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Ausgabe:

1897

Spalte:

378-379

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schwab, Moise

Titel/Untertitel:

Vocabulaire de l‘angélologie d‘après les manuscrits hébreux de la Bibliothèque nationale 1897

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint _ Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N°- 14. 10. Juli 1897. 22. Jahrgang.

Pfeiffer, Die religiös-fittliche Weltanfchauung
des Buches der Sprüche (Siegfried).

Schwab, Vocabulaire de l'angelologie d'apres
les manuscrits hebreux de la Bibliotheque Nationale
(Schürer).

Bacher, Die Bibelexegefe Mofes Maimüni's
(Siegfried).

Wuttig, Das johanneifche Evangelium und feine

Abfaffungszeit (Holtzmann).
Bousset, Die Offenbarung Johannis [Meyer's

Kommentar, 16. Abth. 5. Aufl.] (Holtzmann).
Ante-Nicene Christian Library, Additional vo-

lume, containing early Christian works dis-

covered since the completion of the series ed.

by Menzies (Krüger).

Arnold, The preaching of Islam (Socin).
Baedae Venerabilis historiam ecclesiasticam

gentis Anglorum etc. recognovit Plummer,

2 vols. (Krüger).
Beyfchlag, Aus meinem Leben (Eck).
Schneller, In alle Weltl Auf den Spuren

des Apoftels Paulus von Antiochia bis Rom

(Schürer).

Pfeiffer, Pfr. Dr. Rieh., Die religiös-sittliche Weltanschauung ! fcheiden will (S. 182—188), dürfte fchwerlich haltbar
des Buches der Sprüche in ihrem inneren Zufammen- I feto- Schön find ja diefe Rathfchläge nicht, aber der

hange dargeftellt. München, C. H. Beck, 1897. (VIII,
264 S. gr. 8.) M. 5.—

Der Vf. giebt fich der Hoffnung hin, aus dem Spruchbuch
in hervorragender Weife eine klare und lebendige
Anfchauung von der Religion Ifraels zu gewinnen (S. 2).
Wir können diefe Hoffnung nur in einer fehr befchränkten
Weife und nur für eine beftimmte fpäte Periode der
religiöfen Entwickelung Ifraels theilen. Weder von der
alten Volksreligion noch von der Blüthezeit des
prophetifchen religiöfen Schaffens und von feiner
Sturm- und Drangperiode erzählen uns die Sprüche
nach ihrem gröfsten Theile irgend etwas. Die Religion
ifl hier bereits von des Gedankens Bläffe angekränkelt,

Literarkritiker befindet fich jenfeits von gut und böfe.
Diefe handfefte Gefchäftsklugheit gehört fo ficher wie
irgend etwas zu den Ausftattungsftücken der ifraelitifch-
jüdifchen Chokma. — Wir haben vorzugsweife das betont
, worin wir von dem Vf. abweichen. Darum fei
fchliefslich noch hervorgehoben, dafs wir auch Manches
mit Zuftimmung und Genufs gelefen haben.

Jena. C. Siegfried.

Schwab, Moise, Vocabulaire de l'angelologie d'apres les

manuscrits hebreux de la Bibliotheque Nationale. Extrait

des Memoires presentes par divers savants ä l'Aca-

"demie des inscriptions et belles-lettres. Ire Serie, tome

an die Stelle der lebendigen Jahveworte find dürre dog- , x 2B ie Pari Klincksieck lg ( g }

matifchc Schemen getreten, wie jene bekannten allge- r < o y «w

meinen göttlichen Eigenfchaften, die ja an und für fich Fr. 12.-

ganz vortrefflich find, deren Auseinanderwickelung in
der Theorie man aber nicht ohne Gähnen anhören kann.
Der Vf. hat ein recht fauberes Syflemchen daraus zu-
fammengefponnen, deffen erften Theil der Gottesbegriff,
deffen zweiten die Weisheitslehre und deffen dritten
Theil die Ethik des Spruchbuchs bildet. Da erfahren

M. Schwab, dem wir das grofse Werk einer voll-
ftändigen franzöfifchen Ueberfetzung des jerufalemifchen
Talmud verdanken (11 Bde. 1871 —1889), giebt uns hier
abermals einen Beweis feiner hervorragenden Arbeitskraft
. Von verfchiedenen Seiten war der Wunfeh ge-
äufsert worden, ein Nachfchlagewerk zu befitzen, welches

wir unter Anderem, dafs wir das Wefen Jahves völlig aus in alphabetifcher Ordnung erfchöpfenden Auffchlufs gäbe
feinem Namen erkennen können, denn diefer beruhe auf über die zahllofen jüdifchen Engel- und Dämonen-Namen.
Jahve's Sclbftbenennung, worauf denn ohne Zaudern aus Die Löfung diefer Aufgabe wird in dem vorliegenden
Ex. 3, 14 herausgewickelt wird, dafs der Sinn des Jahve- l Werke verficht; und man wird fagen dürfen, dafs fie
namens ,die abfolute Selbftmächtigkeit oder die abfolute ; nicht leicht von berufenerer Seite hätte unternommen
Perfönlichkeit' fei. Damit find wir denn nun im Gleife; j werden können. Der Verf hat fich nicht auf Benutzung
nun kann uns der Schöpfer, Erhalter und Regierer der j der gedruckten Literatur befchränkt. fondern feinen

Welt, die höchfte Weisheit, Heiligkeit, Wahrhaftigkeit,
Gerechtigkeit, Barmherzigkeit nicht mehr entgehen und
mit geringer Mühe wird diefe Katechismusweisheit vom

Stoff vielfach aus dem Handfchriftenfchatz der Parifer
Bibliothek gefchöpft. Das meifte Material bot naturlich
die kabbaliftifche Literatur. Unter ihr nimmt, was die

Vf. in die dogmatifche Scheuer gefchafft, ohne dafs er j Fülle des gelieferten Stoffes anlangt, das Sefer Raziel
ahnt, wie unficher die Grundlage diefes ganzen Aufbaues ! die erfte Stelle ein [Sifro de Adam Qadvieo, o Sefer
ift, da er auf einer völlig unhaltbaren Deutung des Jahve- : Raziel, Amfterdam 1701; nach Zunz, Gottesdienftl. Vornamens
beruht. — Befriedigenderwirken die Ausführungen ! träge S. 168 ift der Verfaffer R. Eleafar von Worms,
des 2ten und 3ten Theils, wo die Stoffe des Spruch- 13- Jahrh. n. Chr.). Ihm gegenüber treten felbft die claf-
buchs im Allgemeinen gut benutzt und geordnet find. — , fifchen Werke der Kabbala, Jezira und Sohar, zurück.

Dafs der Vf. das Spruchbuch in die Zeiten des 1 Em Verzeichnifs der fonft noch benutzten kabbaliftiiehen
Jeremia verlegen will, verräth wenig hiftorifches Urtheil. Werke giebt der Verf. S. 33 f. (vgl. dazu Zunz S. 157—170;
Für die Chakamim war diefe Periode nicht günftig, vgl. ' Bloch in: Winter und Wünfche, Die jüdifche Litteratur
Jer. 8, 8 f. 9, 22 4, 22 18, 18. Was der Vf. gegen die ' feit Abfchlufs des Kanons Bd. III, 1896, S. 217-286).
nachexilifche Zeit's. 6 f. anführt, trifft die Sache nicht. Aber auch die eigentlich rabbinifche Literatur, Talmud
In der griechifchen Periode waren jene Zuftände, über und Midrafchim, enthalten nicht wenig Material zur
die die Chokma klagt, Sp. 6,24 fr. 5, 1 ff. u. a. reichlich Angelologie und Dämonologie. Aufserdem hat Schwab
vorhanden und Könige' (S. 7) gab es in Ifrael nicht blofs auch das Buch Henoch und verwandte Schriften, endlich

vor dem Exil. _ Das Kriterium, nach welchem der Vf. 1 die magifchen Infchriften auf Münzen, Gemmen, Thonge-

die zerftreuten Sprüche über Bürgfchaften wie 17, 18, 1 räthen und dgl. herangezogen. Die Maffe der fo ge-
22, 26 f. 20 16, 6, 1—5 u. a. aus unfrer Sammlung aus- | wonnenen Engel- und Dämonen-Namen wird felbft den

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