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Ausgabe:

1897

Spalte:

561-565

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hahn, Aug.

Titel/Untertitel:

Bibliothek der Symbole und Glaubensregeln der alten Kirche. 3. vielfach veränd. u. verm. Ausg. v. G. Ludw. Hahn 1897

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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56i

Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 2t,

562

zu müffen. Oder wie konnte Paulus, nachdem er vier- ich zwar immer als ein nicht unverdientes betrachtet,
undzwanzig Verfe lang von der Collecte gefprochen, Doch fand ich es zu einfeitig. Ich glaubte meinerfeits
fortfahren (denn nur fo läfst fich überfetzen): denn von 1 anerkennen zu follen, dafs H. wenigltens zuverläffig reder
Collecte brauche ich euch nicht zu fchreiben? Will 1 ferire und das vorhandene Material bequem darbiete, zu-
man auch hier fagen, er habe vergeffen und auch fpäter mal auch dafs er keine ,Schlüffe' für die Entwicklung
nicht gemerkt, dafs er fchon ausführlich davon geredet? der Gefchichte des Symbols daraus ableite und fo vor
Dann müfsten die Berichte doch wenigftes überein- dem Vorwurfe des Dilettirens gefchützt fei. Leider hat
Bimmen, während fie in Wahrheit einander widerfprechen. er bei diefer dritten Auflage den Verfuchungen, die in der
Zwar das ift ja noch vereinbar, dafs nach 8.20 Titus und j Befchäftigung mit dem Stoffe flecken, fleh weniger er-
zwei Brüder üble Nachreden verhüten, nach 9,3 die Brü- wehren können. Und doch ift er offenbar nicht gerade
der die Collecte vorbereiten follen. Aber konnte fleh eine kritifche Natur! Was ich an dem Werke rühmen

Paulus wirklich in demfelben Briefe 8,1 der Macedonier
und ihrer Mildthätigkeit vor den Korinthern rühmen
und 9,2 diefen mittheilen, dafs er fleh ihrer Bereitwilligkeit
vor den Macedoniern rühme. Mufsten fie
da nicht ftutzig werden und ihm fagen laffen: na, mit
den Macedoniern fcheint es ja nach deiner eigenen Darfteilung
noch nicht fo weit her zu fein? Und follte Paulus
fo unvorfichtig verfahren fein in einem Briefe, wo er

kann, will ich gern hervorheben. An Fleifs fehlt es darin
nicht; der correcte Druck, das forgfältige Regifter, zumal
die Notirung der Varianten derjenigen Ausgaben, die H.
von den Texten oder ihren Quellen kennt, zeugen davon.
Aber neben diefen Vorzügen, die fchliefslich doch etwas
fubalterner Natur find, flehen fehr erhebliche Mängel.
Am wenigften will ich es urgiren, dafs H. in der Con-
ftruetion der Texte nicht fo vorfichtig ift, wie zu bean-

fonft jedes Wort auf die Goldwaage legt? Vor Allem j fpruchen wäre. Ich habe fchon wiederholt ausgefprochen,
aber wird die Stellungnahme der Korinther felbft 8,10 dafs ich es an und für fich richtiger fände, wenn man

und 9,4 ganz verfchieden befchrieben. Dort haben fie
fchon vor Jahresfrift angefangen, nicht nur beizufteuern,
fondern auch ihre Bereitwilligkeit zu weiterem zu erklären;
hier fleht zu befürchten, dafs fie die Gefährten des Paulus
ungerüftet, (d. h. nur bereitwillig, V. 2) antreffen. Wir
befinden uns mithin mit C. 9 in einer früheren Zeit, als
in C. 8 — gehörte es alfo etwa auch noch zu C. 10—13?
Dagegen fpricht, dafs nach dem obigen die Korinther
damals fchon beigefteuert hatten und Paulus direct nach

nicht fowohl eine Bibliothek der Symboltexte, als der Urkunden
für diefe Texte, herftellte. Nur angefichts der
letzteren felbft fieht man, wie überaus unficher viele Con-
ftruetionen find. Aber H. ift ja durch die Tradition des
Werkes gebunden gewefen. So fehe ich davon ab, feine
.Texte', foweit fie eben hypothetifcher Art find, hier zu
beleuchten. Ich habe faft überall Monita zu machen und
kann nur auf's dringendfte davor warnen, mit H.'s Formeln
zu experimentiren. Weder hat H. überall eine voll-

Korinth zu kommen beabfichtigte, während er 9,4 bereits I Bändige Quellenkenntnifs, noch den nöthigen Takt im

auf dem Wege über Macedonien ift, wie er 1, 16,2 angekündigt
. Sollte das Capitel alfo dem vermutheten
Empfehlungsbrief an Titus angehört haben? Er wird ja
allerdings nicht darin genannt, aber deffen bedurfte es
wohl auch nicht, wenn er den Brief überbrachte. Dafs
derfelbe auch fonft in diefe Zeit paffen würde und allein
hier eingefchaltet werden konnte, braucht nicht erft be-

Combiniren. Aber ich überfehe nicht, dafs gewiffe Lücken
entfchuldbar heifsen dürfen und dafs in manchen Fällen
es fich um fubjective Urtheile handelt.

Direkt zu tadeln ift es dagegen ficher, dafs H. auch
im Rubriciren der Texte der Neigung, zuverfichtlicher
aufzutreten, als geftattet ift, fich überlaffen hat. Die Dinge
liegen fo, dafs man bei einer nicht geringen Zahl von Tex-

wiefen zu werden; die Hauptfrage ift, ob die für Ab- ten oder Textfragmenten, was Ort und Zeit anlangt, nur
trennung des Capitels beigebrachten Gründe wirklich, vielleicht probeweis einen Vorfchlag machen kann. Es
wie von Soden meint, in keinem Punkte überzeugend i find keine Worte darüber zu verlieren, dafs in einer
find. Drefcher urtheilte ja ähnlich, aber ebenfalls ohne ,Bibliothek' der ,Texte' die Rubriken am letzten nach
auch nur den geringften Verbuch zu machen, die an- blofsen Muthmafsungen, gar nach momentanen Einfällen,
geführten Schwierigkeiten anders zu löfen (68,5. m); gebildet oder gefüllt werden dürfen. Es ift für H. cha-
Lisco dagegen ift der Meinung Semler's beigetreten rakteriftifch, dafs er gar keine Rubrik für Texte ,unbe-
(Entftehung 66). Und fo fchliefse ich denn mit einem , Hinunter Herkunft' darbietet. Wie die Dinge ftehen, kann
Wort des Letzteren, das ich fchon früher angeführt, j es wahrlich nicht darauf ankommen, auch nur den Schein
manche Gegner folcher Theorien aber immer noch nicht 1 zu erwecken, als fei man im Stande, alle zu placiren.
anzuerkennen Rheinen:. Saudis doctrinis ipsis innititur Gewiffenhafterweife mufs man umgekehrt dafür borgen,
religio christiana, non vero knie decreto, Pauli Epistolas dafs der Gedanke, man werde überall pofitive Refultate
omnes uno tenore atque ordine Iotas perscriptas inde ab erzielen, nicht feft wurzele; es ift fehr wahrfcheinlich, dals
initio fuisse. die Forfchung mit manchem einfachen non liquet ab-

Halle a. S. Carl Clemen. schliefsen wird Und wie fchnell ift H fertig! Die Sermone
, die vielleicht die alterten Quellen für den textus

1 reeeptus des apoftolifchen Symbols find, fetzt er ^ 42
Hahn, weil. Prof. Dr. Aug., Bibliothek der Symbole und ohne alle Motivirung nach Italien, fie ,durften wahrfchein-
Glaubensregeln der alten Kirche. 3. vielfach veränd. u. lieh irgend einer Kirche Italiens angehören'. Auch
verm. Aufl. v. Prof. Dr. G. Ludw. Hahn. Mit e. Anh.
v. Prof. Dr. Adf. Harnack. Breslau, E. Morgenftern.
(XVI, 412 S. gr. 8.) M. 6.50

Diefes Werk erfchien 1842 in erfter Auflage; 1877
veranftaltete G. L. Hahn, der Sohn des erften Editors,

Nicetas bringt er bei Italien wenigflens unter. In
der Anmerkung fagt er, es laffe fich über ihn bislang
nichts ,näher beftimmen' — warum in weiter Welt fetzt
er ihn denn nach Italien? Nebenbei fei bemerkt, dafs H.
eine fchreckhafte Unkenntnifs der Fragen, die fich an
jenen Namen knüpfen, an den Tag legt. Die dem Nie.
die zweite Ausgabe, fowie jetzt die dritte; er ift inzwifchen I /zugehörigen Schriften', fo urtheilt er, .bieten fchwerlich
felbft ein hochbetagter Mann geworden, mit dem man : einen Anhalt', etwas über ihn auszumachen! Ob er fie

nicht gern mehr rechtet, leider kann ich doch nicht umhin
, fein Werk nach verfchiedenen Seiten zu beanftanden.
Ich finde diefe dritte Auflage nicht glücklicher, fondern
in manchen Beziehungen unerfreulicher als die zweite.
Ueber die Ausgabe von 1877 glaubte ich mich in meinem
Buche über das apoft. Symbol I, 24 f. verhältnifs-

geleien hat? Von den Arbeiten des Dom G. Morin
weifs er nichts; er kennt keine einzige von deffen Unter-
fuchungen zur Symbolgefchichte! — Wenn er J> 52 ,eine
von Juft. L. Jakobi veröffentlichte Formel unbekannten
Urfprungs, vielleicht des 6. Jahrhunderts' bei den afrika-
nifchen placirt, fo vergeht einem felbft das Lächeln, das

mäfsig anerkennend ausfprechen zu dürfen. Das herbe | einem fonft einmal auf die Lippen kommt. — Bei den
Urtheil darüber in diefer Zeitfchrift (1878, Col. 81 ff) habe | orientalifchen Symbolen treffen wir einen Paragraphen