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Ausgabe:

1898 Nr. 1

Spalte:

8-9

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stosch, Georg

Titel/Untertitel:

Alttestamentliche Studien. II. Teil: Mose und die Dokumente des Auszugs 1898

Rezensent:

Baentsch, Bruno

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 1.

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wohnlichen Formen, durch fPrl erfetzt wird, obendrein
ohne Rechtfertigung in den Anmrn., während die Fragezeichen
bei "ibl 11,30 doch eingehend begründet werden.
Auch das Fremdwort tppX in 41,43 wird einfach aus
der Welt gefchafft durch' "die Aenderung: V-Bb Kp"":
'IM ins in: 13 Ibsb Man mag an dem Inf. abs. fT!i)
Anftofs nehmen und dafür etwa JIMI lefen; aber zu fo
gründlicher Befeitigung eines wohlangebrachten Fremdwortes
hat man doch fchwerlich ein Recht. Zugleich tfit
entweder "ß3Sb oder 13 überflüffig, während doch beide
für eine annähernde Erklärung der Verderbnifs nicht
zu entbehren find. Die Herdellung von 27,27 nach
Sam. II, 23, 11 .mein Sohn riecht wie ein Feld voll
Linien, das Jahwe gefegnet hat', ift doch recht bedenklich
. Nach 25, 34 ift die Linfenzucht Jakobs Sache, eine
Anfpielung auf jenen Hergang wäre fehr unangebracht
und für Efau wenig fchmeichelhaft, und der Segen des
Ackerbaus würde fchwerlich an einer fo nebenfächlichen
Frucht anfchaulich gemacht fein. Aehnlich verfehlt
fcheint mir der Verfuch, in 4,6 einen ganz neuen Text
zu gewinnen, ebenfo viele Vermuthungen zum Segen
Jakobs c. 49 und anderwärts. Eine kleine Reihe von
Aenderungen, psi Si»» 2,4 ,n:ptt ibrrS 4, 20, a:i33 6, 3
wird in den Nachträgen zurückgenommen, ein Zeichen
für den wiffenfchaftlichen Ernft und Eifer des Verfaffers,
aber vielleicht auch für eine etwas zu grofse Neigung
zu Eingriffen, wo kein Anlafs dazu ift. Natürlich wird
das Urtheil darüber fehr verfchieden ausfallen. Darin
aber werden alle einverffanden fein, dafs in der Anregung
der Fragen- felbft ein grofses Verdienft liegt, und dafs
der Verf. in den ausführlichen Anmerkungen eine folche
Fülle von Stoff von allen Enden her aufgefpeichert hat,
dafs dem Verfländnifs des Buches daraus eine bedeutende
Förderung erwachfen mufs.

Auf die durch den Farbendruck und Ueberftreichung
bezeichnete Quellenfcheidung näher einzugehen, ift hier
nicht der Ort, weil die Begründung dafür erft bei der
Ueberfetzung zu erwarten ift; nur überfichtlich kann hier
davon die Rede fein. Unterfchieden werden J, und J2
(dunkel- und hellroth), E (blau), JE (violett), Rd (grün).
P, (farblos), P2 (braun), der Midrafch c. 14 (orange); re-
dactionelle Zulätze werden durch Ueberftreichung gekennzeichnet
, die fich mit dem entfprechenden Farbenüberdruck
vereinigt. Ob es des Verfaffers Abficht war, einzig
und allein die vier erften Worte von 45,2 violett ohne
Ueberftreichung zu drucken (für 16,8.9 d'e Ueberftreichung
nach S. 119 zu ergänzen), mag gefragt werden.
Das könnte nur bedeuten, dafs er hier J und E nicht zu
fcheiden wagte, während diefe Scheidung überall lonft
vollzogen ift. Der dunkelrothe Druck für J, wird nur in
der Urgefchichtc verwendet, die Entftehung diefer Schrift
um 850 angefetzt. Aber wenn nun alle ferneren Beftand-
theile von J hellroth gedruckt werden: follte es wirklich
des Verfaffers Abficht fein, diefe erft um 650 entftanden
fein zu laffen, wo er J2 anfetzt, fo dafs fie jünger wären,
als die entfprechenden Stücke aus E, die ihm vor 650
fallen? Das ift fchwer zu glauben, und deshalb wäre es,
foweit man bisher fehen kann, richtiger gewefen, die
Fortfetzung von J bis zu Ende, abgefehen von Novellen
wie 12, 9—20. 13,1. 3 f., durch dunkelrothen Ueberdruck
mit J, in diefelbe Linie zu ftellen. Was die textkritifchen
Zeichen angeht, fo mufs hier noch einmal das Bedenken
gegen zu ausgedehnten Gebrauch der Ziffern über einzelnen
Buchftaben geäufsert werden. Sie werden jetzt
fogar da benutzt, wo es fich keineswegs nur um Um-
ftellung handelt, fondern daneben auch um andere Buchftaben
. In folchen Fällen (ich greife 4,26. 5,29, 41,43
blindlings heraus) dienen die Ziffern nur, Verwirrung an-
zuftiften; felbft wenn man den überlieferten Text vergleicht
, nufs man fich öfter den Kopf darüber zerbrechen,
was denn wohl die Ziffern bedeuten follen. So ift in
15, 15 nach Onkelos und Syr. C]Ci5n gelefen für XIBti des
MT, und die drei letzten Buchftaben der neuen Lefung

find mit 213 überdruckt. Warum? Weil ein einziger
Buchftabe aus der Zahl der überlieferten, das X, und
zwar an erfler ftatt an dritter Stelle verwendet ift. Man
verzichte doch auf folche Hieroglyphen und überlaffe die
Erläuterung den Anmerkungen. Es braucht kaum ge-
I fagt zu werden, dafs auch diefe Lieferung ein Mufter
typographifcher Sorgfalt und vornehmer Ausfiattung ift.

Strafsburg i. E. K. Budde.

| Kautzsch, Prof. Emil, Abriss der Geschichte des alttesta-
mentlichen Schrifttums nebft Zeittafeln zur Gefchichte
der Israeliten und anderen Beigaben zur Erklärung
des alten Teftaments. (Aus den ,Beilagen' zu der
vom Verf. hrsg. Ueberfetzg. des alten Teftaments.)
Freiburg i. B., J. C. B. Mohr, 1897. (VI, 220 S. gr. 8.)

M. 4. —; geb. M. 5. —

Ueber den Inhalt diefes Buches ift dem Lefer bereits
in Nr. 20 des Jahrgangs 1894 Bericht erftattet worden;
denn es handelt fich um einen Sonderabdruck der Beilagen
zu der von Kautzfeh herausgegebenen ,Heiligen
Schrift des Alten Teftaments'. Ausgefchloffen find hier
nur die unmittelbar zu der Ueberfetzung gehörigen ,Textkritifchen
Erläuterungen' und die Karte von Paläftina.
Der Verf. ift mit diefem Sonderdruck mehrfach ausge-
fprochenen Wünfchen nachgekommen, und wir haben
alle Urfache, ihm dafür herzlichen Dank zu lagen. Denn
auf eigene Füfse geftellt, in handlichem Format und grö-
fserem, fchönem Druck, wird diefer Abrifs die fegens-
reichen Wirkungen, die ihm a. a. O. verheifsen wurden,
noch ficherer und in noch weit gröfserem Kreife erzielen)
Ohne jeden Zweifel wird die vortreffliche Schrift in diefem
neuen Gewände weite Verbreitung finden.

An dem Körper des Buches, dem Abrifs der alt-
teftam. Literaturgefchichte, ift wenig geändert. Eine eingehende
Unterabtheilung mit zahlreichen befonderen
Ueberfchriften, fowie Columnentitel über jeder Seite er-

! leichtern die Ueberficht; S. 83 ift eine gründliche Be-
fprechung des Liedes Mofes eingefügt, S. Sj{. ein kleiner
Abfatz über die ,Ebed-Jahwe-Lieder' in Jef. 40—53. Mit
Recht ift der letztere fehr vorfichtig gehalten, fofern
er blofs über Anflehten berichtet. Von S. 107 an ift
mehrfach Ed. Meyer's Buch ,Die Entftehung des Judenthums
' berückfichtigt, auch anderwärts find die neueften
Arbeiten nachgetragen und kleinere Aenderungen voll-

[ zogen. — Eine neue Zugabe bildet die Ueberficht über
die Quellenbeftandtheile der fämmtlichen Gefchichts-
bücher, die durch die Loslöfung von der Ueberfetzung
nöthig geworden war. Warum fehlt dabei die Chronik,
während das Buch Jeremia als einziges prophetifches berückfichtigt
ifU Natürlich kann eine folche Ueberficht
in blofsen Ziffern nur als erfter, nothdürftiger Anhalt
dienen; zu einem wirklichen Verfländnifs der Quellenfcheidung
und Quellenherftellung führt nur eindringende
Arbeit an dem Wortlaut, an der Hand der beften Einzelarbeiten
. Anerkennung verdient, dafs Kautzfeh in Anmerkungen
auch abweichender Anflehten Erwähnung thut.
Was der Verf. mit diefem Abrifs will, und woher er

; das Recht und die Pflicht zu möglichfter Verbreitung
folcher Anfchauungen fchöpft, im Gegenfalz gegen die
fynodalen Mehrheiten des Tages, das hat er auf S. IV

, des Vorworts fo warm und fo vortrefflich ausgefprochen,

i dafs ich nicht verfuchen werde, eiue neue Faffung dafür
zu finden.

Strafsburg i. E. K. Budde.

Stosch, Pfr. G., Alttestamentliche Studien. II. Theil: Mose
und die Dokumente des Auszugs. Gütersloh, C.
Bertelsmann, 1897. (III, 167 S. 12.) M. 2.—

Ueber den erften Theil von Stofch's alt-teftament-
lichen Studien ift bereits in diefer Lit.-Ztg. (1896 Nr. 10)