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Ausgabe:

1898 Nr. 1

Spalte:

5-8

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ball, C. J.

Titel/Untertitel:

The book of Genesis. Crit. ed. of the hebrew text 1898

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1898 Nr. 1.

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fchriften aller Art verwendet ift, unterfcheidet hier die j bares Verdienft, dafs diefe Meinung hier für das ganze
aramäifchen Stücke 2,4—7,28 von dem hebräifchen j Buch zum erften Mal einfach als nicht vorhanden beTexte
, der fie einfchliefst. Im Uebrigen bietet diefe ! trachtet und der Text genau derfelben Probe unterzogen
Lieferung keine überrafchenden Neuigkeiten. Hier werden | wird, die fich andre teftamentliche Bücher müffen gefallen
keine Quellen von einander gefchieden, keine Umftel- laffen. Niemand wird fagen dürfen, dafs die Arbeit ver-
lungen vorgenommen, keine einzige Gloffe ift an den geblich gewefen fei. Gleich das erfte Capitel erhält eine
Fufs der Seite verwiefen. Auch mit Textänderungen weit gefchloffenere, in allem Wefentlichen überzeugende
geht Kamphaufen aufserordentlich fparfam um: die Summe | Geftalt, indem die dem Schema des Stückes entfprechen-
der Aenderungen des Confonantentextes dürfte die Ziffer j den Abweichungen des Samaritanus und der Ueberfetz-
20 nur wenig überfchreiten. Die von ihm neu einge- j ungen in den Text aufgenommen und nur wenige leichte
führten feien hier erwähnt. In 1,20 fetzt er 1 vor rjiB©»rl '. Striche aus freier Hand hinzugefügt werden. Die erfteren
nach LXXein; in 2,35.45 läfst er, befonders auf Theo- j find bekannt genug und gewifs von den Meiften fchon
dotion geftützt, Thon und Eifen die Stelle taufchen; in erwogen oder gebilligt. Die letzteren feien hier erwähnt:
3,7 fchiebt er hinter 'p-irODB nach v. 5. IO. 15 rPDB©10, : v. II Ausfcheidung von i-iS hinter p und 12i©b hinter
in 3, 16 zu Anfang der directen Rede nach LXX »Db© "HB !T©3>; v. 12 »©im ftatt »nni; V. 29 Ausfcheidung
ein; 8,12 lieft er JBjJ 1K221; 9,24 y©B näbpb. Man fieht, von p hinter IIB; v. 30 Einfchiebung von inro hinter
dafs diefe wohl erwogenen Aenderungen, etwa mit Aus- rpn nach H. Ewald. Am wenigften dürfte fich die Ausnahme
der vorletzten, mehr die Form als den Inhalt fcheidung von "n& und von p empfehlen, eben weil fie
berühren, und man darf wohl fagen, dafs Kamphaufen fich gegenfeitig ftützen. Nicht überall bieten die Texteseiner
Textänderung um fo mifstrauifcher gegenüberfteht, zeugen fo viele und fo werthvolle abweichende Lesarten;
je ftärker fie den Sinn beeinflufst, der fich dem über- aber nirgends fehlen fie gänzlich, und fehr häufig bringen
lieferten Beftande abgewinnen läfst. Gehört fo diefe fie höchft beachtenswerthe Verbefferungen. So bieten
Daniel-Ausgabe unter den neueren Arbeiten auf dem in 7,2b Sam. LXX Syr. das D©© BN», das nach dem
Gebiete der altteftamentlichen Textkritik zweifellos zu doppelten HbO© in a, in v. 3a" .diefelben Zeugen hinter
den allerconfervativften , fo hat es doch feinen eigen- a^zBlUrr das nrrott, das nach 2a vorausgefetzt werden mufs,
thümlichen, grofsen Werth, zu fehen, wie ein fo äufserft und LXX hinter 3a den ganzen, für J unentbehrlichen
gewiffenhafter und forgfältiger Gelehrter zu folchen Er- Satz mpJ! "OT D©© D©© »in Tin© »b "!©» Sp}1 b3©l.
gebniffen gelangt, und mit welchen Gründen er die Ueber- Wenn nun ferner Sam. und Syr. in v. 1 Qifib» llatt HlrT
lieferung gegen die zahlreichen und feinfinnigen Vor- und LXX D^ilbs mrp haben, und Sam. (auch wohl LXX)
fchläge insbefondere der neueften Bearbeiter vertheidigt. in v. 2 mpil HDT ftatt in©»! ©1», fo offenbart fich darin
Jeder wird darin eine gewichtige Mahnung zu erneuter, eine Neigung zur Ueberführung der jahwiftifchen Redegründlicher
Prüfung des Thatbeftandes fehen. So liegt weife in die von P, die noch über Rp hinabgeht, und
das Schwergewicht der Leiftung hier entfchieden in den es erwächft daraus ein Recht, in 3a ebenfalls in©»! ©1»
Anmerkungen, in denen eine umfaffende Literatur zu- als das Urfprüngliche einzufetzen und damit den Halb-
fammengetragen und erörtert wird. Nicht nur zur Text- vers in der hergeftellten Form für J ftatt für Rp in An-
kritik, fondern befonders auch zur Grammatik des Bib- fpruch zu nehmen. Ich mufs daher in diefem Punkte
lifch-Aramäifchen finden fich reiche Beiträge. meine Quellenfcheidung (Bibl. Urgefchichte S. 257) heute

Mit befonderer Liebe hat fich diefer Lieferung der nach Ball berichtigen, obgleich mir die Abweichungen
Herausgeber angenommen. Nicht nur erweitert er den der Textzeugen damals nicht unbekannt geblieben waren,
ohnehin grofsen Umkreis der herangezogenen Literatur vgl. die Fufsnote a. a. O. Nicht überall freilich wird
durch zahlreiche Beiträge, befonders aus amerikamfchen man den äufseren Zeugen foviel Glauben fchenken dürfen
Quellen und aus dem Bereich der femitifchen Dialecte; : So ift es gewifs ein Fehler, nach Sam. in 3,3 rtm pri
fondern hie und da giebt er auch feiner abweichenden ftatt des blofsen pn zu lefen. Wäre der Baum mit dem
Meinung ausführlichen Ausdruck. Das hebräifch-ara- Finger als ,diefer Baum da' bezeichnet, fo bedürfte es
mäifche Kleid des Buchs glaubt er S. 16 mit Frangois des ,der mitten im Garten fteht' nicht mehr. Vielmehr
Lenormant nur fo erklären zu können, dafs eine lücken- ift das nm erft fpät hinzugefügt, weil jetzt, nach Ein-
hafte hebräifche Handfchrift aus einer aramäifchen Ueber- fügung des Lebensbaumes in 2,8, nicht ein Baum in der
fetzung ergänzt worden fei, die wahrfcheinlich von dem Mitte des Gartens fteht, fondern deren zwei. Da Ball
Verfaffer felbft herrühre. Vgl. weiter feine Ausführungen meine Ausfcheidung des Lebensbaumes anerkennt, hätte
5,2. 25. 8,9—14.9, 27. Wir find Kamphaufen Dank fchuldig, er nm nicht aufnehmen dürfen. Diefe beiden Be'ifpiele
dafs er an den beiden letzten Stellen ausführliche Mit- genügen, um zu zeigen, dafs es fcharfer Unterfuchung
theilungen aus fchwer zugänglichen Quellen zugelaffen und Sichtung aller einzelnen Abweichungen der Zeugen
hat, obgleich er felbft durch eine angehängte Bemerkung bedarf, um nicht neben den Goldkörnern echter Ueber-
feiner entfehiedenen Ablehnung Ausdruck geben mufste. lieferung auch dieSpreu klügelnder Verfchlimmbefferungen
Alles in allem genommen, bietet diefe Textausgabe eine durch frühe Conjecturen in den Text einzuführen. Wenn
Ueberficht über das heute vorliegende kritifch-exegetifche ferner in 3, 6 für die fehr hübfehe Umftelluncr fiäs> b3»il
Material, wie man fie anderwärts vergeblich fuchen wird, das Zeichen der äufseren Zeugen <> fteht, und als ein-
Strafsbure i E K. Budde. Zeuge tritt uns Saadia entgegen, fo wäre doch

wohl mit gröfserem Rechte das Zeichen der Conjectur

„ T „ „ TL ,1« !/-•..• 1 a: " anffewandt worden. Umgekehrt durfte die Verdop-

Ball, Rev. C. J., M. A, The book of Genes.s. Cntical edi- pelUng Di5p DÜp 6,14, nach Philo, ruhig mit dem Zeichen

tion of the hebrew text. Printed in colors, exhibiting < > ftatt » bezeichnet werden; vielleicht will die Anm.

the composite strueture of the book. With notes. S. 52 dies fagen. Unter den zahlreichen Aenderungen,

(The sacred books of the Old Testament, part 1.) d'e das letztere Zeichen tragen, ift eine Minderzahl von

r • • t c tr: s~u» ,o_< /.„ c 8 ivf „,,-. übernommenen, darunter z. B. Neftle's evidente Ver-

Le.pzIg) J. C. Hmnchs. 1896. (120 S. gr. 8.) M. 7.5° befferung mi ftatt m in 9, 7 und Graetz' äufserft feiner

In merkwürdigem Gegenfatz zu Kamphaufen's Arbeit Vorfchlag zu 9,26: 2© ibii» nirp Spa. Die grofse Mehr-

fteht Ball's Genefis. Hält jener faft durchgängig an einem zahl flammt von Ball's eigner Hand".' Ohne Zweifel ift

Texte feft, den man kaum für befonders gut zu halten dabei viel Scharffinn und Geilt aufgewendet- aber im

geneigt war, fo rüttelt Ball mit Macht an der kritifchen Ganzen fcheint mir fein Eingreifen zu gewaltfam und

Ueberlieferung, dafs der maforetifche Text des Penta- kaum befonders glücklich. Es fcheint mir nicht richtig
teuchs von vorzüglicher Erhaltung fei und für Verbeffe- wenn eine ungewöhnliche Form wie das filn 27 29 ohne

rungen nur äufserft feiten Raum laffe. Es ift ein unleug- weiteres unter Berufung auf die Parallelen "d h die ge-