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Ausgabe:

1897 Nr. 11

Spalte:

296-298

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Paul, Ludw.

Titel/Untertitel:

Die Vorstellungen vom Messias und vom Gottesreich bei den Synoptikern 1897

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. II.

296

Eigennamen ift neuerdings hinzugekommen die umfichtige
und vorfichtige Unterfuchung von dem Oxforder G.
Buchanan Gray, Studies in Hebrew proper names,
London 1896.

Alles, was zu bemerken ich mir erlaubte, foll dem
verehrten Vf. nur mein Intereffe für feine Arbeit, feine
allgemeine und diefe fpecielle bekunden. Mit den Aus-
ftellungen, als einer Beglaubigung meines Lobes, habe
ich wie mit diefem den vorliegenden Theil des Buches
empfehlen wollen.

Die Ueberfetzung lieft fich fliefsend. Auf S. 271 hat
in einem Satz eine Verwirrung ftattgefunden. Nach dem
mir durch den Herrn Herausgeber freundlichft mitge-
theilten holländifchen Wortlaut ift, wie er felbft bemerkt,
ftatt ,mit Ausnahme' zu fetzen .aufser', dann aber auch:
/Atar-'ate, der . . . verehrten Göttin', und das ,wie' ift zu
ftreichen. Auf S. 446 wünfeht der Herausgeber die unrichtige
Berichtigung zu S. 259 getilgt zu fehen.

Marburg i. H. Wolf Baudiffin.

Brooke, A. E., M. A., and M°Lean, N., M. A., The
book of Judges in Greek, aecording to the text of
Codex Alexandrinus. Edited for the Syndics of the
University Press. Cambridge, University Press, 1897.
(VII, 45 S. 8.)

Nach Form und Beftimmung fchliefst fich dies
hübfehe Bändchen ganz an die Septuaginta-Ausgabe von
Swete an, über welche Schürer in diefer Zeitung berichtet
hat (1887, 24. 91, 13. 94, 26). In der letzteren
ift behn Buch Tobit und Daniel ein doppelter Text
gegeben worden; ähnlich hätte es auch fchon beim Richter- j
buch gefchehen follen, von welchem im Codex Vatica-
nus und Alexandrinus zwei ganz verfchiedene Ueber- :
fetzungen vorliegen. Denn es ift zu unbequem, die eine
Ueberfetzung aus den Varianten unter dem Text der j
andern heraus zu klauben; und künftige Collationen, 1
denen die Ausgabe als Grundlage dienen foll, wären
dadurch wefentlich erfchwert worden. Darum ift es
doppelt zu begrüfsen, dafs die Verwalter der Univerfi- 1
tätspreffe befchloffen haben, für das Richterbuch nun
auch den Text des Codex Alexandrinus durch die beiden
Herren, denen die Vorbereitung der grofsen Ausgabe
aufgetragen ift, für fich vorlegen zu laffen. Sie folgten
dabei Thomfon's Photographie von 1881, und F. G.
Kenyon vom Britifchen Mufeum hat die Stellen, wo
eine Correctur vorliegt, im Original nachgefehen. Es
.find deren verhältnifsmäfsig wenige, die meift von dem
Schreiber felbft (A1) oder dem principal reviser (Aa)
herrühren; letzterer nicht viel fpäter als der Schreiber,
Ende des 5. oder Anfang des 6. Jahrhunderts. Wo die
Herausgeber von der Hdf. abweichen, haben fie ihre Lesart
unter dem Text gegeben. Im allgemeinen ift cod.
A im Richterbuch ganz gut erhalten und gehört zu den
leicht lesbaren Hdfch., fo dafs man erwarten dürfte, über
ihn nun völlig ficher unterrichtet zu fein. Aber die
Herausgeber haben es, wie es fcheint, unterlaffen, ihre
Lefung mit der ihrer Vorgänger zu vergleichen und fo
kommt es, dafs fie Unrichtiges bieten, wo ihre Vorgänger
(Tifchendorf-Neftle und Swete) fchon das Richtige hatten.
Beifpiele 6,5 ihacp&eigeiv ftatt diacpthgeiv, 9,24 avdgua
Imi/tojv ftatt avdgaoi/.i/uov, 31 Aßeö ftatt Aßel (in der
Hdf. ficher A nicht J), 35 Aßet, Swete Zaßer, das Richtige
nur beim Unterzeichneten, fchon 1887, A* laßer, A2
Aßer, über dem 27 deutlich der tilgende Punkt1). Ganz felt-
fam ift, dafs fie zu 21, 17 unter dem Text mit Swete angeben
, die Hdf. habe diaoeoco/tevr], während A ganz deutlich
das von ihnen in den Text gefetzte öiaoeocoo/ievr] hat.
Unbeachtet blieb auch, dafs 2,1 das v von to/iooev einen

1) Nicht vermerkt ift auch, dafs in eo&aoX 18,2 0 aus 1 corrigirt
fcheint; 16,17 glaube ich aüriyyetXev, nicht aNrjyyedev lefen zu dürfen.

i (Tilgungs-) Strich hat und 13,25 vor Jav von A2 ein
Trennungszeichen eingeführt ift. Der Unterzeichnete
hat nicht das ganze Buch aufs neue nach der Photographie
controllirt, feine vor Jahren ausgeführte Nachprüfung
Tifchendorfs genügte, diefe Mängel hervorzuheben
. In einer Hinficht erfreulicher fiel die Probecollation
aus, die er jetzt mit c. 5 anftellte; im Text konnte er
keinen Fehler entdecken, auf der anderen Seite ift um
fo feltfamer, dafs die Herausgeber gar nicht daran gedacht
zu haben fcheinen, der Strophentheilung der Hdf.
irgend welche Beachtung zu fchenken. Das zweite
ekeletxev in v. 2, Povßttv v. 18, etrcev v. 23 z. B. fängt
je eine neue Strophe an. Nicht wie wir auf Grund des
Hebräifchen die Strophik auffaffen, fondern wie die Hdf.
fie bietet, mufs man doch für fpätere Collationen wiffen.
Während der Unterzeichnete gewünfeht hätte, dafs die
Herausgeber in diefem Stück der Hdf. treuer geblieben
wären, bedauert er aufs neue, dafs man in Cambridge
; fich nicht entfchliefsen konnte, bei wirklich fehlerhaften
Lesarten dem Beifpiel Grabe's von 1709 zu folgen und
in usutn Delpliini das Richtige auf den äufseren Rand
zu fetzen. Was fängt ein Lefer mit 5,8 an?

0/16717] veavidtov aiQcipdoxojv
i'vrpfy.ai oigouuovr]q.
Wir wiffen ja nicht einmal, ob A fo oder nicht vielmehr
oxenrjv eav i'dtov (=ei8ov odert'dw), äi?'/cpiir] oder uv rßpür]
abgetrennt wiffen wollte; und dafs letzteres aus uv o<p{ri~j
entftand, ift doch auch ficher, wenn auch nicht fo leicht
zu fehen1). Doch das hängt mit dem Princip zufammen,
und mag von uns bedauert, kann aber nicht zum Vorwurf
gemacht werden. Ein Vorwurf, ein fehr ernftlicher
fogar, mufs in einem anderen Punkt erhoben werden:
Die Herausgeber fcheinen mit den Regeln der griechi-
fchen Grammatik nicht vertraut genug. Was foll in dem
' angeführten Beifpiel oigouuorwv'i Selbft wenn der No-
mantiv — uGrr]C und nicht — aorrjg heifst, mufs doch
| der Genetiv — aorom heifsen, und wer fchreibt heutiges
1 Tags noch die Aoriftformen von al'gco mit Jota sub-
scriptum (f. 1,20. 21. 28. 20.. 30. 31. 33; 2,4; 9, 7. 49; 21,2,
i nur einmal 11,23 richtig igrjoev) oder /.a/ini mit einem
folchen 14,16? Auch fonft find die Herausgeber nicht
confequent; neben rrgög /it, was richtig fein wird (10,12.
12,3. 16,10.13) erfcheint ugög iie 4,18. 11,7.12. 13,6. 10,
neben Maväe zur Abwechslung 13,2 Mavcoe; f. auch
einer /.101 13,7 orgaTEiä onv 8,6 (was trotz ähnlichen Bei-
fpielen bei Tifchendorf und Weftcott-Hort nicht zu
billigen fein wird), /ir/zrore bald als ein Wort, bald getrennt
; auch die Unterfcheidung von Kvgiog (grofs) und
b xvgiog (klein) ift nicht ganz durchgeführt, 2,10. 11,27. 30.

Von diefen Anftänden abgefehen, ift die Ausgabe
fehr correct, nur im Vorwort hätte noch Moore erwähnt
werden follen, und es ift fehr gut, dafs die Herausgeber
J Gelegenheit hatten, an diefer kleinen und verhältnifsmäfsig
leichten Aufgabe eine Probe zu machen, ehe fie
die beneidenswerth grofse beginnen, die ihnen geftellt
ift. Nur um diefe zu fördern, hat der Unterzeichnete
mit der offenen Ausfprache feines Urtheils nicht zurückgehalten
.

Ulm. Eb. Neftle.

Paul, Prof. Dr. Ludw., Die Vorstellungen vom Messias und
vom Gottesreich bei den Synoptikern. Bonn, Cohen 1895.
(VIII, 130 S. gr. 8.) Mk. 2.40.

Paul giebt eine Darftellung des Selbftbewufstfeins
und der Predigt Jefu unter dem ausfchliefslichen Gefichts-

l) Welch fchlimme Folgen diefe Enthaltfamkeit hat, dafür nur ein
Beifpiel aus dem neugefundenen hebräifchen Sirach. Cowley und Neubauer
drucken zur Vergleichung Swete's Text, alfo 42,17 wvflötoev ynv;
nun mufs fich jedermann abkreuzigen, wie das mit derr. hebräifchen
131t« bmi auszugleichen fei; hätte man das richtige wöivrjaev, das alle
früheren Ausgaben im Texte hatten, nur wenigftens auf den Rand gefetzt
, fo wäre alles klar gewefen.