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Ausgabe:

1897

Spalte:

243-248

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brooke, Dean A. E.

Titel/Untertitel:

The commentary of Origin on S. John‘s gospel 1897

Rezensent:

Koetschau, Paul

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243

Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 0.

244

(1. Kor. 15, 44 ff.) ,aus einer der transcendentalen
Region entflammenden Subita nz rückfichtlich feiner
Leiblichkeit geformt fei.' Ein Selbftwiderfpruch fpringt
heraus, wenn Kl. auf S. 84 (ad. 1, 23) von einer Neubekleidung
mit einem ,geiftlichen Leibe' redet,während
er S. 224, A. I (ad. 3, 20 f.) uns belehrt, dafs PI. die
Auferftehung nicht als eine Neubeleibung, fondern
als eine Umgeilaltung vorgeftellt habe.

Schliefslich kann Ref. nicht die Bemerkung unterdrücken
, dafs zu der inhaltlichen Tüchtigkeit des
Commentars feine formelle Seite in einem ftarken
Mifsverhältnifs fteht. Diction, Stil und Conftruction des
Verf. find fehr hart, unfchön und fchvverfällig, zuweilen
geradezu incorrect und jedenfalls fehr reform- und
correcturbedürftig. Lange, undurchfichtige, die Parti-
cipia und Präpofitionen und fubftantivirten Infinitive
hart neben einander fchiebende Schachtel-Sätze finden
fich häufig. Von den etwa 32 notirten Stilperlen fei
wenigftens eine dargeboten: ,(Recurs nimmt) auf fein
nach dem durch das Gefetz vermittelten dem Gefetze
Abgeftorbenfein ganz Gotte gewidmetes Leben' (S. 210).
Ift das noch Deutfch?

Trotz des gerügten ftarken formellen Mangels kann
Kl.'s gründlicher und befonnener Commentar allen
Freunden eines ernften Schriftftudiums nur recht warm
empfohlen werden.

Friedberg i. Heff. W. Weiffenbach.

Brooke, Dean A. E., The commentary of Origen on S. John's
gospel. The text revised, with a critical introduction
and indices. 2 vols. Cambridge, University Prefs,
1896. (XXVIII, 328 und VII, 346 S. 8.) Geb. 15 s.

In der Cambridger Sammlung von Handausgaben
patriftifcher Texte ift auf Robinfon's Philokaliaausgabe
(vgl. ThLZ. 1894. Nr. I Sp. 21—24) Brooke's Ausgabe
des Johannes-Commentars des Origenes gefolgt. Ueber
die hs. Grundlage deffelben hat Br. theils in der Einleitung
zu seiner Schrift ,The Fragments of Heracleon'
(= Robinfon's Texts and Studies vol. I Nr. 4 p. 1—30)
ausführlicher, theils in der Einleitung zu feiner Ausgabe
p. IX sqq. kürzer gehandelt. Folgende 9 HSS. sind vorhanden
: I. Cod. Monacensis gr. 191 s. XIII. chart. (M),

2. Cod. Venet. gr. 43 a. 1374 perg., 3. Cod. Reg. Paris.
455 s. XVI., 4. Cod. Barberin. I gr. V 52 s. XV.—XVI.,
5.Cod.Barberin.il gr.VI 14s.XV—XVI., 6.Cod. Batoped.
(Athos) 611 s. XV., 7. Cod. Matrit. O 32 a. 1555, 8. Cod.
Bodleian. Mise. 58 s. XVII., 9. Abschrift von Nr. 8, von
Herbert Thorndike angefertigt, Trinity College, Cambridge
B 9, 11. Die unter Nr. 10 von Br. erwähnte HS. ift sicherlich
mit Nr. 4 identifch. Br. hat nun feftgeftellt, dafs
Nr. 4. 6. 7. 8 von Nr. 2, und Nr. 2. 3. 5 von Nr. 1 IM)
abgefchrieben find; feine Ausführungen in der Einleitung
p. XIII—XVIII (gegen E. Preufchen, in Harnack's Gefch.
d. altchriftl. Litt. I 391) fcheinen mir M als einzige Quelle
von Nr. 2 richtig nachgewiefen zu haben. Demnach ruht
die direkte Ueberlieferung des Johannes-Commentars eben-
fo wie die der Schrift gegen Celfus nur auf je einer HS.
des XIII. Jhrhs., eine Tnatfache, die vielleicht nicht ganz
zufällig ift.

Bei einer fo fchmalen Ueberlieferung hatte der Herausgeber
eine dreifache Aufgabe: 1. den Text von 71/ mög-
lichft genau feftzuftellen, 2. alle erreichbaren Hilfsmittel,
wie Abfchriften und Ausgaben und befonders die indirekte
Ueberlieferung in denCatenen und Citaten fpäterer
Kirchenväter, fo vollftändig wie möglich heranzuziehen,

3. den Text felbft gründlicn durchzuarbeiten und durch
Conjectur nach Kräften von Fehlern zu fäubern. Wenn
nun auch nach dem Plan der Sammlung die Einleitung
kurz fein mufste, fo hätte doch zu der wunfehenswerten
genauen Befchreibung von 71/ durch gröfsere Knappheit
in Nebenfachen Raum gewonnen werden können. Br.

fagt zwar p. XXI, dafs der Archetypus von M ,must
have been written in cursive Script', giebt aber keine
Belege zu diefer Behauptung. Ferner vermifst man Kriterien
zur genaueren Beftimmung des Alters von M, die fich
bei der Collation der HS. leicht finden laffen. Dafs Spiritus
und Accent nicht verbunden find (in meiner Collation,
in der nur das X. Buch fehlt, find 3 Ausnahmen bei Sri;
I 11622 1574 31028, und 1 bei oVrep, I 13312, notirt), dafs
an mindeftens 6 Stellen (I 3321 9921 12328 13024 1371s II 43s)
j End-v durch einen Horizontalstrich über dem vorhergehenden
1 bezeichnet ift (vgl. W. Wattenbach, Anleitung
zur griech. Pal.3 S. 105), und dafs die Buchftabenformen
am meinen den von V. Gardthaufen auf Taf. 9, Columne
I—5, feiner Griech. Palaeographie gegebenen Proben ent-
fprechen: diefe und andere Kriterien, wie Jota adfeript.
(feiten), laffen den Codex Mon. eher am Schlufs des XII.
oder Anfang des XIII. s. gefchrieben erfcheinen, als fpäter.
Da ferner die Orthographica in dem abgekürzten Apparat
auszufchliefsen waren, hätte einiges der Art in der Befchreibung
der HS. mitgeteilt werden follen, z. B. int-
ay.aßdCtzai I 28332 tßwvvawv II 7914 ytßtodai II 10314 (',ßr,-
qdazrjOt(i) hat Br. II 371 notirt) öidzqievtv I 28927, oder
tOÖQar}i I 27411 31324 II 7225 909 137s.S 13810 lödgarjHzrjv
117222 laöoarjlslrai 11 11324 (vgl. Br. 117913), oder Isla-
Irj/.ei II 1425 ne7ioiixei II 5511, oder d7roXr//////t/<tTot I 3412
nqnakz\\\nzdijv 3627 yMzdkrp\\h[iig 1542 verglichen mit
krjiiipöitavog 14416 iiaza?-rtiicpl>atg 2705 (ähnlich 27024 276s
28627 29119 2926 30314 30523 II3S5 482 558 6634 671 9819
1006 10329) und drcoy.ci?.viirpirdvzng I 11428; auch wäre ein
Hinweis darauf, dafs in 71/ fehr häufig (ich habe etwa
94 Fälle gezählt) v vor z, y, 7, rp, x]<, 77, a, 11 nicht affi-
milirt wird, nach den neueften Unterfuchungen über diefe
Orthographica dankenswerth gewefen. Von den z. T.
recht intereffanten Randnotizen I. Hand giebt Br. nur
eine Probe II 2037 und druckt von der ,short preface'
(10 Zeilen auf Fol. inv [Rubrum] von I. Hand) leider
nur den Anfang und den Schlufs. obwohl fie für die
Beurteilung der Vorlage von 71/ nicht unwichtig ift. Ich
gebe von den aus dieser Vorlage flammenden Marginalien
hier einige Beifpiele. I 2114 am obern Rand von Fol. 119'

orj ort wqiydvTqg ddyszai zbv 7ioiudva (der Hirte war alfo
dem Marginator wohlbekannt) 4724—30 iiaqy.umnazia zqelg
dqy(ag) ke(yovaa), uyaübv dlx(ctiov) xai wavkov 4827—30

aij oxi alkr/v wv t'/.npuy(a) kd(ysi) zd dazqa 5512—22 zplva-
qeüg plötxryv alqezixd- -Hsog yetq z]v dei y.cti avzng eaztv 7)
aowia ov/. dkkrj zj anwt'a xal avzng ev avzw' nvze urrv
ovyx.qt(aiv) nqbg zag koyixag övvdiuiq htiddyazai. dkl'

nvziog ekkrpv VTzdqyaig 9325—27 or navoov dvs uqsiaviCiov
10929 fr. zbv xazet zoiq yqovovg zov iiag~i[tlvov eyeqd-dv(za/
xazd z7tg ixxkri(<tf)ag oicoy/.ibv alvizzezaz 11714—20 qll~a
dqaiavLazwv xai aqyt 3272~~'i* llrlv vec zeqaza yio-
qigziiiv cz]lieuüv abqrpzai, log fv ztj lüdrj zij iiszd zr)v did-
ßaaiv zrjg eqvd-q(äg) dvaze&flor/ zw Öew' d-aviiaozbg ydq
cprjOiv svdo^ag noiwv xtqaxa (vgl. Exod. 151.11). Endlich
erwähnt auch Br. die in 71/ noch erhaltenen Quaternionen-
zahlen nicht; und doch beweift allein fchon die Zahl Ty
auf Fol. 208' von I. H., dafs der Johannes-Commentar
früher ein felbftändiges Ganzes gebildet hat und erft
fpäter mit dem Matthäus-Commentar zufammengebunden
worden ift. Auf Fol. 295r ift noch eine zweite Zahl, nämlich
TM erhalten geblieben, die übrigen find ganz oder
z. T. beim Einbinden weggefchnitten worden. 71/ ift offenbar
eine recht getreue Copie feines Archetypus, nur die
z. T. recht mangelhafte Accentuation und Worttrennung
ift wohl auf Rechnung des Schreibers von 71/ zu fetzen.
Der Archetypus hat, da weder Anfang noch Schlufs des
Johannes-Commentars in 71/verftümmelt ift, ficher diefelben
Bücher und in derfelben Reihenfolge (1. 2. 6. 10. 13. 19.
20. 28. 32) wie die Abfchrift enthalten. Eine fpätere
Hand hat in M am Rand eine Neueinteilung des Ganzen
in 32 BB. beigefügt, die sich auch im Cod. Ven. 43 findet
| und von Ambrosius Ferrarius in feiner lateinifchen Ueber-