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Ausgabe:

1898 Nr. 11

Spalte:

293-295

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klostermann, Erich

Titel/Untertitel:

Die Ueberlieferung der Jeremiahomilien des Origenes 1898

Rezensent:

Koetschau, Paul

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 11.

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vergiefsen werde; die Jünger haben im Glaubenjefu wahren um Entftehungs-Ort und Zeit genau beftimmen zu

Leib und wahres Blut empfangen; auch die Frage, ob
es proleptifche Symbolik gewefen fei, die Jefus angewandt
, wird fich kaum befriedigend löfen laffen, dem
Verftande wird es immer eine Hülfe fein, die proleptifche
Symbolik zu Hülfe zu nehmen: der Glaube hat damit
nichts zu thun . . . .' (298—300). Auch die Erklärung der
paulinifchen Gedankenwelt wird manchen Widerfpruch
hervorrufen: fo fcheint mir beifpielsweife die allerdings
von manchen Exegeten vertretene Behauptung, der
Apoftel ,habe fich Leib und Blut des Herrn in verklärter
Seinsform gedacht' (352), mit der Ausfage 1 Cor. 15,50
unvereinbar. — Doch wir brechen ab. ,Für diejenigen,
die den Zufammenhang mit den Fortfehritten und neuen
Erfcheinungen der theologifchen Wiffenfchaft aus Mangel
an Zeit nicht in der ihnen felbft erwünfehten Weife aufkönnen
. Ref. glaubt aber aus einer Stelle mit früheren
Forfchern doch mehr fchliefsen zu dürfen, als der Verf.
S. 10 zugiebt. Wenn Origenes als Presbyter (vgl. den
Verf. S. 7 a), alfo nach 231 (vgl. Redepenning, Origenes
I 412), hom. IV 3 in Jerem. (p. 140 sq. Lomm.) in den
Worten: — oipoutO-a vvv, coq ovx iouhv JtiOxoi' aXXa
xoxt ijdav siioxol, ots xa fiaoxvQia xa yevvala ffo ift mit
A. Harnack zu fchreiben, der Schreiber von Vat. gr. 623
bietet diefelbe Conjectur; Tß yeveä cod. Scor., wie es
fcheintj iyivovxo, oxe uJtb xöjv xoti<?}xi]yicov JiQOJTtiatavxtq
xovq uaqxvQaq /'/Qxoua&a tJtl xaq Ovvayojyaq, — — —.
xöxt (udafiev xal OflfiSlit iooqaxoxaq jcaQa6o$a xai xtQuOxta,
xoxe ijOav otioxol oXiyoi uhv, jtiöxol 6h aXrjO-täq —. vvv

6h, bx£ ysyövafiEv sioXXol —---- Ix xov Jt/.ij&ovq xcbv

EjtayyEXXouhvcov d-eootßeiav ögoo6aa ilolv qXlyoi ol xaxav-

recht erhalten können, auch für die, denen eine hifto- xcövxeg txi xyv hxXoyyv xov {reov xal x//v uaxat>iöxi)xa
rifch-genetifche Darflellung der neueften Verhandlungen Vergangenheit und Gegenwart vergleicht, fo erinnert er
über das Abendmahl erwünfeht ift, um felber unbeirrt ! fich offenbar der unvergefslichen und erfchütternden Er-
durch der Parteien Zank und Streit ihr theologifches j lebnifse aus feiner Jugendzeit während der Verfolgung
Urtheil fällen zu können, habe ich die Akten des Pro- j des Septimius Severus 202 3, vgl. Eufeb., last, ecclcs. VI

ceffes in einer gewiffen Ausführlichkeit und Vollftändig- 3, 3. 4 und Karl Job. Neumann, Staat u. Kirche I 163_

keit dargelegt, fo dafs ich hoffen darf, nicht des Mangels '. 165. Da nun zwifchen dem xoxe und dem vvv ein
an Objectivität geziehen zu werden' (2). In der That , grofser Zeitraum anzufetzen ift, während deffen das
hat der Verf. das Programm, das er fich geftellt, aus- j Wachsthum der Kirche (oXiyoi — sroXXol. vgl. hierzu c.

geführt, und wer es fich nicht verdriefsen läfst, feinen oft
langwierigen Auseinanderfetzungen zu folgen, wird zweifellos
manche Förderung aus feinem Buche erhalten

Cc/s. III 9) ftattfand, fo dürfte unter den möglichen Terminen
der fpätefte vorzuziehen fein. Sollte nun in den
vom Verf. S. 10 Anm. 2 citirten Stellen (hom. XIV 7,

c r , • P p j obftein ! P- 2<53 fc. und 17, p. 277 L.) Origenes wirklich auf eine

itraisDurg 1. l. beginnende Verfolgung anfoielen (was dem Ref nir-hr

beginnende Verfolgung anfpielen (was dem Ref. nicht
—L Z .. ■■ 1 ,„„„■ ■,„„,;,;„„ ganz ficher zu fein fcheint), fo würde nichts hindern, die

Klostermann, E„ D.e Ueberheferung der Jerem.ahornil.en Entftehung der XIV. Homilie und der folgenden in den
des Origenes. (Texte u. Unterfuchungen zur Gefchichte
der attchriftl. Literatur. Hrsg. von O. v. Gebhardt
u. A. Harnack. Neue Folge, I. Band, 3. Heft, der

ganzen Reihe XVI, 3.) Leipzig, J. C. Hinrichs, 1897.

Anfang der Decianifchen Verfolgung zu fetzen. Dass
fämmtliche Homilien in Cäfarea verfafst und vorgetragen
find, unterliegt wohl keinem Zweifel.

Im II. Abfchnitt wird über die bisherigen fehr
, mangelhaften (vgl. S. 17—19) Ausgaben der Homilien
(V, 116 S. gr. 8.) 3-5° von Ghislerius, Corderius, Huet und Dclarue-Lommatzfch

Der Verf., der in feinen ,Analec/a, Leipzig 1895' 1 und die ihnen zu Grunde liegenden HSS. gehandelt und
werthvolie Beiträge zur Septuaginta und Patristik geliefert nach den Unterfuchungen Stählin's und Barnard's (deffen
hatte, bietet uns in der vorliegenden Schrift eine nicht Ausgabe der Homilie des Clemens von Alexandria ,Quis
weniger dankenswerthe und wichtige Vorarbeit für feine dives salvetur* inzwischen erfchienen ifti feftgeftellt, dafs
kritifche Ausgabe der Jeremia-Homilien des Origenes | Cod. Vat. gr. 623 s. XV. als directe Vorlage den Cod.
dar. Klare und erfchöpfende Behandlung des Themas, ' Scorial. 32 — III — 19 s. XII. gehabt hat, und dafs alfo
Sorgfalt und Genauigkeit im einzelnen, vorfichtiges und diefe einzige HS. für die Textherftellung der 19 grie-
befonnenes Urtheil find Vorzüge diefer Abhandlung, die chifch überlieferten Homilien maafsgebend ift. Eine neue
uns für die Herausgabe der at. Schriften des Origenes, Collation diefer HS. hat Prof. L. Sternbach aus Krakau
mit welcher der Verf. von der Kirchenväter-Commiffion angefertigt. Verfchiedene Gründe fprechen dafür, dafs
der Berliner Akademie betraut worden ift, das Befte der Archetypus des Cod. Scorial. in Uncialen gefchrie-
hoffen laffen. ^ ben ™ar- ,„

Die Schrift zerfällt in fünf Haupttheile (I. Die Der III. Abfchnitt handelt von der lateinifchen

urfprüngliche Zahl der Homilien. Zeit und Ort der Ent- Ueberfetzung des Hieronymus. Von den 14 in zahl-
ftehung, II. Die griechifchen Handfchriften, III. Die latei- reichen HSS. überlieferten überfetzten Homilien find 12
nifche Ueberfetzung des Hieronymus, IV. Die indirecte auch griechifch vorhanden, 2 (nämlich Nr. 3 und 2 des
Ueberheferung der Griechen, V. Die indirecte Ueber- Hieronymus = Nr. 20 und 21 bei Delarue-Lommatzfch)
lieferung der Lateiner), im Anhang werden A. die bei find nur lateinifch erhalten, fo dafs wir im ganzen von
Delarue und Lommatzsch fehlenden Katenenfragmente, den urfprünglich vorhandenen 45 [?] die kleinere Hälfte
B. eine Tabelle aller dem Origenes zugefchriebenen (19 + 2 = 21) befitzen. Wenn aber der Werth der Hie-
Fragmente aus der Jeremia-Katene beigegeben, den ronymus-Ueberfetzung für die Textkritik, wie der Verf.
Sch'lufs bildet ein für die Orientirung des Lefers nütz- ; S. 21 richtig hervorhebt, theils von der Befchaffenheit der
liches Sachregister. griechifchen Vorlage, aus der Hieronymus überfetzte,

Bei der Frage nach der urfprünglichen Zahl der theils von der Art und Weife, wie Hieronymus feine Auf-
Jeremia-Homilien entfeheidet fich der Verf. (S. 4) wohl gäbe löfte, abhängt, fo fcheint es doch unerläfslich, dafs
mit Recht für die Angabe des Cafliodor (45) gegen die vorher (vgl. den Verf. S. 21 Anm. 1) der Text des
des Hieronymus im Brief an Paula (14); vgl. jetzt dazu Hieronymus für alle 14 Homilien, wenn nöthig durch
die neuefte kritifche Ausgabe diefes Briefs durch den neue Vergleichung der wichtigften HSS.. kritifch fefige-
Verf. in den Sitzungsber. der K. Pr. Acad. d. W. 1897 KCÜt wird, ehe er als ficheres Hilfsmittel für die Text-
XXXIX, S. 13 Z. 112. Es läfst fich wohl noch beftimmter, kritik gebraucht werden kann. Der Verf. zeigt nun S. 24
als der Verf. S. 2 Anm. 3 thut, behaupten, dass die Zahl —26 an einer grofsen Anzahl von Beifpielen, dafs Hiero-
des Hieronymus (14) eben die Zahl der von ihm in's nymus fich das Ziel gefleckt hat .nicht verhau c verbo,
Lateinifche überfetzten Homilien ift. ! sed sensit)// exprimere de sensu' und deshalb nicht nur

Wie für die meiden Schriften des Origenes, fo fehlen Umfchreibungen, Verkürzungen und Erweiterungen an
uns auch für die Jeremia-Homilien fiebere Anhaltspunkte, feiner Vorlage vornimmt, fondern auch Neigung zur