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Ausgabe:

1898

Spalte:

190-191

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lewis, Agnes Smith

Titel/Untertitel:

A Palestinian Syriac lectionary 1898

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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l8g Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 7. 190

Aeufserun^ des religiöfen Gefühls zum Ausdruck bringen, I Verbindung ,Gott' bedeutet, was doch wahrscheinlicher

dafs der Einzelne lediglich als ein Glied des Volkes Ifrael fein möchte. S. 60 Z. 17 v. u. ift ,wohl' nicht am Platze,

dem Gott diefes Volkes angehöre. Die vorexilifchen und Z. 11 f. v. u. ift eine Verweifung auf Pf. 104, » zu

Propheten liehen in einem durchaus perfönlichen Ver- vermiffen. S. 61 Z. 10 v. u. ift anfcheinend ftatt ,dann'

hältnifs zu dem Gott ihres Volkes, der fich ihnen ganz zu lefen: darnach.

fpeciell offenbart. Was von ihrem aufsordentlichen Ver- Marburg i. H. Wolf Baudiffin.
hältnifs zur Gottheit gilt, wird in modificirter Weife

von dem des vorexihfchen Frommen überhaupt gelten ; Palestinian Syriac lectionary, con-

Auch im vorexilifchen Ifrael brachten die Einzelnen ; . & ' > >>

Opfer dar in perfönlichen Angelegenheiten und müffen da- taining lessons from the Pentateuch, Job, Proverbs,

Prophets, Acts, and Epiftles. With critical notes by
Prof. Eberhard Neftle DD., and a glossary by Margaret
D. Gibfon. [Studia Sinaitica VI.] London, C. J.

bei an ein persönliches Verhältnifs zu Jahwe gedacht
haben. Ein folches fcheint mir auch der allerdings ganz
ifolirte Ausfpruch Jefaja's an einzelne Perfonen, an die
beiden Hofbeamten, vorauszufetzen. Das Verhalten und

Schickfal diefer Perfonen wird in keinerlei Beziehung zu Ua^ and bons- l897- (XU x39 ^ 4-) sh. 12.6

Verhalten und Schickfal des Volkes gefetzt. — Ich glaube
kaum, dafs was ich fagen will und hier nur andeuten
kann, in Abrede geftellt wird. Hat aber wirklich fchon
in der vorexilifchen Auffaffung der Einzelne jene Stellung
zur Gottheit, dann ift es nicht ftatthaft, in jedem
Falle, wo ein Einzelner fein Ich zu der Gottheit in eine
Beziehung fetzt oder wo von einem einzelnen Menfchen
in feinem Verhältnifs zur Gottheit die Rede ift, von exi-
lifchem oder nachexilifchem Individualismus zu fprechen.
Ich kann mir nicht denken, dafs die vorexilifche Frömmigkeit
in ihrer lebendigen Bethätigung wefentlich anders
von dem Verhältnifs zur Gottheit redete als es im
Exil und nach dem Exil und feitdem immer der Fall
gewefen ift. Anders hat es, fo viel ich fehe, auch in den

Dem unermüdlichen Fleifse und wahrhaft heiligen
Eifer der englifchen Damen Mrs. Agnes Smith Lewis
und Margaret D. Gibfon haben wir wiederum die Kennt-
nifs fyrifch-paläftinifcher Texte zu verdanken. Diefelben
find, abgefehen von dem Evangelium Hierofolomytanum,
die umfangreichfte der bisher veröffentlichten Sammlungen
. Vor diefem zeichnet fich das vorliegende Heft
dadurch aus, dafs es nicht nur neuteftamentliche Peri-
kopen (aus Rom., Galat., Cor., Eph., Col., Phil., L Theff.
1. II. Tim., Tit., Hebr., I. Joh.), fondern auch zahlreiche
altteftamentliche (aus Genef., Exod., Deut, Hiob, Pfalm.,
Prov., Jefaia, Jerem., Joel, Am., Jona, Micha, Zachar.)
enthält. Das Manufkript ift von Mrs. Smith Lewis
einem Händler in Kairo abgekauft worden. Die Verandern
Religionen des Alterthums nicht geftanden. ! muthung, dafs es vielleicht urfprünglich der Bibliothek

Aufserhalb der vedifchen Literatur find leider nur fehr
wenige Zeugniffe von der Art des Gebetsverkehrs mit
der Gottheit erhalten. Aber foweit wir darnach urthei-
len können, fetzte fich überall bei der Anbetung der
Einzelne in eine directe Beziehung zur Gottheit, obgleich

des Katharinenklofters angehört habe, hat fich nicht
beftätigen laffen. Der Verkäufer jedenfalls behauptete,
eine fyrifche Familie aus Reshuf am Libanon habe das
Manufkript als Erbftück befeffen und vor ihrer Auswanderung
nach Amerika verfilbert. In die studia Si-

diefe als Gottheit eines Volkes gedacht wurde. Nur die naiiica gehört diefe Publication alfo im ftrengen Sinne
Vermittelung oder Verwirklichung des perfönlichen Zu- j nicht hinein. Aber die verehrte Herausgeberin recht-
gangs zur Gottheit, wenn man fo fagen dürfte: feine I fertigt die trotzdem befolgte Einreihung fehr anfprechend
theologifche Begründung, ift in der älteren Zeit Ifraels j mit folgenden Worten: ,My jußification for putting the
anders gedacht worden als in der fpätern. Gewifs auch Lectionary into Studia Sinaitica is, that y picked % up,
ift in der ältern Zeit nicht in demfelben Umfang oder j likc a pebble, on the rugged patli which leads to the
derfelben Häufigkeit wie fpäter der Einzelne in eine Be- j Convenb (p. VI).

ziehung zur Gottheit getreten; aber es hat dies doch Was die Theilung der Arbeit anbelangt, fo gehört

immer ftattgefunden. Nicht der Individualismus an fich 1 die Edition des umfangreichen Textes (140 Seiten) fowie
in einer altteftamentlichen Ausfage ift alfo für jüngere [ die Einleitung (I—X) Mrs. Le wis an. Mrs. Gibfon hat
Entftehungszeit entfeheidend, fondern nur die Art diefes j fich der Mühe unterzogen, das forgfältige Gloffar herzu-
Individualismus. — Inwieweit diefe Erwägungen wirklich ; Hellen. Eberh. Neftle hat im Auftrage von Mrs. Lewis
auf die Theile II und V des Spruchbuches zu Gunften 1 (XI) umfangreiche fprachliche und bibelkritifche Noten
ihrer vorexilifchen Herkunft fich anwenden laffen, kann j beigegeben (S. 13 — 76).

hier nicht weiter ausgeführt werden. Es will mir aber Während es fonft bei Befprechung von Textausgaben

fcheinen, als ob neuerdings zuweilen nach einem etwas eine der vornehmften Pflichten des Recenfenten ift, aus
fummarifchen Verfahren die blofse Hinweifung auf vor- l der kritifchen Durcharbeitung des Textes einen Auszug
liegenden Individualismus' als für die Zeit einer Stelle zu geben, fo flehen wir jetzt, Dank der peinlichen Sorgfalt
entfeheidend angefehen würde. Das ganze jehoviftifche ; und der Gelehrfamkeit Neftle's, vor einem fait aecompli.
Buch ift eine Warnung vor folchem Verfahren. Jahwe Er hat die wichtigften der auffallenden Formen gebucht
ift darin durchaus der Gott der als Individuen gedachten ; und den Verfuch gemacht, das Lectionar fofort für die
Erzväter. — Meine Bemerkungen knüpfen an an den neuteftamentliche Textkritik nutzbar zu machen.
Satz W.'s: ,Die Religion ift für fie (die Weifen des Der wiffenfehaftliche Gewinn diefer Edition ift fehr

Spruchbuches) nicht mehr eine Volksfache, fondern ganz i bedeutend. Nicht nur lernen wir eine ganze Reihe neuer
und gar Sache des perfönlichen Lebens' (S. XV). Sind Formen, fondern auch ganz neue Wurzeln kennen. Auf
die Worte: ,nicht mehr eine Volksfache' richtig, dann ift vieles bislang Unfichere fällt ein neues Licht. Leider ift
es zweifellos berechtigt, aus dem Individualismus des ge- j auch an Schwierigkeiten und neuen Räthfeln kein Mangel,
fammten Spruchbuches auf fpätere Zeit zu folgern. Jene , Wenn erft einmal die beiden Evangelienlectionare vom
Worte können fich aber höchftens auf die Beobachtung > Sinaiklofter vorliegen, fammt den liturgifchen Texten
ftützen, dafs von der Religion als Volksfache nichts vor- j aus dem British Mufeum, deren Herausgabe wir hoffentkomme
(was, fo ausgedrückt, z. B. für c. 29, i8 nicht j lieh von G. Margoliouth (vgl. deffen Liturgy of the Nile,
einmal richtig ift). Aus diefer negativen Beobachtung Reprint p. 2) zu erwarten haben, dann wird man einen
kann aber m. E. noch nicht ein Beweis für das Nicht- ' ganz anderen Eunblick in diefen merkwürdigen Dialekt
vorhandenfein entnommen werden. bekommen, als noch vor vier Jahren möglich war. Die

An Kleinigkeiten noch folgendes: S. 3 Z. 12 v. u
.Weisheit' ftatt Weifung. S. 10 zu c. 3, 27 wäre neben
der hier gegebenen Erklärung von bl* anzugeben ge^

wichtigfte und nächfte Aufgabe ift dann die Herftellung
eines Thefaurus.

Der Hauptwerth diefer Texte liegt in ihrer Bedeu-

wefen, dafs nach einer andern das Wort auch in diefer ! tung für die fyrifche Philologie. Die neuteftamentliche