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Ausgabe:

1897

Spalte:

27-28

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Maurer, H.

Titel/Untertitel:

Handbuch zu dem von der Bezirkssynode Wiesbaden herausgegebenen evangelischen Katechismus 1897

Rezensent:

Bornemann, Joh.

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2;

Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 1.

28

beim Gefetz, berührt infofern eigen, als feiten ein Stück
unverändert übernommen ist. Das führt zu wunderbaren
Ergebniffen. In der Frage 57, was glaubft du vom
Heiligen Geift, find die beiden Erklärungen fo vermifcht,
dafs aus dem Lutherifchen genommen ift: ,er beruft, erleuchtet
, heiligt', aus dem Heidelberger: ,er trottet und
bleibt bei uns in Ewigkeit'; wo denn keiner Erklärung
ihr Recht wird und der Lutherifchen entfchieden Gewalt
angethan wird, denn das Heiligen wird hier nicht mehr
in Luthers umfaffendem Sinne verftanden. Es ift und
bleibt ein eigen Ding, die beiden Katechismen miteinander
zu verbinden.

Zu jeder Frage find die zugehörigen Bibelttellen
aufgeführt, andere noch genannt, diejenigen befonders
bezeichnet, die auswendig gelernt werden follen. Gegen
Auswahl und Anordnung der Sprüche ift nichts Wefent-
liches zu erinnern. Warum find nicht auch biblifche
Gefchichten und Beifpiele zu den einzelnen Stücken
aufgeführt?

Ausftattung und Druck find zu loben.

Clenze. Joh. Bornemann.

Maurer, Dek., 1. Pfr., Sem.-Prof. D. H., Handbuch zu dem
von der Bezirkssynode Wiesbaden herausgegebenen evangelischen
Katechismus. Katechetifche Studien zur Vorbereitung
auf den Unterricht, 2 Tie. in 1 Bd. Herborn
, Buchh. des Naffauifchen Colportagevereins, 1896.
(196 u. III, 104 S. 8.) M. 2.80

Zu dem neuen Katechismus für die Naffauifche Landeskirche
hat D. Maurer dies Handbuch herausgegeben, das
wefentlich das Material enthält, welches den katecheti-
fchen Vorbefprechungen auf dem Herborner theologi-
fchen Seminar zu Grunde gelegen, um die Mitglieder für
die Katechefe in der Oberftufe der Volksfchule vorzubereiten
. Das Buch ift der theologifchen Fakultät zu
Marburg gewidmet in Dankbarkeit für die verliehene
theologifche Doctorwürde. Die in der Denkfchrift des
theologifchen Seminars zu Herborn von 1893 erfchie-
nenen ,Katechetifchen Studien zu dem Apoftolifchen
Glaubensbekenntnifs' find in dem zweiten Tfieil wiedergegeben
.

In dem warm gefchriebenen Vorwort fpricht fich
D. Maurer in nachdrücklicher Weife aus, ihm fei die
Hauptfache Religions-Unterricht als Gefinnungs-Unter-
richt, perfönlich und herzlich vom Schüler erfafst, getragen
von der Perfönlichkeit des Lehrers. Daneben fei
der pädagogifche Fortfehritt von der aprioriftifchen dog-
matifchen Methode zu dem Weg der Anfchauung anzuerkennen
und anzunehmen. Endlich fei bei Allem, auch
bei den Geboten, Jefu Chrifti Perfon der fefte Mittelpunkt
. Man erkennt fchon hieraus den erfahrenen
Katecheten und feine klaren Ziele. Nur zu dem zweiten
Stücke möchte ich infofern meinen Zweifel ausfprechen,
als D. Maurer die gegebenen Formulirungen des Katechismus
nicht den Ausgangspunkt bilden läfst, fondern
vielmehr den Schlufs, als Zufammenfaffung der gewonnenen
Ergebnifse, und fie demgemäfs überall ans Ende
feiner Entwicklung Hellt. Wie die Kinder doch einmal
den Katechismus in der Hand haben und zum grofsen
Theil ihn auswendig wiffen, fo ift mir die Zweckmäfsig-
keit diefer Anordnung fehr zweifelhaft. Ich würde auch
unter der dogmatifchen Methode, die zu vermeiden fei,
nicht diejenige verftehen, die von feften Sätzen ausgeht,
fie dem Kopf und dem Herzen des Kindes nahezubringen,
irgendwie müffen wir doch von feften Sätzen ausgehen,
fondern die Methode, welche die religiöfen Wahrheiten
in theologifchem Gewände bietet.

Den Weg feiner Ausführungen beftimmt die Vorlage.
Der Ausleger ift darum auch für den Gang nicht verantwortlich
, der z. B. durch die doppelte Behandlung
des Gefetzes im erften und vierten Hauptftücke zu fortwährenden
Wiederholungen und ermüdenden Rückver-
weifungen führt, gerade weil im erften Hauptftück auch
die Gültigkeit des Gefetzes als Grundlage unteres Thuns
richtig mitbetont ift.

Mit reichlicher Ausnutzung der biblifchen Gefchichte
und in gefchickter Ausführung find nun in gründlicher
Einzelausführung die einzelnen Fragen des Katechismus
klar und fafslich behandelt. Einzelne Ausftellungen
wären diefe. S. 18, Der Reiche Mann im Evangelium ift
doch nicht einer von denen, die zwei Herren dienen.
Beim erften Gebot Hellt D. Maurer um: lieben, fürchten
und vertrauen, entfchieden gegen D. Luthers Abficht,
bei dem fürchten voranfteht und lieben und vertrauen
ganz eng zufammengehört. S. 33 gehört neben die
Sünde, die den Zeugeneid verletzt (Meineid), die andere,
die den Gelobungseid verletzt (Eidbruch); das ift richtiger
, als beides Meineid zu nennen. Zu Frage 75
müfste deutlich gefagt fein, dafs 1. Cor. 13 die Liebe
zum Nächften behandelt; im Zufammenhang ift zugleich
von der Liebe zu Gott die Rede.

Wichtiger als folche einzelne Ausftellungen ift mir
die grundfätzliche Frage, ob die Anlage des gegebenen
Handbuches glücklich ift, wie wir ja eine ungezählte
Reihe ähnlicher Handbücher haben. Diefe FTage möchte
ich verneinen. Zu viel Ausführung im Kleinen, zu wenig
Anweifung in grofsen Zügen. Das Buch gibt in einer
Weife zu viel. Es find gewiffermafsen Mufterkatechefen,
denen, fprachlich nicht zu ihrem Vortheil, nur die Frageform
fehlt. In Folge des ganz engen Anfchluffes an die
Vorlage kommt das Handbuch dem Lehrer oder Prediger
zu weit entgegen und regt wenig direct zu eigener
Arbeit an. Der Selbftändige und geiftig Regfame wird
ja die Freude und das Recht eigener Anordnung und
Ausführung fefthalten und auch in folchem Handbuch,
wie es gemeint ift, nur das Mufter erblicken, dem er
nachftrebt. Der Unfelbftändige und Nachläffige wird zu
leicht auf eigene Arbeit verzichten und Jahr für Jahr den
gegebenen Ausführungen folgen.

Andererfeits gibt das Handbuch wie viele feiner
Genoffen auch zu wenig. Es redet — für mein Gefühl
unnatürlich — eigentlich nicht zu dem Lehrer, fondern
zu dem Schüler. Und doch würde der Lehrer mit vielem
Dank es aufnehmen, wenn das Buch ihn anredete, ihm
zeigte, wo befondere Schwierigkeiten find, oder wo die
Behandlung leichter ift, wenn es in grofsen Zügen ihm
das Interefle vor das Auge (teilte, das jeder Abfchnitt
für uns hat. Zugleich käme dabei zu feinem Recht: was
ift der rechte Stoff für die Konfirmanden, für die Oberftufe
, für die Mittelftufe? Der Lehrer würde fich gern
die Wahl (teilen laffen zwifchen dem mancherlei biblifchen
Stoff, den heranzuziehen möglich wäre. Er würde
mit Dank fteten pädagogifchen Hinweis annehmen, was
praktifch befonders zu betonen, und welchen Zufammenhang
Gutes und Böfes im Kindesalter mit der ferneren
Entwicklung des Charakters hat. Der Meifter laffe den
Gefellen getroft in feine Werkftatt blicken, die Fragen
zeigend, die ihn bewegen, die Wege, die zur Auswahl
fich ihm bieten, die entfeheidenden Gründe, die ihn be-
ftimmen: das wird jenen in Luft und Liebe mehr fördern
als die Annahme der fertigen Erzeugniffe, fie feien
noch fo trefflich. Bei den Befprechungen im Seminar
übt die Perfönlichkeit des Leitenden unwillkürlich ihren
Funflufs und wird den jungen Theologen verftändlich, in
dem Handbuch tritt fie leider zurück.

Clenze. Joh. Bornemann.

Erklärung.

In feiner Anzeige meines Affyrifchen Handwörterbuches in Nr. 26 des
21. Jahrganges diefer Zeitung macht Herr Prof. Jenfen mir zum Vorwurf,
dafs ich ,ganze Werke wie z. B. den Bezold'fchen Catalogue als nicht
exiftirend glaubte betrachten zu dürfen'. Um Mifsdeutungen vorzubeugen,
bemerke ich, dafs ich z. B. in meiner Abhandlung über das Babylonifche
Weltfchöpfungsepos Bezold's Catalogue auf 14 Seiten 18 Mal citirt habe.