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Ausgabe:

1897 Nr. 21

Spalte:

555-556

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Réville, Alb.

Titel/Untertitel:

Jésus de Nazareth 1897

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 21.

556

Aufser der Abraham-Apokalypfe giebt Bonwetfch
S. 71 ff. noch den griechifchen Text des ,Teftamentes
der vierzig Märtyrer von Sebafte', Er hat denfel-
ben Text fchon früher einmal (Neue kirchl. Zeitfchr. III,
1892 S. 705 ff.) herausgegeben. Der neue Druck ruht
aber auf einer breiteren handfchriftlichen Grundlage als
der frühere.

Göttingen. E. Schürer.

des Herrn, nicht hinreichend in Elufs gebracht hat, weil er
nicht die volle Fühlung mit der Arbeit der Gegenwart
gewinnen konnte. Treffend hat er Renan's Art charak-
terifirt und feine Mängel aufgedeckt, und doch dürfte es
nicht unfchwer fein, die Nachwirkungen diefes blendenden
und auch fn feinen gelungenften Partien gefährlichen
Vorbilds zu entdecken. So i(t z. B. für Reville das Be-
kenntnifs zum Meffiasthum (man möchte beinahe fagen,
die Annahme der Mefüasrolle) ein Herabfinken von der
idealen Höhe der rein geiftigen Religion der Gottes- und
Reville, Prof. Alb., Jesus de Nazareth. Etudes critiques j Menfchenliebe (II, 487). Oder es fucht Reville (II, 306
sur les antecedens de l'histoire evangelique et la vie 1 — 3.25)i hier wefentlich dem Standpunkt Colani's treu

de Jesus. 2 tomes. Avec une carte. Paris, Fischbacher
, 1897. (X, 500 u. 522 S. gr. 8.).
Seit 1880 Profeffor am College de France, wo er

bleibend, das meffianifche Zukunftsbild der eschatolo-
gifchen Reden der Synoptiker dahin zu interpretiren,
dafsjefus zwar den endgiltigen Sieg feines Evangeliums
verheifsen hat, dafs aber die apokalyptifchen Vorftel-

auf dem für ihn errichteten Lehrftuhl die junge Disciplin | lungen, vor allem die Erwartung des von Wundern ein-

der Religionsgefchichte mit grofsem Erfolge vertritt, hat I geleiteten Wiederkommens des Meffias auf den Wolken

Reville in einer Reihe von inhaltsreichen und formell i des Himmels nur ein Gebilde der Phantafie der Jünger

ausgezeichneten Schriften die Ergebnifse feiner Lehr- j gewefen fei: hätte Jefus felbft feine nahe Wiederkunft

thätigkeit einem weiteren Publicum mitgetheilt. (Prolego- | verkündigt, fo wäre er fchlicfslich das Opfer eines be-

menes de l'histoire des religions, 1881. 1886 E — Les
Religions des peuples non civilises, 2 vol. 1883 — Les
religions du Mexique, de l'Amerique centrale et du
Perou, 1886 — La religion chinoise 1889). Statt feine
Forfchungen über andere aufserchriftliche Religionen

klagenswerthen Irrthums, einer Schwärmerei geworden
il aurait fini par donner dans la chimere ... LI
en resulterait malgre tont une diminution regrettable
de celui qui, en proclaviant scs principe s de religion
Interieure et purement ntorale, leur a cotntnunique la cka-

weiter herauszugeben, zog er es vor, das intereffan- leur de sa propre vie (II, 316—317). — Die Leidens

tefte Gebiet der von ihm bebauten Gefchichte zu
betreten, und ,Kritifche Studien über die Vor-
gefchichte und über das Leben Jefu' zu veröffentlichen
. Er kehrte damit nur zu einem in früheren Jahren

gefchichte enthält einige Seiten, die in ihrer einfachen
fchlichten Darffellung der Gröfse des Gegenftandes
angemeffener find als jeder Verfuch, die Situation
auszumalen und den religiöfen Eindruck durch die

von ihm öfters behandelten Gegenftand zurück; feine j Kunft angeblich zu erhöhen. R. tritt nicht in die
Essais de critique religieuse 1860, und befonders die preis- Discuffion der verfchiedenen Deutungen, welche das
gekrönten und von der Univerfität Leyden durch Er- | letzte Mahl Jefu in der unmittelbaren Gegenwart er-
theilung des theologifchen Doctordiploms ausgezeichneten fahren hat, ein. Seine fehr gefchickte Erörterung der

Ftudes critiques sur l'Evangile sclon St. Matthieu 1862
hatten bereits früher feinen wiffenfchaftlichen Ruf begründet
, den feine darauf folgenden Veröffentlichungen

Auferftehungsberichte vermag es nicht, das Heer von
Schwierigkeiten, welche die Vifionshypothefe beladen,
zu zerftreuen; der alte Rationalismus, den R. kurzer Hand

auch in weiteren Kreifen zur Geltung brachten. Wie in durch fummarifche Verurtheilung der Scheintodhypothefe
feinen bisherigen Schriften, fo zeigt fich Reville auch in I befeitigt, taucht an einer Stelle wieder unter der Geftalt
diefem Werke als Meifter geiftvoller und folider Popula- J des Gärtners auf, was um fo befremdender ift, als die
rifirung. Zu der hier in Angriff genommenen Aufgabe hier angedeutete Conjectur an das fonft nicht als hifto-
befähigten ihn fowohl feine felbftändigen Unterfuchungen 1 rifch geltende vierte Evangelium fich anfchliefst. — Die
wie die umfaffende Kenntnifs der theologifchen Literatur Conclusions (II, 479—495) faffen die hiftorifchen und
nicht nur Deutfchlands, fondern Englands, Hollands und j religiöfen Ergebnifse der eingehenden Unterfuchung feft
Frankreichs. Der kritifchen Darftellung des Lebens und j und klar zufammen, und bringen fie auf einen, von jedem
der Lehre Jefu giebt R. einen fehr breiten und feften falbungsvollen Tone fernen, aber durch die Kraft des
Unterbau in den eingehenden, die erfte Hälfte des erften I Inhaltes gelungenen Ausdruck. Das Buch wird in der
Bandes füllenden Ausführungen über die Entwickelung j Leben -Jefu-Literatur einen ehrenvollen Platz behaupten
Israels und über die politifchen und religiöfen Schickfale ! und liefert einen werthvollen Beitrag zur Popularifirung
des Judenthums. Bei der Schilderung älterer Zeiten dient | der grofsen Probleme, welche dem Forfcher durch die
ihm befonders Kuenen, bei dem Entwurf der neutefta- ! Gefchichte und ErfcheinungJefu von Nazareth geftellt find,
mentlichen Zeitgeschichte Schürer als Gewährsmann und Strafsburg i. E. P. Lobftein.

Fuhrer. Es ift auffallend, dafs Wellhaufen s letzte Schrift
in dem Literaturverzeichnifs fehlt, und auch fonft in

Reville's Arbeit keine merkbaren Spuren hinterlaffen hat. Lisco. Dr. H., Die Entstehung des zweiten Korintherbriefes.

Die nachfolgenden Unterfuchungen über das Leben und Berlin, Schneider & Co., 1896. (III, 84 S. gr. 8.) M. 1.50.
die Lehre Jefu zeichnen fich zwar durch Klarheit und . . ,, IT , . . . . , « „

Schärfe, durch hiftorifches und religiöfes Verftändnifs aus, Llsco> Dr" H-> Judaismus triumphatus. Ein Beitrag zur Aus-
und find daher durchaus geeignet, die gebildeten Laien legung der vier letzten Kapitel des 2. Korintherbriefes.
in die hier behandelten Probleme einzuführen; fie werden Ebd., 1896. (VI, 392 S. gr. 8.) M. 7.50.

aber fchwerlich in den Gang der wiffenfchaftlichen Ar- Manen, Dr. W. C. van, Paulus. III. De brieven aan de

beit direct fordernd eingreifen, denn fie laffen an manchen . ..... T ., 0 .„ „ „ .

Punkten die genaue Kenntnifs der gegenwärtigen Frage- Konnthiers. Leiden, Brill, 1896. (324 S. gr. 8.)

Heilung vermiffen. Da nämlich R. nicht rein darfteilend, ,Der zweite Korintherbrief will nicht mehr zufammen-

fondern auch unterfuchend verfährt, fo hätte ein näheres | halten', fo begann H. Holtzmann im theol. Jahresber.

Eingehen auf die in der unmittelbaren Gegenwart zur | für 1894 (S. 152) feine Anzeige von Halmel's Viercapitel-

Discuffion flehenden Fragen den Werth feiner Arbeit be- j brief im zweiten Korintherbrief des Apoftels Paulus; ja

trächtlich erhöht. Allerdings hat R. die Forfchungen '• J. Weifs fprach in feiner Recenfion desfelben Buches

der neueften Kritiker und Hiftoriker öfters berückfichtigt, j in diefer Zeitung (1894, 513) bereits von der nachgerade

allein es will mir fcheinen, als ob er Probleme wie die kühn erfcheinenden Hypothefe der Einheitlichkeit diefes

von dem Wefen des Gottesreiches, von demMeffiasbewufst- Briefes. In der That find feitdem mit Bezug auf ihn

fein Jefu, von feiner Eschatologie, von dem letzten Mahle I wieder mehrere neue Theilungshypothefen aufgeftellt