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Ausgabe:

1897

Spalte:

553-555

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bonwetsch , G. Nath.

Titel/Untertitel:

Die Apokalypse Abrahams 1897

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark,

N°- 21. 16. October 1897. 22. Jahrgang.

Bonwetfch, Die Apokalypfe Abrahams. Das
Teftament der vierzig Märtyrer (Schürer).

Rüville, Jesus de Nazareth, 2 tomes (Lobstein
).

Lisco, Die Entftehung des zweiten Korinther-

briefes (Clemen).
Lisco, Judaismus triumphatus (Ders.).
Manen, van, Paulus, III: De brieven aan de

Korinthiers (Ders.).

Mahn, Bibliothek der Symbole und Glaubens- ' fiirftenthum Mainz unter Emmerich Jofeph,
regeln der alten Kirche, 3. Aufl. (Katten- 1703 — 1774 (Knoke).

bufch). Hort, Life and letters of F. A. Hort (Clemen).

Grandgeorge, Saint Augustin et le Neo-
Platonisme (Grützmacher).

Rühl, Chronologie des Mittelalters und der

Schneider, Durch Witten zum Glauben (Elfenhans
).

Voclker, Leben und Lehre Jefu nach den
vier Evangelien, für das Bibellefen und den

Neuzeit (Tangl). Katechismusunterricht in Schule und Haus

Meffer, Die Reform des Schulwefens im Kur- (Fay).

Bonwetsch, G. Nath., Die Apokalypse Abrahams. Das Testament
der vierzig Märtyrer herausgegeben von B. [Studien
zur Gefch. der Theol. und Kirche, herausg. von
N. Bonwetfch und R. Seeberg, I. Bd. 1. Heft]. Leipzig
, A. Deichert Nachf., 1897. (95 S. gr. 8.) M. 2.80

In der Stichometrie des Nicephorus wird neben
Henoch, TesUim. XII Patr. und Assumptio Mösts auch
ein apokryphifches Buch 'Aßqadfi aufgeführt. Die Nach-
barfchaft jener macht es wahrfcheinlich, dafs es jüdifch,
verhältnifsmälsig alt und apokalyptifchen Inhaltes war.
Im Jahre 1892 hat James ein Teftament Abrahams

Der deutfchen Ueberfetzung hat Bonwetfch eine eingehende
Würdigung des Buches beigegeben, welcher ich
in allen wefentlichen Punkten nur zuftimmen kann. B.
findet es höchft wahrfcheinlich, dafs das Buch in der
Hauptfache jüdifchen Urfprungs ift (S. 61 f.). Dafür
fprechen fchon die gehäuften Gottesnamen c. 17 (heiliger
El, Gott, Alleinherrfcher . . . Ewiger, Starker, Heiliger,
Sabaoth, fehr Herrlicher, El, El, El, El, Jaoel), die Händige
Bezeichnung Gottes als ,Vorweltlicher, Starker', das
durchgängige Intereffe für das Volk Israel als folches:
es ift das auserwählte Volk (c. 22); den Gerechten aus
Abrahams Samen wird verheifsen, dafs fie ,gefeftigt wer-

herausge^eben, welches in ziemlich gefchmacklofer Weife den durch Opfer und Gaben der Gerechtigkeit und Wahr

erzählt, wie Abraham fich hartnäckig weigert zu fterben, heit Aeon der Gerechten----und fie werden

bis er endlich vom Tod überliftet wird (fcxts and Studie s verderben, die fie verderbt haben und werden
ed. by Robinson II, 2, f. dazu Theol. Litztg. 1893, 279— j fchmahen, die fie gefchmäht haben' (c. 29). Gott wird
281). James konnte für feine Ausgabe ein umfangreiches ! herbeirufen fein verhöhntes Volk von den Na-
Material benützen: neun griechifche Handfchriften, von tionen und verbrennen mit Feuer die. welche fie ge

welchen fechs eine längere, drei eine kürzere Recenfion
darfteilen. Dazu kommen: I. eine flavifche Ueberfetzung,
2. eine rumänifche, 3. eine aethiopifche, 4. eine arabifche.
Ein Jahr fpäter ift der griechifche Text nur nach einer
(auch von James benützten) Wiener Handfchrift gedruckt
worden in Vaffiljev, Anccdota Graeco-Byzantina 1.1, Mos-

fchmäht und welche unter ihnen geherrfcht haben in
diefem Aeon (c. 31.). Chriftlicb.es findet fich nur in c. 29;
denn der .gefchmähte und gefchlagene Mann', auf welchen
die Heiden hoffen, ift natürlich Chriftus.

Es dürfte alfo auch hier uns eine jüdifche Apokalypfe
in leichter chriftlicher Ueberarbeitung vorliegen. Bei der

fie auf dem Wege vom jüdifchen Alterthum bis zu den
uns erhaltenen flavifchen Texten wohl manche Wandlungen
durchgemacht haben. Aber dafs ihr Grundftock

kau 1893, p. 292—308.' Erläuterungen aus der rabbinifchen ^e'^f/th mi^7elcher die .e.J^te b Ah1afndfVlt wurden> wird
Literatur' gab Kohler (Tlte Jewish Quarterly Review u
vol. VII, 1895, p. 581—606), eine englifche Ueberfetzung
Craigie in Menzie's Ante-Nicene Christian Library, Ad- , .

ditional volumc, 1897 (f. Theol. Litztg. 1897, 390). j identifch ift mit dem apokryphifchen ^^art/z der St.cho-

v v_ , ' Z , metne des Nicephorus, fcheint mir in hohem Grade wahr-

Der Inhalt und Charakter diefes ,le(tamentes fcheinlich. Befonders bemerkenswerth für die Ueber-
Abrahams fpricht nicht dafür, dafs es mit jenem alten , ljeferungsgefchichte ift eine Stelle in den clementinifchen
judifch-apokalyptifchen Apokryphum der Stichometrie Recognitionen, in welcher es von Abraham heifst (I, 32):

ex rattone et ordtne stellarum agnoscere pottitt condttorem
ejusque Providentia intellexit cuneta moderari. unde et an-

des Nicephorus identifch ift. Weit mehr Anfpruch kann gx ratione et ordine steuarum agnoscere potntt conditore
darauf m. E. die uns jetzt durch Bonwetlch gelchenkte j ejmque providentia intellexit cuneta moderari. unde et a„-
,Apokalypfe' Abrahams erheben. Sie ift, wie es icheint, , gelm aSsistens ei per visionent plenitts eum de Iiis quac
nur in flavifcher Sprache erhalten, in verfchiedenen Ke- ( sentirc coeplt edocmt. sed et quid generi ejus ac posteritati
cenfionen, und längft herausgegeben Durch ihre Ueber- deberetur ostendit ct non tam eis danda haec %ca m
fetzung ins Deutfche hat fich Bonwetfch ein neues wefent- reddenda promisit Da die Belehrung, welche Abraham

in unferer Apokalypfe empfängt, fich ganz wefentlich auf

liches Verdienft erworben

Im erften Abfchnitt (c. 1 — 8) wird erzählt, wie Abra
ham fchweren Anftofs nimmt an dem thörichten Götzen-
dienft feines Vaters Tharah. Den fteinernen Götzen
Marumath findet er ebenfo nichtig wie den hölzernen

die Gefchichte feiner Nachkommenfchaft bezieht, fo wird
kaum zu bezweifeln fein, dafs der Verf. der Recognitionen
unfere Apokalypfe gekannt hat (fo auch Bonwetfch S. 49,
54). Dagegen findet fich hier nichts, worauf ein Citat bei

Götzen Barifat. Dies erregt das Wohlgefallen des ,vor- Origenes zurückgehen könnte, in Luc am Itotnil. jp init.

weltlichen, Harken' Gottes, welcher den Engel Jaoel zum
Behuf weiterer Belehrung zu ihm fendet (c. 9 ff.) Der
Engel weift ihn an, zu opfern (c. 12) und fährt dann mit
Abraham auf einer Taube gen Himmel (c. 15). Dort
empfängt Abraham allerlei Offenbarungen, namentlich
über die Gefchichte feines Gefchlechtes. Zuletzt wird

er plötzlich wieder auf die Erde verfetzt. I mehr enthalten als jetzt.

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(de la Rue III, 973): legimus, si tarnen cui placet liujusce-
modi scripturam reeipere, justitiae et iniquitatis angelos
super Abrahami salute et interitu diseeptatttes, dum tttrae--
que turmae suo eum volunt coetui vendicare. Entweder
hat alfo Origenes eine andere Schrift im Sinne oder es
hat, was auch möglich ift, unfere Schrift urfprünglich