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Ausgabe:

1897 Nr. 15

Spalte:

405-406

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Urtext und Uebersetzungen der Bibel in übersichtlicher Darstellung 1897

Rezensent:

Schürer, Emil

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405 Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 15. 406

Th. Reinach über die Zerftörung von Jericho nach den
Nachrichten der Alten. Zur Geographie von Paläftina
hat Cyrus Adler einen Beitrag geliefert mit der Schilderung
der Cotton Grotto, einer unterirdifchen Höhle in
der Nähe des Damaskusthores vor Jerufalem, aus der
Salomo feine Steine zum Tempelbau gebrochen haben
foll (vgl. jew. quart. rev. 1896 April 384—391). — Der
Unterfuchung der Einflüffe, welche die Bibel auf die
arabifche Literatur ausgeübt hat, haben fich zugewendet
M. de Goeje, der Bibelcitaten im Qoran und in der
Tradition und Schreiner der unter Beifügung von
arabifchen Ouellenauszügen der weiteren Einwirkung der
Bibel innerhalb der arabifchen Literatur nachgefpürt hat.
Der ausfchliefslich arabifchen Literaturgefchichte gehört
S. Margoliouth's Unterfuchung über die arabifche
Überfettung von Ariftoteles Rhetorik an, während
S. Poznanski intereffante arabifche Texte edirt und
befprochen hat, welche einem Werke des Karaeers
Qirqisani aus dem loten Jh. angehören. Vgl. dazu des
Vf's. Beitrag in der Steinfchneider-Fcftfchrift S. 195—218.
— Vorzugsweife der arabifchen Literatur gehört auch
M. Steinfchneider's bibliographifch-chronologifcher
Überblick über Lapidarien, mittelalterliche Schriften,
die von Steinen, deren Namen, Eigenfchaftcn, magifchem
Gebrauch und dgl. handeln. — Zur allgemein femitifchen
Literatur zählen H. Steinthal's Unterfuchungen über
den Charakter der Semiten, zur femitifchen Paläographie
diejenigen des Meiners der Epigraphik H. Derenbourg
über den Gott Rimmon auf himjaritifchen Infchriften, zur
allgemeinenReligionsgefchichteF. Max Müller'sBlumen-
lefe aus alten Literaturen des Oftens von alten Gebeten,
zur jüdifchen Gefchichte G. Oppert's Mittheilung über
jüdifche Colonien in Indien und des Herausgebers
Abdrücke von Briefen die zwifchen Juden von Malabar
und New-York vor hundert Jahren gewechfelt wurden. —
Im Vorwort erzählt der Herausgeber von feinen
erfolgreichen Bemühungen zur Herftellung diefer gehaltreichen
Sammlung, welche ein fo würdiges Denkmal für
den ausgezeichneten amerikanifchen Gelehrten, feinen Vater
, bildet. — Das vom Bruder des Verftorbenen, Herrn
Adolf Kohut gezeichnete Charakterbild ift zwar fehr
fchön gefchrieben, beeinträchtigt aber feine Wirkung
etwas durch die Monotonie des allzu excentrifch-pane-
gyrifchen Tons. Ein wohlgelungenes Bild Alexander
Kohuts, deffen feine und gewinnende Züge dem Lefer
im Beginn des prächtig ausgeftatteten Buchs begegnen,
bildet eine fchöne Zierde deffelben. —

Jena. C. Siegfried.

Urtext und Uebersetzungen der Bibel in übersichtlicher Darstellung
. Sonderabdr. der Artikel Bibeltext und Bibel-
überfetzungen aus der 3. Aufl. der Realencyclopädie
f. proteft. Theologie und Kirche. Leipzig, Hinrichs,
1897. (IV, 240 S. gr. 8.) M. 3.-

In fehr zweckmäfsiger Weife find in der neuen
Auflage der Prot. Real-Enc. alle Artikel über ,Bibel-
überfetzungen' (alte und neue) unter diefem Stichwort
vereinigt. Sie eröffnen den dritten Band, während die
beiden Artikel über ,Bibeltext des A. T.' und ,Bibeltext
des N. T.' den Schlufs des zweiten Bandes gebildet
hatten. Es war ein glücklicher Gedanke, diefe fämmt-
lichen Artikel in einer Separat-Ausgabe zufammenzu-
faffen, um fie auch folchen zugänglich zu machen, welche
das ganze Werk nicht befitzen. Welch' reiche und
mannigfaltige Belehrung hier geboten wird, zeigt schon
der Umfang: 239 Seiten gröfsten Formates und engften
Druckes, welche bei anderem Druck einen Octavband
von mindeftens der doppelten Seitenzahl bilden würden.

Die beiden Artikel über den „Bibeltext" des A. und
N. T. find von Buhl und v. Gebhardt bearbeitet, von
welchen der Letztere feine Aufgabe in umfaffenderem

Sinne aufgefafst und gelöft hat als der erftere, der fich
auf eine Zufammenfaffung des Wefentlichen nach Dill-
mann's Vorgang befchränkt. Ueber .Bibelüberfetzungen'
handeln nicht weniger als 24 Artikel, von welchen 13
allein Nestle übernommen hat, während die übrigen n
von einzelnen Fachgelehrten beigefteuert find. Die 24
behandelten Ueberfetzungen find: 1. griechische (Neftle),
2. lateinifche (Neftle), 3. deutfehe (Neflle), 4. ägyptische
(Nestle), 5. äthiopifche (Praetorius), 6. arabifche (Neftle),
7. armenifche (Neftle), 8. englifche (Gregory), 9. finnifche
und lappifche (Belsheim), 10. georgifche (Neftle). IL he-
bräifche des N. T. (Dalman), 12. jüdifch-aramäifche, d.h.
die Targume zum A. T. (Neftle), 13. keltifche (Zimmer),
14. litauifche und lettifche (Leskien), 15. magyarifche
(Balogh), 16. neugriechische (Ph. Meyer), 17. niederlän-
difche (Neftle), 18. perfifche (Neftle), 19. romanifche
(Reufs-Berger), 20. famaritanifche (Neftle), 21. fkandina-
, vifche (Belsheim), 22. flavifche (Leskien), 23. fyrische
I (Neftle), 24. die Bibelüberfetzungen im Dienfte der Mif-
fion (Neftle). — So dankenswerth auch Neftle's Bereit-
fchaft ift, und fo ftaunenswerth der Umfang feines bi-
bliographifchen Wiffens, fo darf man doch vermuthen,
dafs einzelne Artikel noch gewonnen hätten, wenn auch
1 für fie fich hätten Fachmänner finden laffen. Sollte dies
i für einzelne nicht noch möglich gewefen fein? — Der
Artikel über die ,fyrifchen Bibelüberfetzungen' hat zum
Theil nur die Form eines Nachtrages zu Neftle's Litte-
ratura Jyriaca. Ich kann dies für die Zwecke der Real-
Enc. nicht angemeffen finden; vielmehr hätte das Wichtigere
aus diefer Bibliographie auch hier genannt werden
müffen.

Im Allgemeinen bietet aber diefe Publication eine
folche Fülle der Belehrung, dafs auch der Fachmann fie
mit Dank begrüfsen wird.

Die äufsere Ausftattung ift leider dieselbe geblieben,
wie beim erften Bande der Real-Encyclopädie.

Göttingen. E. Schürer.

! Handkommentar zum Alten Testament. In Verbindung mit
anderen Fachgelehrten hrsg. von Prof. D. W.Nowack.
II. Abth. Die poetifchen Bücher, 1. Bd. Göttingen,
Vandenhoeck & Ruprecht. 1896. (gr. 8.) M. 6 —;

geb. M. 7.60

Das Buch Hiob, überfetzt und erklärt von Prof. D. Karl Budde.
(LVI, 256 S.)

Die Nowack'fche Commentarienfammlung hat bisher
unter einem günftigen Sterne geftanden. Es find bis jetzt
; lauter Treffer und Kernfchüffe zu verzeichnen. Man lieft
i diefe Arbeiten, nicht nervös gemacht durch die Befürch-
I tung, in verborgene apologetifche Fallen zu gerathen,
' fondern in dem ruhigen Vertrauen, hier eine Zufammen-
j fassung der wiffenfehaftlichen Refultate der fremden und
eignen Arbeit für alle Seiten der Exegefe zu finden.
Die Auslegung des Hiob insbefondere konnte wohl in
1 keine berufeneren Hände gelegt werden, als die des Ver-
faffers der Beiträge zur Erklärung des Buches Hiob von
1876, der fich feit Jahren in die hier zur Sprache kommenden
Fragen und Stoffe nach allen Beziehungen eingelebt
hatte. Nur aus einer fo vollkommenen Beherrfchung
der Maffen konnte eine Behandlung des Gegenftandes
hervorgehen, die in diefer Weife gedrängt und erfchöpfend
zugleich genannt werden kann. Das Buch fleht da als
ein Wegweifer und Ausgangspunkt der Hiobexegefe für
alle Zukunft. Die Glanzfeite ift die Behandlung der
Sprache und des Textes. Von dem methodifchen und
ftcheren Fortfehreiten in Bezug auf diefe Grundlagen der
Exegefe legt jede Seite des Buches Zeugnifs ab. Auch
wenn man nicht jeder einzelnen Entfcheidung des Verf.'s
bei der kritifchen Mufterung der Emendationen zuzu-
ftimmen vermag, lernen wird man immer von ihm. auch
fich zu weiterer Selbftprüfung durch ihn veranlaßt fühlen.