Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1897 Nr. 16

Spalte:

438-439

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rogge, Bernhard

Titel/Untertitel:

Aus sieben Jahrzehnten. Erinnerungen aus meinem Leben 1897

Rezensent:

Eck, Samuel

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

437

Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 16.

438

Und dazu ift ein Abieiter auf der Kirche'.

Rumpenheim. S. Eck.

anze Stadt nur aus etlichen 20 Häufern beftehtll! Zeichnungen eine ganz undenkbare .Gernüthsverrohung'
aie ganze ouui uui _ finden kann, verftehe ich einfach nicht und der Beleg

für die ,blasfemifche' Art der Skizze ift faft komifch:
dafs ein Hund beim Segen die Zähne fletfcht, kann doch
wirklich vorkommen, und da der Hund einmal in der
ganzen Gefchichte eine verhängnifsvolle Rolle fpiclt, fo
fehe ich nicht ein, warum nicht auch diefer Zug berichtet
werden follte.

Knöpfler hat feiner Schrift ein Bild Möhlers beigegeben
. Wer es fieht, wird das Urtheil jener Dame be-

Knöpfler, Prof. D. Dr. Alois, Johann Adam Möhler. Ein

Gedenkblatt zu deffen 100. Geburtstag. München,
Lentner, 1896. (IX, 149 S. m. Bildnis, gr. 8.) M. 2.50

In der Th.-L.-Z. 1895 Nr. 3 habe ich Friedrich's Beiträge
zum Leben und zur Lehre Möhlers angezeigt. 1 ftätigt finden: ,ein ätherifch fchöner junger Mann, vor
Seither ift Möhler's ioojähriger Geburtstag gefeiert worden deffen überwältigendem Wefen ich faft in den Boden
(6 Mai 1896) und zu dicfem Tag hat A) Knöpfler, der fank'. Es ift ein Geficht, dem aus allen Zügen der

geiftige Adel leuchtet, deffen grofse dunkle Augen Reinheit
, Güte und tiefen Ernft fpiegeln und dem andern auf
den Grund der Seele dringen können.

Breslau. Karl Müller.

Rogge, Hofpred. D. Bernh., Aus sieben Jahrzehnten. Erinnerungen
aus meinem Leben. 1. Bd.: Von 1831
bis 1862. Hannover, C. Meyer, 1897. (VIII, 308 S.
gr. 8.) M. 4.-; geb. M. 5.-

Es ift nur wenig, was ich den Lefern einer theolo-
gifchen Literaturzeitung über diefes Buch zu berichten
habe. Wie Beyfchlag führt auch Rogge hier die Schilderung
feines Lebens bis zum Eintritt in das Hofpredigerthum
. Die letzten Seiten laffen den Leser eben noch
einen Blick auf den Ort feiner künftigen Wirkfamkeit
thun. Diefe ift in Rogge's Leben freilich deutlicher als
bei Beyfchlag von früh an vorbereitet. Zu feinen früheften
Kindheitserinnerungen gehört die Verlobung feiner
Schwerter mit dem fpäteren Kriegsminifter von Roon.
In Bonn und Coblenz öffnen fleh ihm infolge deffen

wie Möhler aus dem Tübinger Convict hervorgegangen
und nun fein zweiter Nachfolger auf dem kirchenge-
fchichtlichen Lehrftuhl in München geworden ift, ein
,Gedenkblatt' herausgegeben, das weniger eine Biographie
als ein Charakterbild fein will und Möhler in feiner Vorbereitungszeit
, dann als Gründer der hiftorifchen Schule,
als theologifchen Forfcher und akademifchen Lehrer,
endlich feine Münchener Wirkfamkeit, Leidenszeit wie
fein Ende fchildert, aus feiner Vorlefung über Kirchen-
gefchichte nach einem nachgefchriebenen Collegheft von
I834'5 einige Abfchnitte mittheilt und zum Schlufs ein
Verzeichnis von Möhler's Werken, Auffätzen und Recen-
fionen giebt.

Neues biographifches Material findet fich darin nicht
und was aus den Vorlefungen mitgetheilt wird, hat wenig
Intereffe, gegenüber dem, was man fonft davon weifs.
Möhler's Stellung zum Jefuitenorden wird nur angedeutet.
Wer fie nicht aus Leu oder Friedrich kennt, bekommt
aus Knöpflers Schrift keine Ahnung. Auch feine An-
fchauungen über das Papftthum mufs man mehr aus
einzelnen Andeutungen errathen.

Trotzdem wird man die Schrift gerne lesen und fich
auch an der Zeichnung des ganzen Bildes freuen können. I Kreife, die diefem

Man lieft doch auch hier, wie mächtig M. gerade von j dem Prinzen Friedrich p 7"6 Z mit

den proteftantifchen Theologen in Berlin und Göttingen Friedrich) in CoWenV r*it*Z 52? 1 Wsen &*ifer
erfafst worden ift: ich hätte nur gewünfeht, dafs auch ' Wilhelm/'bekanntt 1^ w 1 J^^Ä^
kräftig hervorgehoben worden wäre, wie tief er in der im Haufe des JmS^bS^J^SdC^!, ??
Romantik des jungen 19. Jhs. wurzelt und wie ftark die Thielen feine Braut findeT fi^

neue idealiftifchePhilofophie auf ihn gewirkt hat. Man lieft wiffen behaglichen Soinnun^ 1! ) u f C'ner ge~
auch hier, wie lange M an gewiffen Reformforderungen wo fich ESSAugenblick entgegen,
der Zeit, vor allem dem Laienkelch und der deutfehen ; Zugleich ift damit das GM^aÜr^Sf^?, fc'lkrzen-
Meffe feftgehalten hat - Knöpfler (S. 70) läfst vermuthen, rischen m££*^^ggSS?*:
dafs M. von der Forderung der Volksfprache für den noch kaum die Rede ift vorgezeTchnet F MM^li
Gottesdienft nie abgegangen fei; die letzte Aeufserung dafs fich diefelbe weniger auf Theolome und Kirrh /'
darüber flammt aus dem Jahre 1830 —; dafs er, der ur- ! auf die preufsifche Gefchichte und f! • 11 TT
fprünglichmitBegeifterungnach dem katholifchenMünchen i licher Darftellu.m erftreckt TL'i» Ju l -Sr v?lks;hüm-
gegangen war, doch fehr bald von der politifchen und auch in der Schilde^

vorzugsweife auf Polemik geftimmten Kirchlichkeit der wiffenfehaftliche Intereffe nircrcnH " • 7 clSentl,ch
katholifchen Univerfitätskreife fich derart abgeftofsen vorlauten Weife zu Tage Daft es ^"7° L*j gen'
und körperlich wie feelifch erregt fühlte, dafs er fich ginnenden heifsen Kampfes o-e'p-en die Tuto**., cfv »
fchliefslich ganz auf fich zurückzog. Man erhält da- war, in der Rogge 1851-1834 ^n Bon ubAn?,er.SchuI^
durch auch von Knöpfler z. Th. unmittelbar in freimü- , zwar, wefentlich unter Ritschl's H3n^™ p tu » t• "
thigen Worten beftätigt, wie weit ab Möhler von dem 1 merkt man der Darftellung kkuman7uSe7i 7"^
hegt, was heute fich in der katholifchen Kirche in die brechen fcheinen diefe Dincm dem V*J# J ^optzer-
Oefifentlichkeit drängt. gemacht zu haben oder er hat nicht für o!F&

Im übrigen bekenne ich, dafs ich das Gefühl habe, den weiten Kreis feiner Lefer damit zu heh V ~den'
dafs man aus keiner der bisherigen Skizzen und Studien licher tritt ein anderer Ger/enf-irz i,mJ.5 !l£fn- ^Jiut-
über Möhler auch nur ein annäherndes Bild von der , zwifchen Schieben und dem Rhein K • , k,!r^hl,che
geiftigen Eigentümlichkeit des Mannes bekommt. Es ftrengen Lutherthum des Vaters da« i1 CI1 « m
wird jedem fo gehen, der die überaus merkwürdigen böfe Stunden bereitet hat und d/J tt ■ • ,mutter

Rogge durch Ritfehl um fo entfehiedener befeftigen
liefs, als fchon die Schulpforta den Knaben unmerklich
unter anderen Einflüffen der Stimmung des Vaterhaufes
einigermaafsen entfremdet hatte. Die energifch kirchliche
Richtung der Wirkfamkeit Ritfchls tritt übrigens
gerade auch in dem, was diefe Erinnerungen unabficht-
Diefes kleinliche lieh verfchweigen, deutlich hervor Die Schilderung der
über fein Leben Jefu geurtheilt tote. V™« ^ Schuljahre auf derPforta ebenfo wie diejenige des Lebens

Urtheil ift abfolut grundlos; die . "? h ^ der pr. und der Wirkfamkeit in den Diafporagemetnden zu Vallen-

find echt und fie felbft über jeöen originellen Auf- dar und Stolberg ift überaus anziehend. Weniger fcharf
dichtung erhaben. Wie man in diesen s

Erinnerungen einer Dame lieft, die 1832 mit ihm in Bad
Boll zufammengetroffen war und die D. Fr Straufs, ihr
langjähriger Freund, fpäter herausgegeben hat (in dellen
gef Schriften Bd. S. 2,225ff.). Knöpfler beurthe.lt diefe
Erinnerungen mit grimmigem Unmuth und fieht in ihnen
,ein Revancheftück' Straufs'ens gegen die Art wie Möhler