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Ausgabe:

1897 Nr. 16

Spalte:

431-433

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Ueber Lauterbachs und Aurifabers Sammlungen der Tischreden Luthers 1897

Rezensent:

Kawerau, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 16.

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wörtlich (ich in des Nikolaos von Methone 'AvämvSig Werk um, deffen erfter Theil nach Hauptftücken der
rrjc ÜeoloyiY.'fiQ axniyeiwoFwq TlQO/.lnv finde, woraus fich j chriftlichen Lehre disponirt ift, während im zweiten das
der weitere, naheliegende Schlufs ergab, dafs des Metho- | Uebrige nach lateinifchen alphabetifch geordneten Schlag-
nenfifchen Bifchofs Schrift im ganzen und grofsen die j Wörtern zufammengeftellt ift. Diefe Bearbeitung ift erSchrift
des Gazäers enthalte, dürfte eine kleine Berich- ! halten in der Hallifchen Handfchrift, die Bindfeil 1863 fr.
tigung am Platze fein. Wie ich in meinen .Dionyfifchen 1 in drei Bänden edirt hat. Bald darauf überarbeitet

Bedenken' (Th. Stud. u. Kr. 1897, S. 387/388) aus lange
verlegten Briefen A. Jahns vom Juni 1889 mittheilen
konnte, gebührt die Ehre der Entdeckung jenes Sachverhalts
dem genannten greifen Berner Gelehrten. Endlich
möchte ich auch hinfichtlich meines von Eifenhofer
(S. 7/8) angeführten, auf Grund der Ruffos'fchen Differ-
tation verfafsten Auffatzes über ,Nikolaos von Methone

Lauterbach diefe Sammlung — erhalten in Dresden
(A 91 und 92, vom Jahre 1562) und in Gotha (A 262 —
nur der zweite Theil). Eine dritte Redaction ift auf uns
gekommen nur durch Rebenftock's Druck von 1571,
deffen Zuthat darin beftand, dafs er die deutfchen Be-
ftandtheile ins Lateinifche überfetzte. Die vierte Redaction
liegt uns in der Wolfenbüttler Handfchrift Extr. 72 von

als Beftreiter des Proklos' (Th. Stud. u. Kr. 1895, S. 589— 1569 vor. Von diefen vier Redactionen find ficher die

616) nicht verfäumen, die nach nochmaliger Durchfor- erfte und zweite von Lauterbach felbft hergeftellt, wahr-

fchung des Sachverhalts mir nöthig erfcheinende Ergän- fcheinlich auch die dritte und vierte (vgl. S 17 ff.). Lauter-

zung hinzuzufügen. Hatte ich mich in demfelben (S.616) J bach hat dabei je länger je willkürlicher den Text der

dahin geäufsert, dafs des Prokopios Werk, ,von einigen, 1 urfprünglichen Aufzeichnungen behandelt, fo dafs diefe

licherlich aber nicht weitgreifenden Umarbeitungen und [ immer mehr an Werth verlieren. (Vgl. hierzu unten eine

jüngeren Einfchaltungen des Nikolaos von Methone ab- i nöthige Einfchränkung diefes Urtheils.) Den betten Text

gefehen, im wefentlichen vollftändig und wohlerhalten
vorliegen dürfte', fo glaube ich in der zuvor genannten Abhandlung
in der Byz. Zeitfchr. den Beweis erbracht zu
haben, dafs Nikolaos von Methone das ganze Werk des

bietet die Hallifche Handfchrift (Bindfeil): Seidemann hat
in unberechtigter Abneigung gegen Bindfeil's Ausgabe
das wahre Verhältnifs der Recenfionen völlig verkannt.
Aurifaber hat mit der erften, alfo betten Recenfion

Gazäers ausgefchrieben und unter feinem Namen hat aus- Lauterbach's gearbeitet, aber fo, dafs er 1) den zweiten
gehen laffen, ohne fleh auch nur im geringften die Mühe j alphabetifch nach Schlagwörtern geordneten Theil in

zu nehmen, feine eigene Zeit, in der er diefe grofsartige
Fälfchung verübte, genügend zu kennzeichnen, noch weniger
aber, die zahlreichen Spuren der fernen Vergangenheit
, aus der feine Vorlage flammte, zu befeitigen. Wenn

den erften Theil hineingearbeitet und damit eine neue,
das Ganze umfahrende Sachordnung vorgenommen hat;
2) indem er den lateinifchen Erzählungs-Rahmen der
Gefpräche und auch diefe felbft faft durchweg ver-

ich fomit die bisher fälfehlich für eine Schrift des Niko- [ deutfeht hat, wobei er in behaglicher Breite zu Werke
laos gehaltene .Widerlegung des Proklos' als ein echtes gegangen ift; 3) indem er verfchiedene andere Samm-

Werk des Prokopios von Gaza für die religionsphilofo-
phifche Forfchung wiedergewonnen zu haben hoffen darf,
fo wird fleherlich die Werthfehätzung gerade diefer
Schrift des Prokopios, im Verhältnifs zu feinen von Eifenhofer
, wie mich dünkt, zu ftark in den Vordergrund
geftellten exegetifchen Sammelfchriften, eine andere,
höhere werden. Möge diefelbe fleh zunächft in der
Herftellung einer neuen, philologifch zuverläffigen Ausgabe
— ich denke in der Bibliotheca Teubneriana —
bethätigen.

Wandsbeck. Johannes Dräfeke.

Meyer, Prof. Wilh., Ueber Lauterbachs und Aurifabers
Sammlungen der Tischreden Luthers. [Abhandlgn. d.
k. Gefellfch. d. Wifs. zu Göttingen, philol.-hiftor.
Klafse, N. F., 1. Bd., Nr. 2.] Berlin, Weidmann, 1896.
(43 S. gr. 4.) M. 3 —

Die letzten Jahre haben uns mancherlei fchätzbare
Veröffentlichungen gebracht, die das Material der hand-
fchriftlich erhaltenen Tifchredenfammlungen wefentlich
vermehrt und für die Gefchichte der Sammlung luthe-
rifcher Colloquia wichtige Auffchlüffe gebracht haben:
Wrampelmeyer, Preger, Löfche haben fleh unteren Dank
verdient. Aber die hier vorliegende Studie des bewährten
Philologen bringt die Forfchung auf diefem verwickelten
Gebiete einen grofsen Schritt weiter, denn hier wird mit
licherer Hand und mit überzeugender Beweisführung
eine bedeutende Menge des handfehriftlich oder gedruckt
vorliegenden Stoffes claffificirt und geordnet; wir erhalten
für eine grofse Ueberlieferungsgruppe einen klaren Stammbaum
und gewinnen fichere Maafsftäbe, um die Arbeitsmethode
der Sammler zu controlliren und kritifch zu

werthen. Meyer erweift, dafs die Sammlung der Tifch- ! Wernigerode Zd 77, München clm 939 dringend bedarf

lungen daneben benutzt und beim Hineinarbeiten paralleler
Ueberlieferungen nicht feiten die Texte gernifcht
hat. Noch nicht völlig geklärt ift dabei fein Verhältnifs
zu der Wolfenbüttler Handfchrift 878 Helmft. von 1556,
die 168 Ausfprüche Luther's, ebenfo wie Aurifaber's Ausgabe
, ganz in deutfeher Sprache und in der gleichen
Ueber fetzung bietet. Entweder ift diefe, da fie zehn
Jahre älter ift als Aurifaber's Ausgabe, fein eigner erfter
Verfuch, oder fie ift der Verfuch eines Andern, den er
ausgiebig benutzt hat und der ihm als Vorbild für feine
Arbeit gedient hat. Diefe Alternative bleibt noch un-
entfehieden. Meyer theilt aber S. 35 die von Seidemann
mit grofser Mühe angefertigte Tabelle mit, aus der zu
erfehen ift, wo jedes der 168 Dicta diefer Handfchrift
bei Aurifaber (nach den Nummern der Erl. Ausg.) zu
finden ift.

Diefe wichtigen Unterfuchungen find fo methodifch
geführt, dafs die Tifchredenforfchung fie im Wefentlichen
mit Dank wird aeeeptiren müffen. Unerklärt bleibt freilich
, dafs Aurifaber eine Anzahl Stücke aus Lauterbachs
urfprünglichen Aufzeichnungen hat, die diefer felbft in
feine Bearbeitungen nicht aufgenommen hat. Woher hat
jener diefe Stücke genommen? Es entfteht nun befonders
die Frage: aus welchen Vorlagen hat Lauterbach 1558
feine erfte Sammlung zufammengetragen? In welchem
Maafse ift er alfo noch bei feiner Redaction zu controlliren
? Eine Hauptquelle haben wir in feinem eignen
Tagebuch von 1538 (ed. Seidemann, Dresden 1872). Der
weitaus gröfsere Theil diefes Tagebuches ift von ihm
in die Colloquia herübergenommen, wobei er am Stil
mannigfach nachbefferte. Meyer weift nun nach, dafs
die von Seidemann abgedruckte Dresdner Handfchrift
(J 423) von diefem überfchätzt ift und der Vergleichung
mit den noch vorhandenen Handfchriften Dresden A 180,

reden nach fachlichen Gefichtspunkten (alfo mit Zerftö
rung der urfprünglichen chronologifchen Ordnung und
der dadurch gegebenen urfprünglichen Zufammenhänge)
auf den Pirnaer Superintendenten Anton Lauterbach

Diefe drei enthalten nun aber übereinftimmend noch
eine zweite Sammlung — die von Seidemann als ,Kum-
merfche' Sammlung oft citirte, deren Stücke bis in die
letzten Lebensjahre Luther's reichen, vielleicht auch von

zurückgeht. Diefer arbeitet feine eignen chronologifchen j Lauterbach felbft gefammelt find, jedenfalls auch eine
Sammlungen zwifchen 1558 und 1560 in ein zweitheiliges | Quelle für Lauterbach's Colloquia bilden. Die Münchner