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Ausgabe:

1897

Spalte:

1-2

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zimmern, Heinrich

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Kenntnis der babylonischen Religion. 1. Lfg 1897

Rezensent:

Jensen, Peter

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schlirer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N°- 1. 9- Januar 1897. 22. Jahrgang.

Zimmern, Beiträge zur Kenntnifs der babyloni-
fchen Religion. 1. Lfg. [Afiyriolog. Bibliothek
XII] (Jenfen).

Zimmern, Vater, Sohn und Fürfprecher in der
babylonifchen Gottesvorftellung (Jenfen).

Rogers, Outlines of the history of early Baby-

lonia (Jenfen).
Nikel, Herodot und die Keilfchriftforfchung

(Jenfen).

Schwarz, Sintfluth und Völkerwanderungen
(Marti).

Diehl, Erklärung von Pfalm 47 (Marti). | Holtzheuer, Das Abendmahl und die neuere

Holl, Die Sacra Parallela des Johannes Damas- Kritik perf.).

cenus [Texte und Unterfuchungcn von Geb- j Baur, Aug., Die Weltanfchauung des Chriften-

hardt und Harnack XVI, 1] (Wendland). 1 thums, 2. Aufl. (Ritfehl).

Hauck, Kirchengefchichte Deutfchlands 3. Thl. 1 ~alfo"rDie^Gmndlagen des Glaubens (Wendt).

Hälfte (Loofs). 1 D°IP.fe^.GeTmmelte Schriften, it. Bd. Zur

Ethik (Thieme).

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Reinecke, Gefchichte der Stadt Cambrai bis
zur Erteilung der Lex Godefridi 1227 (Car-
tellieri).

Hoffmann, Rieh. Adf., Die Abendmahlsgedanken
Jefu Chrifti (Lobflein).

Evangelifcher Katechismus, herausgegeben von
der Bezirksfynode Wiesbaden (Joh. Bornemann).
Maurer, Handbuch zu dem von der Bezirksfynode
Wiesbaden herausgegebenen evange-
lifchen Katechismus (Joh. Bornemann).

Zimmern, Prof. Dr. Heinr., Beiträge zur Kenntniss der babylonischen
Religion. 1. Lfg. Die Befchwörungstafeln
Surpu. [Affyriologifche Bibliothek, hrsg. von Fr. De-
litzfch u. P. Haupt, XII.] Leipzig, Hinrichs, 1896. (IV,
80 S. m. 19 autogr. Taf. gr. 4.) M. 20. —

Zimmern fleht im legendären Ruf der Sorgfalt,
Pünktlichkeit und Solidität. Wenn diefer auch nicht in
jeder Beziehung berechtigt ift, foviel ift ficher, dafs unter
Allem, was bisher von den Affyriologen an umfangreicheren
Bearbeitungen religiöfer Texte geliefert worden
ift, neben feinen ,Babylonifchen Bufspfalmen' das
oben genannte Werk durchaus den erden Platz bean-
fpruchen kann. Von den vielleicht 9 Tafeln der höchd
reichhaltigen fogenannten Surbu- oder Surpu-Scrie war
allerdings fchon ein grofser Theil veröffentlicht. Aber
nur zwei davon hatten eine leidliche philologifche Behandlung
erfahren. zimmern hat mit der nie vertagenden
Hülfe bezold's und feines Catalogue nach Kräften die

hervorgehoben werden müffen, wieviel daran unficher id.
Der Laie — und auch der Affyriologe — wird z. B.
nicht begreifen können, warum pa im Gegenfatz zu [ur]
in Z. 2 und 3 ,Krone', dagegen in Z. 10 und 11 ,Blüte'
heifsen mufs.

Ob ZiMMERN's Verfuch, die Texte nach dem Rhythmus
abzutheilen, ganz gelungen id, möchten wir hier unerörtert
laffen. Dagegen halten wir es bedimmt für unangebracht,
die rhythmifche Eintheilung auch auf die Ueberfetzung
zu übertragen. Das wäre nurgedattet, wenn jede einzelne
metrifche Einheit des Textes in der Ueberfetzung vertreten
fein könnte, was aber nur bei vollkommenem Verzicht
auf eine treue Wiedergabe des Originals denkbar
wäre. Da aber diefe die conditio sine qua non id, fo darf
man auf rhythmifche Gliederung in der Ueberfetzung
kein Gewicht legen.

Es ift zweifelhaft, ob die Serie Surpu oder Surbu
heifst. Es ift auch zweifelhaft, was der Name bedeutet
Zimmern meint (p. 3 Anm. 2), dafs er ,Verbrennung' be-

zu der Serie gehörigen Fragmente zufammengerafft, wie- deute und .hergenommen fei von den fymbolifchen mit
dervereinigt und, foweit dies nach den früheren Publi- Verbrennung endigenden Handlungen, welche innerhalb
cationen noch erforderlich war, in Autographie, fond in 1 der Sammlung vorkommen'. Allein wenn de das auch thun,
Transfcription veröffentlicht, überfetzt und dazu einen j j°. und fie doch weder für de charakteridifch noch auch

knappen Commentar und verfchiedene Indices geliefert.
Wir ftehen nicht an, Alles, abgefehen von den Ueber-
fetzungen und dem Commentar für muftergültig zu erklären
, und wenn wir dies nicht vom Ganzen fagen, fo
liegt das nur daran, dafs wir uns berechtigt fühlen, an
ZiMMERN's Gewiffenhaftigkeit die höchften Anforderungen
zu ftellen.

So grofs der relative Werth der Ueberfetzungen ift, fo
darf doch nicht verfchwiegen werden, dafs man, eben

fpielen de darin eine hervorragende Rolle. Auch ift ein Wort
surpu mit der Bedeutung .Verbrennung' nicht bezeugt,
ja fogar unwahrfcheinlich. Wenigftens gibt es, foweit
ich fehe, im Affyr. keine von einem Trandtivum abgeleitete
Form Fulu mit Indnitivbedeutung. Dagegen
exiftirt ein Wort surpu oder Surbu, ein Synonym von
zunnu = ,Regen', für das suripi in I R 28, 14a (= .Kälte',
.kaltes Fieber' oder .Schauer') ein p vermuthen läfst, aber
suribat und surbat. falls mit delitzsch (Handwörter-

weil Zimmern der Verfaffer ift, öfter äls 20 oder 30mal j buch p-688f.) = .Schauer', ein b. Es fleht Nichts der An-

ein Fragezeichen vermifst oder auch wünfehen möchte,
dafs Zimmern weniger frei überfetzt hätte. Nur eine,
wenn nöthig, bis zur Gefchmacklodgkeit wörtliche Ueberfetzung
aus dem Affyrifchen kann meines Erachtens bis
auf Weiteres ftreng wiffenfehaftlich fein und dem Laien, der
de verwerthen will, ohne jede Gefahr in die Hand gegeben
werden. Denn diefer mufs daraus genau den Stand unferer
Erkenntnifs erfehen können. Eine freiere Ueberfetzung
— wie de auch Delitzsch nicht genügend vermeidet —
bedeutet nur zu oft eine Verfchleierung und Bemäntelung
unferer Unkenntnis. Im Commentar vermiffen wir
fehr häudg eine Rechtfertigung. Wir hätten diefen, trotz
ZiMMERN's Bemerkung im Vorwort, gerne etwas ausführlicher
gefehen, dagegen auf eine Ueberfetzung der 9ten
nur in fumerifcher Redaction und nur fragmentarifch vorhandenen
Tafel lieber Verzicht geleiftet. Jedenfalls hätte

nähme im Wege, dafs die erfte Surb(p)u-TaM mit diefem
Worte begann — wie die Befchwörungsformel auf
K 2507 etc. mit turubb(ppti) — und die Serie darnach ihren
Namen erhielt.

Es gereicht mir zur Freude, an der Spitze des Buches
ausgefprochen zu fehen, was auch ich ftets vertreten habe,
dafs es heutzutage noch ein Ding der Unmöglichkeit ift,
eine .Religion der Babylonier zu fchreiben'. Je mehr hervorragende
Texteditionen und -bearbeitungen von der
Art der oben befprochenen uns aber gefchenkt werden,
um fo näher rückt die Möglichkeit.

Marburg. Jenfen.

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