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Ausgabe:

1897 Nr. 11

Spalte:

316-317

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Koetsveld, C. E. van

Titel/Untertitel:

Kinderpredigten 1897

Rezensent:

Bassermann, Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. II.

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und Anregung bieten. Doch wird fie durchweg nur ein
Wegweifer zu den Quellen fein, die fie bei ihrem mehr
referirenden Charakter nicht erfetzen kann.

Efchershaufen (Braunfehw.) Ferdinand Cohrs.

Hiilfsmittel zum evangelischen Religionsunterricht für evangel.
Religionslehrer u. Pfarrer, Studierende, Seminariften u.
reifere Schüler höherer Lehranftalten. Herausgegeben
v. M. Evers u. Dr. F. Fauth. 2., 3. u. 8. Heft.
Berlin, Reuther & Reichard, 1896.

2. 3. L Abteiig. 2. u. 3. Stück. Die Gleichniffe Jefu. Von
M. Evers. 2. verb. u. bereicherte Aull. (11,96 S. gr. 8.) M. 1.20.
— 8. IV. Abteiig. 20. Stück. Die Sittenlehre Jefu, 2. Von W.
Koppelmann. (II, 45 S. gr. 8.) M. —.60

In Nr. 17 des vorigen Jahrganges diefer Zeitung
wurden mehrere der ,Hülfsmittel zum evangelifchen
Religionsunterricht' befprochen, nämlich von Evers die
allgemeine Charakteriftik des Prophetentums, von Fauth
die Schriftpropheten und von Koppelmann die Sittenlehre
Jefu, erfte Hälfte. Dies Mal liegen wieder Arbeiten
von Evers und Koppelmann vor.

1. Die Gleichniffe Jefu von Evers haben bereits die
zweite Auflage erlebt. Aus den beiden früher getrennten
Theilen ifl jetzt ein Ganzes geworden, das ungemein viel
intereffantes und lehrreiches Material in möglichft zu-
fammengedrängter Form enthält. Indem der Verf. von
jeder anderen Gruppierung abfieht, wählt er als Hauptgliederung
,die zwar äufserlichfte, aber auch objektivste
nach den Quellen felbft'. Es ergiebt fich ihm hiernach folgende
Dreitheilung: A) Anfangsreihe: Galiläifche
Gleichnis-Gruppen nach Mt. 9. 13, ergänzt aus Mk.
und Lc. B) Mittelreihe: Gleichniffe aus der Zeit der
Wanderung nach Jerufalem, nach Lc. 9—19, ergänzt
aus Mt. C) Schlufsreihe: Gleichniffe aus der
Kampfes-Endzeit in Jerufalem, nach Mt. 21—25,
ergänzt aus Mt. und Lc' Innerhalb diefer Hauptgliederung
werden die Parabeln theils einzeln, wie z. B. der ungerechte
Haushalter oder der barmherzige Samariter, theils in
Paaren, Triaden und Gruppen behandelt. In Beziehung
auf die Erklärungsweife geht der Verf. unter Hinweifung
auf Jülicher's .geradezu epochemachendes und belehrendes
Werk' von den Grundfatze aus, einen fcharfen Unter-
fchied zwifchen Allegorien und Parabeln zu machen. Jene
find ,in allen ihren Theilen aus der uneigentlichen Redeweife
in die eigentliche umzudeuten. Erft dann wird ihr
bildlich verhüllter tieferer Sinn verftändlich .... In
Parabeln dagegen wird nicht verhüllt, fondern grade
veranfehaulicht; die aus dem Leben gegriffene Bildhälfte
ift ohne weiteres klar und bedarf, da fie für fich ganz
eigentlich gemeint ift, keiner Deutung mehr, fondern nur
der Anwendung auf die andere, meift nur kurz genannte
oder gar verfchwiegene ,Sachhälfte'. Es kommt alfo
darauf an, den ,Vergleichungspunkt' zu finden, um
den Kerngedanken ,dieEndabficht einer Parabel zu finden'
(S. 2. 3). Das ift auch unfere Meinung. Nebenfächliches
darf nicht ausgedeutet werden. Ifl der Hauptgedanke
klar und fcharf erfafst, fo ergibt fich alles übrige von
felbft. ,Allgemeiner Endzweck der Gleichniffe
Chrifti ift die Belehrung über das durch ihn auf Erden
begründete Gottesreich'(S. 13). Im befonderen find
fie ,1) ein Belehrungs- und Veranfchaulichungs-
mittel zum Verftändnis; II) ein Erziehungs- und
Reizmittel zu tieferem Intereffe; III) ein Prüfftein zur
Unterfcheidung der Empfänglichen und Unempfänglichen;
IV) ein richterliches Mittel göttlicher Vergeltung'.

2. ,In grofsen Zügen' hat Koppelmann ,die im
vorigen Heft ftillfchweigend vorausgefetzte Weltanfchau-
ung Jefu' in diefem zweiten Hefte der Sittenlehre
Jefu ,darzuftellen verfucht'. Es ift die ,Lehre vom
Reiche Gottes', die hier vorgetragen wird und zwar behandelt
der erfte Theil ,die frohe Botfchaft vom Reiche

Gottes' (S. I—37) der zweite ,das Bewufstfein der Zugehörigkeit
zum Reiche Gottes als Grundlage der chrift-
lichen Sittlichkeit' (S. 37—45). Nach einander werden
im erffen Theile der natürliche Menfch, die Widergeburt
als die Bedingung des Eintritts in das Reich Gottes, das
Heil des Gottesreiches hier auf Erden uud in der zukünftigen
Welt und das Kommen des Gottesreiches auf
Grund forgfältiger und eingehender Schriftauslegung behandelt
. Der zweite Theil wird mit den Worten eingeleitet
: ,Auf dreierlei kommt es bei der Sittlichkeit an.
Das erfte und wichtigfte ift die fittliche Gefinnung . ..
d. i. der Menfch mufs das Gute wollen. Dann mufs
er aber auch die richtige fittliche Erkenntnis haben, er
mufs wiffen, was gut ift. Endlich mufs zu dem Wollen
und zum Wiffen das Handeln, die fittliche Energie
hinzukommen'. Die dref Abfchnitte diefes Theiles ergeben
fich hiernach von felbft, indem das Bewufstfein
der Zugehörigkeit zum Reiche Gottes zunächft als Grundlage
der fittlichen Gefinnung, dann als Quelle der chrift-
lichen Erkenntnifs (der heilige Geift als Erkenntnifsprincip)
und fchliefslich als Wurzel der fittlichen Energie und
Triebfeder zum fittlichen Handeln gefchildert wird. ,Eine
grofse allumfaffende Aufgabe ift den Kindern des Reichs
geftellt' heifst es am Schluffe der lichtvollen und eindringlichen
Ausführungen des Verfaffers. ,Sie (die Kinder des
Reichs) follen das Licht der Welt, das Salz der Erde fein'.
„Wenn aber das Salz dumm wird, womit foll man
es falzen?" (Matth. 5, 13; vergl. Luc. 14, 34).

Crefeld. F. R. Fay.

Koetsveld, C. E. van, Kinderpredigten. Aus dem hol-
ländifchen überfetzt von Pfarrer Dr. O. Kohlfchmidt.
2. Bd.: Zehn Kinderpredigten über neuteftamentliche
Texte. Leipzig, F. Jansa, 1896. (III, 115 S. gr.8.) M. 1.50;

geb. M. 2.—

Das Lob, das ich dem erften Bändchen von Koets-
veld's Kinderpredigten in der Theol.-Lit.-Ztg. 1896 Nr. 10
gefpendet habe, kann ich in Betreff des zweiten nur wiederholen
. Die ziemlich naheliegende Beforgnifs, dafs die
Wahl neuteftamentlicher Texte der dort fo rühmens-
werthen Anfchaulichkeit Eintrag thun möchte, erweift
fich bei der Lektüre als unbegründet. Schon die Wahl
der Texte ift eben ausgezeichnet: die Geburtsgefchichte
Johannes des Täufers, die Flucht nach Aegypten, Speifung
und Seewandel, der Spruch Matth. 6, 26, Judas der Verräther
, die Verleugnung des Petrus, die Erfcheinung des
Auferftandenen am See Tiberias, Petri Befreiung aus dem

I Kerker, der Schiffbruch des Paulus und 1. Jon. 3,7 a bieten
die Unterlage für diefe Predigten dar. Jedoch ift eigent-

I licher, zur Verlefung kommender Text jedesmal nur ein
Vers, und es dient dann in ausgezeichneter Weife zur
Erregung der Spannung, wenn von hier aus die ganze
den Context bildende Gefchichte zur Entwickelung kommt:
da entfaltet fich das eminente Erzählungstalent von K.
aufs Glänzendfte; die Verleugnung des Petrus und den

j Schiffbruch des Paulus möchte ich in diefer Beziehung

] befonders hervorheben, während mir die Zeichnung des
Judas weniger geglückt erfcheint. Die Art, wie die
Wundergefchichten der Speifung und des Seewandels
den Kindern durch natürliche Analogien nahegerückt
werden (S. 28. 31), ift höchft gefchickt. Und wie frifch,
mit welch lebendiger, gefunder Phantafie, wie einfach,
wie herzlich wird Alles vor Augen geführt! Wie reizend
ift die Kunft, mit der der Verf. aus Lc. 1, 66b. die ernften
religiöfen Gedanken des Neujahrsfeftes entwickelt und
für kindliche Gemüther fafsbar zu machen weifs! Bietet
der Text felbft nichts Gefchichtliches dar, fo wird diefes
anderwärtsher ungezwungen beigebracht. Und auch die
tieferen Fragen, die ein folcher Text anregt, werden nicht
vergeffen und wie fpielend gelöft (Vgl. S. 41 und 43 über
Matth. 6, 26). Die Anwendung ift überall einfach, gefund,