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Ausgabe:

1897 Nr. 15

Spalte:

403-405

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kohut, Geo. Alex. (Ed.)

Titel/Untertitel:

Semitic studies in memory of Alexander Kohut 1897

Rezensent:

Siegfried, Carl

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4°3 Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 15. 404

fo überfieht er, dafs die Analogie, auf die er fich beruft, mafsen aus der Vogelfchau einen Blick auf diefe bunte
beffritten ift; f. zuletzt Boll in den Blättern f. d. bayr. und reiche Welt zu werfen, die fich in diefem Werke
Gymnafialfchulwefen XXX, S. 5S0. Für alle Einzelheiten ! vor uns ausbreitet, um dadurch den Lefer anzuregen,
mufs ich die Lefer auf Zeller und Gomperz verweifen. felbft fich zu diefen reichen Schätzen einen Weg zu

Ebenfo ungünftig mufs ich über den Kern des Buches, bahnen. —
das Capitel über die Stoiker, urtheilen. Der Verf. zeigt ■ Wenn wir Vorwort des Herausgebers und einleitende
fich mit der Litteratur wenig vertraut. Er kennt z. B. Charakterfchilderung des hervorragenden jüdifch-ameri-
Pearfon's Fragmentfammlung und die Werke von Hirzel, kanifchen Gelehrten, deffen Andenken dies Buch ge-
L. Stein, Bonhöffer nicht. Die verfchiedenen Perioden in widmet ift, mitrechnen, fo zählen wir 44 Autoren, die
der Gefchichte der ftoifchen Philofophie werden gar nicht j aus den Schätzen ihrer Specialftudien Beiträge gefpendet
oder nicht richtig (S. 107. 110. 112) auseinander gehalten. : haben. Die Mehrzahl find jüdifche Schriftfteller, von
Die Einheitlichkeit der ftoifchen Weltanfchauung, die den deren hervorragenden Namen wir nur einige wenige ver-
Gegenfatz von Kraft und Stoff nicht kennt, fondern 1 mifft haben; doch ift auch eine nicht geringe Anzahl
beide nur in einander denken kann, die Geift und Materie 1 von chriftlichen Gelehrten dabei. In Bezug auf das
nicht qualitativ unterfcheidet, fondern nur als verfchiedene ! fprachliche Gewand der Auffätze halten fich Deutfch
Erfcheinungsformen des Pneumas betrachtet, wird ver- und Englifch fo ziemlich die Wage. Sehr tritt dagegen
kannt. Daher das ungünftige Urteil S. 100 über die i das Franzöfifche zurück. Hebräi'fch ift 3 mal vertreten
compilatorifche Methode, die fich in der Zufammenfe- (S. J. Halberstam, A. Harkavy, L. Lewyfohn). —
tzung des ftoifchen Syftems verrathen foll. Daher die Was die behandelten Gebiete betrifft, fo hat die

Schwierigkeiten, die in den bald die geiftige, bald die J talmudifch-rabbinifche Literatur den Löwenantheil davon
materielle Seite des loync, hervorhebenden Aeufserungen getragen. Ihr gehören an die Studien von S. Krauss
(S. 107—112) und in der Lehre vom nmovv und nuoyov über ägyptifche und fyrifche Götternamen im Talmud,
(S. 113—115) gefunden werden. Daher die Anficht S. 128, die Erklärung einer Talmudftelle von M. Lazarus, die
dafs die Lehre vom Ark/og antg^an/.og uns im Stiche hebräifche Abhandlung zur Zoologie des Talmud von
laffe, wenn wir nach dem Urfprung der unorganifchen L. Lewyäohn, die franzöfifche von M. Schwab über
Dinge fragten (S. 128). griechifche und latainifche Wörter in rabbinifchen Schrif-

In den Kapiteln über ,die alexandrinifche Philofophie ten, ein kleiner Beitrag des Unterz. zur neuhebräifchen
bis Philo', ,Philo', ,Die Neuplatoniker' weicht der Verf. Syntax, die kurzen aber fehr gehaltreichen Marginalien
feiten von Heinze's Darfteilung ab. Namentlich im letzten > zu Kohut's Aruch von J. Low. Zur jüdifchen Liturgik
ift fein Anfchlufs ein fo enger, dafs die meiften Quellen- j vergleiche man A. Neubauer's intereffante dem Saadja
belege aus jenem Werke gefchöpft find. Aber Anlafs j Gaon zugefchriebene bisher unveröffentlichte Liturgien,
zu Widerfpruch giebt A. auch hier nicht feiten. Von l H. Gollancz englifche Uebcrfetzung des fogen. Targum
den gegen die Echtheit der Schrift Ariftobul's ausge- j des Amidah, einer aramäifchen Paraphrafe des Achtz'chn-
fprochenen Zweifeln weifs er S. 172 nichts, ebenfo nichts gebets. Speciell dem Gebiete der Aggada find zuzu-
von der Vertheidigung deQphilonifchen Autorfchaft der zählen die Arbeiten von J. Fürft über Spuren paläfti-
Schrift negi «wlkaqäuxa y.nottou (S. 185). S. 187 wird j nifcher Exegefen in Sagen bei den LXX, M. Gafter's
Bernays die feltfame Anficht zugefchrieben, dafs in den Publikation der Ueberfetzung des Midrasch Megilla nach
in oü-y.ca der Schwerpunkt der philonifchen Schriftfteller- , einer HS des 10. Jh's., L. A. Rofenthal's Unterfuchung
thätigkeit liege; was auf grobem Mifsverftändnis beruht über die aggadifchen Beftandtheile der Mechilta,
(f. Gefammelte Abhandl. I. S. 271). S. 190 wird die von j K. Kohlcr's Edition und Überfetzung des griechifch
Mai als philonifch herausgegebene Schrift des Gemistus gefchriebenen efsenifchenMidrasch über Hiob, C.Taylor's
Pletho als philonifch citirt. Sehr feltfam ift S. 191 die Mittheilungen über den merkwürdigen Cod. de Rossi 184
Ueberfetzung eines Philofragmentes. Sehr feltfam ift und feinen Urheber R. Meschullam ben Qalonymos.
auch, dafs A. S. 220 es für nöthig findet, die Möglich- Ueber eine HS eines hebräifchen Commcntars zum
keit eines Einfluffes perfifcher und ägyptifcher Religion Pentateuch,diefichinParmabcfindcthandeltS.Schechter.
auf Philo zu erörtern. — Zur hebräifchen Sprachforfchung gehören auch einige

Die Lektüre wird aufserordentlich erfchwert durch ; werthvolle Beiträge. So der von J. Barth über Polal-
die oft unklare und ungefchickte Ausdrucksweife des j Conjugation und Polal-Participien, von Mayer-Lambert
Verfaffers, der als Ausländer in der Vorrede um Nach- ! über die Bildung ftarker triliteraler Wurzeln, von Briggs
ficht für feinen Stil bittet, und durch die unüberfichtliche über den Gebrauch von ab und lab im A. T. — Zur
Anordnung des Stoffes, die befonders Folge des be- ; Gefchichte der hebräifchen Sprache'find zu rechnen die
ftändigen Eingehens auf Nebenfragen ift, wodurch der ; Abhandlungen von M. Friedländer über die in Jehuda
Gang der Hauptunterfuchung durchbrochen wird. ha Levis Chazaribuch vorgetragenen Anfchauungen von

Ich glaube, dafs, wer über die wichtigften Phafen der hebräifchen Sprache und M. Grünbaum's wohlbe-
der Entwickelung des Logosbegriffes orientirt fein will, gründete Kritik der Anflehten Renan's über die fpätere
an Heinze einen kundigeren und zuverläffigeren Führer Entwickelung des Hebräifchen. — Auch zur biblifchen
haben wird. Sein Werk durch eine umfaffendere und Wiffenfchaft find mehrere tüchtige Arbeiten beigefteuert.
den neueren Forfchungen entfprechende Behandlung zu ; So von H. Strack über verloren gegangene HSS. des
erfetzen, bleibt eine Aufgabe der Zukunft. A. T's, welche den Wunsch erweckt, bald eine Neube-

Charlottenburg. Paul Wendland. arbeitung der Prolegg. crit. in V T. von 1873 zu erhalten
. Nicht zu vergeffen find die eigentlich exege-
tifchen Arbeiten zu Arnos von K. Budde und B. Felfen-
Semitic Studies in memory of Dr. Alexander Kohut. Ed. thal, die intereffante Studie von T. K. Cheyne über den
by Geo. Alex. Kohut. With portrait and memoir. Einflufs der zoroaftrifchen Lehre auf die Pfalmen, die
Berlin, S. Calvary & Co., 1897. (XXXV, 615 S. gr. 8.) Erklärung der Pf. 84 und 101 von M. Jaftrow und des

., 11. Capitels des Daniel von B. Szold, endlich die

• 20, Unterfuchung des Sprachgebrauchs von Gen. 6—9 von

Eine eigentliche Befprechung des angezeigten Werkes W. H. Green und die Erklärung von Gen. 49,'üi—50,11
zu geben, ift unmöglich, denn dazu würde weder der durch J. Halevy. Aus einem angeblich Maimunifchen
hier zur Verfügung flehende Raum reichen, noch ver- arabifchen Commentar zu Efther theilt H. Hirfchfeld
möchte jemand in all den hier behandelten Fragen fo ein Stück nebft deutfeher Ueberfetzung mit. — Aus dem
bewandert zu fein, um darüber ein Urtheil abgeben zu Gebiete des biblifchen Alterthums find die Studien von
können. Wir müffen uns damit begnügen, gevviffer- H. Winkler über die Hebräer in den Amarnabriefcn, von