Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1898 Nr. 10

Spalte:

272-273

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

‚Analechta ‚Ierosolymitiches Etachyologias. Bd.3 1898

Rezensent:

Meyer, Ph. L.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

271

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 10.

272

neue Recenfion, fondern eine neue geficherte Methode ; man fagen: das Reich ift da (S. 84) — und die übliche
thut uns gegenwärtig vor Allem Noth. Zu einer folchen Unklarheit ift wiederhergeftellt.

werden wir aber nicht gelangen, ehe nicht die Gefchichte
des Textes in den erften vier Jahrhunderten völlig klar
gelegt ift. Das reiche, hierfür vorhandene Material zu

Sehr leicht macht fich der Verf. den Beweis für die
Behauptung: Jefus weifs fich als den König im Gottesreich
; die Sache fteht ihm fchon feft; darum ift es Matth

fammeln und zu verarbeiten, ift die dringendfte Aufgabe. 512 Jefus, der die Verfolgten belohnt, und fo gewinnt
jena von Dobfchütz das 'F0'?6 m'r' oder ,Ich aber fage euch' einen meffia-

Krop, Frederic, La pensee de Jesus sur le Royaume de Dieu

d' apres les evangiles synoptiques. Avec un appen-
dice sur la question du ,Fils de l'homme'. Paris,
Fifchbacher, 1897. (142 S. gr. 8.)

Der Verf. hat die neuere deutfche, holländifche,
franzöfifche und auch einige englifche Literatur über die

Begriffe ,Reich Gottes' und ,Menfchenfohn' eifrig ftudirt ] ders im Gegenfatz zu Lietzmann. Von der Pofition Bai

nifchen Klang. Und doch mufs man hier, da alle Tradition
über Meffiasanfprüche Jefu von einer chriftgläubi-
gen Gemeinde überliefert ift, äufserft vorfichtig fein, und
erft wenn wir für die Ausfagen Jefu vor Gericht Berichte
von Ohrenzeugen annehmen dürfen, ift die Frage — und
zwar zunächft nur für die letzten Lebenstage Jefu gelöft.

Vom ,Menfchenfohn' redet Krop im Text, in einer
langen Anmerkung und in einem Anhang, dort befon-

und von Gelehrten wie Bälden fperger, Bouffet, Titius, i denfperger's aus wird die neuere Diskuffion über jenen
A. Sabatier und Ehrhardt viel Gutes gelernt. Seine Ge- j Ausdruck recht eingehend erörtert. Der Hinweis auf
fammthaltung zeigt zugleich aufrichtige Begeifterung für das aramäifche barnasch wird acceptirt; dies kann kein
den Gegenftand, einiges Urtheil, das freilich durch das I Titel fein; eben darum mufs v. x. a. anders geheifsen
Votum feiner Autoritäten ftark beftimmt ift, und ein haben; wüfsten wir nur wie? und fo foll vlbq rov dvd-Qaj-
befonnenes Maafshalten in der Kritik fowie ein löbliches 1 jtov auch Mk 2m 28 nicht urfprünglich ,Menfch' bedeutet
Sichbefcheiden, wo Gewifsheit nicht zu erreichen ift. i haben ; lieber werden diefe Verfe von ihrer Stelle entfernt
Freilich wird man nicht fagen können, dafs feine Dar- und hinter das Petrusbekenntnifs verfetzt. Denn da be-
legungen unfere Erkenntnifs wefentlich gefördert haben | deutet ,Menfchenfohn' nicht den Menfchen (obwohl bar-

oder auch nur an fich felbft klar und wohlbegründet
wären; er begnügt fich oft mit ,affirmations generalcs,
ä peu pres incontestees sans entrer dans les questions com-
pliquees1 (S. 109 A. 2). Indem er an ficherer Hand feine
goldene Mittelftrafse wandelt, ahnt er nicht, welchen
ernften Schwierigkeiten man entgegengeht, wenn man
einmal der Kritik Raum giebt. Mit einer ehrlichen Ent-
rüftung über Loman u. a. ift es da nicht gethan. Die
von ihm citirten und bekämpften Schriftfteller hat er
nicht immer forgfam genug gelefen; bei der Exegefe
fchwieriger Stellen hat er fich redliche Mühe gegeben,
die doch nicht immer allen Momenten gerecht wird.
Zur Darlegung der damaligen Anfchauungswelt, an die

nasch eben Menfch heifst), fondern den, der von Gott
mit einer Miffion betraut ift nach Dan 713 — wo nun
doch barnasch fteht. Was aber Eerdmans, A. Meyer,
Lietzmann lehren, ift der aufgewärmte Rationalismus
eines Paulus, wie Krop nämlich in deffen Commentar
entdeckt hat. Da er mein Buch Jefu Mutterfprache' als
interessant onvrage erwähnt, citirt und beftreitet, fo hätte
er dort und bei Lietzmann lefen können, dafs ich die
Auslegung von Matth 1232 ,wer gegen einen Menfchen
redet', die auch Lietzmann bringt, felbft aufgehellt und
dann bei Genebrard (f 1597) nachgewiefen habe (ich
war alfo S. 97 A. nicht gegen L. zu citiren), dafs Hugo
Grotius (freilich ein Arminianer) den Menfchen Herrn

Jefus doch angeknüpft haben foll, ift einiges aber nicht j des Sabbats (nicht des Gefetzes Krop S. 95 A.) fein
viel gefchehen; man kann fragen, ob er die rabbinifche | läfst, und dafs unfere Auffaffung von der Paulus', die
Literatur aus Anfchauung kennt. Unangenehm ift der j ich auch befpreche, fich deutlich unterfcheidet. Wellhaufen

Schreib- oder Druckfehler 13X für 13», 13? (S. 45 A.),
bedenklicher, dafs Krop noch an einen fyrifchen Gott
Mammon glaubt (S. 44 A. 1).

Richtig wird gezeigt, dafs das R. G. als irdifches
und als Weltreich gedacht ift; aber der Ausdruck be-

hat dann freilich Gött. G. A. 1896 No. 4 behauptet:
,Durch keine Künfte läfst fich etwas daran ändern, dafs
Jefus fich felbft den Menfchen genannt hat'. Geändert
hat er dann doch feine Anficht infolge des Gewaltactes
Lietzmann's, der den Menfchenfohn mit wenigen Auszeichnet
trotz K. niemals ,une Domaine', fondern immer j nahmen (in denen es Menfch überhaupt bedeutet) erft
Herrfchaft und Herrlichkeit; slosXd-tlv siq ßaöiXtiav, dogl}V j fpäter Jefu in den Mund gelegt fein läfst. Ich nenne
heifst bekanntlich zur Herrfchaft gelangen. So giebt es diefen Schritt einen Gewaltact, weil fich eine folche
auch keine ,Bürger', fondern nur ,Befitzer' einer von Gott Behauptung nur wagen läfst, wenn man zuvor die ganze
verliehenen Herrfchaft. Befonders unbefriedigend ift Jefu j Wiederkunftsweiffagung nicht einfach ftreicht, fondern
fpecielle Eschatologie behandelt: Jefus legt nach K. wenig 1 gründlich unterfucht. Ich habe meine Gefammtanficht
Werth auf eschatalogifche Einzelheiten, befteht nur auf der j über diefen Punkt daher in jener fprachlichen Unter

Eichung nur angedeutet, und ihre ausführliche Darlegung
einer eigenen Unterfuchung vorbehalten.

Dabei finde ich mehr und mehr, wie weittragende
Fragen hier vorliegen, die jedenfalls nicht fo fchnell
und ficher zu erledigen find, wie der Verfaffer vorliegender
Arbeit zu denken fcheint.

Bonn. Arnold Meyer.

Realität des Gerichts (S. 63 A.), aber doch ift Mk 13 im
wefentlichen für echt zu halten — aus Scheu vor allzu
weitgehender Kritik. Die Parufie nimmt in den Reden
Jefu häufig die Form der Auferstehung an (von
Weiffenbach's gröfserem Buch und von dem, was man dagegen
vorgebracht, redet K. nicht): fo ift denn wieder
einmal alles ausgeglichen, und nur in der Zeitbeftimmung
,in diefer Generation' (die drei Tage find fprichwörtlich
gemeint) hat Jefus geirrt. Ob übrigens Jefus der Richter Av&Xexxa 'leooooXvfiixixfi? SxaxvoXoyiaq }) ovXXoyr] ävex-
jedes Einzelnen fein werde, werden wir erft dereinft er- 66xmv xal 07tavlmv iutjvixmv avyyQacpc5v mal xmv
fahren (S. 66 A. 1). Der Tod ift für Jefus Hingang zum 1 , <_ , , . , "* J , K,

Vater (Luc 2343 comp. Joh 1651 Thefs 4«), dem er daher xara ^ Ecpav oQ»oöo$mv bexXrjöuov xai naXiöxa
mit einer joie intense etprofonde entgegenfleht. Natürlich: *mv üaXaiOxivcov, OvXXtyivxa (ilv xal ixöiöofisva

der jüdifche Meffias konnte doch nicht zur Scheol fahren vstb A. IJaJcaöostovXov-KsQafiecoq, txxvjcovfieva
(S. 68 A.) — freilich auch nicht leiden und fterben! oe dvaXcb/iaOi xov avxoxQaxoQixov ood-oö6£,ov lJaXai-

Richtig wird das Reich Gottes als rein zukünftig axlvov avXXbyov. TbuoqlW. 'Ev IlezQovxoXet. (Leipzig,
beftimmt; es fteht vor der Thür: und doch wollte Jefus ^ „ ' ,SZ * c T L iwr „ '

das Reich nicht nur .ankündigen', fondern, obwohl er °- Harraffowitz.) (X, 585 S. Lex. 8.) M. 20.-

nicht ,Gründer des Reichs' ift, auch .inauguriren' durch Bei der Anzeige des erften Theiles diefes auf 6 Bände

den Geift der Gerechtigkeit und Liebe: infofern kann angelegten Werkes habe ich das Allgemeine bemerkt,