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Ausgabe:

1897 Nr. 6

Spalte:

173-176

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mayer, Glob.

Titel/Untertitel:

Das religiöse Erkenntnissproblem. I. Bd 1897

Rezensent:

Ritschl, Otto

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173 Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 6. 174

Ausftellungen wird das Buch durch den Reichthum der
aufgefpeicherten Erkenntniffe, durch das mafsvolle und
gefunde Urtheil, durch die Würde und den Ernft der
Darrteilung ohne Zweifel zahlreiche Freunde gewinnen;
wird es auch fchwerlich in den Gang der dogmatifchen
Arbeit entfcheidend eingreifen, fo kann man doch mit
Sicherheit vorausfagen, dafs es berufen irt, werthvolle
Dienrte zu leirten und nicht nur das dogmatifche Wiffen
zu bereichern, fondern auch das theologifche Verftänd-
nifs in manchen Kreifen zu fördern.

Strafsburg i. E. F. Lobrtein.

Mayer, Dr. Glob., Das religiöse Erkenntnissproblem. 1. Bd.

Zur Gefchichte des religiöfen Erkenntnifsproblems.
i.Thl. Vom aportolifchen Zeitalter bis Fichte. Leipzig,
A. Deichert Nachf., 1897. (VII, 150 S. gr. 8.) M. 2.25

Uebcrwcg. Grundrifs der Geich, d.
Mayer S. 9. Thilof. II, I. 1864. S. 65.

,Das III. Buch feineri) in- ,Das dritte Buch der Instit. ifl

st!/u Hönes divinae foll die Nich- eigens der Aufgabe gewidmet,
tigkeit der Philofophie darthu 11: die Nichtigkeit der Philofophie auf-
philosophiam qucque ostcndcrc quam zuzeigen: philosophiatn quoque os-
inanis et falsa sil, ut omni errore tendere quam i/ianis et falsa sit, ul
sublato veritas patefacta clarescat. omni etrore sublato veritas patefacta
Philosophia quaerit sapientiam, non clarescat (111,2). Philosophie! quaerit
ipsa sapientia est. Die Philofophie sapientiam, non ipsa sapientia est
müfste Wiffen oder Meinung fein. {ibid.). Die Philofophie müfste

Das Wiffen ift dem Menfchen Wiffen oder Meinung fein. Das
nicht erreichbar; er kann daffelbe Wiffen (und zunächftdas natur-
nicht aus dem eigenen Geilte fchöpfen, ph i 1 o fo phi f che) ift dem Menfchen
weil dies nur Gott und nicht dem nicht erreichbar; er kann daffelbe
Menfchen zukommt: mortalis natura nichtausdem eigenenGeifte fchöpfen,
non capit scientiam nisi quae veniat weil dies nur Gott und nicht dem
extrinsecus. Auf blofses Meinen aber Menfchen zukommt; mortalis natura
darf fich der Philofoph nicht be- »0« capit scientiam nisi quae veniat
fchränken. Alfo führt nicht die extrinsecus; wir erkennen nicht
Philofophie, fondern nur die Offen- die Urfachen der Dinge, wie
barung zur Erkenntnifs der Wahrheit', mit Recht Sokrates und die
_ Akademiker lehren. Auf blofses

') Gefperrt find die Worte, in Meinen aber darf der Philofoph fich
denen jedesmal die beiden Texte von ein- nicht befchränken, wie mit Recht
ander abweichen. die Stoiker lehren. Alfo führt

nicht die Philofophie, fondern nur
die Offenbarung zur Erkenntnifs der
Wahrheit'.

Mayer S. 14. Ueberweg a. a. O. S. 56.

,Vor Origenes gab es nicht ein ,Vor Origenes gab es nicht

Syftem der chriftlichen Lehre. An- ein Syftem der chriftlichen Lehre,
fange einer fyftematifchen Darflellung Anfange einer fyflematifchen Darliegen
in dem Brief des Paulus an ftellung derfelben liegen in dem
die Römer und im Hebräerbrief. Den Briefe des Paulus an die Römer und
biblifchen und den in der Apolo- in dem Hebräerbrief. Den bib-
getik und Polemik gewonnenen lifchen und den in der Polemik
Gedankeninhalt auf eine fyftematifche gegen Nichtchriften und Hae-
Form zu bringen, fanden fich, wie retiker gewonnenen Gedankenin-
bemerkt, erft die Lehrer an den halt auf eine fyftematifche Form zu
Katechetenfchulen genötigt, wobei bringen, fanden fich zu erft Lehrer
das Taufbekenntnis und die regula an Katechetenfchulen genöthigt, wo-
fidei zur Grundlage dienten. Bei bei das Taufbekenntnifs und die A'e-
Clemens erfcheinen noch die Gegen- gula fidii zur Grundlage dienten,
(bände feiner Gnofis in lofer Ver- Bei Clemens erfcheinen noch die
bindung mit einander, in feinen Gegenftände feiner Gnofis in lofer
Schriften ift kein im einzelnen feft- Verbindung mit einander, in feinen
gehaltener Plan, fie find nur Vor- Schriften ift kein im Einzelnen feft-
arbeiten für ein Syftem. Auf fie ge- gehaltener Plan, fie lind nur Vor-
ftützt gründete Origenes ein geordnetes arbeiten für ein Syftem. Auf fie geLehrgebäude
der chriftlichen Dog- ftützt.gründete Origenes ein geordnetes
men, wenn auch die Gedanken- Lehrgebäude der chriftlichen Dogordnung
bei ihm nicht ftrenge ift'. men. Doch ift die Ordnung bei

ihm nicht fehr ftreng'.

Mayer S. 17 f. Ueberweg a. a. O. S. 66 f.

,Xachdem die chriftliche Re- .Nachdem die chriftliche Religion
im römifchen Staat zur Herr- ligion im römifchen Staate zur An-
fchaft gelangt war und die Funda- erkennung 11 nd Herrfchaft gelangt
mentaldogmen auf dem Konzil zu war und die Fundamentaldogmen
Nicaea 325 n. Chr. kirchlich fank- (auf dem Concil zu Xicaea 325 n.
tionirt worden waren, wandte fich Chr.) kirchlich fanetionirt worden
das chriftliche Denken teils der waren, wandte fich das chriftliche
fubtileren Durchbildung, teils der Denken theils der fubtileren Durch-

J theologifchen und philofophifchen bildung, theils der pofitiv-theo
Begründung der in den Grundzügen logifchen und der philofophifch-
feftftehenden Lehre zu. Die Kämpfe theologifchen Begründung der

1 zwifchenHärefieundOrthodoxie nunmehr in den Grundzügen feft-
weckten die produktive Kraft des flehenden Lehre zu. Die Kämpfe
Gedankens. Die theologifch-philo- gegen häretifche Richtungen
fophifche Spekulation ward in der weckten die produetive Kraft des
nächftfolgenden Zeit zumeift von der Gedankens. Die theologifch-philo-

i Schule des Origenes gepflegt; der fophifche Speculation ward in der

j hervorragendfte Vertreter derfelben nächftfolgenden Zeit zumeift von der
und der erfte, der, nachdem Atha- Schule des Origenes gepflegt; der
nafius felbft hauptfächlich das chri- hervorragendfte Vertreter derfelben
ftologifche Dogma gegen Arianer und ift Gregor von Nyffa, der erfte, der
Sabellianerverteidigt hatte, den ganzen (nachdem Athanafius felbft hauptfäch-
Komplex der orthodoxen Lehren aus lieh das chriftologifche Dogma gegen
der Vernunft, wiewohl unter Mitbe- Arianer und Sabellianer vertheidigt
rückfichtigung der biblifchen Sätze, hatte) den ganzen Complex der ortho-
zu begründen fucht, ift Gregor von doxen Lehren aus der Vernunft, wie-
Xyffa'. wohl unter durchgängiger Mit-

berückfichtigung der biblifchen Sätze,
zu begründen fucht'.

Diefe Proben mögen genügen, um die Methode,
deren fich der Verf. fehr häufig bedient, ad oatlos zu de-
monrtriren. Ich verfolge nun in kürzerer Form die Zu-
fammenfetzung des gefchichtlichen Berichts in dem vorliegenden
Buche, foweit es mir gelungen ift, die Angaben
des Verf. auf ihre Quellen zurückzuführen. Das einzige
'■■ Citat aus Tertullian (S. 9) flammt aus Hubers Philofo-
i phie der Kirchenväter (S. 105). Für Lactanz ift Ueberweg
die Quelle (f. o.). Der ganze Bericht über Clemens
| Alexandr. (S. Ii —13) ift bis auf wenige Sätze aus Huber
I (S. 129—146) wörtlich abgefchrieben, ebenfo der über
Origenes (S. 14—17) etwa zu einem Drittel aus Ueberweg
(f. o.). Aus diefem flammen zur Hälfte auch die Mittheilungen
über Gregor von Nyffa, (S. 17—19 f. o.) und einige
Sätze über Auguftin. Abgefehen davon ftimmt der Bericht
über diefen (S. 19—24) zum gröfsten Theil wörtlich
mit Huber (S. 242, 254—259) überein. In dem Ab-
fchnitt über Scotus Erigena (S. 29 f.) wird Stöckl, Gefchichte
der Philofophie das Mittelalters Bd. 1. S. 37—42
etwas freier benutzt. Aus demfelben Werke (S. 154 ff.)
flammt mehr als eine halbe Seite in den Ausführungen über
Anfelm (S. 31—34). Was über Thomas von Aquino an
thatfächlichem Material geboten wird (S. 37—46), im
Ganzen 9'/2 Seite, ift nichts als ein zum gröfsten Theil
mit der Vorlage wörtlich übereinftimmendes Excerpt aus
dem zweiten Bande von Stöckl (S. 427—447). Bei Duns
Scotus (S. 48—50) ift dagegen Tennemanns Gefchichte
der Philofophie (Bd. 8, 2. S. 707—711) der Born, aus dem
mit derfelben Unverfrorenheit gefchöpft ift. Der Bericht
über Hugo von St. Victor (S. 55—58) ift wieder aus
Stöckl (I, S. 305—311) theils excerpirt, theils abgefchrieben
. Die mehrfach aus Luther beigebrachten Citate
(S. 63—65) find bis auf zwei, die ich nicht habe iden-
tificiren können, aus Köllings Lehre von der Theopneustie
(S. 190—200) entlehnt. Den fie verbindenden
Text bei Körting hat allerdings der Verf. vorfichtiger
benutzt, als es fonft feine Art ift. Ein Satz von 6 Zeilen
(S. 73) über Melanchthon ift aus Neanders Dogmenge-
fchichte, II, S. 215 f. abgefchrieben, desgleichen fall
wortgetreu etwa eine Seite über das tridentiner Concil (S.
80 f. vgl. mit Neander S. 216 f.). Die Abfchnitte über
Zwingli und Calvin (S. 74 f. 77 f.) find aus Dorners Gefchichte
der proteftantifchen Theologie (S. 281 f. 379 ff.)
zufammengeftoppelt. Der Bericht über die altprotertan-
tifche Orthodoxie (S. 85—99, 102—104) flammt feinem
Inhalt nach fall ganz aus Schmids Dogmatik der ev.
lutherifchen Kirche, deren entfprechende Abfchnitte zum
Theil auch wieder wörtlich verwerthet find. Von den
mehr als 50 Citaten aus den alten Dogmatikern habe ich
nur ganz wenige nicht identificiren können. Allerdings
hat der Verf. die 3. Auflage jenes Werkes benutzt,
während mir nur die erfte zur Verfügung fland. In dem
Abfchnitt über Leibniz (S. 133 f.) ift etwas über '/j Seite,
zum Theil wieder mit wörtlicher Anlehnung an das erwählte
Vorbild, aus Pfleiderers Religionsphilofophie