber das ift
Nebenfache, denn es handelt fich hier aus den Menäen
nur um den hiftorifchen Theil der Nachrichten, aus den
verfchiedenen Arten von Menologien nur um die von
dem Verfaffer als erfte bezeichnete, nämlich um die
grofsen Sammlungen von Heiligenlegenden, die monats-
weife mitgetheilt find. Auch die Synaxariften kommen
nur in ihrer gefchichtlichen Geftalt in Betracht. Während
nun die gefchichtlichen Notizen der Menäen fich gleich
bleiben, knüpft der Verf. feine Unterfuchung der Menologien
und Synaxariften an einzelne hervorragende
Exemplare derfelben an. Aus den Menologien Unterpacht
er zuerft das bekannte Menologium Basilii, deffen
Herausgeber der Cardinal Albani ift. Es ergiebt die
Unterfuchung, dafs diefe Ausgabe einerfeits mehr Gewicht
legt auf Ausftattung als auf den Inhalt und dafs
diefer lieh darfteilt als ein Excerpt aus reicheren Sammlungen
. Der Verf. wendet fich nun zu den Synaxariften
und geht da von dem fogenannten Synaxarium Sir-
mondianum aus. So nennen die Bollandiften einen namentlich
von Sirmond gebrauchten Codex, der jetzt
einen Theil der Meerman'fchen Sammlung in der Berliner
Bibliothek ausmacht. Diefer vertritt eine gröfsere
Gruppe von Synaxariften, geht etwa in das elfte Jahrhundert
hinab und ift in der Nähe von Konftantinopel ent-
ftanden. Der Verf. leitet nun, nachdem er den Syna-
riften des Sirmond und die ihm verwandten als die
älteften und heften Redactionen der Legenden anerkannt
hat, zu einem Vergleich des von den Menäen, dem Menologium
Basilii und dem Synaxarium des Sirmond Gebotenen
über. Es ergiebt fich da, dafs alle Darftellungen
miteinander nahe verwandt lind und fich als ziemlich
obei flächliche Compilationen älterer Quellen darftellen,
die nicht unter das zehnte oder elfte Jahrhundert hinabgehen
. Als Grundlage für diefe nimmt der Verfaffer,
wenn ich recht verliehe, unter anderem verfchiedene
apokryphe Schriften an, z. B. die Liften der 12 und

| 70 Apoftel des Pseudo-Dorotheos, die Prophetenliften des
Pscudoepiphauhis u. a. Am Ende der Arbeit benutzt

; der Verfaffer das Refultat, dafs eine Gruppe von Hand-
fchriften auf konftantinopolitanifchen Urfprung zurückgeht
, dazu, die Lifte von kirchlichen Heiligthümern der
Stadt Konftantinopel aufzuftellen, auf die die Legenden
der zu feiernden Heiligen hinweifen.

Hannover. Ph. Meyer.

Ehrhard, Albert, Die Legendensammlung des Symeon Meta-
phrastes und ihr ursprünglicher Bestand. (Aus: Feft-
fchrift zum 1100jährigen Jubiläum des deutfehen Campo
Santo in Rom.) Freiburg i. B., Herder, 1897. (38 S. 4.)
Delehaye, Hippolyte, Analecta Bollandiana. Extrait du
tome XVI, fasc. III: Les Münologes Grecs. Bruxelles,
Polleunis et Ceuterick, 1897. (19 S. 8.)
Diefe beiden Auffätze bedeuten einen epochemachenden
Fortfehritt in der Hagiographie der griechi-