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Ausgabe:

1897

Spalte:

350-354

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Blass, Friederich

Titel/Untertitel:

Acta apostolorum sive Lucae ad Theophilum liber alter 1897

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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35o

(The Composition of the Book, S. I — 51) eine Analyse nach des Verfaffers Methode auch diefe Kapitel und
von Ezra-Nehemia giebt. lieber Ezra 1—6 (ich kürzer noch viele andere auf älteren Quellen beruhende der
faffend und dafür auf eine fpätere Arbeit verweifend, I Chronik als vom Chroniften frei erfunden und gänzlich
behandelt er die übrigen Stücke ausführlicher und kommt ungefchichtlich hinzuflellen. Aber auch das vorgebrachte
dabei zu dem Er^ebniffe, dafs der Chronift für Ezra- I Beweismaterial ift nicht einwandsfrei. Viele von den
Nehemia nur zwei Urkunden benutzt hat: 1) Nehemias t angeführten Worten find wohl Lieblingsausdrücke des
eigenen Bericht über den Bau der Mauer von Jerufalem Chroniften, aber keineswegs ihm allein eigenthümlich,
(unter Artaxerxes II Mnemon, 372 v. Chr.?), vorliegend auch wo dies vom Verfaffer behauptet wird. So kommt
in Neh. 1,-2.: 2qb—20; 333-619 (ausgenommen 334a« ümm Ezra 8,, nach T. ,a favoritc word with the Chr.,
und 5 ,b) und 2) ein aramäifches Schriftftück, das 1 but employcd by 110 other 0. 7. wrtter* (S. 16), auch in
gegen''Ende des 4. Jahrhunderts, alfo zu Beginn der der Urkunde Ezra 262 = Neh. 70J und in Neh. 7, (== N)
griechifchen Periode verfafst ift und aus dem Ezra 49ft0 1 vor, kann alfo nur für den Beweiskraft haben, der mit
(von rmpa an) 8a,b.'u 23; S.-rja; 6,, 14v entnommen Tauch diefe beiden Stellen als vom Chroniften her-
find Alles Uebriae ift das Werk des Chroniften (nach rührend anfleht; und fo oft. Zu alle dem leidet des
300'v Chr) und^zwar in der Ordnung Ezra i, —48a«. , Verfaffers Annahme an ftarken inneren Unwahrfcheinlich-
9b.I0 (bis Wl). 2J; 69f.; 6,4by-836i Neh. 7to-8,s; Ezra keittn"berAdie unsunlij kf'?emWorte hinweggeholfen
9l-io44; Neh. 9,-10,0; 27-9a; 3, :i2-:ua«' 5,3b«;7i 1«; )lrdV WleQ lft esrz- denkbar dafs der Chronift, wenn
11 —13 Dafs die fo gewonnene Textgeftalt die ur- Ezra 6,4—836 zufammenhangend aus feiner Feder flofs,
fprüncrffche gewefen fei, glaubt der Verfaffer nicht (S. 50f.), , hch felbft in 7-—follte in diefer Weife den Inhalt von
fondern meint vielmehr, dafs unfer kanonifches Ezra- c. 8 vorweggenommen haben? Auch die vom Verfaffer
Nehemia-Buch eine verftümmelte Verfion fei, bei der die i gegebene Erklärung des plötzlichen Uebergangs aus der
aramäifch gefchriebene Gefchichte von den drei Pagen dritten in die erfte Perfon wird, fürchte ich, nur wenige
famt einem Theile der urfprünglichen Erzählung heraus- j befriedigen können. Der Haupterweis fcheint mir alfo
gefchnitten worden fei. Im zweiten Theile ( The historical nicht gelungen; nur foviel halte ich durch T. für erwiefen,
content of Ezrci-Nehemiah, S. 51—65) prüft er fodann dafs der Chronift in die Ezra-Memoire ftärker eingegriffen
die einzelnen Stücke auf'ihren gefchichtlichen Gehalt j hat, als man bisher im Allgemeinen annahm,
und erhält dabei das ftark negative Refultat, dafs, abge- 1 Dagegen ift das Nehemia-Eragment von Chr. fo gut wie

a:

fehen von dem gröfseren Theile von Neh. 1—6, das ganze j gänzlich unberührt geblieben, — gegen T., der hier 27_
Buch etwelchen gefchichtlichen Werth nicht befitzt. ! 3:j4a«; Si;ib; 7i 5 als Zufätze des Chroniften meint aus
Seihassar ift nach ihm eine reine Fiktion (S. 52. 56), auf j fcheiden zu müffen. Allerdings fchliefst in c. 2 das nbtJi'l
derfelben Stufe wie die Perfonen mit den ausländifch von v. 9b, wie er treffend bemerkt (S. 37), nicht an 9a an,
klingenden Namen in Efther und Daniel flehend. Die j — aber auch nicht an v. 6, wie er will. Ueberhaupt ift der
Urkunden Ezra $0— 612 dienen nur der Verherrlichung überlieferte Text in v. 6—9 augenfeheinlich in Unordnung
des Judenthums (S. 57); Ezra 48—23 wenn auch in fich j und ftatt einer Streichung ift, glaube ich, eine Umftellung
nicht gerade unwahrfcheinlich, wird verdächtig durch i viel eher am Platze; die urfprüngliche Reihenfolge dürfte
die Quelle, aus der es gefchöpft ift (S. 57). Auch die 1 m. E.: 6a. öbß.ba. 7. 8. 9b. 9a gewefen fein. 513b ferner
Gefchichte Ezras, ,das ,Meifterftück des Chroniften', has gehört unbedingt nothwendig zu v. 13 a, denn erft da-
no basis of fact (S. 57f.). Die angebliche Rückkehr unter durch, dafs die Gemeinde durch ein feierliches Amen
ihm ift nur eine Wiederholung der angeblichen Rückkehr , fich die von Nehemia vorgefprochene Ala aneignet, wird
unter Zerubabel und hat den Mauerbau, wie diefe den I der Benthfchlufs, der doch hier vorliegt, perfect, vergl.
Tempelbau, zum Zweck. Die Artaxerxes-Urkunde Ezra j Dt. 2714ff.; der Ausdruck brip will nichts dagegen befagen.
7i2— 26 ift> wie das Kyros-Edikt c. 1, eine durchfichtige In Neh. 74 ift die Phrafe D^Da D^rü 'pK'l mifsverftanden
Nächbildung der Briefe in Ezra 4—6 (S. 58). Noch dem I und daraus fälfehlich ein Widerfpruch zu Hagg. i4 heraus-
Schreiber von Sir. 49,, ff. ift die Einführung des Gefetzes gelefen; öTl fleht aber hier, wie Haupt in Johns Hop-
durch Ezra unbekannt gewefen (S. 61 f.). Sämtliche ! «ins Univ. Circulars Nr. 114, July 1894 gezeigt hat, im
Liften find völlig werthlofe Kompilationen (S. 63), un- ! Sinne von .Familien' und nicht von ,Häufer'. Die Aus-
hiftorifch ift auch Neh. I227—I33l (S. 64). Das Werk j fcheidungen find alfo unberechtigt; der Chronift hat vor
des Chroniften mag für feine Zeit fehr nützlich gewefen 1 der ftark ausgeprägten Eigenart Nehemias Halt gemacht
fein, .but h/s work, whatever eise may be said of it, cer- und das aufgenommene Stück feiner Memoire faft ganz
tainly throws no light on the history of the Jews in the ^ unangetaftet gelaffen. Auch mit der Unechtheitserklärung

Persian period' (S. 65).-- der Dokumente und Liften ift T. zu rafch bei der Hand.

Der Verfaffer hat fich die Sache etwas leicht gemacht. , Es genügt ihm der Umftand, dafs der Chronift ein Freund
Statt dafs er, wie man in Anbetracht des überwältigenden von Liften und Verzeichniffen ift und auch gelegentlich
consensns omniunt betreffs der Echtheit der Ezra-Memoire [ einmal folche frei erfindet, um diefelben fummarifch als
erwarten durfte, Gefchütze fchwerften Kalibers gegen j gefälfeht und unhiftorifch zu verwerfen, ohne auf die
diefelbe angefahren hätte, befchränkt er fich ausfchliefs- j inneren Kriterien näher einzugehen. — Trotz all' diefen
lieh auf den fprachlichen Beweis. Er argumentirt: weil . Ausftellungen, die ich zu machen gezwungen war, hat
das in Rede flehende Schriftftück im Wortfchatze und aber, wie gern zugeftanden werden foll, die vorliegende
vereinzelt auch im Stile Berührungen mit dem Chroniften j Schrift auch ihren Werth und regt zur Nachprüfung an.
aufweift, darum ift es ein Machwerk des Chroniften und i Man darf auf die in Ausficht geftellten weiteren Unter

fuchungen des Verfaffers über Ezra-Nehemia, zumal nach
dem Erfcheinen der Arbeiten von Eduard Meyer und
Guthe, mit Recht gefpannt fein.

Marburg. R. Kraetzfchmar.

völlig unhiftorifch. Dafs hier mehr gefolgert wird, als
die Prämiffen erlauben, liegt auf der Hand, aber immerhin
hätte der Verfaffer eine Berechtigung zu feiner
Schlufsfolgerung gehabt, wenn die von ihm gemachte
Beobachtung richtig wäre, dafs der Chronift ,/ncorporates
his docutnentary soiirces entire, so far as practicablc, not
rewriting them or working them over, but enriching them Acta apostolorum sive Lucae ad Theophilum über alter.
occasionally with an cidded clause or inserted paragraplh Secundum formam quae videtur romanam edidit
(S. 51 f.). Allein diefe Behauptung läfst fich angefichts Frieder. Blass. Leipzig, Teubner, 1896. (XXXII,
des vom Chroniften in der Chronik eingefchlagenen , „ r t» M

Verfahrens fchwerlich in diefer Allgemeinheit aufrecht 9° ä- gr. o.J M. 2 —

erhalten, man vergl. z. B. nur 1 Chr. 21 mit 2 Sam. 24 Eine aus dem gröfseren Werke des Vetf.'s(vgl. Theol.

oder 2 Chr. 28 h mit 2 Kg. 11 f. Es wäre ein Leichtes, ! Litztg. 1896, Nr. 3, S. 80f.) entnommene Ausgabe des