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Ausgabe:

1897

Spalte:

625-629

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Carl

Titel/Untertitel:

Die Paulusacten 1897

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegehen von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

F.rfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Ruchhandlung. jährlich 18 Marl;

NEi 24.

27. November 1897.

22. Jahrgang.

Schmidt, Die Paulusacten (Harnack).

Augustini quaestionum in Heptateuchum libri
VII, adnotationum in Job liber unus, rec.
Zycha [Corpus scriptoram ecclesiasticorum
latinorum vol. XXVIII] (Preuschen).

Niffen, Die Regelung des Klofterwefens im

Rhomäerreiche bis zum Ende des 9. Jahrh.
(Ph. Meyer).
Concilium Basileense, Studien und Quellen zur
Gefchichte des Concils von Bafel, II. Bd. hrsg.
von Hall er (Brandi).

Schlatter, Der Dienft des Chriften in der

älteren Dogmatik (Wendt).
Ecke, Die theologifche Schule Albrecht Ritfchls

und die evangelifcheKirche derGegenwart(Eck).
Schmid, Gefchichte der Erziehung, 4. Bd.

t. Abtig. (E. Achelis).

Die Entdeckung bez. IdentiTicirung der

IJQa^Eig ITavlov.
Schmidt, Carl, Die Paulusacten. Eine wiedergefundene
altchriftliche Schrift des 2. Jahrhunderts in koptifcher
Sprache (Neue Heidelberger Jahrbücher 7. Bd. 1897
S. 117—124).

Carl Schmidt, der unermüdliche Forfcher und
glücklichfte Entdecker auf dem Gebiet der altchriftlichen
Literatur in koptifchen Ueberfetzungen, hat uns wieder
mit einem neuen Funde befchenkt, der an Bedeutung
der Auffindung einer gnoftifchen Schrift, die Irenaus benutzt
hat (Sitzungsber. d. K. Preufs. Akad. d. Wiffenfch.
1896 S. 839ff".), nicht nachfleht.

Wie lange ift es her, dafs man von jenen fünf Schriften,

erhalten. Es find auf ihm die letzten Worte des eben
genannten Martyriums (p. 117) noch zu lefen, fodann die
Unterfchrift (man beachte, dafs fie, wie der Text felbft,
koptifch ift):

MIIPASIZMIIAYAOSK.....

IIAII02TOA02
Der Schlufs der erften Zeile ift leider zerftört, um
fo deutlicher ift das Jlnätgeiq IlavXov'; Schmidt ver-
muthet, das folgende K fei zu ,xara' zu ergänzen und
dann fei der Name eines als Apoftel bezeichneten Apoftel-
fchülers gefolgt. Das wird man auf fich beruhen laffen
müffen. Man könnte an die Ergänzung K{ai GtxXrjg
Trjq) anoöxolov denken, allein fie ift, wie Schmidt ver-
fichert, nach den Regeln der koptifchen Sprache unmöglich
; auch ift es ganz unwahrfcheinlich, dafs Thekla's
Namen hier geftanden hat, denn die Thekla-Gefchichte

die Eufebius nahe an das Neue Teftament gerückt hat , hat nur ein Siebentel oder'ein Achtel des grofsen Werks
(Acta Pauli, Paftor, Apoc. Petn, Ep. Barnabae, Didache) j Acta Pauli< gebildet

drei überhaupt nicht eine nicht in der Originalfprache Aber find die Verfchiedenen Stücke wirklich Beftand-

und eine nur zum Theil _m der ünginalfprache gekannt | theüe ejnes Werks? Schmidt hätte in feiner vorläufigen
Anzeige wohl noch etwas mehr thun können, um
alle Zweifel daran zu zerftreuen. Ich verdanke ihm aber
einige mündlich und fchriftlich gemachte Mittheilungen,
welche die Sache ficher ftellen.

hat? Heute kennen wir drei von diefen Schriften in der
Urfchrift mit wünfehenswerther Genauigkeit, die vierte,
die Apokalypfe des Petrus, wenigftens fo weit, um uns
ein Bild von ihrer Haltung und ihrem wefentlichen Inhalte
zu machen und in die fünfte, die Acten des Pau- (l) Dafs das von u - veröffentlichte Martyrium
lus, hat uns Carl Schmidt durch eine Entdeckung, über , pauli und def falfche Briefwecnfei mit den Korinthern Be-

die er foeben in den Neuen Heidelberger Jahrbüchern
berichtet hat, einen umfaffenden Einblick gewährt. Wir
kennen nunmehr alle Schriften — wenn auch nicht
alle vollftändig —, die einft in nahen Beziehungen
zum Neuen Teftament geftanden haben, bez. mit
NTlichen Schriften zufammen abgefchrieben
worden find.

Bereits vor zwei Jahren fchrieb mir Schmidt aus
Kairo, dafs er in einem zufammengehörigen Haufen von
verftümmelten Papyrusblättern bei Herrn Dr. Reinhardt
Stücke der Acta Theclae in koptifcher Ueberfetzung gefunden
habe. Diefe Collection kam nach Heidelberg.
Dort hat fie Schmidt Ende September diefes Jahres einer
näheren, aber immer noch vorläufigen Unterfuchung
unterzogen und Folgendes gefunden: Die von einer
Hand gefchriebenen, ungeordneten, abgebrochenen ') und
z. Tb. fchwer lesbaren Blätter (wahrfcheinlich saec. VII.
in einem bisher unbekannten, alterthümlichen Dialekt;
der Fundort ift auch unbekannt) enthalten u. A. (z. B.
einer Todtenerweckung und Gefchichten, in denen Paulus
und Leute mit den Namen Hermippus, Hermoerates und
Dion2) vorkommen) erftlich die Acten des Paulus und
der Thekla, zweitens den falfchen Briefwechfel Pauli mit
den Korinthern, drittens jenes Martyrium des Paulus,
das Lipfius {Acta App. Apocr. Ip. 104—117) abgedruckt
hat. Zum Glück hat fich das Schlufsblatt des Ganzen

1) ,.Hunderte von kleinen Fetzen."

2) Ich habe diefe Namen bisher fonft nirgendwo finden können.

ftandtheile der alten verlorenen Acta Pauli feien, hat
bereits Zahn für gewifs erachtet1) und James hat ihm
beigeftimmt; ich habe in meiner Literaturgefchichte die
Identificirung nicht abgelehnt, aber als nicht bewiefen
angefehen. Findet fich nun ein Convolut von einer
Hand gefchriebener, zufammengehöriger Papyrusblätter,
auf welchen beide Stücke ftehen, fo kann das bei dem
gegenwärtigen Stande der Kritik nicht frappiren, fondern
ift nur eine Beftätigung der Sachkunde und des eindringenden
Scharffinns Zahn's.

(2) Das Martyrium trägt in der Handfchrift die Unterfchrift
Jlqä^ug IlavXoV. Damit ift erwiefen, dafs ihm
Erzählungen aus dem Leben des Paulus vorangegangen
find und eben der falfche Briefwechfel enthält eine folche;
denn es findet fich in ihm auch das bekannte hiftorifche
Zwifchenftück. Auf dem Recto eines Papyrusblatts hat

Schmidt die Worte gelefen:.....Defswegen nun, unfer

Bruder, forge in allen Dingen, dafs du hierher zu uns
kommft, damit die Kirche der Korinther nicht Aergernifs
erleide und damit die Thorheit diefer offenbar werde.
Lebe wohl in dem Herrn. Es brachten die Diakonen
Treptos und Eutychos den Brief hierauf zu den Philippern
, fo dafs Paulus, der um Stratonike willen, des Weibes
des Ap[olo]phanes, gebunden war, ihn empfing und betrübt
ward.....und ausrief, indem er fprach.....2)

1) Vermuthet hat es zuerft in Bezug auf den falfchen Briefwechfel
der Berliner Akademiker La Croze am Anfang des vorigen Jahrhunderts

2) Auf dem Verfo findet fich fodann ein Theil des Päulushriefs

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