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Ausgabe:

1897 Nr. 13

Spalte:

348-350

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Torrey, Charles C.

Titel/Untertitel:

The composition and historical value of Ezra-Nehemiah 1897

Rezensent:

Kraetzschmar, Richard

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 13.

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desfelben? — 2) Hat er uns eine ftrikte Ueberfetzung Tattb, wenn es fehlen follte, dazu ergänzen wollen? —
gegeben oder eine targumartige Paraphrafe? — 3) Wie Es liegt nicht der minderte Grund vor, das "iasb als
verhält rtch plus und minus der LXX zu MT? — Letztere nicht urfprünglich anzufehen. Grade in diefen Kleinig-
Frage ift ja im introductory chapter behandelt, aber keiten find die LXX Ueberfetzer durchaus unzuverläflig.
durchaus nicht in wünfchensvverther d. i. abfchliefsender I 15 flSlSS rvbb/Ott nirlBtJ'tt"bSb nüaag rag ßaoildag tPjs
Weife. Vgl. unten. Dem Lefer wäre ein Dienft geleiftet: yijg und ßnobü the Heb. seems to liave been suggestcd by
er wüfste, wie viel oder beffer wie wenig er auch von XXV p. Die LXX befagt für den hebräifchen Text
diefem Theil der griechifchen Ueberfetzung zu halten 1 garnichts. Man vergleiche doch nur, wie frei gleich der
habe. Und der Verf. könnte rtch belohnt fühlen, durch folgende Vers wiedergegeben irt. Vgl. noch II 34.
das begründete Bewufstfein to assist the lab Ours of Im Kapitel der otlier divergences tritt der Verf. mit
other workers in the same field. Recht der irrthümlichen Anfchauung feines Landsmannes

Ich weifs wohl, gleich der erfte Satz der Vorrede Workman gegenüber und behauptet S. 17: the divergences
fagt, my objcct in the follotving pages has been to make are to be attributed not to one bnt to many causes. Solcher
some contribution towards an examination of the Gründe find u. a. folgende: Unkenntnifs bezüglich der
text. Der Verf. wollte alfo nur Material zusammen- Bedeutung mancher Wörter, inaccuracies caused by igno-
karren, die Sichtung und Verarbeitung desfelben ftellte rance of the meaning of the Hebrew ivord IX p rTlSS
er andern anheim. Aber warum? — Diefe Kärrnerarbeit tag tqißovg. Oder Verwechslung verwandter Wurzeln
war ja feit Spohn wiederholt beforgt; weshalb wollte one root mistaken for another of kindrcd form IV 16
der Verf. nun nicht König fein und bauen? — Hier wäre ffHSb avaxqotpallpTtl). Aenderungen nationalen Charakters,
wirklich Mangel an Befcheidenheit zu wünfchen gewefen. inaccuracies arising from national or local feeling III 18
Der Verf. hätte aufserdem durch eingehende Sichtung hinter "pss LXX adds /ul anb naowv tibv yioQüiv. Verfeines
Variantenfchatzes den allgemeinen Charakter der meidung derber Sprache inaccuracies arising from the
griechifchen Ueberfetzung richtiger erkannt. Er ift im j desire to avoid harsli langnage VIII2 ydfh slg uagüdsLyna.
Irrthum, wenn er fie als im Wefentlichen wörtlich be- Derartige richtige Beobachtungen hätten den Verf. von
zeichnet, fo S. 4: Their general accuraey is in fact such feinem oben gerügten Grundirrthum befreien und weiter
that we become more and more convinced that in the case ihn veranlaffen müffen, die zu Anfang diefer Befprechung
of that class of variations of which we are now treating, i aufgeworfenen Fragen in extenso zu behandeln.
they must in the great majority of cases have been justi- j Dafs Verf. über die Ausdauer verfügt, um LXX Studien
fied by the Hebrew text which they had bepore tliem. erfolgreich zu treiben, hat er durch das vorliegende Buch,
Desgl. S. 6 such an amount of literal accuraey. Speciell befonders auch durch deffen Appendix (altlateinifche
von der Jeremias-Ueberfetzung heifst es S. 25: The Verfion und Lucian) hinlänglich gezeigt. Möchte er nun

auch noch ebenfo fein Ingenium erweifen dadurch, dafs
er das Rohmaterial feines Buches fachgemäfs verarbeitet.

Breslau. Max Lohr.

character of the translatoVs work was on the wliole
good, ranging from fair accuraey to litcralness even to a
fault etc.

Der Charakter der Ueberfetzung unfres Prophetenbuches
mufs im Gegentheil als frei gelten. Der Verf.
hat denn auch hier und da in den critical notes nicht Torrey, Dr. Charles C, The composition and historical value
umhin gekonnt a free rendering zuzugeftehen, fo VII 32 0f Ezra-Nehettliah. (Beihefte zur Zeitfchrift für die alt-
(5.102) nypi twv avrjQrjusvwv. XX IO (S. 162) i*bS trjv teftamentliche Wiffenfchaft. II.) Glessen, J. Ricker,
emvoiav aveov. IV 30 (o. 71) ^ETffl n woaiaung aov. Vgl.
noch IV 5. XXV 38 u. ö. Er mufs ferner anerkennen

the tendency to Substitute the concrete for the abstract, fo
XXIV 5 (S. 178) rVFIrY1' rvba-nx tovg aitoi/iö&evcag

1896. (IV, 65 S. gr. 8.) M. 2.40

Gewiffe Probleme liegen zu Zeiten in der Luft. So
ift es feit einigen Jahren das der Bücher Ezra-Nehemia,

'Iovdalovg. Vgl. noch XIII 18. XIX 34 u. ö. Meiftens das die altteftamentlichen Forfcher aufs lebhaftefte be-
jedoch läfst er diefe Freiheiten der Ueberfetzung in den ! fchäftigt und eine wahre Hochflut von Unterfuchungen
criticalnotes einfach unbeachtet, fo IV5 Witttin axovo&rrtio. ! entfeffelt hat. Faft möchte man bangend fragen: Tzj—!5>.
XXIII14 inyi12 dun trjg böov avcnvT^qnnvrjoüg. XLIV 27 | Und doch hat es trotz aller Verfchiedenheit der Refultate
nEfitob 831 riiHb (~piE>) {syQVYOQa) tov xaxäoat aveovg xai j noch eine Reihe von Punkten gegeben, über die bisher
01?/. äyafriöoäi (51, 27). Vgl. noch IV 4. XIV 21. XVIII 5. vollkommene Einigkeit geherrfcht hat; fo unter anderem
XXIV 5. XXXI 12. XXXIII 10. XXXXIX 21 u. v. ö. I darüber, dafs der Chronift bei der Abfaffung von Ezra-
Diefer eben behandelte Irrthum des Verf. ift nicht j Nehemia — aufser einer aramäifchen Urkundenfammlung,
ohne verhängnifsvolle Folgen geblieben. Z. B. VI 29 über deren gefchichtlichen Werth allerdings verfchieden
(S. 94) spP3 Sb E^P"} novi]oia avtiijv oi?/. hü./.)]. Verf. geurtheilt wird — die eigenhändigen Denkschriften von
nimmt, wörtlich retrovertierend, als Vorlage des griechi- ! Ezra und Nehemia benutzt hat. In der Einleitung zu
fchen Ueberfetzers an: pü3 Stb Ö2H. Ganz abgefehen ! feinem neueften Werke noch konnte Eduard Meyer
davon, dafs es wohl DPSn (vgl. Ii'19) heifsen müfste, j fchreiben: ,So bleiben von allen Dokumenten, welche
Verf. verkennt einfach, dafs LXX hier frei überfetzt hat. der Chronift bewahrt hat, nur die Bruchftücke der
Richtig hat der Verf. die Auslaffungen der LXX, , Memoiren des Ezra und des Nehemia unangetaftet', und

omissions wie er fie nennt (S. 3), als wichtigfte unter den
Varianten erkannt, it has seemed important to treat sepa-
rately the omissions as being on a different footing from

er glaubte hinzufügen zu können: ,und es ift wohl kaum
zu erwarten, dafs jemals ein wiffenfehaftlicher Forfcher
es wagen wird, die Authenticität auch diefer Schriftftücke

those other classes of vartants. In der That liegt in zu beftreiten'(Die Entftehung des Judenthums, 1896, S. 3).
einem Theil — aber bei weitem nicht in allen — diefer j Aber kaum ausgefprochen, ift Meyer's Erwartung auch
Auslaffungen der Werth der griechifchen Ueberfetzung fchon zu Schanden geworden, denn ein Forfcher, der
unfres Prophetenbuches. Streane's Darfteilung erweckt j gewifs auf Wiffenfchaftlichkeit Anfpruch erhebt, hat es
falfche Vorftellungen von der Lage der Dinge, wenn er ; unternommen, die Unechtheit der Ezra-Memoire nach-
die textkritifch werthlofen Auslaffungen der LXX ganz zuweifen und auch fie aus der Zahl der hiftorifch verkurz
S. 13 in einer Anmerkung abmacht. Auch in I werthbaren Urkunden zu ftreichen.

diefem Kapitel baut der Verf. wieder zuviel auf die ; Damit ift der Hauptinhalt der vorliegenden Unter-
Wörtlichkeit der griechifchen Ueberfetzung, fo I 4: 1<58 fuchung von Torrey, dem Instructor in the Semitic
"ftattb uqoq aveov, LXX's reading is the better of the two, j Languagcs at Andover Theologienl Scminary, bereits
that " of MT being adopted for smoothncss. Würde der 1 fkizziert, denn diefer Erweis fleht im Mittelpunkte der
Verf. nicht, ohne Kenntnifs der LXX, das gut hebräifche : ganzen Schrift. Sie zerfällt in zwei Theilc, deren erfter