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Ausgabe:

1897

Spalte:

401-403

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Aall, Anathon

Titel/Untertitel:

Der Logos 1897

Rezensent:

Wendland, Paul

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingfen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N°t 15. 24. Juli 1897. 22. Jahrgang.

Aall, Der Logos. I. Gefchichte der Logoslehre I Ehrhardt, Le principe de la morale de Jesus Die reformatorifchen Kirchenvifitationen in den
in der griechifchen Philofophie (Wendland).

Semitic Studies in memory of Alexander Kohut

ed. by G. A. Kohut (Siegfried).
Urtext und Ueberfetzungen der Bibel in über-

fichtlicher Darftellung. Sonderabdr. aus der

Prot. Real-Enc. (Schürerk
Handkommentar zum A. T. II, 1: Das Buch

Hiob, überf. u. erkl. von Budde (Siegfried).
Stapf er, Jesus Christ, sa personne, son autorite,

son oeuvre, T. I—II (Lobftein).

(Lobftein). welfifchen Landen 1542—1544 hrsg. von

Raufchen, Jahrbücher der chriftlichen Kirche „ Kr,yfer (Cohrs)

unter dem Kaifer Theodofius dem Grofsen
(Krüger;

Bose, The ecumenical Councils (Krüger).

Baldensperger, Carl Auguft Credner (Schürer
).

Warneck, Evangelifche Miffionslehre III, 1
'Wurm).

Ludlow, The age of the Crusades (Derf.). J°,,n G' 3at°n'nS,I!monaru?ul' ,d« n?uen Hebri-

den, eine Selbftbiographie (Wurm).

Locke, The age of the great western schism
(Derf.).

Burkhardt, Die Miffion der Brüdergemeine
in Miffionsftunden, 1. Heft (Wurm).

Aall, Anathon Der Logos. Gefchichte feiner Entwickelung | (8.250) nicht überbrückt werden kann. Manche interef-
in der griechifchen Philofophie u. der chriftlichen Lit- I [ante Verbindungslinien liefsen fich von der ftcifchen
teratur I Gefchichte der Logosidee in der griechi- ! Mythendeutung Tz B Cornut Kap. lötvyfavu de Egu^
icraiur. 1. (jeicnicmc h ? t, fl Aoyoc, ov aneGieilav ngng 1,uag eS nvoctvov 01 teot

fchen Philofophie. Mit Unterltützg. der S . ung Hans , Aal/g ^ u ^ undVon'der Dämonenlehre der^
Andreas Benneches zur Förderg. der Wihenlchatten fpäteren Stoa, welche diefe Mittelwefen als löyoi und
veröffentlicht. Leipzig, O. R. Reisland, 1896. (XIX, xpiyul bezeichnet, zur chriftlichen Lehrentwickelung ziehen.
251 S gr. 8) M. 5 — Wie hierauf, fo hat auch A. darauf verzichtet, feine Un-

_ . . . terfuchung auf die Nachfolger Plotin's auszudehnen.
Nachdem M. Heinze 1872 denfeloen Gegenftand be- Um nun auf die wichtigften Punkte, in denen A's

handelt hat, fcheint mir heutzutage eine erneute Behand- Auffaffung von Heinze abweicht und in denen man gerade
lung keineswegs an und für fich überflüffig. Die neuere ! auf Grund der neueren Arbeiten eine gründlichere Be-
Forfchung namentlich des letzten Jahrzehntes, hat unfere ! handlung erwarten durfte, einzugehen, fo bezeichnet nach
Kenntnifs des innern Zufammenhanges der herakhtifchen I meiner Ueberzeugung der Abfchnitt über Heraklit einen
und der ftoifchen Philofophie und damit auch das Ver- , bedeutenden Rückschritt fchon gegen Heinze und noch
Randnirs der Logoslehre und ihrer Gefchichte fehr wefent- 1 mehr gegen die neueften Darftellungen feines Svftems
hch vertieft, um von den Fortfchntten auf anderen für 1 von Zeller und Gomperz. ,Die grofse Originalität Hera-
unfere Sache nicht fo wichtigen Gebieten zu fchweigen. ( klits', fo heifst es in den Griechifchen Denkern belteht
Das Verhältnifs des Verfaffers zu feinem Vorganger und , nicht in feiner Urftoff-, ja kaum in feiner Naturlehre
die Art, wie er die neuerdings gewonnenen Ergebmffe ; überhaupt, fondern darin, dafs er zum erftenmal zwifchen
derForfchung zu verwerthen weifs, mufs über dieExiftenz- , dem Natur- und dem Geiftesleben Fäden fpann, die
berechtigung feines Werkes entfeheiden. j feitdem nicht wieder abgeriffen find, und dafs er a'llum-

Die Natur der Sache bringt es mit fich, dafs die ! faffende Verallgemeinerungen gewonnen hat, welche
äufsere Anlage des Buches mit Heinze wefentlich über- i die beiden Bereiche menfehlicher Erkenntnifs wie mit
einftimmt. Die wichtigften Abfchnitte beider Werke ! einem ungeheueren Bogen überwölbten'. Ein gröfserer
befchäftigen fich mit Heraklit, der Stoa, Philo, den Neu- ! Gegenfatz als zwifchen diefer tiefen Erfaffung des inner-
platonikern. Dafs Anaxagoras, Plato, Aristoteles bei Aall [ ften Zufammenhanges der herakhtifchen Weltanfchauung
fehr viel ausführlicher behandelt werden (8. 57—97), 1 und der Zufammenhangslofigkeit und Zerriffenheit des
fcheint dadurch gerechtfertigt, dafs fie namentlich durch Denkens, die A. dem Ephefier zutraut, kann gar nicht
ihre teleologifche Weltanfchauung einen indirekten Ein- gedacht werden. Er wendet fich gegen das .Axiom, die
flufs auf die ftoifche Logoslehre ausgeübt haben. Freilich beiden Begriffe, Feuer und Logos, feien bei Heraklit
befriediert gerade diefer Theil fehr wenig. Sehr zu feinem j identifch'. Richtiger wäre die Anficht fo zu formuliren
Schaden hat der Verf. Siebeck's Abhandlung über ,die i gewefen, dafs das Feuer in feiner Beweglichkeit ihm
Umbildung der peripatetifchen Naturphilofophie in die I Träger des Inyng ift. A. behauptet, dafs das tivq ebenfo
der Stoiker' (Unterfuchungen zur Philofophie der Griechen I wenig psychifche und ethifche wie der lüyog phyfffche
VI) hier nicht benutzt. In vielen Einzelunterfuchungen I Bedeutung habe, dafs ihre Verbindung erfl durch die
und zum grofsen Theil in der Stofffammlung ift A., wie i Stoa hergeftellt fei. Er beweift diefe Thefe zum Theil
er felbft erklärt, von Heinze abhängig. Von dem zweiten ; durch gewaltfame Umdeutung einzelner Fragmente, zum
Bearbeiter des Themas hätte man aber wünfehen, ja i Theil durch die falfche Vorausfetzung, dafs der Gegenfordern
können, dafs er eine fehr empfindliche Lücke fatz von Natur und Geift, natürlichen und fittlichen Ge-
der Heinze'fchen Darfteilung ausgefüllt hätte. Die Unter- ; fetzen, die Befchränkung der Ausfagen auf eines diefer
fuchung mufs ihren natürlichen Abfchlufs in der Gefchichte 1 Gebiete überall da anzunehmen fei, wo die Einheit nicht

der chriftlichen Logoslehre finden. Diefe durfte auch ausdrücklich ausgefpiochen ift, während gerade umge-
darum nicht ausgefchloffen werden, weil fie Rückfchlüffe kehrt diefe Einheit als das Selbftverftändliche bei den
auf die gleichzeitige philofophifche Logoslehre geftattet Phyfiologen vorauszufetzen ift (f. Gomperz, Zu Heraklits
— fo erweift fie die Verbindung von Logos- und plato- ; Lehre S. 28). Wenn er fich dafür, dafs Heraklit ,die

nifcher Ideenlehre als nicht fpeeififeh philonifch — und
fo die Kluft ausfüllen hilft, die jetzt zwifchen Philo und
dem Neuplatonismus klafft und durch die längft wieder-

zwei Capitel feiner Philofophie in Verhältnifs zu einander
zu bringen' nicht verfucht habe, darauf beruft (S. 54),
dafs er einmal die Seele mit dem Tode verlöfchen laffe

legte Annahme eines Einfluffes des Philo auf Plotin und dann wieder individuelle Unfterblichkeit behaupte,
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