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Ausgabe:

1898 Nr. 9

Spalte:

247-250

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bruckner, Albert

Titel/Untertitel:

Julian von Eclanum, sein Leben und seine Lehre 1898

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 9.

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ftens foweit Berückfichtigung, als fie darauf ausgeht, die
Fühlung mit den maafsgebenden Aeufserungen des chrift-
lichen Geiftes, welche die Zeugnifse der Kirchen fchrift-
iteller bieten, nach Möglichkeit einzuhalten. Natürlich
mufs die Heranziehung der Literatur nach Zeit, Ort und
Umftänden gehörig begrenzt werden. Man wird fo zu
einer Vorftellung von der Atmosphäre, innerhalb welcher
die Auswahl der Bildwerke in der älteften Epoche zu
Stande gekommen ift, allerdings gelangen können, ohne
dafs darum ein eigentlich lehrhafter Zweck der Darftellungen
conftatirt oder die Beziehung auf die jenfeitige
Hoffnung an der Stätte des Grabes ausgefchloffen werden
müfste. Dabei ift, mehr als bisher gefchehen ift, mit
allem Nachdruck zu betonen (vgl. Gradmann im Chriftl.
Kunftbl. 1897, S. 37), dafs man diefen älteften Cyklus
chriftlicher Kunftdarftellungen als folchen zu-
nächft gefondert nehmen und erklären mufs
ohne Hinblick auf fpätere Stufen der Kunftent-
wickelung, auf welchen der Cyklus im einzelnen und
ganzen eine Erweiterung erfahren hat.

Wenn heutzutage von Zeit zu Zeit wieder neue
Wandgemälde aus dem Schutt, unter welchem die Häufer
Pompeji's begraben find, auftauchen, fo finden wir, von
decorativen Stücken abgefehen, immer wieder die nämlichen
Stoffe der griechifchen Mythologie vorgeführt.
Diefe Stoffe wollte die älteffe chriftliche Kunft durch
biblifche erfetzen. Dabei hat fie in ihrer Auswahl eine
ähnliche Einförmigkeit des Gefchmacks an den Tag gelegt
, indem fie einen verhältnifsmäfsig eng begrenzten
Cyklus von Darftellungen unermüdlich wiederholte.
Einen neuen intereffanten Beleg für diefe Vorliebe hat
Wilpert gegeben, indem er eine bislang als Märtyrerverhör
angefehene Scene auf die Sufannagefchichte
zurückführt (S. 11 f.).

Betheln b. Gronau (Hannover). Edgar Hennecke.

Bruckner, Pfr. Lic. Albert, Julian von Eclanum, fein
Leben und feine Lehre. Ein Beitrag zur Gefchichte
des Pelagianismus. (Texte und Unterfuchungen
zur Gefchichte der altchriftl. Literatur, hrsg. von
O. v. Gebhardt und A. Harnack. XV. Band. 3. Heft.)
Leipzig, J. C. Hinrichs, 1897. (X, 180 S. gr. 8.)

M. 7.—

Leben und Lehre Julian's von Eclanum, des ,ent-
fchloffenften Aufklärers, den die alte Kirche erlebt hat'
(Harnack, D. G. III3 178), zum Gegenftand einer Monographie
zu machen, war eine höchft dankbare Aufgabe,
von der man fich nur wundern möchte, dafs Niemand
fie bisher in Angriff genommen hatte. In feiner Schrift
über ,die innere Entwicklung des Pelagianismus' (Freiburg
1882) handelt zwar F. Klafen ausführlich von
Julian, und ich vermag feine Arbeit nicht fo gering-
fchätzig zu beurtheilen, wie Bruckner es thut (befonders
fcharf S. 91, 11: ,So klar und einfach aber die Sache
bis dahin auch liegt, fo ift es doch der — das kann
nur heifsen der in feiner ganzen Arbeit hervortretenden
— Oberflächlichkeit Klafen's gelungen, fie zu verwirren').
Jedenfalls hatten wir Klafen's Arbeit bisher dankbar benutzt
. Aber für eine kritifche, auf breiter Grundlage
fich aufbauende Unterfuchung und Darfteilung war freilich
noch Raum genug. Vor hundert Jahren befchäftigte
man fich mit Julian nicht feiten. Bruckner citirt S. 125
J. G. Rofenmüller's Urtheil aus der Historia interpre-
tationis librorum sacrorum. Es fcheint ihm entgangen
zu fein, dafs G. H. K. Rofenmüller, ,der Gottesgelahrt-
heit Befliffener' Julian's ,Widerlegung der Bücher Auguffins
über den Eheftand und die Luft in deutfchem Auszug'
herausgegeben hat (Leipzig 1796), mit einer intereffanten
Einleitung von J. G. Rofenmüller , in der Julian gegenüber
dem Dunkelmann Auguffin auf den Schild gehoben
wird.

Zu Bruckner's Schrift übergehend, beginne ich mit
einigen Aeufserlichkeiten. B. fchreibt frifch und gewandt,
wenn auch nicht fehlerlos: S. 16, 9 ift von Julian's ,un-

| geforgter' Jugend die Rede; 9, 9 von dem ,griechifchen
Papfte' Zofimus (24, 7 fteht richtig: der Grieche Zofimus);
143, 22 lieft man, dafs die Geftalt des Menfchen die
,beftmögliche ift, die man fich denken kann'; 45, 16 und
101, 4 v. u. ftört die häfsliche Inverfion, und vier Mal
(S. 2, 16. 70, 18. 76, 4. 102, 3) wird uns das abfcheuliche

| .diesbezüglich'vorgefetzt. Kleinigkeiten übergehe ich. Der
Druck ift im Allgemeinen correct. Da aber der Verf. auf S. X
unter neun Druckfehlern fogar einen ganz gleichgültigen
aufgenommen hat, fo geftattet er dem Ref. gewifs, auf
ein paar wichtigere, nicht aufgeführte Verfehen hinzuweifen
: S. 2, 3 v. u. 1. XXII ft. XLII; 14, 2 nach ff. vor;
75i 7 1- 73 ft- 129; 125, 2 v. u. Schmidt ff. Schmitt.
Gern hätte ich die Citate aus Julian (Auguffin) einer

[ Prüfung unterworfen. Aber die cditio secunda Vcncta
1756 ff. der Werke Auguffin's ift mir nicht zur Hand,
und ich mufs bedauern, dafs der Verf. nach ihr citirt

j hat. Wenn die Maurinerausgabe nicht benutzt werden
konnte, woraus dem Verf. natürlich kein Vorwurf er-

1 wächff, fo hätten die Citate nach Migne gegeben werden
follen, der jetzt überall leicht eingefehen werden kann
und auch dem Verf., wenigftens für Marius Mercator,
zugänglich war. Dankenswerth ift auf alle Fälle, dafs
B. mit der Anführung von Ouellenffellen nicht gekargt
hat. Der Lefer wird fo überall in den Stand gefetzt,
fich ein ausreichendes Urtheil darüber zu bilden, wie
B. feine Quellen verfianden hat. Im Regiffer find mir
F"ehler nicht aufgefallen.

Bruckner's Arbeit, die durchaus Lob verdient, zerfällt
in zwei Theile. Der zweite, die Lehre Julian's behandelnde
, hat der theologifchen P'acultät zu Bafel als
Licentiatendiffertation vorgelegen. Im erften Theil —

1 das Leben und die Schriften Julian's — war dem Verf.
befonders daran gelegen, J.'s ,litterarifche Thätigkeit
eingehend zu fchildern und die in feinen Schriften uns
entgegentretenden Bildungselemente auf ihre Herkunft
und ihren Wert zu prüfen und zu unterfuchen, ob und
inwieweit fie ihn beeinflufst haben'. Vom äufseren Leben

I Julian's ift herzlich wenig bekannt. Der Verf. weifs das

j natürlich, verfagt es fich jedoch nicht, das Bild befonders
der Jugendzeit etwas farbenreicher zu geffalten, als es
einer rein nüchternen Betrachtung vielleicht erfcheinen
würde, doch thut er dabei nirgends den Quellen Gewalt

1 an. Mit einiger Wahrfcheinlichkeit glaubt er behaupten

j zu dürfen, dafs J. nicht wohl nach (fo ift S. 14, 2 zu
lefen f. o.) dem Jahre 386 könne geboren fein; er beruft
fich dabei auf Garnier's Bemerkung, dafs J. fpäteffens im
Jahre 416 zum Bifchof ordinirt worden fein müffe und die
günffigffen canonifchen Beffimmungen ein Alter von
mindeffens 30 Jahren für diefe Weihe erfordert hätten.
Allerdings fügt er felbff hinzu: ,Gewifs ein guter Beweis
, wenn nur nicht in jener Zeit noch fo manche
Ausnahmen vorgekommen wären'. In Wahrheit ift es
eben darum gar kein Beweis und fomit über J.'s Geburtsjahr
nichts auszumachen. Entgegen der gewöhnlichen
Annahme hält B. mit den Handfchriften q und s
der Gedichte Paulin's von Nola (f. CSEL. 30, 238 not.)
Titia, nicht Ja für den Namen von Julian's Gattin und
tritt dafür ein, dafs fie eine Tochter des Bifchofs Ae-
milius von Benevent gewefen fei. Die Exegefe der für
die letztere Annahme herangezogenen Stelle in Paulin's
Hochzeitscarmen ift mir doch nicht über allem Zweifel

J erhaben. S. 31 f. handelt Br. in einem FIxcurfe von dem
fog. libellus fidei Julian's (Hahn, Bibliothek u. f. w.,
2. Aufl., § 135) der, feit Garnier ihn 1673 herausgegeben
hatte und für J. als Autor eingetreten war, faft allge-
gemein, auch von Harnack und Loofs, als echtes Werk
Julian's benutzt wird. B. glaubt der Hypothefe Garnier's